Adorno Archiv

 

Kontakt:
Christoph Gödde | +49 (0)69 60 60 77 14 | christoph.goedde@t-online.de  

Henri Lonitz | henri-lonitz@t-online.de                       

Das Theodor W. Adorno Archiv wurde 1985 von der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur gegründet. Nachdem der Plan, in Frankfurt am Main ein Archivzentrum aufzubauen, in welchem die Nachlässe aller Mitglieder der Frankfurter Schule hätten zusammengeführt werden können, vorläufig gescheitert war, wurde das Archiv dem Vorschlag Jan Philipp Reemtsmas folgend 2005 an dem Institut eingerichtet, das Adorno von 1958 bis 1969 selbst geleitet hatte.

Die Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur hatte den Gesamtnachlass von Gretel Adorno erworben und wurde nach einigen Jahren auch Eigentümerin jenes Teilnachlasses von Walter Benjamin, der sich zur Aufbewahrung im Besitz Adornos befunden hatte. Nach der Zusammenführung der anderen Teilnachlässe Walter Benjamins wurden das Adorno und das Benjamin Archiv auf der Ebene der Archivierung organisatorisch getrennt. Die gesamte Editionstätigkeit hingegen wird weiterhin von den Mitarbeitern des Adorno Archivs in Frankfurt, Christoph Gödde und Henri Lonitz, geleitet.

Die Archivierung des Nachlasses ist in seinen wichtigsten Teilen abgeschlossen. Nachträge und Ergänzungen werden im Berliner Archiv bearbeitet, das den vollständig kopierten Bestand des Adorno Archivs unterhält und den wissenschaftlichen Benutzer_innen zur Einsicht in die Schriften und Materialien offensteht.

Zum Frankfurter Archiv gehören – nebst einigen Gegenständen wie dem Stutzflügel und dem Schreibtisch – zum einen Adornos Privatbibliothek, die im sogenannten Blauen Salon des Instituts untergebracht ist, zum andern sein umfangreicher schriftlicher Nachlass.

Er enthält die gedruckten Bestände: die Bücher mit all ihren Neuauflagen und Übersetzungen sowie die Aufsätze und Artikel in Zeitschriften, Sammelbänden und Zeitungen. Weiter beherbergt das Archiv Manuskripte und Typoskripte, die etwa 80 000 Blatt umfassen, wovon ca. 55 000 Blatt archivierte Werkmanuskripte sind. Aufbewahrt werden zudem 45 philosophische Notizhefte, in denen Adorno Überlegungen und Formulierungen festgehalten hat, die häufig den Anfang eines Gedankengangs oder eines Werks bildeten. Adornos Vorlesungen liegen ab 1958 als Transkriptionen vor. Sie wurden auf Tonband aufgezeichnet und danach von den Sekretärinnen getippt. Von den älteren Vorlesungen gibt es Vorlagen in Form von Stichworten sowie einige Nachschriften, die Gretel Adorno stenographiert hatte. Auch von einer Vielzahl von Vorträgen und Gesprächen existieren Abschriften.

Adornos Briefwechsel ist ab 1949 mehr oder minder vollständig erhalten. Zur Korrespondenz gehören seine handschriftlichen Briefe bis 1928, die in Fotokopien vorhanden sind, sowie die späteren maschinenschriftlichen Briefe, die mit Durchschlägen getippt wurden. Je nach Ablageort, der nicht mit den Inhalten übereinstimmen muss, unterscheidet das Archiv zwischen Adornos Privatkorrespondenz, die etwa 20 000 Blatt umfasst, und der institutionellen und beruflichen Korrespondenz.

Von Adornos Kompositionen werden seine Handschriften sowie Abschriften und Blaupausen aufbewahrt, die zu Aufführungszwecken angefertigt wurden.

Im Zentrum der editorischen Tätigkeit steht gegenwärtig die historisch-kritische Gesamtausgabe der Schriften Walter Benjamins. Die Ausgabe, die neu erarbeiteten Editionsprinzipien folgt, ist auf 21 Bände angelegt und erscheint in gut handhabbaren Einzelbänden.