Forschung

 

Das Institut für Sozialforschung versteht seine Arbeit in der Tradition der Kritischen Theorie. Da sich die sozialen Verhältnisse seither ebenso tiefgreifend verändert haben wie die Instrumentarien ihrer theoretischen und empirischen Erforschung, kann die Kontinuität der Institutsarbeit selbstverständlich nicht in der Beibehaltung der ursprünglichen Theorie liegen. Vielmehr ergibt sich die Kontinuität aus der Absicht, die gegenwärtige Verlaufsform der kapitalistischen Entwicklung interdisziplinär und in der Perspektive einer theoretisch verallgemeinerten Deutung zu analysieren.

Das dabei verfolgte Ziel einer Verschränkung von einzelwissenschaftlichen Untersuchungen mit sozialphilosophischen Fragestellungen hat zur Prämisse, dass »Gesellschaft« nicht lediglich als ein »System« selbstregulativer Abläufe oder strategischer Handlungen, sondern als eine normativ strukturierte Ordnung zu verstehen ist, in der die Akteure um die Interpretation sphärenspezifisch institutionalisierter Normen und Werte kämpfen.

Um die vielfältigen und höchst widersprüchlichen Erscheinungen der gegenwärtigen kapitalistischen Entwicklung zu deuten, schlägt das übergreifende Forschungsprogramm des IfS vor, sie nach dem Muster eines paradoxalen Prozesses zu begreifen: Einerseits haben die sozialstrukturellen Wandlungen zu einer Vielzahl von unleugbaren Fortschritten sowohl in materieller als auch in rechtlicher und moralischer Hinsicht geführt. Andererseits werden die damit verbundenen Erweiterungen der individuellen Freiheits- und Autonomiespielräume im Zuge ihrer gesellschaftlichen Implementierung für große Teile der Bevölkerung zu einer schwindenden Option, tendenziell zunichte gemacht oder gänzlich in ihr Gegenteil verkehrt.

Eine ausführliche Darstellung des übergreifenden Forschungsprogramms findet sich in:

Axel Honneth und Ferdinand Sutterlüty 2011: Normative Paradoxien der Gegenwart – eine Forschungsperspektive, in: WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung 8. 1, 67–85.  lesen …

 

Weiterführende Literatur

Kai-Olaf Maiwald 2011: Modern und doch traditional? Paradoxien heutiger Paarbeziehungen, in: WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung 8. 1, 86–92.  | lesen …

Stephan Voswinkel 2011: Paradoxien entgrenzter Arbeit, in: WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung 8. 1, 93–102.  | lesen …

Ferdinand Sutterlüty 2011: Paradoxale Folgen ethnischer Gleichheit, in: WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung 8. 1, 103–116.  | lesen …

Martin Hartmann und Axel Honneth 2004: Paradoxien des Kapitalismus, in: Berliner Debatte Initial 15. 1, 4–17; englisch: Paradoxes of Capitalism, in: Constellations 13. 1 (2006), 41–58.

Axel Honneth 2003: Frei, aber abhängig. Zu den Paradoxien des Kapitalismus. Prof. Axel Honneth im Gespräch mit Ulrike Jaspers über die Zukunft des Instituts für Sozialforschung, in: Forschung Frankfurt 3–4, 84–89.  | lesen …

Axel Honneth (Hg.) 2002: Befreiung aus der Mündigkeit. Paradoxien des gegenwärtigen Kapitalismus. (Schriftenreihe Frankfurter Beiträge zur Soziologie und Sozialphilosophie, Band 1). Frankfurt a. M. und New York: Campus.