Eine neue Generation von Unternehmerinnen und Unternehmern? Habitusformationen, Mentalitäten und ökonomische Alltagstheorien bei jungen Selbständigen

Dr. Peter Schallberger

Gefördert durch den Schweizer Nationalfond (SNF) im Rahmen des nationalen Forschungsprogramms Bildung und Beschäftigung

Januar 2000 bis Dezember 2003

Das Projekt befasst sich mit der Identität von jungen Unternehmensgründerinnen und Unternehmensgründern in der Schweiz. Im Zentrum steht die Frage, aufgrund welcher Persönlichkeitsmerkmale und Geisteshaltungen es ihnen gelingt, die ökonomischen, kulturellen und sozialen Ressourcen zu mobilisieren, die für die Neugründung eines Unternehmens erforderlich sind. Anhand von Fallstudien soll insbesondere geklärt werden, welchen Einfluss das soziokulturelle Herkunftsmilieu und die individuelle Bildungsgeschichte auf die Entstehung unternehmerischer Habitus- und Mentalitätsformationen haben. Nebst der Struktur unternehmerischer Identität soll also auch deren Genese erforscht werden.

Ausgehend von den Fallanalysen wird eine allgemeine Typologie unternehmerischer Habitusformationen entwickelt. Die Typenbildung hat zum Ziel, differente Muster und Ausprägungen jungunternehmerischen Denkens und Handelns in der Schweiz systematisch zu erfassen. Dabei soll insbesondere geklärt werden, ob sich gegenwärtig eine neue Generation von Unternehmerinnen und Unternehmern formiert. Die von den Theoretikern der »Individualisierung« aufgeworfene These, wonach es neuerdings unternehmerische Lebensentwürfe gibt, die in keiner Weise mehr an familiäre, milieu- oder berufsfeldspezifische Traditionen anschließen, soll in diesem Zusammenhang einer empirischen Überprüfung unterzogen werden.

Dem Projekt liegt ein fallrekonstruktiver Forschungsansatz zugrunde: Die Fallanalysen sowie die Typenbildung orientieren sich am sequenzanalytischen Verfahren der Objektiven Hermeneutik. Insgesamt werden zirka 20 ausführliche Fallanalysen durchgeführt. Das Fallsample wird nach dem Verfahren des Theoretical Sampling zusammengestellt. Hierdurch wird sichergestellt, dass das Spektrum kontrastiver Einzelfälle möglichst breit ist. Bei der theoretischen Integration der Forschungsergebnisse wird auf den Grounded Theory-Ansatz Zugriff genommen.

Die Datenbasis des Projekts besteht aus zirka 90-minütigen, nicht-standardisierten (»offenen«) und vollständig transkribierten Interviews mit jungen Unternehmensgründerinnen und Unternehmensgründern. Leicht objektivierbare Falldaten (Daten zur sozialen Herkunft, berufsbiographische Daten, Daten zur Struktur des gegründeten Unternehmens) werden mittels eines standardisierten Fragebogens erhoben. In die hermeneutische Analyse werden außerdem Dokumente miteinbezogen, mittels derer sich die untersuchten Unternehmen nach außen hin darstellen. Es sind dies: PR-Unterlagen, Werbematerialien, Produktbeschreibungen, Unternehmensleitbilder, Geschäftsberichte, Organigramme, usw.

Das Projekt befasst sich vorwiegend mit Start-Up-Unternehmensgründungen in den folgenden vier Wirtschaftsbereichen:

 

Veröffentlichungen

Schallberger, Peter 2002: Eine neue Generation von Unternehmerinnen und Unternehmern?, in: Franz Horvàth (Hg.): Forum Bildung und Beschäftigung. Workshop-Dokumentation. Bern: Koordinationsstelle für Weiterbildung/Schweizerischer Nationalfonds.

Schallberger, Peter 2003: Identitätsbildung in Familie und Milieu. Zwei mikrosoziologische Untersuchungen. Frankfurt a. M. und New York: Campus.

Schallberger, Peter 2003: Motive unternehmerischen Handelns. Versuch einer auf Fallstudien basierenden Typologie, in: Claudia Honegger, Brigitte Liebig und Regina Wecker (Hg.): Wissen, Gender, Professionalisierung. Historisch-soziologische Studien. Zürich: Chronos, 87–108.