The Chances of the Second Generation in Families of Ethnic Entrepreneurs: Intergenerational and Gender Aspects of Quality of Life Processes

Prof. Dr. Ursula Apitzsch, Dr. Maria Kontos, Dr. Lena Inowlocki, Dipl. Soz. Anna Violetta Mayer, Irini Sioutis, Dipl. Soz. Donald Vaughn

Gefördert durch die Generaldirektion Wissenschaft der Europäischen Kommission, im Rahmen des Programms Research Technology and Development (RTD)

1. Dezember 2002 bis 30. November 2005

Die erwerbswirtschaftliche Selbständigkeit erfuhr in den letzten Jahrzehnten in vielen Europäischen Ländern einen bemerkenswerten Aufschwung. Insbesondere Migranten und Migrantinnen, eine soziale Gruppe, deren Arbeitsmarktintegration durch steigende Arbeitslosenzahlen in Gefahr gerät, weisen einen hohen Prozentsatz an selbständig Erwerbstätigen auf. Viele der Migrantenunternehmen basieren auf der Unterstützung durch ethnische und verwandschaftliche Solidarität, die in vielen Fällen zur Entstehung von Familienbetrieben führen. Die in den Migrantenunternehmungen vorherrschenden Arbeitsbedingungen und die daraus resultierenden Lebensbedingungen werden in der Literatur und dem öffentlichen Diskurs als ausgesprochen problematisch dargestellt. Intensive und aufreibende Arbeitsbedingungen werden mit Selbstausbeutung und Ausbeutung der Arbeitskraft von Familienmitgliedern gleichgestellt.

Die Ergebnisse des abgeschlossenen EU-Projektes »Self-employment activities of women and minorities« haben uns zur Relativierung dieser Sichtweise gezwungen. Unternehmerische Aktivität von Migrant/innen zeigte sich als ein komplexer Zusammenhang biographischer Strategien zur Überwindung sozialer Ausschlussbarrieren, der nicht nur aus reaktiven Handlungen, sondern auch aus dem kreativen Einsatz der Individuen besteht, mit dem diese ihre biographischen Ziele durchsetzen. Das Projekt verfolgt das Ziel, die Lebensqualität in Familienunternehmungen von Migranten zu untersuchen. Insbesondere soll die Lebensqualität der Gründergeneration mit den sozialen Chancen ihrer Kinder konfrontiert und gleichzeitig die geschlechtsspezifischen Auswirkungen dieses Verhältnisses untersucht werden. Im Projekt soll ein biographisches Konzept von Lebensqualität entwickelt werden, welches wir zunächst im Anschluss an das Konzept des »Human Development« sowie basierend auf der Idee der intergenerationalen Nachhaltigkeit entworfen haben.

Zentrale Hypothese des Projektes ist, dass, während die Eltern (in den meisten Fällen der Vater) mit seiner/ihrer Unternehmung einen biographischen Plan verwirklichen, die Kinder hingegen durch die Integration ihrer Arbeitskraft in den Familienbetrieb (beziehungsweise auch durch die Abwesenheit der stark eingebundenen Eltern) ihrer Bildungschancen beraubt werden. Die Kinder verpassen so die Chance, sich über Bildung in die Gesellschaft zu integrieren. Die Funktion der Familie als produzierende Einheit beraubt sie der Möglichkeiten, ihre sozialisatorische Funktion adäquat zu entfalten.

Das Projekt ist transnational vergleichend angelegt und untersucht ein Phänomen, das in langansässigen ethnischen Ökonomien auftaucht. Die meisten Projektpartner sind aus nordeuropäischen Gesellschaften. Außer Deutschland sind England, Frankreich und Dänemark beteiligt. Eine Partnerinstitution in Griechenland wird das Phänomen in einer sich neu etablierenden ethnischen Ökonomie untersuchen. Die Forschungshypothese wird mitttels der Methode des biographisch narrativen Interviews überprüft werden. Es sollen mehrere Mitglieder einer unternehmenden Migrantenfamilie interviewt werden. Es ist vorgesehen in jedem nationalen Projekt Mitglieder von 20 Familien zu befragen, die im Nahrungsmittelsektor unternehmerisch aktiv sind. Die Interviews werden nach der biographisch-interpretativen Methode analysiert. Die Analyse der Interviews wird zu berücksichtigen haben, dass es sich um aufeinanderbezogene, ineinanderverwobene Biographien handelt.

 

Projektpartner

Das Projekt ist eine transnationale europäische Studie, die durch das Projektteam am Institut für Sozialforschung koordiniert wird. Die Projektpartner sind:

Prof. Feiwel Kupferberg,
Dänische Pädagogische Universität Kopenhagen

Prof. Floya Anthias,
Oxford Brookes University

Prof. Mirjana Morokvasic,
Universität 10, Nanterre, Paris

Maria Liapi
Zentrum für Frauenstudien, Athen

 

Veröffentlichungen

Ursula Apitzsch (Hg.) 2000: Selbständigkeitsprojekte, in: Hessische Blätter für Volksbildung 1.

Apitzsch, Ursula und Maria Kontos (Hg.) 2003: Self-employment, Gender and Migration. Women in Non-Privileged Self-employment, in: International Review of Sociology 13. 1., Special Issue.

Kontos, Maria 2003: Ethnic Entrepreneurship and Self-employment policies in Germany,
in: Monder Ram and David Smallbone (Hg.): Ethnic Minority Enterprise: Policy in Practice. Sonderband der Zeitschrift Entrepreneurship and Regional Development 2.

Apitzsch, Ursula und Maria Kontos (Hg.) 2008: Self-Employment Activities of Women and Minorities: Their Success or Failure in Relation to Social Citizenship Policies. Wiesbaden: VS Verlag.