1. Soziale Ungleichheit
Der Arbeitskreis "Soziale Ungleichheit" befasst sich sowohl
mit Fragen der Restrukturierung von Arbeit vor dem Hintergrund der Dezentralisierung
von Unternehmensstrukturen, der Krise leistungsbezogener Gerechtigkeitskonzepte
und aktueller Tendenzen der Subjektivierung von Arbeit, als auch mit
Fragen sozialer Gerechtigkeit vor dem Hintergrund der Krise der Sozialpolitik
sowie mit der Rolle von Nichtregierungsorganisationen angesichts der
Krise der Staatenwelt. Im Mittelpunkt stehen zumeist Diskussionen zu
aktuellen projektbezogenen oder auf die Projektentwicklung bezogenen
Forschungsthemen.
2. Familiensoziologie und Psychoanalyse
Während der Arbeitskreis sich anfangs vor allem mit Themen des
Verhältnisses von Psychoanalyse und Entwicklungspsycholoie beschäftigte,
nahm er nunmehr ein neues Thema auf, indem Fragen der spezifischen Form
gegenwärtiger Identitäts- und Persönlichkeitsbildung
ins Zentrum traten. Die entwicklungspsychologische Thematik wurde unter
besonderer Berücksichtigung der Bedeutung von ursprünglicher
oder früher Intersubjektivität weiterverfolgt; hier beschäftigten
wir uns mit Texten, die die frühkindliche Bereitschaft zur Interaktion
entweder als Resultat der stimulierenden Fürsorgeaktivitäten
der Bezugsperson oder als angeborene Erwartungsschemata auf Seiten des
Säuglings betrachteten; zusätzlich diskutierten wir ausführlich
jene sprachanalytischen Rekonstruktionen des "Unbewussten",
wie sie heute im Umfeld der "Philosophie des Geistes" vorgenommen
werden (M. Cavell). Mit der Hinwendung zur Identitätsproblematik
sollte hingegen eine Fragestellung aufgenommen werden, die sich enger
mit möglichen Projekten im Bereich zeitgenössischer Wandlungen
von Persönlichkeitsstrukturen berührt; dementsprechend standen
im zweiten Halbjahr Texte im Vordergrund der Diskussion, die neue Phänomene
im sexuellen Verhalten (Reiche), in der Konstruktion von persönlicher
Identität (Keupp) und in der Organisation von familialem Leben
und Sozialisation (Nave-Herz, Honig) behandeln.
3. Gesellschaftstheorie
Aufgabe dieses Arbeitskreises ist es, eine Sichtung und Diskussion
neuerer Entwürfe der Gesellschaftstheorie vorzunehmen, um langfristig
in die Lage zu kommen, ein die unterschiedlichen empirischen Projekte
des Hauses umfassendes Theorieprogramm für das Institut für
Sozialforschung zu entwerfen. Dieses Programm wird auf die eine oder
andere Weise mit "Paradoxien der kapitalistischen Modernisierung"
befasst sein, was nicht heißt, dass in diesem Arbeitskreis nur
solche Texte verhandelt werden, in denen explizit von Paradoxien die
Rede ist. Der Arbeitskreis versteht sich als ein Diskussionsforum, in
dem all die theoretischen Fragen diskutiert werden können, die
in den "spezielleren" Arbeitskreisen des Hauses nicht zum
Zuge kommen können.
Bis auf weiteres beschäftigt sich der Arbeitskreis mit dem Thema
"Verantwortung und Gerechtigkeit". Dabei geht es vor allem
um die Frage, wie kann in der Zivilgesellschaft in gerechter Weise einer
Person Verantwortung zugeschrieben werden. Im Mittelpunkt der Diskussion
stehen die derzeit in verschiedenen gesellschaftlichen Lebensbereichen
häufig verwendeten Eigen- oder Selbstverantwortungspostulate, die
hinsichtlich der zugrunde liegenden Subjektkonstruktionen und deren
sozialen Voraussetzungen genauer untersucht werden. Dies geschieht in
einem interdisziplinären Zugang unter Zuhilfenahme von soziologischen
(Boltanski/Chiapello), sozialpsychologischen (Ehrenberg), philosophischen
(Heidegger, Heidbrink) und rechtswissenschaftlichen (Günther) Theorieansätzen.
Für den weiteren Verlauf ist geplant, dass Projekt begleitend auch
die empirischen Ergebnisse eines derzeit am Institut anlaufenden Forschungsvorhabens
zum Thema "Zuschreibung von Verantwortung im Rechtsverständnis"
in die Diskussion miteinbezogen werden.
5. Industrie- und Organisationssoziologie (AGIO)
Dieser gemeinsam vom Institut für Sozialforschung und dem Institut für Gesellschafts- und Politikanalyse des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften der Universität Frankfurt getragene Arbeitskreis befasst sich mit aktuellen Forschungen und Forschungsvorhaben an beiden Instituten und trägt zur Kooperation zwischen ihnen bei. Diskutiert werden außerdem für die Arbeits-, Industrie- und Organisationssoziologie bedeutsame Themen und professionspolitische Fragen.
Der Arbeitskreis wird koordiniert von
Dr. Stephan Voswinkel
(IfS - voswinkel@em.uni-frankfurt.de) und
Dr. Kendra Briken
(Fachbereich Gesellschaftswissenschaften - k.briken@soz.uni-frankfurt.de).
6. Arbeitskreis Staatstheorie
Ziel dieses Arbeitskreises ist es, aktuelle Fragestellungen an der Schnittstelle zwischen Staats- und Rechtstheorie, Europa- und Migrationsforschung begleitend zum Forschungszusammenhang ›Staatsprojekt Europa‹ gemeinsam zu bearbeiten. Im Mittelpunkt der Diskussionen stehen theoretische Auseinandersetzungen um die Transnationalisierung der europäischen politischen und rechtlichen Systeme aus einer intersektionellen Perspektive, die insbesondere das Geschlechterverhältnis, die postkoloniale Verfasstheit Europas sowie globale Verschiebungen der Klassenverhältnisse ins Zentrum rückt. Empirische Forschungsergebnisse der kritischen EU- und Migrations-Forschung werden unter dieser theoretischen Perspektive betrachtet. Der Arbeitskreis unternimmt es, den Austausch sozial- und rechtswissenschaftlicher Perspektiven zu koordinieren und die gemeinsamen Diskussionen vor allem über Vorträge zu strukturieren. Er richtet sich dabei explizit auch an Studierende.
7. Medienkultur und Ästhetik
Dieser Arbeitskreis befasst sich im Rahmen des Forschungsschwerpunktes »Kulturindustrie und kulturelle Praktiken« mit den Diskussionen über zeitgenössische Entwicklungen im Bereich der Kultur und der medialen Kommunikation. Das Hauptthema ist, inwiefern die Entstehung einer sogenannten »partizipativen« und interaktiven Medienkultur (Popkultur, Reality-TV, Internet usw.) tatsächlich ästhetische und kommunikative Ausdrucks- und Beziehungsformen mit sich bringt, die zu einer »Demokratisierung« und Erweiterung der kulturellen Teilhabe beitragen. Dabei stellt sich ebenso die Frage, ob solche Tendenzen nicht gerade umgekehrt auch mit einer wachsenden Verdinglichung und Vermarktlichung im kulturellen Bereich einhergehen. Diese Fragen werden sowohl im Bezug auf die »klassische« Kulturkritik der Kritischen Theorie als auch auf neuere Forschungsbeiträge diskutiert. Außerdem dient der Arbeitskreis dazu, konkrete Projektentwicklungen zu begleiten. Der Arbeitskreis wird von Dr. Olivier Voirol koordiniert (IfS – Voirol@soz.uni-frankfurt.de).
English version
Der Internationale Arbeitskreis für Kritische Theorie (früher: Internationale Studiengruppe für Kritische Theorie) ist ein offenes Forum für junge Wissenschaftler_innen aus unterschiedlichen Disziplinen, die ein gemeinsames Interesse an der Kritischen Theorie haben. Der Arbeitskreis richtet sich dabei insbesondere an Gastwissenschaftler_innen des Instituts für Sozialforschung und der Goethe-Universität Frankfurt.
Gegenwärtig beschäftigt sich der Arbeitskreis mit zwei in sich verschränkte Themen: Erstens soll geklärt werden, wie – und das heißt vor allem mit welchen theoretischen Mitteln – die Kritische Theorie ihrem eigenen Anspruch auf Aktualität gerecht werden will und ob sie dazu in der Lage ist. Deswegen muss die Kritische Theorie in einem zweiten Schritt der Frage ausgesetzt werden, wie sich erkenntnistheoretische, gesellschaftstheoretische und politische Überlegungen theoretisch kohärent und unter Einbezug der realen gesellschaftlichen Sachverhalte verbinden lassen.
Dazu wurden im Wintersemester 2010/2011 Texte der ersten Generation der Frankfurter Schule gelesen, die sich dem Zusammenhang von Erkenntnistheorie und Gesellschafts- bzw. politischer Theorie widmen (Programm). Im Sommersemester 2011 soll diese Diskussion fortgesetzt werden.
Koordination: Julia Christ, Gösta Gantner, Titus Stahl, Frieder Vogelmann
INSTITUT FÜR SOZIALFORSCHUNG an der
Johann Wolfgang Goethe-Universität
Senckenberganlage 26 60325 Frankfurt am Main Telefon:
069 - 75 61 83 0 Telefax: 069 - 74 99 07
http://www.ifs.uni-frankfurt.de Email: ifs@rz.uni-frankfurt.de
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