Sozialisationstheoretische Untersuchung zur sozialisatorischen Wirkung von Krankheitserfahrungen bei chronisch schwer kranken Kindern und ihren Eltern
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Thema - Fragestellung - Methode
In dem DFG-Projekt werden (Klein-)Kinder mit schweren angeborenen Erkrankungen mit chronischem Verlauf in ihrem familialen Kontext untersucht und dabei der Frage nachgegangen, welche sozialisatorischen Effekte in schweren Krankheitserfahrungen bzw. leiblich-körperlichen Fragilitätserfahrungen sowie in regelmäßigen unumgänglichen Diagnose- und Therapieprozeduren liegen, die das Aufwachsen der Kinder beeinflussen.
Ausgehend von der allgemeinen Fragestellung, ob bestimmte Ereignisse, Einflüsse, Erziehungsstile und ähnliches eine entwicklungsfördernde oder -hemmende Wirkung – oder um die neutralere Formulierung zu wählen - sozialisatorische Wirkung haben, wird angenommen, dass Krankheitserfahrungen Erfahrungen mit sozialisatorischer Wirkmächtigkeit sind, die in sich sowohl erzieherische als auch bildende Potentiale tragen. Eine empirisch-rekonstruktive Sozialisationsforschung zur Primärsozialisation wurde bisher in aller Regel nur mit Kindern durchgeführt, die gesund waren. Empirische Sozialisationsforschung, die Krankheitserfahrungen erster und zweiter Ordnung als sozialisatorische Bedingung verstehen und deren Wirkmächtigkeit untersuchen, fehlt bisher.
Es sollen deshalb Kinder mit angeborenen Erkrankungen untersucht werden, weil als These vermutet wird, dass sie – dadurch dass sie keine Kontrasterfahrung gesund/krank kennen −, von vorn herein ihre Krankheit als Teil von sich erfahren und sie möglicherweise (aufgrund der Alternativlosigkeit) stärker akzeptieren (kognitiver Teil) bzw. sie habituell normalisieren. Dabei wird im Falle der Kranken selbst, der Kinder, bei diesen Erfahrungen von Konstitutionsprozessen ausgegangen, während sich derartige Erfahrungen bei den Eltern als Transformationsprozesse darstellen. Mit der Annahme, dass gewisse lebensweltliche Kategorien des Selbstverständlichen – zum Beispiel des selbstverständlichen Funktionierens des Körpers oder des selbstläufigen Wachsens und Gedeihens in den sicheren Bahnen des Vitalen – an dieser Stelle irritiert sind, ist zu fragen, ob es sich hier um eine besondere Erfahrung handelt und worin diese Besonderheit im Gegensatz zu anderen Erfahrungstypen genau liegt.
Bei diesem Projekt handelt es sich ebenfalls um ein qualitatives Projekt, in dem ca. 7-10 Kinder jüngeren Alters (bis 10 J.) und ihre Familien über 3 Jahre mehrfach besucht und interviewt werden sollen. Mit folgenden konsekutiven Erhebungen sollen die Fallanalysen erarbeitet werden: Hospitation in den (Reha-)Kliniken und teilnehmende Beobachtung der diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen an und mit den Kindern; Familiengeschichtliche Gespräche; Elterninterviews; Einzelerhebungen beim Kind; Dokumentenanalyse der Krankenakte
Das Projekt will eine Brücke zwischen Sozialisationsforschung und Krankheits- bzw. Versorgungsforschung schlagen.
Laufzeit des Projektes: 1. Januar 2012 bis 31. Dezember 2014
Mitantragstellerin des Projektes ist Dr. Claudia Scheid, als Projektleiterin und Ansprechpartnerin fungiert Dr. Claudia Peter.
INSTITUT FÜR SOZIALFORSCHUNG an der
Johann Wolfgang Goethe-Universität
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