Subjektivierung von Arbeit und Human Resource Management
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Projektteam: Prof. Dr. Wilhelm Schumm, Dr. Uwe Vormbusch, Dipl. Soz.
Peter Kels
Fragestellung und thematischer Zusammenhang
Wir erleben einen tiefgreifenden Status- und Funktionswandel menschlicher
Arbeit im Rahmen eines verstärkt durch Wissen, Innovation und die
Organisation von Projekten bestimmten Kapitalismus. Vor allem solche
Unternehmen, deren Wettbewerbsfähigkeit sich in hohem Maße
auf wissensbasierte Arbeit gründet, entdecken die subjektiven Potentiale
ihrer Mitarbeiter neu. Im Streit um Marktanteile gilt das "Humankapital"
dem Management als eine wettbewerbsrelevante Ressource, die zugleich
entfaltet und geformt werden soll. Dass Arbeit in der so genannten Standortdebatte
als reiner Kostenfaktor denunziert wird, steht in scharfem Widerspruch
zu dieser neuen Wertschätzung des menschlichen Arbeitsvermögens.
Letztere dient nicht allein der vordergründigen Legitimation manageriellen
Handelns. Die Neubewertung der schwer greifbaren, personengebundenen
Kompetenzen ist vielmehr auf veränderte funktionale Anforderungen
in der Arbeit zurückzuführen.
Das Projekt konzentriert sich auf die Ambivalenzen und Widersprüche,
die sich für die Beschäftigten aus der gleichzeitigen Auf-
und Verwertung ihrer Kompetenzen, aus erweiterten Handlungsspielräumen
und entgrenzten Anforderungen in der Arbeit ergeben. Die Führung
von Menschen und die Entwicklung des menschlichen Arbeitsvermögens
sind wichtige Aufgaben für solche Unternehmen, die ihr Kapital
im Wissen, den Fähigkeiten und der Motivation ihrer Beschäftigten
sehen. Dementsprechend bildet einen Schwerpunkt des Projekts das in
Großbetrieben etablierte Human Resource Management (HRM), welches
anhand von Fallstudien zur Produktions- und Dienstleistungsarbeit untersucht
wird. Das Human Resource Management zielt auf die Vermittlung derjenigen
individuellen Handlungsfähigkeiten und -motive, die für die
betriebliche Dezentralisierung und Vermarktlichung die Voraussetzung
bilden. Es agiert damit als eine zentrale betriebliche Instanz im Feld
der "Subjektivierung von Arbeit". Dieser dauerhafte, betriebsförmig
organisierte Prozess der Veränderung subjektiver Fähigkeiten
und Handlungsmotive kann nicht im Sinne einer ungebrochenen Formung
bzw. Subsumtion des Arbeitsvermögens interpretiert werden. Das
Projekt geht stattdessen davon aus, dass Personalentwicklung und Weiterbildung
als neue Rationalisierungsarenen zu verstehen sind und die betrieblichen
Anforderungen hier auf eine empirisch unterschiedlich ausgeprägte
Bereitschaft der Beschäftigten treffen, bislang unerschlossene
Momente ihrer Persönlichkeit im Rahmen ökonomischer Imperative
zu nutzen und nutzen zu lassen. Dieses Verhältnis von Selbst- und
Fremdformung im Spannungsfeld subjektiver Ansprüche und betriebsfunktionaler
Anforderungen wird mittels Intensivinterviews und Gruppendiskussionen
analysiert.
Der Erfolg der betrieblichen Weiterbildung und Personalentwicklung
soll in den Unternehmen zunehmend mithilfe des Bildungscontrollings
beurteilt werden. Auch wenn die Möglichkeiten einer quantifizierten
und eindeutigen Zurechnung von Bildungserfolgen auf Kompetenzen, Leistung
und Wertschöpfung umstritten sind, so scheint das Bildungscontrolling
als neue Denkhaltung und als Legitimitätsgrundlage des Human Resource
Management doch an Einfluss zu gewinnen. Erste Konsequenz dieser Entwicklungen
ist eine in neuer Klarheit argumentierende selektive Personalpolitik,
welche nicht sehr feinfühlig, aber zielsicher zwischen "high
potentials" und "dead wood" unterscheidet. Begründet
wird dies mit den zukünftigen Wertbeiträgen, die sich das
Unternehmen durch Nutzung des individuell verschiedenen Humankapitals
aneignen könne. Die einen sollen mit "goldenen Handschellen"
an das Unternehmen gekettet werden, die anderen zählen zur wachsenden
flexiblen Randbelegschaft. Die skizzierten Verschiebungen der Wertigkeit
des menschlichen Arbeitsvermögens bewegen sich zwischen dem zunehmenden
Subjektivitätsbedarf der Ökonomie und einer neuen Stufe der
Ökonomisierung des Humanen. In welcher Weise eine der Idee nach
systematische Kalkulation des Wertbeitrages des einzelnen Beschäftigten
Rückwirkungen auf Ziele und Organisation der Personalentwicklung,
auf Status und Wertigkeit verschiedener Beschäftigtengruppen, und
schließlich auf die Subjektivierung von Arbeit hat, diese Fragen
sollen am Institut für Sozialforschung in den kommenden Jahren
untersucht werden.
Stand der Projektarbeiten: Das Projekt wird seit November 2004 von
der DFG gefördert.
INSTITUT FÜR SOZIALFORSCHUNG an der
Johann Wolfgang Goethe-Universität
Senckenberganlage 26 60325 Frankfurt am Main Telefon:
069 - 75 61 83 0 Telefax: 069 - 74 99 07
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