Autonome Zuwanderung und Anwerbung von ausländischen Pflegefachkräften: Dynamiken der betrieblichen Integration in der Pflegebranche (BIGA)

 

Antragstellung: Prof. Dr. Robert Pütz, Institut für Wirtschaft, Arbeit, Kultur (IWAK), Goethe-Universität Frankfurt a. M., Dr. Maria Kontos, IfS

Projektbearbeitung: Dr. Minna Kristiina Ruokonen-Engler, Anna Guhlich, M.A.

Förderinstitution: Hans-Böckler-Stiftung

Zeitraum: Januar 2015 – Februar 2017

In der Gesundheits- und Pflegebranche in Deutschland gibt es einen Fachkräftemangel, der in den nächsten Jahren aufgrund des demografischen Wandels noch größer wird. Beim wachsenden Pflegebedarf werden deshalb autonome Zuwanderung und gezielte Anwerbung von Pflegefachkräften aus dem Ausland als Lösung betrachtet. Bislang ist die betriebliche Integration von Pflegefachkräften in den verschiedenen Sektoren der Gesundheits- und Pflegebranche (Krankenhaus, Rehakliniken, Alten- und Pflegeheime sowie ambulante Dienste) noch unzureichend erforscht worden. Angesichts der zunehmenden Globalisierung der Pflegearbeitsmärkte und der zunehmenden Zuwanderungsbewegungen aus den europäischen Krisenländern sowie aus Drittstaaten ist eine Auseinandersetzung mit den Rahmenbedingungen der Zuwanderung und den Strukturen der betrieblichen Integration der Pflegefachkräfte angezeigt.
Im Fokus des Forschungsprojektes steht die betriebliche Integration von zugewanderten Pflegefachkräften, die von verschiedenen betrieblichen Anerkennungs- und Entwertungsdynamiken geprägt ist. Das Projekt geht der Frage nach, wie sich diese Prozesse auf die Chancen einer Integration in die Betriebe und die Gesundheits- und Pflegebranche in Deutschland auswirken und welche Auswirkungen diese Prozesse auf die Migrations- und Mobilitätsprojekte der Betroffenen MigrantInnen haben.
Durch die Analyse gesetzlicher Rahmenbedingungen und Verknüpfung verschiedener Datenquellen werden zunächst die Hauptmerkmale von Migration und sozialer Lage der zugewanderten Pflegefachkräfte in Deutschland erfasst. Zusammen mit den Experteninterviews wird sich ein Gesamtbild von unterschiedlichen Startbedingungen für Pflegefachkräfte aus anderen Ländern ergeben. In biografisch-narrativen Interviews mit zugewanderten Pflegefachkräften und alteingesessenen Organisationsangehörigen wird untersucht, wie sich die betrieblichen Integrationsprozesse im Spannungsfeld der formalen Gleichwertigkeit der im Ausland erworbenen Qualifikationen und der informellen Entwertungsdynamiken, die sich u.a. aus unterschiedlichen Fach- und Organisationskulturen ergeben, gestalten. In Kombination mit Gruppendiskussionen soll ein umfassendes Bild über die Handlungsweisen und Strukturen erzeugt werden, die sich hemmend oder fördernd auf die betriebliche Integration der zugewanderten Pflegefachkräfte auswirken.