Verhandlungsformen normativer Paradoxien
Teilprojekt 3:
Paradoxien des Kindeswohls. Eine Untersuchung zur Entwicklungsdynamik des deutschen Familienrechts und der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe

 

Antragstellung: Prof. Dr. Ferdinand Sutterlüty
Projektbearbeitung: Prof. Dr. Ferdinand Sutterlüty;
Sarah Mühlbacher, M.A.; Annika Wagner, B.A.

Förderinstitution: VolkswagenStiftung
Zeitraum der Förderung: 01. April 2015 bis 15. Januar 2019

 

Das familien-, kindheits- und rechtssoziologisch ausgerichtete Forschungsprojekt geht von dem Befund aus, dass der Rechtsstaat in seinem Versuch, das Kindeswohl zu schützen und zu befördern, immer wieder kontraproduktive Effekte hervorbringt. Familiengerichtliche Verfahren und Eingriffe in die Familie durch die Träger der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe erzeugen demnach Wirkungen, die dem normativen Prinzip zuwiderliefen, um dessentwillen die Generalklausel des Kindeswohls überhaupt in das Recht Eingang gefunden und bei den Instanzen des Jugendamts eine operative Institutionalisierung erhalten hat. Auf dieses Phänomen zielt die Rede von »Paradoxien des Kindeswohls« ab. Das Forschungsprojekt soll jedoch nicht bei der Diagnose stehenbleiben, dass gerichtliche Entscheidungsprozesse und rechtstaatliche Interventionen zu Ergebnissen führen können, die eine grobe Abweichung von den Absichten der Kindeswohl-Orientierung darstellen. Vielmehr soll am deutschen Fall geprüft werden, inwieweit sich die Rechtsentwicklung in diesem Bereich seit den 1960er Jahren als der fortgesetzte Versuch erklären lässt, die von den einschlägigen Professionen und der breiteren Öffentlichkeit wahrgenommenen normativen Paradoxien zu deuten und durch entsprechende Reformen zu beheben.

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Tagungen

Interdisciplinary Workshop »Agency, Self-Determination, Autonomy: Questioning Key Concepts of Childhood Studies«. December 6–7, 2017; Institute for Social Research at Goethe University Frankfurt am Main, organized by Ferdinand Sutterlüty and E. Kay M. Tisdall in cooperation with the Centre for Research on Families and Relationships, University of Edinburgh.

Interdisziplinärer Workshop »Zur sozialisatorischen Bedeutung der familialen Triade«. 7. Oktober 2016; Institut für Sozialforschung, organisiert von Kai-Olaf Maiwald und Ferdinand Sutterlüty.

Interdisziplinäre Tagung »Der Streit ums Kindeswohl. Genese und Deutungen eines spannungsreichen Konzepts«. 16. und 17. Januar 2015; Professur für Soziologie mit dem Schwerpunkt Familien- und Jugendsoziologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main in Kooperation mit dem Institut für Sozialforschung, organisiert von Ferdinand Sutterlüty, Sabine Flick und Christian Zeller.

 

Publikationen

Sutterlüty, Ferdinand und Sabine Flick (Hg.) 2017: Der Streit ums Kindeswohl. Weinheim und Basel: Beltz Juventa.    | mehr …

Sutterlüty, Ferdinand 2017: Normative Paradoxien der rechtsstaatlichen Sorge um das Kindeswohl, in: Ders. und Sabine Flick (Hg.): Der Streit ums Kindeswohl. Weinheim und Basel: Beltz Juventa, 52–87.

Sutterlüty, Ferdinand 2017: Autonomieprinzip und Kindeswohl: Ansprüche des Familienrechts mit paradoxaler Wirkung?, in: Tanja Betz, Sabine Bollig, Magdalena Joos und Sascha Neumann (Hg.): Gute Kindheit. Wohlbefinden, Kindeswohl und Ungleichheit. Weinheim und Basel: Beltz Juventa (im Erscheinen).

Sutterlüty, Ferdinand und Sarah Mühlbacher 2017: Prekäre Autonomie ‒ Kinderrechte zwischen Selbstbestimmung und Fürsorge, in: Berliner Debatte Initial 28. 2, 32–45.

Sutterlüty, Ferdinand 2017: Normative Paradoxes of Child Welfare Systems: An Analysis with a Focus on Germany, in: International Journal of Children’s Rights 25. 1, 196‒230.

Sutterlüty, Ferdinand 2016: Paradoxale Effekte der Orientierung am Kindeswohl, in: fiduz 19. 1, 20‒21.