Religiöse Ideen und soziales Handeln. Christliche Rechtfertigungsnarrative zwischen Gesellschaftskritik und Legitimitätsglauben |
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Projektgruppe Prof. Dr. Ferdinand Sutterlüty; Thomas Kuhn, M.A.; Andrea Eberlein (stud. Hilfskraft)
Thema - Fragestellung - Methode
Das vom Exzellenzcluster »Die Herausbildung normativer Ordnungen« geförderte Forschungsprojekt untersucht religiöse Ideen, die in verschiedenen christlichen Gemeinschaften Deutschlands vorherrschen und die Haltung der Gläubigen zur – weitgehend säkularen und von sozialen Ungleichheiten geprägten – Gesellschaft bestimmen. Im Anschluss an die Schriften Max Webers behandelt es religiöse Ideen als Explanans für legitimierende oder gesellschaftskritische Orientierungen und Handlungsformen. Unter »religiösen Ideen« sind dabei nicht theologische Denkgebäude zu verstehen, sondern kognitive Gehalte der gelebten Alltagsreligiosität – die allerdings ihrerseits von kirchlichen Dogmen und theologischen Schulen inspiriert sein können. Im Forschungsprojekt sollen solche Ideen und die mit ihnen verbundenen Rechtfertigungsnarrative analysiert werden, ohne sie von ihren realgeschichtlichen Entstehungskontexten und gegenwärtigen gesellschaftlichen Problemkonstellationen zu isolieren, in denen sie von den jeweiligen Akteuren adaptiert werden.
Die empirische Studie geht den skizzierten Fragen anhand kontrastiver Fallstudien nach, die in evangelischen und katholischen Parochialgemeinden, Orden und Laienvereinigungen durchgeführt werden. Mit Methoden der ethnographischen Feldforschung und hermeneutischen Interpretation rekonstruiert es verschiedene religiöse Rechtfertigungsnarrative und die darin enthaltenen Ordnungsvorstellungen. Darauf aufbauend sollen die entsprechenden Narrative vergleichend auf ihre Auswirkungen auf das alltagspraktische Handeln sowohl der untersuchten Glaubensgemeinschaften als auch der einzelnen Mitglieder in ihren alltäglichen Lebensvollzügen (in Beruf und Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Politik und Familie) untersucht werden. Dabei ist die Frage nach der »Übersetzung« und »Übersetzbarkeit« religiöser Ideen in säkulare Handlungskontexte, die je eigenen Rechtfertigungsordnungen folgen, von besonderer Bedeutung.
Stand der Projektarbeit
Das Forschungsprojekt startete am 1. September 2010 und hat eine Laufzeit von zwei Jahren.
INSTITUT FÜR SOZIALFORSCHUNG an der
Johann Wolfgang Goethe-Universität
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