Soziale Verantwortung im Selbstverständnis von Unternehmen der deutschen Wohnungswirtschaft

Projektbearbeitung:  Dr. Chantal Magnin, Frank Beckmann, M. A.

 

Das Projekt wurde vom vhw e. V., Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung gefördert

Thema - Fragestellung - Methode

Die Übernahme sozialer Verantwortung durch Unternehmen vollzieht sich vor dem Hintergrund der Diskussion über die Stärkung von Zivilgesellschaft und Nachhaltigkeit. In dieser Diskussion wird auch darüber verhandelt, entlang welcher Zuständigkeiten die Aufgaben zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik in Zukunft zu verteilen sind. Unternehmen sollen sich ihrer ökonomischen, aber auch sozialen und ökologischen Verantwortung stellen und sich verpflichten, ihr Handeln nach den Grundsätzen von „Corporate Citizenship“ (CC) und/ oder „Corporate Social Responsibility“ (CSR) auszurichten. Die Europäische Kommission definiert CSR als ein „Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren“ (Europäische Kommission 2001: 8). Für das Feld der Stadtentwicklung stehen damit Fragen nach der Rolle von Wohnungsunternehmen bei einer wirkungsvollen Integration von Wohnquartieren und der Stärkung partizipativer Prozesse in der Nachbarschaft im Vordergrund.
Städte transformieren sich, sie wachsen und sie schrumpfen, aufgrund veränderter Bedürfnisse ihrer Bewohnerinnen und Bewohner ist von einer „Renaissance der Städte“ (Häußermann, Läpple, Siebel 2008) die Rede, ein Trend zur Rückkehr in die Städte ist feststellbar. Die Wohnungswirtschaft sieht sich hierdurch vor mehrere Herausforderungen gleichzeitig gestellt. Sie will einerseits, im Interesse ihrer Mieter - respektive Kunden - Lebensqualität in den Wohnquartieren schaffen und garantieren, anderseits kann gerade dies für eine homogene Zusammensetzung der Mieterschaft sprechen, lassen sich doch dadurch Konflikte im Quartier gegebenenfalls vermeiden. Eine solche Steuerung der sozialen Struktur der Mieterschaft respektive des gesamten Quartiers führt aber zugleich zu mehr Segregation der Wohnquartiere, was auf der Ebene des Stadtteils oder der Stadt insgesamt zu einer Gefährdung des sozialen Zusammenhalts führen kann.
Für die Kommunen ist das gemeinwohlorientierte Engagement im Wohnquartier denn auch die politisch erwünschte Antwort auf die sich in einzelnen Vierteln manifestierenden sozialen Problemlagen. Für Unternehmen der Wohnungswirtschaft ergibt sich vor diesem Hintergrund die Frage, wie potentielle soziale Konflikte im Quartier aufgefangen werden können. Kann das Wohnungsunternehmen im Quartier steuernd, sozial integrierend und stabilisierend wirken? Und wie macht es das? Welche diesbezüglichen Erwartungen werden an das Unternehmen gestellt, und wie geht es damit um? Im Fokus der Untersuchung stehen die Wahrnehmung zentraler Elemente von Verantwortung im eigenen Selbstverständnis sowie die Erfahrungen mit der Integration von Wohnquartieren und der Partizipation von Bürgerinnen und Bürgern.
Die Studie nimmt Erfahrungen und Sichtweisen von Akteuren der Wohnungswirtschaft auf und wertet diese aus. Welche Rolle spielt soziale Verantwortung im Selbstverständnis von Unternehmen der deutschen Wohnungswirtschaft? Inwiefern kommen in diesen Selbstverständnissen partizipative Orientierungen zum Ausdruck? Und welches sind die Gründe für Verantwortungsübernahme durch die Unternehmen? Im Fokus des Erkenntnisinteresses liegen das Selbstbild der Unternehmen und der Handlungsrahmen, auf den sich dieses bezieht.
Für die Untersuchung werden 20 Interviews mit Expertinnen und Experten geführt. Am Beispiel von Unternehmen in öffentlicher, genossenschaftlicher und kirchlicher Hand werden in den Gesprächen  Erfahrungen, Einschätzungen und Herausforderungen identifiziert, die sich auf die Rolle von wohnungswirtschaftlichen Unternehmen im nachbarschaftlichen Handlungskontext beziehen. Die Interviews geben einen vertieften Einblick in den Handlungszusammenhang  verantwortlicher Akteure in diesem Feld und beleuchten insbesondere die politische Dimension des Prozesses.  Es werden Expertinnen und Experten interviewt, die aufgrund ihrer differenzierten Handlungskontexte über grundlegend unterschiedliche Perspektiven verfügen, wodurch ein möglichst kontrastreiches Bild vom Feld entsteht.

Die Auswahl der zu Interviewenden erfolgt entlang von regionalen, raum- und sozialstrukturellen Merkmalen. Berücksichtigt werden Unternehmen aus verschiedenen deutschen Großstädten unterschiedlicher Größe, Wirtschaftsstruktur und Stellung im Raum. Interviewt wird jeweils ein Mitglied des geschäftsführenden und des  aufsichtsführenden Leitungsorgans. Hierbei interessiert insbesondere die Zusammenarbeit und gegebenenfalls unterschiedliche Perspektive der Unternehmensführung, des Kapitaleigners und die Übereinstimmungen respektive Differenzen hinsichtlich der jeweiligen Erwartungen an die Wahrnehmung von sozialer Verantwortung durch das Unternehmen.

 

Weitere Informationen erhalten Sie gerne vom Projektteam:

Dr. Chantal Magnin
magnin@em.uni-frankfurt.de

Frank Beckmann M. A.
f.beckmann@em.uni-frankfurt.de

 


INSTITUT FÜR SOZIALFORSCHUNG an der Johann Wolfgang Goethe-Universität
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