Krankenhauspflege im gesellschaftlichen Wandel. Organisationale Dynamiken der Auf- und Abwertung einer Care-Arbeit

Projektbearbeitung: Dr. Robin Mohan und Lena Reichardt

Förderinstitution: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Zeitraum der Förderung: 1. Dezember 2021 bis 30. November 2024

Ausgangspunkt des Projekts ist die Beobachtung eines widersprüchlichen Wandels im Feld der Pflege in deutschen Krankenhäusern, der durch einen pflegepolitischen Umschwung sowie die Corona-Pandemie bedingt ist. Angesichts eines vielfach diagnostizierten »Pflegenotstands« zielte bereits vor der Pandemie eine Reihe von politischen und gesetzlichen Maßnahmen darauf ab, die Pflege sowohl symbolisch als auch materiell aufzuwerten. Dabei wurde zum Teil mit Ökonomisierungstendenzen gebrochen, die seit Jahrzehnten das Geschehen in dem Feld prägten. Diese gegentendenziellen Entwicklungen wurden durch die Pandemie noch einmal verstärkt. Ihre offensichtliche »Systemrelevanz« verschaffte der Krankenhauspflege große Aufmerksamkeit und symbolische Wertschätzung. Die realen Arbeitsbedingungen haben sich in den letzten Jahren jedoch kaum verbessert. Stattdessen haben sich Arbeitsverdichtung und Personalmangel in der pandemischen Lage vielmehr weiter zugespitzt. Pflegekräfte artikulieren weiterhin die Erfahrung, dass ihre Arbeit und ihr Beruf kaum wertgeschätzt und sie selbst »verheizt« werden.

Das Projekt will einen soziologischen Beitrag zum Verständnis dieser komplexen Dynamik gleichzeitiger Auf- und Abwertung von Pflege leisten. Es untersucht, welche Rolle organisationale Dynamiken der Verarbeitung des aktuellen Wandels dabei spielen, dass sich auf Seiten der Pflegekräfte in Krankenhäusern Erfahrungen der Auf- bzw. Abwertung konstituieren. Mit Hilfe eines multiperspektivischen, qualitativen Fallstudiendesigns wird das konflikthafte Zusammenspiel von Praktiken des Krankenhausmanagements und Controllings, die den gesellschaftlichen Wandel organisationsintern konkretisieren, und Orientierungsmustern der Pflegekräfte empirisch rekonstruiert und theoretisch verallgemeinernd erschlossen. Die Theorie der strukturellen Abwertung der Pflege als Care-Arbeit soll so um eine organisationsbezogene Perspektive erweitert werden.