Jakub Kloc-Konkołowicz , Dr. habil.

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Gastwissenschaftler am IfS von September 2015 bis August 2016, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Lehrstuhls für Sozialphilosophie im Institut für Philosophie der Universität Warschau

Forschungsschwerpunkte
Klassische deutsche Philosophie; Sozial- und politische Philosophie; Anerkennungstheorie

Biographie

Geboren 1975. Studium der Philosophie und polnischer Philologie im Rahmen des Interdisziplinären Humanistischen Studiums an der Universität Warschau. Seit 1999 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Lehrstuhls für Sozialphilosophie im Institut für Philosophie der Universität Warschau. Promoviert an der Universität Warschau mit der Dissertation zum Thema »Primat der praktischen Vernunft in der klassischen deutschen Philosophie – Kant und Fichte«. 2000/2001 Stipendium des DAAD an der Universität Tübingen, 2002/2003 Stipendium der Stiftung für Polnische Wissenschaft, 2006/2008 Stipendium der Humboldt-Stiftung an der Universität in Frankfurt am Main, 2014 Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung.

Laufendes Forschungsprojekt

Institution Privatheit. Die Rolle der Privatheit für die Entstehung und Entfaltung der Autonomie

Die Paradoxie des Projekttitels besteht darin, dass Privatheit typischerweise der Sphäre der Institutionen entgegengesetzt, ja sogar als Freiheit von institutionell aufgetragenen Bürden verstanden wird. Doch im Grunde genommen zeigt sie sich vor allem als Durchkreuzungspunkt öffentlich definierter sozialer Rollen. Sie wird gesetzlich bestimmt (Unversehrtheit des Körpers, Privatheit der Wohnung, der Korrespondenz) und auch als Gegenstand der moralischen und ethischen Diskurse thematisiert (als Ort der Gestaltung der eigenen Wertehierarchie, des eigenen Lebensentwurfs etc.). »Privat« bleibt in der Privatheit nur die jeweilige Ausführung des intersubjektiv bestimmten Rahmens. Dieser Rahmen verändert sich (kulturell, historisch, wirtschaftlich, technologisch) und unterliegt dem öffentlichen Druck, was sich bei Problemen zeigt wie Einbrüche in die Privatheit, Grenzen der Privatheit etc. Es muss folglich davon ausgegangen werden, dass Privatheit in ihrer modernen Gestalt die Rolle einer öffentlich konstruierten, das heißt auch historisch, kulturell und wirtschaftlich bestimmten und veränderbaren Institution spielt, deren Sinn sowohl systemisch wie auch normativ zu verstehen ist. Systemisch ist vor allem durch wirtschaftliche Produktionsverhältnisse bedingt. Normativ wird sie als Ort der individuellen Autonomie (ihrer Entstehung, Neudefinierung und Entfaltung) verstanden. Wenn Privatheit als Institution begriffen wird, deren Reichweite veränderbar ist, so stellt sich die Frage, ob es Grenzen der potentiellen Verschiebungen gibt. Wenn ja: Wie sind diese Grenzen zu begründen? Resultieren sie aus anthropologischen und normativen Bestimmungen des Menschseins? Sollen sie transzendentalphilosophisch (als Bedingungen der Möglichkeit der individuellen Autonomie) oder teleologisch (als Voraussetzung von individueller Autonomie, die einen der Grundpfeiler der demokratischen Rechtsordnung darstellt) aufgefasst werden)? Parallel zu dem meist unausgesprochenen ethischen Hintergrundkonzept einer »guten Gesellschaft«, das den liberalen Rechtsstaat offenbar begleiten muss (A. Honneth), lässt sich vielleicht ein anthropologisches Konzept der Privatheit des »autonomen Menschen« herausarbeiten, das allerdings nicht aus überzeitlichen (traditionell oder religiös verwurzelten) Bestimmungen, sondern aus einer teleologischen Reflexion resultieren sollte. Das »Worumwillen« dieser anthropologisch untermauerten Privatheit würde die individuelle Autonomie bilden. Dazu wäre ein anthropologisches Konzept vonnöten, welches sowohl Privatheit als Funktion wie auch Privatheit als Wert gleichzeitig auffasst und erläutert. Es handelt sich also um ein institutionsbezogenes Konzept (im Sinne von Hegel und Gehlen), welches aber die normative Perspektive der Fähigkeit zur Autonomie nicht ausblendet. Anders gesagt und als Frage formuliert: Wie lassen sich, ausgehend von einer modernen, institutionsbezogenen Anthropologie, die individuelle Fähigkeit zur Autonomie und die unabdingbare Rolle der Privatheit für das Entstehen dieser Fähigkeit begründen?

Bibliographie

Monographien

Kloc-Konkołowicz, Jakub 2015: Anerkennung als Verpflichtung. Klassische Konzepte der Anerkennung und ihre Bedeutung für die aktuelle Debatte. Würzburg: Königshausen & Neumann 2015.

Kloc-Konkołowicz, Jakub 2007: Rozum praktyczny w filozofii Kanta i Fichtego. Prymat praktyczności w klasycznej myśli niemieckiej. Wrocław: Wydawnictwo Uniwersytetu Wrocławskiego 2007.

Aufsätze

Kloc-Konkołowicz, Jakub 2015: Die Rezeption der kantischen Philosophie in Polen – Ein Umriss, in: Umwege. Annäherungen an Immanuel Kant in Wien, in Österreich und in Osteuropa. Hg. von Violetta L. Waibel. Wien: Vienna University Press, 266–273.

Kloc-Konkołowicz, Jakub 2014: Holismus und Perspektivismus in Hegels Auffassung der Willensfreiheit, in: Contrastes. Revista Internacional de Filosofia. Band 19, 75–94.

Kloc-Konkołowicz, Jakub 2014: Pragmatism in a Metaphysical Frame? Socialization of Knowledge and the Social Concept of Reality in Fichte’s Philosophy and in Pragmatism, in: Rivista di Storia della Filosofia. Band 4, 783–804.

Kloc-Konkołowicz, Jakub 2014: Parallele Welten des Geistigen. Die Verwandlungen der Religiosität am Beispiel Polens, in: Europa mit oder ohne Religion? Der Beitrag der Religion zum gegenwärtigen und künftigen Europa. Hg. von Kurt Appel, Isabella Guanzini und Angelika Walser. Wien: Vienna University Press, 223–236.

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