Gesunde Körper - kranke Gesellschaft?
Medizin im Zeitalter der Biopolitik
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Konferenz, 23./24. Mai 2003
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Das Institut für Sozialforschung veranstaltet am 23. und 24. Mai
2003 eine internationale Konferenz zum Thema "Gesunde Körper
- kranke Gesellschaft? Medizin im Zeitalter der Biopolitik". Die
Tagung findet an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt
am Main statt. Veranstaltungsort sind die Konferenzräume I und
II, Campus Bockenheim, Mertonstraße (Alte Mensa, Labsaal). U4,
U6, U7, Haltestelle Bockenheimer Warte.
Information: Sandra Beaufays, Tel. 069/75 61 83 16, E-mail: Beaufays@em.uni-frankfurt.de
Fragestellung
Noch bis vor kurzer Zeit war der von Michel Foucault geprägte
Begriff der Biopolitik nur einigen wenigen Fachleuten bekannt. Foucault
bezeichnete damit eine spezifische Form moderner Macht, deren zwei Hauptformen
die Disziplinierung des Individualkörpers und die Regulierung des
Bevölkerungskörpers umfassen. Seit einigen Jahren ist eine
inflationäre Verwendung des Begriffs sowohl in der wissenschaftlichen
Fachliteratur wie in journalistischen Texten festzustellen. Biopolitik
wird zunehmend als ein neutraler Terminus oder als eine allgemeine Kategorie
gebraucht, um die sozialen und politischen Folgen biotechnologischer
Interventionen zusammenzufassen. Daraus resultiert zum einen die Gefahr,
dass die historisch-kritische Dimension des Begriffs verloren geht;
zum anderen droht auch die Bedeutung gesellschaftlicher Faktoren bei
der Entstehung und dem Einsatz von Biotechnologien unberücksichtigt
zu bleiben.
Auf der internationalen Tagung soll anhand der Diskussion der sozialen
Folgen ausgewählter biomedizinischer Forschungs- und Anwendungsfelder
(Transplantationsmedizin, Neurobiologie und Genomanalyse) untersucht
werden, ob der Begriff der Biopolitik heute (noch) ein geeignetes Analyse-
und Kritikinstrument darstellt. Die Verbindung von naturwissenschaftlichem
Fachwissen mit gesellschaftstheoretischer Reflexion ermöglicht
es, Aktualität und Grenzen des Begriffs auf der Grundlage materialer
Studien zu überprüfen. Darüber hinaus soll die empirische
Ausrichtung der Tagung auch Gelegenheit geben zu einem fächerübergreifenden
und interdisziplinären Dialog zwischen Forscherinnen und Forschern,
die am Schnittpunkt zwischen Natur- und Sozialwissenschaften arbeiten.
Die Tagung umfasst drei Plenarveranstaltungen mit je zwei Vorträgen
und anschließender Diskussion. Dabei handelt es sich jeweils um
thematische Blöcke zu einzelnen Problemkomplexen, die sich aus
Entstehung oder Nutzung biomedizinischen Wissens ergeben. Am Ende des
zweiten Tages steht eine abschließende Diskussionsveranstaltung.
Diese soll die Fragestellung der Tagung bündeln (und idealerweise
bereits Diskussionsergebnisse vorstellen), unterschiedliche Perspektiven
und Einschätzungen miteinander konfrontieren und Gelegenheit zu
einer breiteren Debatte geben.
Überblick
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I.
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Das Eigene und das Fremde - Flexible
Körper und ihre Grenzen in der Transplantationsmedizin
Referentinnen: Dr. Ingrid Schneider (Politikwissenschaftlerin,
Universität Hamburg), PD Dr. Gesa Lindemann (Soziologin,
Universität München).
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II.
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Das Normale und das Pathologische -
Repräsentationen von Gesundheit und Krankheit in der Neurobiologie
Referenten: Dr. Joe Dumit (Kulturanthropologe, MIT, Boston, USA)
Prof. Nikolas Rose (Soziologe, London School of Economics and
Political Science).
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III.
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Von Diagnose und Therapie zu Prävention
und Prädiktion? - (Riskante) Entwicklungstendenzen der genetischen
Medizin
Referentinnen: Prof. Regine Kollek (Biologin, Universität
Hamburg)
Prof. Sarah Franklin (Soziologin, University of Lancaster, GB).
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IV.
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Biomedizin zwischen Fremdbestimmung
und Freiheitsgewinn
Diskutanten: Prof. Wolfgang van den Daele (Soziologe, Berliner
Wissenschaftszentrum für Sozialforschung)
Prof. Anne Waldschmidt (Soziologin, Universität Köln)
N.N.
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INSTITUT FÜR SOZIALFORSCHUNG an der
Johann Wolfgang Goethe-Universität
Senckenberganlage 26 60325 Frankfurt am Main Telefon:
069 - 75 61 83 0 Telefax: 069 - 74 99 07
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