Vortrag

Thomas Lindemann

Krieg um Anerkennung

Montag, 9. Juli 2007
19.00 Uhr
IfS Sitzungssaal 1

 

Kriegsursachen werden meist auf Machtambitionen oder sicherheitspolitische sowie wirtschaftliche Interessen zurückgeführt. Gegen dieses verkürzte Modell menschlicher Rationalität werde ich den Wunsch nach Anerkennung als Antriebskraft kriegerischen Verhaltens betonen. Ich untersuche, inwieweit diese Perspektive den Ursprung von Kriegen – sowohl von zwischenstaatlichen Kriegen als auch von Bürgerkriegen – gegenüber klassischen, meist machtpolitischen und utilitaristischen, Ansätzen neu beleuchtet. Dabei greife ich auf Modelle der Anerkennung zurück, die in der Philosophie (A. Honneth) und politischen Soziologie (E. Goffman, P. Braud) entwickelt worden sind. Ich versuche, diese Modelle für empirische Untersuchungen der internationalen Beziehungen fruchtbar zu machen, indem ich Hypothesen über die Entstehung bewaffneter Konflikte formuliere, die dann in Fallstudien überprüft werden können.

Thomas Lindemann ist Professor der »universités de science politique« an der Universität Montesquieu Bordeaux IV. Er forscht insbesondere zu den Themen: Ursachen und Prävention von Kriegen, theoretische Ansätze der internationalen Beziehungen sowie symbolische und physische Gewalt. In deutscher Sprache ist von ihm erschienen: Die Macht der Perzeptionen und Perzeptionen von Mächten. Berlin: Duncker & Humblot 2000. Gemeinsam mit Michel-Louis Martin hat er jüngst den Band herausgegeben: Les militaires et le recours à la force armée. Faucons ou colombes? Paris: Harmattan 2006. Noch in diesem Jahr soll erscheinen: La guerre pour la reconnaissance. Une approche construcitiviste. Paris: Harmattan.


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