Vortrag
Andreas Pettenkofer
Radikale Kritik und gründende Gewalt.
Genealogische Überlegungen zur '68er Bewegung
|
|
|
Montag, 17. November 2008, 19 Uhr c. t.
IfS Raum I
Das Reden über die Protestbewegungen der 60er und 70er Jahre schwankt zwischen Normalisierung und Pathologisierung. Die politikwissenschaftliche Protestforschung gleicht den Protest der '68er Bewegung einem Idealbild rationalen politischen Handelns an. Neuere Deutungen dagegen werten ihn zum irrationalen Randphänomen eines ohnehin ablaufenden Modernisierungsprozesses ab. Sie nehmen vor allem seine radikalen Deutungsmuster in den Blick, die sie als Vorbedingung terroristischer Gewalt beschreiben. Beide Interpretationen gehen davon aus, dass all jene Momente, die nicht ins Schema einer Theorie rationalen Entscheidens passen, nur einen störenden Rest bilden, der für die Modernisierungserfolge einer politischen Bewegung keine oder allenfalls eine hemmende Rolle spielt.
Andreas Pettenkofer entwirft eine alternative Deutung. Ausgehend von seiner Studie über die Entstehung der »grünen« Politik zeigt er, dass sich die Protestbewegung am ehesten als ein religiöses Phänomen begreifen lässt. Sie war von einschneidenden Gewalterfahrungen geprägt, die von den Betroffenen im Licht der Erinnerung an den Nationalsozialismus interpretiert wurden. Auch die Hinwendung zur »grünen« Politik ging aus einem Sakralisierungsprozess hervor, in dem die technische Katastrophe die Position besetzte, die zuvor der nationalsozialistische Massenmord innehatte. Die mit den Gewalterfahrungen verknüpfte Sakralisierung, so Pettenkofer, ist nicht nur notwendig für die Entstehung einer integrierenden Metapher und für die Möglichkeit radikaler Kritik, sondern auch für die interne Stabilisierung des Protestzusammenhanges.
Im Anschluss an den Vortrag diskutieren: Ingrid Gilcher-Holtey, Ulrich Oevermann und Reimut Reiche; Gesprächsleitung: Axel Honneth
Andreas Pettenkofer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der Fernuniversität Hagen.
Ingrid Gilcher-Holtey ist Professorin für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Bielefeld, zurzeit Gastprofessorin am St. Anthony’s College in Oxford)
Ulrich Oevermann ist Professor für Soziologie und Sozialpsychologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main.
Reimut Reiche ist Soziologe, Sexualforscher und Psychoanalytiker in Frankfurt am Main.
Veranstaltungsort:
Institut für Sozialforschung
Raum I
Senckenberganlage 26
60365 Frankfurt am Main
Information und Auskunft:
www.ifs.uni-frankfurt.de/index.html
Telefon: 069 / 75 61 83 0
INSTITUT FÜR SOZIALFORSCHUNG an der
Johann Wolfgang Goethe-Universität
Senckenberganlage 26 60325 Frankfurt am Main Telefon:
069 - 75 61 83 0 Telefax: 069 - 74 99 07
http://www.ifs.uni-frankfurt.de Email: ifs@rz.uni-frankfurt.de
|