Vortrag
Christoph Deutschmann
Geld, soziale Inklusion und kapitalistische Dynamik |
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Montag, 8. Juni 2009, 19 Uhr c. t.
IfS Raum I
Christoph Deutschmann entwickelt in seinem Vortrag eine soziologische Perspektive
zur Analyse kapitalistischer Dynamik, die an die Diskussion über die Phänomene sozialer Inklusion und Exklusion anknüpft. Bis heute ist umstritten, ob soziale Exklusion nur als
ein Zustand subjektiver Anpassung an verfestigte Einkommensarmut zu verstehen ist oder als ein faktisches »Herausfallen« der Individuen aus den gesellschaftlichen Funktionssystemen. Hinter dieser Kontroverse steht die Frage nach der Rolle des Geldes als Medium sozialer Inklusion. In seinem Beitrag kritisiert Christoph Deutschmann die medientheoretische Konzeptualisierung des Geldes durch Luhmann. Unter Rückgriff auf Simmel und neuere kritische Kommentare zu Luhmann argumentiert er, dass Geld in
einem globalen kapitalistischen System nicht nur die Rolle eines funktional spezifizierten Kommunikationsmediums, sondern eines universalen Mediums spielt. Vor diesem Hintergrund ist die in vielen empirischen Untersuchungen dokumentierte Schlüsselrolle
der Einbindung in den Nexus von Geld und Arbeit für soziale Teilhabe auch in anderen Bereichen zu erklären. In einem nächsten Schritt skizziert Christoph Deutschmann ein dynamisches Modell der mit dem Geld verknüpften Prozesse sozialer Inklusion und Exklusion. Im Anschluss an die Property-Rights-Theorien zeigt er, dass die in der Entwicklung des modernen Kapitalismus zu beobachtende Universalisierung des Geld-Markt-Nexus eine sich selbst verstärkende soziale Mobilisierungswirkung haben kann. Gerade der Erfolg dieser Mobilisierung führt jedoch zu sozialen Strukturveränderungen, die die Inklusionsdynamik des Geldes unterbrechen und in eine regressive Richtung
lenken können. Das Modell könnte zu einer Erklärung der aktuellen Krise und des Kurswechsels des Sozialstaats beitragen, der in Richtung einer die Arbeitslosen wieder verstärkt ausgrenzenden Politik weist.
Christoph Deutschmann ist Professor für Soziologie an der Eberhard Karls Universität Tübingen und Mitglied des Kollegiums des IfS. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftssoziologie.
Zu seinen wichtigsten Publikationen der letzten Jahre gehören u. a.: Die Verheißung
des absoluten Reichtums. Zur religiösen Natur des Kapitalismus. Frankfurt a. M. und
New York: Campus 2001 [1999]; Capitalism as a Religion? An Unorthodox Analysis of Entrepreneurship, in: European Journal of Sociology 4. 2001, 387–403; Postindustrielle Industriesoziologie. Weinheim: Juventa 2002; Hg.: Die gesellschaftliche Macht des Geldes. Sonderheft 21 der Zeitschrift »Leviathan«. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2002; Kapitalistische Dynamik. Eine gesellschaftstheoretische Perspektive. Wiesbaden: VS Verlag 2008.
Veranstaltungsort:
Institut für Sozialforschung
Raum I
Senckenberganlage 26
60365 Frankfurt am Main
Information und Auskunft:
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Telefon: 069 / 75 61 83 0
INSTITUT FÜR SOZIALFORSCHUNG an der
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