Vortrag
Stephan Lessenich
Mobilisierung und Kontrolle
Zur Gouvernementalität der Aktivgesellschaft
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Montag, 2. Februar 2009, 19 Uhr c. t.
IfS Raum I
Seit nunmehr einem Jahrzehnt erleben wir auch in Deutschland einen Wandel des Sozialstaates, der in dessen Selbstbeschreibung als Prozess der »Aktivierung« seiner Bürgerinnen und Bürger firmiert. Was in der Arbeitsmarktpolitik begann, zieht sich mittlerweile wie ein roter Faden regulativer Umkehr durch praktisch alle Felder sozialstaatlichen Handelns: Ob Frauen, Kinder, Kranke oder Alte – alle werden sie politisch zu tendenziell passiven beziehungsweise passivierten, aber potentiell aktiven oder jedenfalls aktivierbaren TrägerInnen ökonomischer und sozialer Produktivitätsreserven stilisiert. Soziologisch beobachtet, aktualisiert sich in diesem Prozess eine soziopolitische Konstellation, die seit jeher die Gouvernementalität der liberalen Gesellschaft und die Tätigkeit des liberalen Staates kennzeichnet: die Dialektik von Mobilisierung und Kontrolle. Das Charakteristische am »aktivierenden« Sozialstaat ist nun, dass er die gegenwärtige Gestalt dieser liberalen Konstellation dadurch zu bewältigen sucht, dass er gesellschaftliche Mobilisierungs- und Kontrollerwartungen an die Subjekte selbst weiterleitet, Statik und Dynamik des Sozialen also subjektiviert werden sollen. Der Vortrag beschäftigt sich mit den ambivalenten Praktiken und widersprüchlichen Effekten dieser »Subjektivierung des Sozialen« in der heraufziehenden Aktivgesellschaft.
Stephan Lessenich ist Professor für Vergleichende Gesellschafts- und Kulturanalyse am Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Sprecher der Sektion Sozialpolitik in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Von ihm sind kürzlich unter anderem erschienen: Die Neuerfindung des Sozialen. Der Sozialstaat im flexiblen Kapitalismus. Bielefeld: transcript 2008; Produktives Altern. Auf dem Weg zum Alterskraftunternehmer?, in: Manfred Füllsack (Hg.): Verwerfungen moderner Arbeit. Zum Formwandel des Produktiven. Bielefeld: transcript 2008, 45–64; Wohlfahrtsstaat, in: Nina Baur et al. (Hg.): Handbuch Soziologie. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2008, 483–498; Alles relativ. Warum es in Deutschland keine Armut geben darf, in: PROKLA – Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft 152, 2008, 479–485; (zusammen mit Silke van Dyk): Unsichere Zeiten. Die paradoxale »Wiederkehr« der Unsicherheit, in: Mittelweg 36, 17. 5, 2008, 13–45.
Veranstaltungsort:
Institut für Sozialforschung
Raum I
Senckenberganlage 26
60365 Frankfurt am Main
Information und Auskunft:
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Telefon: 069 / 75 61 83 0
INSTITUT FÜR SOZIALFORSCHUNG an der
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