Vortrag

 

Jóhann Páll Árnason

 

 

 

»Die Vielfalt der Moderne und die Problematik der Zivilisationen«

 

Montag, 22. Februar 2010, 19 Uhr c. t.


Die »Vielfalt der Moderne« bezeichnet die Sache angemessener als der Ausdruck »multiple modernities«, da damit sowohl der Singular wie der Plural betont werden: Die Varianten der Moderne sind als Abwandlungen beziehungsweise Umgestaltungen eines gemeinsamen Grundmusters zu verstehen. Dieses Grundmuster muss so definiert werden, dass es die »Vervielfältigung« zulässt, das heißt als eine Konstellation von mehreren Grundkomponenten, deren Wechselbeziehungen historisch veränderlich sind. In der bisherigen Diskussion ist gegen die Idee der »multiple modernities« häufig der Einwand gemacht worden, sie basiere auf einer rein kultura-listischen Auffassung der Variationen. Dabei handelt es sich jedoch um ein Missverständnis, und die zivilisationsanalytische Perspektive kann helfen, es zu korrigieren. Zwischen den Problembereichen der Zivilisationsanalyse und der pluralistisch gewendeten Theorie der Moderne gibt es mehrere Verbindungslinien. Erstens spielen bei der Ausprägung moderner Kultur- und Gesellschaftsmuster die spezifischen Traditionen verschiedener Zivilisationen – »civilizational legacies« – eine wichtige Rolle. Zweitens ist die Kontroverse über »multiple modernities« im Zusammenhang mit der viel schwächer entwickelten und weniger bekannten Diskussion über »early modernities« zu verstehen: Es spricht einiges dafür, dass es Ansätze zu modernen Transformationen in verschie-denen Zivilisationskomplexen gegeben hat, diese aber nur im westeuropäischen Kontext die Ausmaße eines Durchbruchs auf Zivilisationsebene erreicht haben. Das leitet zur dritten Argumenta-tionslinie über, die zu berücksichtigen wäre: der Idee der Moderne als einer neuen Zivilisation.

 

Jóhann Páll Árnason ist Professor em. für Soziologie an der La Trobe University, Melbourne, und Gastprofessor an der Fakultät für Humanwissenschaften an der Karls-Universität in Prag. Zurzeit ist er als Alexander von Humboldt-Forschungspreisträger Gastwissenschaftler am IfS. Von 1987 bis 2004 war er Redakteur der Zeitschrift Thesis Eleven. Veröffentlichungen u. a.: Praxis und Interpretation. Sozialphilosophische Studien.Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1988; The Future that Failed. Origins and Destinies of the Soviet Model.London u. a.: Routledge 1993; Social Theory and Japanese Experience. The Dual Civilization. London u. a.: Kegan Paul International 1996; Civilizations in Dispute. Historical Questions and Theoretical Traditions. Leiden u. a.: Brill 2003.

 

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