Die seit 2004 vom Institut für Sozialforschung herausgegebene Zeitschrift WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung richtet sich an ein breites intellektuelles Lesepublikum. An ihre berühmte Vorgängerin, die in den Jahren 1932 bis 1941 erschienene Zeitschrift für Sozialforschung, schließt sie mit dem Gedanken der Interdisziplinarität und dem Anspruch einer kritischen Gesellschaftstheorie an. Zur Veröffentlichung kommen Aufsätze und Essays aus unterschiedlichen sozial- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, die zur Analyse der aktuellen gesellschaftlichen Lage beitragen. Die Rubrik »Studien« enthält jeweils drei Aufsätze, die eine grundsätzliche Frage der Sozial- oder ästhetischen Theorie behandeln. Ein »Stichwort«, das den Schwerpunkt der jeweiligen Ausgabe anzeigt, versammelt Beiträge zu einem zeitdiagnostisch relevanten Thema. Unter dem Titel »Eingriffe«, der dritten Rubrik, finden sich kürzere Texte, die in aktuelle Debatten intervenieren und zu wichtigen theoretischen Entwicklungen Stellung beziehen.

Mit dem 11. Jahrgang ist die Zeitschrift vom Stroemfeld Verlag zum Campus Verlag gewechselt.

Impressum und Redaktionsanschrift

Bezugsmöglichkeiten und Abonnentenbetreuung


02—2014

Neuroenhancement.
Fantasien der Selbstoptimierung

Immer mehr Menschen, so die öffentliche Wahrnehmung, greifen zu Medikamenten, um ihre kognitiven Leistungen zu verbessern. Unter Studierenden, freien Kreativen und Managern erscheint die Einnahme von Amphetaminen und Medikamenten wie Ritalin besonders verbreitet. In der Debatte über Neuroenhancement kommt sowohl eine Faszination für Steigerung und Optimierung als auch eine Kritik an der Wachstumsdynamik der Gegenwartsgesellschaft zum Ausdruck. Zwar ist der Konsum von Substanzen, die Motivation und Wachheit steigern, eine verlockende Vorstellung für viele, die jenseits festgelegter Arbeitszeiten Deadlines einhalten oder sich auf Prüfungen vorbereiten müssen. Doch kaum jemand möchte in einer Gesellschaft leben, in der die Menschen Tabletten brauchen, um mit ihrer Arbeit zurechtzukommen. Ein Blick in die Geschichte der zur Leistungssteigerung eingenommen Substanzen zeigt, dass Neuroenhancement bereits länger existiert, als der futuristische Begriff vermuten lässt. Die im Schwerpunktteil versammelten Beiträge befassen sich mit dem Konsum leistungssteigernder Medikamente, mit Fantasien der Selbstoptimierung sowie mit der Kritik an Neuroenhancement aus historischer, philosophischer und soziologischer Perspektive.

Inhalt

Studien

3    Talbot Brewer: Entfremdete Emotionen

31  Tom Holert: Test Drive Your IQ. Zur populärkulturellen Steuerung von Diskursen über Intelligenz und deren Steigerung   

51   Sighard Neckel: Oligarchische Ungleichheit. Winner-take-all-Positionen in der (obersten) Oberschicht

65   Stichwort:  Neuroenhancement. Fantasien der Selbstoptimierung. Hg. von Greta Wagner   | lesen …

69   Nicolas Rasmussen: Psychostimulanzien steigern nicht die kognitive Leistung. Lehren aus der Geschichte 

81  Peter Wehling: Warum immer besser werden? Blinde Flecken des bioethischen Diskurses über Neuroenhancement

91   Greta Wagner: Neuroenhancement in der Kritik. Normative Deutungen von Studierenden in Frankfurt und New York

105   Armin Hoyer und Jan Slaby: Neuroenhancement als Biokapital

Eingriffe

121   Frieder Vogelmann: Habermas, die Demokratie, die Ökonomie

141   Tim Engartner und Balasundaram Krisanthan: Einfallstor Schule. Wie Unternehmen und Stiftungen mit Unterrichtsmaterialien werben 

155   Michael Walzer: Imaginäre Juden 


Archiv

01—2014  Exodus. Leben jenseits von Staat und Konsum?
2 | 2013   Aufruhr und Protest
1 | 2013   Soziologie der Polizei
1|2 | 2012  Freundschaft im gegenwärtigen Kapitalismus 
2 | 2011  Postsäkularismus
1 | 2011  Normative Paradoxien der Gegenwart  
2 | 2010  Digitales Selbst. Personale Identität im Zeitalter des Internet 
1 | 2010  Marcel Hénaff | Gabe und soziale Integration 
2 | 2009  Pathologien der chinesischen Moderne 
1 | 2009  Neue Bürgerlichkeit? Tragödie und Face
2 | 2008  Luc Boltanski | Eine Soziologie der Moral
1 | 2008  Die Herrschaft der Zahlen (2)
2 | 2007  Die Herrschaft der Zahlen (1)
1 | 2007  Neue Väter – alles beim Alten?
2 | 2006  Angst im Rechtsstaat
1 | 2006  Marktexzesse
2 | 2005  Entgrenzung der Arbeit?
1 | 2005  Liebe und Kapitalismus
1 | 2004  Gewaltverhältnisse

Die Jahrgänge 1 bis 10 sind im Stroemfeld Verlag, Frankfurt am Main und Basel, erschienen.