Buchvorstellung: »Kritik der Waffen. Für eine Entmilitarisierung des Denkens«
Ulrich Bröckling im Gespräch mit Regina Kreide und Martin Saar
Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine gilt in Deutschland Kriegstüchtigkeit als das Gebot der Stunde. Die geistige Mobilmachung im Namen des militärischen Realismus wiederholt parteiübergreifend das immer gleiche Credo: Aufrüstung tut not, Abschreckung schafft Sicherheit, Pazifismus ist eine Schönwetterideologie für Träumer und Putin-Versteher. Längst sind drastische Erhöhungen des Wehretats beschlossen, und die Wiedereinführung der Wehrpflicht steht vor der Tür. Ulrich Bröckling erhebt in seinem Buch Einspruch gegen die vermeintliche Alternativlosigkeit dieses Rufs zu den Waffen. Ohne die Brutalität des russischen Angriffskriegs kleinzureden oder sich auf Utopien einer friedlichen Welt zurückzuziehen, formuliert er eine Antikriegsposition auf der Höhe der Zeit. Dabei stellt er die unausgesprochenen Vorannahmen der militärischen Thinktanks infrage und schärft den Blick dafür, dass eine Gesellschaft, die sich zur Verteidigung der Freiheit dem Imperativ der Kriegsführungsfähigkeit unterwirft, selbst in Richtung Autoritarismus rückt.
Ulrich Bröckling ist emeritierter Professor für Kultursoziologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
Regina Kreide ist Professorin für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Martin Saar ist Professor für Sozialphilosophie an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. und Mitglied des Kollegiums am Institut für Sozialforschung.