»Denn was sich am Horizont der gegenwärtigen Entwicklung liberaldemokratischer Gesellschaften abzeichnet, geht übe postliberale Zustände und die Aushöhlung demokratischer Institutionen und Verfahren hinaus. Wir stehen vor der Realität von politischen Programmatiken massenhafter Ausgrenzung und systematischer Entrechtung, die sich eines gesellschaftlichen Zuspruchs erfreuen, der von wahlpolitischen Mehrheiten längst nicht mehr weit entfernt ist.
Genau um die soziale Akzeptanz von Verrohung, Dehumanisierung und Gewalt geht es aber, wenn die Diagnose von der Faschisierung zur Debatte steht. Dies ist zugleich das Phänomen, das in der bisherigen, stark auf Personen orientierten Auseinandersetzung unterbelichtet geblieben ist. Dabei findet sich hier die Antwort auf die von Reemtsma mit Unverständnis quittierte ›Faschismus-Frage‹: Man fragt so, weil offenkundig viele Menschen in diesem Lande (wie auch anderswo) genau das wollen, was ihnen als sogenannter Rechtspopulismus angeboten wird.«