Stephan Lessenich und Sven Reichardt: Die Faschismus-Debatte ist leider keine linke Nebelkerze
Debattenbeitrag im Feuilleton der SZ
»Denn was sich am Horizont der gegenwärtigen Entwicklung liberaldemokratischer Gesellschaften abzeichnet, geht übe postliberale Zustände und die Aushöhlung demokratischer Institutionen und Verfahren hinaus. Wir stehen vor der Realität von politischen Programmatiken massenhafter Ausgrenzung und systematischer Entrechtung, die sich eines gesellschaftlichen Zuspruchs erfreuen, der von wahlpolitischen Mehrheiten längst nicht mehr weit entfernt ist.
Genau um die soziale Akzeptanz von Verrohung, Dehumanisierung und Gewalt geht es aber, wenn die Diagnose von der Faschisierung zur Debatte steht. Dies ist zugleich das Phänomen, das in der bisherigen, stark auf Personen orientierten Auseinandersetzung unterbelichtet geblieben ist.«
Stephan Lessenich und Sven Reichardt in der Süddeutsche Zeitung mit einem Beitrag zur aktuellen Debatte um die Begriffe Faschismus und Faschisierung.