Das Netzwerk Paulskirche – Demokratie im Kommen, an dem das IfS beteiligt ist, veranstaltet anlässlich des 175. Jubiläums der demokratischen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche im Mai 2023 vielfältige Veranstaltungen, die sich von 2022 über das Jubiläumsjahr 2023 und bis hin zur Etablierung bestimmter Formate über 2024 hinaus erstrecken. Das IfS ist u.a. beteiligt an der Veranstaltungsreihe WHERE DO WE GO FROM HERE, einer Eigentumstagung im April 2023, einer Doktorand:innenkonferenz im September 2023 und den zwei geplanten und im Zentrum stehenden Versammlungen im Rahmen einer Global Assembly im Mai 2023 und Mai 2024.

Friday – Saturday

Netzwerk Paulskirche

Netzwerk Paulskirche

Weltweit lässt sich eine Aushöhlung liberaler Demokratie zugunsten einer privatrechtlich verfassten globalen Ökonomie beobachten. Zugleich zeigen sich weltweit Alternativen, die die Wiederbelebung von Demokratie an Konzeptionen nachhaltigen Gemeineigentums knüpfen. Diese zu Wort kommen zu lassen, ist das Ziel eines zweittätigen Symposiums am 21. und 22. April 2023. Die von mehr als wählen e.V., medico international, dem Institut für Sozialforschung und dem offenen Haus der Kulturen im Rahmen des Netzwerk Paulskirche organisierte Veranstaltung setzt sich zum Ziel sowohl aktuelle Theoriebildungen als auch interventionistischen Bestrebungen zu verhandeln. Am Freitagabend sollen am ehemaligen Uni-Campus Bockenheim theoretische Grundsatzfragen, die Genese des Begriffs aber auch seine Verwobenheiten mit Hinblick auf race, gender oder nature thematisiert werden. Der Samstag steht ganz im Zeichen kollektiver Praxis. In verschiedenen Workshops und Austauschformaten sprechen Initiativen und Organisationen aus dem deutschsprachigen Raum, die alternative Formen der Vergesellschaftung praktizieren, über ihre Arbeit.

Mit Beiträgen u. a. von Daniel Loick, Silke van Dyk, Francesca Raimondi, Tilo Wesche.

 

Programmplan Demokratie und Eigentum

Freitag, 21. April 2023: Theoretische Implikationen: Genese und Geltung des Eigentumsbegriffs

18.30 Uhr: Begrüßung durch die Organisator:innen

18.45 Uhr: Schlaglichter von Daniel Loick, Silke van Dyk, Tilo Wesche & Francesca Raimondi

19.45–21 Uhr: Podiumsdiskussion, Moderation: Eva Fleischmann

21–23 Uhr: Umtrunk und Ausklang

 

Samstag, 22. April 2023: Praktische Interventionen: Alternative Formen gesellschaftlicher Organisation

09–12 Uhr: Tour de démocratie (Besuch der Grünen Lunge & des besetzten Hauses im Gallus mit dem DemokratieWagen)

12–13 Uhr: Mittagspause

13–15 Uhr: Banden bilden

  • Workshop 1: Gesundheit
  • Workshop 2: Energie
  • Workshop 3: Wohnen
  • Workshop 4: Bodenerhaltung

15.30–17.30 Uhr: Heterotopien im Heute (Markt der Möglichkeiten mit zahlreichen Initiativen aus Frankfurt und dem deutschsprachigen Raum, die andere Formen der Vergesellschaftung praktizieren)

18–19 Uhr: Abschlussdiskussion

20 Uhr: Filmvorführung

 

Weitere Informationen finden sich auf der Website des Netzwerks Paulskirche.

Sunday – Wednesday

Netzwerk Paulskirche

Netzwerk Paulskirche

Im Mai 1848 versammelten sich in der Frankfurter Paulskirche die Mitglieder des ersten gesamtdeutschen Parlaments, um über eine freiheitliche Verfassung zu beraten. 175 Jahre später kommen auf Einladung der Stiftung medico, dem Institut für Sozialforschung und anderen Institutionen und Organisationen 50 Aktivist:innen aus aller Welt am selben Ort zusammen, um über Demokratie und Menschenrechte auf globaler Ebene zu diskutieren.

Die Auftaktveranstaltung am 14. Mai 2023, bei der die Teilnehmer:innen und der inhaltliche Rahmen vorgestellt werden, ist öffentlich. Ihr folgt vom 15. bis 17. Mai eine dreitägige Klausur in den Räumen der Evangelischen Akademie am Römerberg. Die Tagung ist eine Vorversammung der großen Global Assembly, die im März 2024 stattfinden wird.

Weitere Informationen folgen in Kürze auf der Website des Netzwerks Paulskirche.

Netzwerk Paulskirche

Netzwerk Paulskirche

Die Regisseurin Gosia Wdowik im Gespräch mit der Politologin Saba-Nur Cheema

Aus der Reihe »Where do we go from here?«

Kooperationsveranstaltung der Hochschule für Gestaltung Offenbach, dem Institut für Sozialforschung Frankfurt und dem Schauspiel Frankfurt.

Sie demonstrieren, blockieren Straßen, performen, singen oder schweigen einfach – überall auf der Welt brechen sich Proteste gegen
Ungleichheit, Unrecht und Unfreiheit Bahn gegen staatliche Kontrolle und Unterdrückung. Oft stehen Frauen an der Spitze dieser Aktionen. Die weißen Kleider in Belarus, die brennenden Hijabs im Iran oder die rosafarbenen Pussy Hats auf der ganzen Welt sind nur einige Beispiele dafür, wie sich Frauen Gehör verschaffen. Die Folgen sind jedoch häufig schwerwiegend, manchmal sogar tödlich. Die Körper der Protestierenden sind gefährdet und erschöpft. Wie können wir aus einer solchen Erschöpfung heraus Veränderungen (oder Kunst) schaffen? Wie kann das Theater ein Ort der politischen Handlungsfähigkeit sein? Gosia Wdowik, die sich in ihrer nächsten Arbeit mit dem Thema Erschöpfung im Kontext von Frauenrechtsprotesten beschäftigen wird, spricht mit der Politikwissenschaftlerin und Publizistin Saba-Nur Cheema.

Gosia Wdowik ist Theaterregisseurin und Präsidentin des Verbandes der polnischen Theaterregisseur:innen. Sie beschäftigt sich mit dem Thema Burnout und erforscht den Raum zwischen Erschöpfung und Handlungsfähigkeit, indem sie Methoden aus dem Aktivismus in ihre
künstlerische Praxis einbringt. Sie machte ihren Abschluss am DAS Theater in Amsterdam.

Saba-Nur Cheema ist Politikwissenschaftlerin und Publizistin. Sie entwickelt Konzepte für die Bildungsarbeit gegen Antisemitismus, Rassismus und Islamfeindlichkeit in einer postmigrantischen Gesellschaft. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Zusammenarbeit mit Migrantenselbstorganisationen und muslimischen Gruppen. Sie ist Mitglied des unabhängigen Expertenkreises »Muslimfeindlichkeit« der deutschen Bundesregierung.

Alle weiteren Informationen zum Kartenverkauf und den weiteren Veranstaltungen der Reihe finden sich im beigefügten Flyer, sowie auf der Homepage des Schauspiels Frankfurt.

Thursday – Saturday

Goethe-Universität Frankfurt

Netzwerk Paulskirche

Netzwerk Paulskirche

Die moderne Demokratie hat sich seit ihrem Entstehen gegen Ende des 18. Jahrhunderts als etwas erwiesen, das sich nicht auf ein bloßes Regierungssystem reduzieren lässt. Ihre strukturelle Komplexität ergibt sich aus dem Ineinandergreifen von Regierungspraktiken und einer spezifisch demokratischen Art des Miteinanders. Bereits in der Antike wurde der tiefgreifende Einfluss, den sich selbst verwaltende Kollektive auf die Ausformung individueller Sensibilitäten ausüben, beobachtet.
In modernen repräsentativen Demokratien wird diese strukturelle Komplexität aber noch gesteigert und in den Vordergrund gestellt, da sie zentral für den Vollzug der Selbstverwirklichung des demos und die Auswahl der politischen Repräsentant*innen durch ästhetische Medien und Strategien ist. Die ästhetischen Dimensionen offenbaren, dass die moderne Demokratie in einem wesentlichen Sinne eine Lebensform impliziert. Sie greift tief in das Gewebe des Lebens ein, indem sie bestimmte Verhaltensweisen, Kommunikationsformen, künstlerische Praktiken sowie individuelle und kollektive Erfahrungsformen kultiviert, die das Leben der Beteiligten durchdringen und prägen.

Die internationale Graduiertenkonferenz »Die Ästhetik demokratischer Lebensformen« versucht daher, Ästhetik weder als eine zur Politik disparate, demokratiefeindliche Sphäre zu begreifen – eine Annahme, welche die Ästhetisierung der Politik als inhärent antidemokratisch postuliert –, noch als eine strukturanaloge Kontrastfolie für demokratische Politik zu verstehen. Ausgewiesen werden soll vielmehr, wie ästhetische Phänomene Aufschluss über die demokratischen Lebensformen liefern können, und wie politische Auftritte und Diskussionen stets durchsetzt sind von Handlungs- und Verhaltensweisen, bei denen es instruktiv ist, sie hinsichtlich ihrer ästhetischen Dimension zu erschließen.

Keynote von Martin Jay (UC Berkeley)

Alle weiteren Informationen finden sich im Call for Abstracts.

 

The Aesthetics of Democratic Life-Forms – International Graduate Conference

 

Since its birth at the end of the 18 th century, modern democracy has proved to be more than a system of government: forms of governance and ways of living dovetail as to formulate its structural complexity. Already in classical antiquity, politicians and thinkers observed the profound influence of the self-governing collective in shaping individual sensibilities; the modern democratic mechanism of representation increases and foregrounds such structural complexity, seeing the self-actualization of the demos and selection of political representatives via aesthetic media and strategies. Indeed, the aesthetic dimensions reveal modern democracies to be life-forms. That is, democracies reach deep into the fabric of life, cultivating certain modes of conduct, forms of communication, artistic practices, individual as well as collective forms of experience – all of which intertwine and shape the lives of those involved.

The international graduate conference »The Aesthetics of Democratic Life-Forms« thus seeks to understand aesthetics not as a disparate, hostile sphere in relation to democracy – an assumption which posits the aestheticization of politics to be inherently anti-democratic –, nor as a structurally analogous foil for democratic politics. Rather, this conference hopes to shed light on how aesthetic practices and phenomena provide insight into democratic life-forms, as well as how political practices and discussions implicate modes of conduct whose aesthetic dimensions lend themselves to productive analysis.

Keynote from Martin Jay (UC Berkeley)

All further information can be found in the call for abstracts.