Das IfS veranstaltet in unregelmäßigen Abständen öffentliche Vorträge, über geplante Veranstaltungen informieren wir Sie hier

Friday

2og:dondorf (ehemalige Dondorf Druckerei)

Public Lectures

Public Lectures

[ACHTUNG: Die Veranstaltung entfällt krankheitsbedingt und wird zu einem späteren Termin nachgeholt]

In vielen Ländern haben sich Arbeitskämpfe intensiviert. Alexander Gallas konstatiert in seinem Buch Exiting the Factory (2024, Bristol University Press), dass es weltweit zahlreiche Streiks im öffentlichen Dienst und im Dienstleistungssektor gibt und die Beteiligten sich auch über Unternehmens- und Branchengrenzen hinweg solidarisieren und mobilisieren. Er deutet dies als Anzeichen für Klassenformierungsprozesse. Nach Jahren der Offensiven der Kapitalseite im Zuge von Neoliberalisierungsprozessen lässt sich möglicherweise eine gewisse Stärkung der Seite der Arbeit beobachten.

Allerdings beziehen sich Gallas‘ Beobachtungen vornehmlich auf den Zeitraum zwischen 2008 und 2020. Es verdichten sich die Anzeichen, dass sich die Lage einmal mehr verändert hat, denn es beschleunigen sich politische, ökonomische und ökologische Krisenprozesse. In dieser Situation bemühen Regierungen Krisenerzählungen, um umfassende Angriffe auf Sozialleistungen und Errungenschaften, die von Arbeiter:innen erkämpft worden sind, zu begründen und zu planen. Zugleich kommt es zu grundlegenden Veränderungen im Arbeitsprozess – auch im Dienstleistungsbereich und im öffentlichen Dienst. Betriebe setzen generative Modelle ein, die Arbeitsschritte automatisieren, was insbesondere für nichtindustrielle Bereiche einen Umbruch darstellt. Und Gewerkschaften sind mit Abwehrkämpfen beschäftigt.

Was sind die Erfolgschancen nichtindustrieller Streiks im gegenwärtigen Moment, und wie wirken sich die umfassenden Krisentendenzen, technologischen Veränderungen und politischen Verschiebungen auf sie aus? Sind die gegenwärtig zu beobachtenden Offensiven der Kapitalseite als Reaktion auf die Landgewinne von Arbeiter:innen in den Streiks der Jahre zuvor zu verstehen? Und was bedeutet es, dass rechte politische Kräfte auf dem Vormarsch sind und sich die politische ‚Mitte‘ weiter radikalisiert? Wir möchten diese Fragen mit Gallas diskutieren und ausloten, welche strategischen Perspektiven sich für Gewerkschaften und aktive Beschäftigte ergeben.

Veranstaltung mit Alexander Gallas, Professur für die Organisation und Transformation wohlfahrtsstaatlicher Sicherungssysteme (FRA-UAS)

Moderation: Robin Mohan (IfS)

In Kooperation mit express. Zeitschrift für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit

Tuesday

Institut für Sozialforschung | Sitzungssaal

Public Lectures

Public Lectures

Book presentation

With Timothy Mitchell, Ute Tellmann, Andrea Ballestero and Andreas Folkers

In his new book The Alibi of Capital, Timothy Mitchell develops a novel perspective on capitalism that dissolves the separation between production and the sphere of finance. We usually assume that the wealth of capitalist societies rests on the innovative power of this economic system. Notions of growth and technological development promise that the future entails an expansion of possibilities. By contrast, Mitchell analyzes processes of capitalization as a capture and consumption of the future. Present and past processes of capitalization generate claims to payment in the future, which everyone must bear. The destructive materialization of this capitalization in production sites, pollution, and the transformation of land is, he argues, a consequence of this capture of the future. Concepts of growth, financial innovation, and the economy function as an alibi that renders this form of destructive appropriation invisible.

Timothy Mitchell is William B. Ransford Professor of Middle Eastern Studies at Columbia University. He studied law, history, and political science at Queens’ College, University of Cambridge, and at Princeton University, and his work cuts across the boundaries between history and the social sciences. In his books, he examines the history of colonialism, the politics of energy, the political economy of capitalism, and the emergence of expert knowledge. He is the author of Colonising Egypt, Rule of Experts, and Carbon Democracy. His most recent book, The Alibi of Capital: How We Broke the Earth to Steal the Future on the Promise of a Better Tomorrow, was published in March 2026

Friday

Institut für Sozialforschung

Public Lectures

Public Lectures

Welche Gefühle und (unbewussten) Konflikte kommen bei der Beschäftigung mit dem extrem rechten Terror des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) auf? Charlie Kaufhold zeichnet durch eine psychoanalytisch orientierte Vorgehensweise ein facettenreiches Bild der deutschen Gesellschaft, in der Rassismus und Antisemitismus vielfach das Empfinden prägen. Der Fokus liegt auf den psychosozialen Dynamiken der Dominanzgesellschaft, das heißt dem Teil der Gesellschaft, der nicht von Rassismus und/oder Antisemitismus betroffen ist.

Mittels Tiefenhermeneutik werden fünf Gruppendiskussionen mit soziodemografisch heterogenen Realgruppen ausgewertet. Der Nationalsozialistische Untergrund stellt für die Studienteilnehmenden eine Vergegenwärtigung der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands dar. Bei den dominanzdeutschen Teilnehmenden führt dies auf latenter Ebene zu Konflikten um die eigene Identität als Deutsche. Psychosoziale Folgewirkungen des Nationalsozialismus und des schuldabwehrenden Umgangs mit seinen Verbrechen in der Nachkriegszeit werden dabei erkennbar. Bei den Teilnehmenden, die von Rassismus oder Antisemitismus betroffen sind, zeigt sich hingegen auf latenter Ebene eine Konfrontation mit Angst, die so bedrohlich ist, dass sie abgewehrt werden muss.

 

Kaufhold wird das Buch vorstellen. Bettine Rau, Leonie Wüst und Dirk Braunstein aus dem Forschungsprojekt »Die postnazistische Gesellschaft. Das ›Gruppenexperiment‹ des Instituts für Sozialforschung« sowie Alexander Kern und Eva Fleischmann aus dem Forschungsprojekt »Globale Verteilungskämpfe. Migrationsabwehr als Quelle autoritärer Gefährdung der Demokratie« werden die Buchvorstellung kommentieren.

Zur Verlagsseite.

 

Anmeldung über: li.pfeifer@em.uni-frankfurt.de

Sunday

2og:dondorf (ehemalige Dondorf Druckerei)

Public Lectures

Public Lectures

Im Zuge des Projekts Frankfurt schaut einen Film werden Gertrud Koch und Marc Ortmann der Frage nachgehen, wie sich Alexander Kluges filmisches und theoretisches Schaffen im Kontext der Kritischen Theorie verorten lässt – welche Bezüge, Reibungen und Weiterentwicklungen sich zwischen seinem Werk und den Denktraditionen des Instituts für Sozialforschung erkennen lassen.

Eine Kooperationsveranstaltung mit dem Film- und Kinobüro Hessen e.V.

Sechs Filme, vierzehn Veranstaltungen, ein Tag: Frankfurter Kinofest widmet sich erstmals einem einzelnen Autor

Am Sonntag, 8. November, findet die dritte Ausgabe von »Frankfurt schaut einen Film« statt. Nach zwei Ausgaben, die jeweils einen in Frankfurt gedrehten Film ins Zentrum stellten, wird das biennale Kinofest in diesem Jahr erstmals einem Künstler und seinem Werk gewidmet: Alexander Kluge.
Im Kino des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, im Cinéma und in der Harmonie der Arthouse Kinos Frankfurt, im Mal Seh’n Kino und im Filmforum Höchst kehren seine Frankfurter Filme auf die große Leinwand zurück. Weggefährtinnen und Weggefährte, Künstlerinnen und Künstler sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begleiten das Filmprogramm und befragen Kluges Werk aus aktuellem Blick neu.

Der im März 2026 verstorbene Alexander Kluge war Filmemacher, Schriftsteller, Theoretiker, Fernsehproduzent und Jurist und einer der prägenden Intellektuellen der jungen Bundesrepublik. In Frankfurt studierte er Rechtswissenschaft, absolvierte einen Teil seines juristischen Referendariats am Institut für Sozialforschung und stand in engem Austausch mit Theodor W. Adorno und anderen Vertretern der Frankfurter Schule.

Zwanzig Jahre lang richtete Kluge seine Kamera immer wieder auf Frankfurt am Main: auf Hochhäuser und Hinterhöfe, die Städtischen Bühnen und die Kaiserstraße, den Häuserkampf im Westend, den Opernball und die Fastnacht in Heddernheim. Zwischen 1966 und 1985 entstanden zahlreiche Filme ganz oder teilweise in der Mainmetropole. Frankfurt war Kluge weit mehr als Kulisse, die Stadt wurde zum Beobachtungs- und Resonanzraum politischer, sozialer und kultureller Umbrüche.

Das zeigt sich schon in »Abschied von gestern« (1966), Kluges erstem Langfilm und einem Schlüsselwerk des Neuen Deutschen Films, der in diesem Jahr sein 60. Jubiläum feiert. Außerdem zeigt das Kinofest »Gelegenheitsarbeit einer Sklavin« (1973), »In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg des Tod« (1974), »Die Patriotin« (1977-1979), »Die Macht der Gefühle« (1981-1983) und »Der Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit« (1984/1985).

»Alexander Kluge und Frankfurt verbindet eine außergewöhnlich produktive Geschichte. Seine Filme haben die Widersprüche, Konflikte und Veränderungen der Stadt in eine eigene Filmsprache übersetzt. Das Special bringt sein Werk zurück in die Kinos und damit an Orte des gemeinsamen Sehens und Diskutierens«, sagt Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft.

»Kluge hat Film nie als abgeschlossenes Medium verstanden. In seinem Werk begegnen sich Film, Literatur, Musik, Theorie und gesellschaftliche Wirklichkeit. Das macht seine Arbeiten auch heute für Filmschaffende und Publikum so spannend«, sagt Anna Schoeppe, Geschäftsführerin der Hessen Film & Medien.

Filmgespräche unter anderem mit Thomas Mauch, Helge Schneider und Lilith Stangenberg

Filmgespräche, Begegnungen und weitere Formate erweitern die Vorführungen und öffnen unterschiedliche Zugänge zu Kluges Werk. Zu den prominenten Gästen des Kinofests gehören unter anderem Thomas Mauch, einer der bedeutenden Kameramänner des Neuen Deutschen Films und langjähriger Weggefährte Kluges, der Musiker und Improvisationskünstler Helge Schneider sowie die Schauspielerin Lilith Stangenberg. Die folgenden Veranstaltungen geben dabei nur einen beispielhaften Einblick in das vielfältige Begleitprogramm: Im Mal Seh’n Kino sprechen Thomas Mauch und der Filmproduzent Daniel Zuta, damals Produktionsleiter, moderiert von Kinoleiter Gunter Deller über Alexander Kluges filmischen Arbeitsprozess. Kluges philosophische Betrachtungen zum Humor und seine diesbezügliche kreative Herangehensweise stehen in der Harmonie zur Diskussion zwischen Helge Schneider und Autor und Wissenschaftler Prof. Rainer Stollmann. Geleitet wird das Gespräch von der ehemaligen Arbeitskollegin und Kluge-Chronistin Prof. Ulrike Sprenger. Das Abschlussgespräch »Weibliche Fantasiegestalten bei Kluge: Gabi Teichert und Orphea« mit Lilith Stangenberg und Sprenger im Cinéma beschäftigt sich mit Kluges Frauenfiguren.

»Uns ist es wichtig, Alexander Kluge nicht in einer klassischen Retrospektive zu würdigen, sondern sein einflussreiches Werk aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Deshalb bringen wir Weggefährt*innen und Kluge-Vertraute sowie Wissenschaftler*innen zusammen. So entsteht aus sechs Filmen und vierzehn Veranstaltungen für einen Tag ein kleines Kluge-Festival zu seinen wegweisenden filmischen Herangehensweisen und Konzepten«, sagt Bettina Buchler, Geschäftsführerin des Film- und Kinobüros Hessen.

Dabei reicht das Programm bewusst über die historischen Frankfurter Filme hinaus. Kluge beschäftigte sich bis zuletzt mit gesellschaftlichen und technologischen Veränderungen und ihren Auswirkungen auf Kunst und Film, darunter auch mit Künstlicher Intelligenz.

Thursday – Friday

tba

Public Lectures

Public Lectures

Anlässlich der Erstausstrahlung von Theodor W. Adornos Radiobeitrag »Erziehung nach Auschwitz« vor 60 Jahren bringt die Veranstaltung Perspektiven aus Erziehungswissenschaft, Geschichtsdidaktik, Bildungstheorie und -geschichte, Soziologie sowie Gedenkstättenpädagogik zusammen. Ausgehend von Adornos Überlegungen werden aktuelle Fragen aufgegriffen und insbesondere Leerstellen in der Thematisierung von Antisemitismus kritisch beleuchtet.

Eine Anmeldung für den 3.12. und 4.12. ist bis zum 27.11. erforderlich unter :
https://pretix.eu/60JahreEnA/veranstaltung/


Die Teilnahmeplätze für den 4.12. sind begrenzt.
Für den öffentlichen Abendvortrag ist auch eine gesonderte Anmeldung möglich.

Wednesday

2og:dondorf

Public Lectures

Public Lectures

Ulrich Bröckling im Gespräch mit Regina Kreide und Martin Saar

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine gilt in Deutschland Kriegstüchtigkeit als das Gebot der Stunde. Die geistige Mobilmachung im Namen des militärischen Realismus wiederholt parteiübergreifend das immer gleiche Credo: Aufrüstung tut not, Abschreckung schafft Sicherheit, Pazifismus ist eine Schönwetterideologie für Träumer und Putin-Versteher. Längst sind drastische Erhöhungen des Wehretats beschlossen, und die Wiedereinführung der Wehrpflicht steht vor der Tür. Ulrich Bröckling erhebt in seinem Buch Einspruch gegen die vermeintliche Alternativlosigkeit dieses Rufs zu den Waffen. Ohne die Brutalität des russischen Angriffskriegs kleinzureden oder sich auf Utopien einer friedlichen Welt zurückzuziehen, formuliert er eine Antikriegsposition auf der Höhe der Zeit. Dabei stellt er die unausgesprochenen Vorannahmen der militärischen Thinktanks infrage und schärft den Blick dafür, dass eine Gesellschaft, die sich zur Verteidigung der Freiheit dem Imperativ der Kriegsführungsfähigkeit unterwirft, selbst in Richtung Autoritarismus rückt.

Ulrich Bröckling ist emeritierter Professor für Kultursoziologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Regina Kreide ist Professorin für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Martin Saar ist Professor für Sozialphilosophie an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. und Mitglied des Kollegiums am Institut für Sozialforschung.

 

Thursday

2og:dondorf (ehemalige Dondorf Druckerei)

Public Lectures

Public Lectures

Symposium im Rahmen der Reihe »Brüche«, einer Kooperation von Institut für Sozialforschung, Sigmund-Freud-Institut und der Oper Frankfurt

 

Eine vorherige Anmeldung per Mail ist erforderlich: anmeldung@ifs-frankfurt.de

Die Teilnahme am Symposium ist kostenlos. Für Tagungsteilnehmer:innen besteht die Möglichkeit des vergünstigten Besuchs der Opernvorstellungen Le roi Arthus. Das Kartenkontingent für den Opernbesuch ist begrenzt. Die Anmeldung wird erst gültig nach dem Erhalt einer Bestätigung.

 

Symposium

Die liberale Demokratie steht unter erheblichem Druck. Viele fürchten um ihre Zukunft, nicht wenige wünschen ihr offenbar das Ende. Etliche bekämpfen die demokratischen Institutionen, Verfahren und Öffentlichkeiten vermeintlich ›im Namen‹ der Demokratie. Den direkten oder verschleierten autoritären Angriffen wird teils mit Ratlosigkeit begegnet, teils mit hilflosen Verteidigungsstrategien, die selbst Elemente der Angriffsbewegung übernehmen. Antidemokratisch ausgerichtete Regression ist vor diesem Hintergrund eine breit geteilte Gegenwartsdiagnose. Unklar bleibt dabei jedoch, wohin Rückschritte führen werden: Was wird aus der Demokratie, wie wir sie kennen? Welche Rolle spielen dabei Zukunftsbilder? Können die zeitgenössischen Krisen auch produktive Perspektiven eröffnen?
Das Symposium in der Reihe Brüche – Demokratie in Zeiten ihrer Regression fragt nach heute schon verfügbaren Szenarien einer postregressiven Zukunft – in Überwindung jener erstarrten Phantasie, die der Aufstieg antidemokratischer Kräfte verursacht und die eben diesen Aufstieg ihrerseits befördert.

 

Programm

10:00–10:15 Begrüßung und Einführung (Vera King und Stephan Lessenich)

10:15–11:30 Thomas Biebricher (Goethe-Universität Frankfurt): Regression, Resilienz, Renaissance? Die Zukunft der Demokratie

11:30–11:45 Pause

11:45–13:00 Stephan Lessenich, Bettine Rau und Leonie Wüst (IfS): Die Zukunft der Geschichte der Gegenwart. Das Gruppenexperiment des Instituts für Sozialforschung

13:00–13:45 Mittagspause

13:45–15:00 Konrad Kuhn und Magdalena Hinterdobler (Oper Frankfurt): Die Oper Le roi Arthus – Utopie und Scheitern der demokratischen Idee

15:00–15:15 Pause

15:15–16:30 Vera King und Ferdinand Sutterlüty (SFI und Goethe-Universität Frankfurt): Rache an der Zukunft. Über neue Autoritarismen

16:30–16:45 Pause

16:45–18:00 Cynthia Fleury (Conservatoire national des arts et métiers / L’hôpital Sainte-Anne, Paris): Der Faschismus als psychisches und kulturelles Dispositiv [in französischer Sprache]

18:00 Tagungsende