Im Zuge des Projekts Frankfurt schaut einen Film werden Gertrud Koch und Marc Ortmann der Frage nachgehen, wie sich Alexander Kluges filmisches und theoretisches Schaffen im Kontext der Kritischen Theorie verorten lässt – welche Bezüge, Reibungen und Weiterentwicklungen sich zwischen seinem Werk und den Denktraditionen des Instituts für Sozialforschung erkennen lassen.
Eine Kooperationsveranstaltung mit dem Film- und Kinobüro Hessen e.V.
Sechs Filme, vierzehn Veranstaltungen, ein Tag: Frankfurter Kinofest widmet sich erstmals einem einzelnen Autor
Am Sonntag, 8. November, findet die dritte Ausgabe von »Frankfurt schaut einen Film« statt. Nach zwei Ausgaben, die jeweils einen in Frankfurt gedrehten Film ins Zentrum stellten, wird das biennale Kinofest in diesem Jahr erstmals einem Künstler und seinem Werk gewidmet: Alexander Kluge.
Im Kino des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, im Cinéma und in der Harmonie der Arthouse Kinos Frankfurt, im Mal Seh’n Kino und im Filmforum Höchst kehren seine Frankfurter Filme auf die große Leinwand zurück. Weggefährtinnen und Weggefährte, Künstlerinnen und Künstler sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begleiten das Filmprogramm und befragen Kluges Werk aus aktuellem Blick neu.
Der im März 2026 verstorbene Alexander Kluge war Filmemacher, Schriftsteller, Theoretiker, Fernsehproduzent und Jurist und einer der prägenden Intellektuellen der jungen Bundesrepublik. In Frankfurt studierte er Rechtswissenschaft, absolvierte einen Teil seines juristischen Referendariats am Institut für Sozialforschung und stand in engem Austausch mit Theodor W. Adorno und anderen Vertretern der Frankfurter Schule.
Zwanzig Jahre lang richtete Kluge seine Kamera immer wieder auf Frankfurt am Main: auf Hochhäuser und Hinterhöfe, die Städtischen Bühnen und die Kaiserstraße, den Häuserkampf im Westend, den Opernball und die Fastnacht in Heddernheim. Zwischen 1966 und 1985 entstanden zahlreiche Filme ganz oder teilweise in der Mainmetropole. Frankfurt war Kluge weit mehr als Kulisse, die Stadt wurde zum Beobachtungs- und Resonanzraum politischer, sozialer und kultureller Umbrüche.
Das zeigt sich schon in »Abschied von gestern« (1966), Kluges erstem Langfilm und einem Schlüsselwerk des Neuen Deutschen Films, der in diesem Jahr sein 60. Jubiläum feiert. Außerdem zeigt das Kinofest »Gelegenheitsarbeit einer Sklavin« (1973), »In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg des Tod« (1974), »Die Patriotin« (1977-1979), »Die Macht der Gefühle« (1981-1983) und »Der Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit« (1984/1985).
»Alexander Kluge und Frankfurt verbindet eine außergewöhnlich produktive Geschichte. Seine Filme haben die Widersprüche, Konflikte und Veränderungen der Stadt in eine eigene Filmsprache übersetzt. Das Special bringt sein Werk zurück in die Kinos und damit an Orte des gemeinsamen Sehens und Diskutierens«, sagt Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft.
»Kluge hat Film nie als abgeschlossenes Medium verstanden. In seinem Werk begegnen sich Film, Literatur, Musik, Theorie und gesellschaftliche Wirklichkeit. Das macht seine Arbeiten auch heute für Filmschaffende und Publikum so spannend«, sagt Anna Schoeppe, Geschäftsführerin der Hessen Film & Medien.
Filmgespräche unter anderem mit Thomas Mauch, Helge Schneider und Lilith Stangenberg
Filmgespräche, Begegnungen und weitere Formate erweitern die Vorführungen und öffnen unterschiedliche Zugänge zu Kluges Werk. Zu den prominenten Gästen des Kinofests gehören unter anderem Thomas Mauch, einer der bedeutenden Kameramänner des Neuen Deutschen Films und langjähriger Weggefährte Kluges, der Musiker und Improvisationskünstler Helge Schneider sowie die Schauspielerin Lilith Stangenberg. Die folgenden Veranstaltungen geben dabei nur einen beispielhaften Einblick in das vielfältige Begleitprogramm: Im Mal Seh’n Kino sprechen Thomas Mauch und der Filmproduzent Daniel Zuta, damals Produktionsleiter, moderiert von Kinoleiter Gunter Deller über Alexander Kluges filmischen Arbeitsprozess. Kluges philosophische Betrachtungen zum Humor und seine diesbezügliche kreative Herangehensweise stehen in der Harmonie zur Diskussion zwischen Helge Schneider und Autor und Wissenschaftler Prof. Rainer Stollmann. Geleitet wird das Gespräch von der ehemaligen Arbeitskollegin und Kluge-Chronistin Prof. Ulrike Sprenger. Das Abschlussgespräch »Weibliche Fantasiegestalten bei Kluge: Gabi Teichert und Orphea« mit Lilith Stangenberg und Sprenger im Cinéma beschäftigt sich mit Kluges Frauenfiguren.
»Uns ist es wichtig, Alexander Kluge nicht in einer klassischen Retrospektive zu würdigen, sondern sein einflussreiches Werk aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Deshalb bringen wir Weggefährt*innen und Kluge-Vertraute sowie Wissenschaftler*innen zusammen. So entsteht aus sechs Filmen und vierzehn Veranstaltungen für einen Tag ein kleines Kluge-Festival zu seinen wegweisenden filmischen Herangehensweisen und Konzepten«, sagt Bettina Buchler, Geschäftsführerin des Film- und Kinobüros Hessen.
Dabei reicht das Programm bewusst über die historischen Frankfurter Filme hinaus. Kluge beschäftigte sich bis zuletzt mit gesellschaftlichen und technologischen Veränderungen und ihren Auswirkungen auf Kunst und Film, darunter auch mit Künstlicher Intelligenz.