Buchworkshop »Kybernetik und Kritik. Eine Theorie digitaler Regierungskunst«
»Die Kybernetik ist überall, wie Luft«, so der einflussreiche Data Scientist Alex »Sandy« Pentland, der damit die prominente medienwissenschaftliche These, dass wir in einem von der Kybernetik durchdrungenen Zeitalter leben, spiegelt. Die Kybernetik als »Wissenschaft von Kommunikation und Kontrolle« erscheint ubiquitär, und ist doch weit mehr als Luft: kybernetisches Gedankengut materialisiert sich in konkreten Infrastrukturen und Devices unserer Lebens- wie Arbeitswelten. Entgegen prominenter Zeitdiagnosen wie des Überwachungs-, Plattform- oder digitalen Kapitalismus untersucht Anna-Verena Nosthoff das kybernetische Vorzeichen der Gegenwart in genealogisch-diskursanalytischer Perspektive. Die technische Konstellation, so Nosthoff, ist geprägt von kybernetischen Strukturen, Ensembles und Wissensregimen, die in Anlehnung an Michel Foucault als Regierungsformen zu lesen sind. Eine Theorie digitaler Regierungskunst umfasst demnach nicht nur eine kritische-genealogische Einordnung kybernetischer Dispositive, sondern unterstreicht auch die dialektische Dynamik einer Kritik der Kybernetik und der darauffolgenden Kybernetisierung der Kritik. Nicht zuletzt ist die datafizierte Gegenwartsgesellschaft zunehmend von autoritären Tendenzen geprägt – so zeigt sich die Dringlichkeit der Erneuerung der Kritik für die kommende Gesellschaft.
Anna-Verena Nosthoff ist Juniorprofessorin für Ethik der Digitalisierung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und Ko-Direktorin des Critical Data Lab (Humboldt-Universität zu Berlin/Carl von Ossietzky Universität Oldenburg). Sie promovierte 2024 am Institut für Soziologie der Universität Freiburg mit der Arbeit Kybernetik und Kritik. Eine Theorie digitaler Regierungskunst, die im Februar 2026 bei Suhrkamp erschienen ist.
Der Workshop wird begleitet von Kommentaren von Josef Barla, Ole Bogner und Vicky Kluzik (alle Goethe-Universität Frankfurt a. M.).
Es wird um Anmeldung bis zum 7. Mai unter kluzik@soz.uni-frankfurt.de gebeten.
Mit der Anmeldungsbestätigung folgen weitere Informationen zum Ablauf.
Ort: Institut für Sozialforschung, Sitzungssaal