Gangs of Today. Was die Racket-Theorie über die Gegenwart sagen kann – Volker Weiß im Gespräch mit Paul Erxleben
In Zeiten der »Disruption« scheinen Staat und Wirtschaft die integrierende Funktion verloren zu haben, die von der bürgerlichen Demokratie einst versprochen wurde. Doch nicht nur dort, wo der Ordnungsrahmen nicht mehr funktioniert, zerfällt die Gesellschaft in konkurrierende Banden. Auch in »intakten« Weltgegenden bilden sich »Beutegemeinschaften«. Profite werden monopolisiert, soziale Gruppen fraktionieren sich und die Gesellschaft zerfällt in religiöse, ethnische und andere »Identitäten«, von denen sie sich doch einmal emanzipieren wollte. Der neue Autoritarismus tritt zwar mit dem Anspruch an, die Gesellschaft wieder mit harter Hand klar zu führen, seine Praxis jedoch ist die Zerstörung des Sozialen. Diese Tendenz des Autoritarismus, sogar noch Hand an die eigenen institutionellen Wurzeln zu legen, wurde von der Kritischen Theorie bereits konstatiert. Der Vortrag soll dieses Wissen auf die Gegenwart anwenden.
Eine Veranstaltungsreihe von Institut für Sozialforschung und dem Künstler*innenhaus Mousonturm
Gegenwärtig wird sichtbar, was sich schon lange abzeichnete: Politische Kräfte, die neoliberale Politiken mit autoritären Anrufungen verknüpfen, rücken zunehmend zusammen und bilden Allianzen. Die Veranstaltungsreihe »Wie es kommen musste. Aspekte des neuen Autoritarismus« nimmt diese Konvergenz in den Blick, die nicht nur soziale Ungleichheiten vertieft, sondern auch demokratische Strukturen zunehmend untergräbt und für viele Menschen eine unmittelbare Bedrohung bedeutet.
Während der Neoliberalismus eine Gesellschaft des Wettbewerbs und der Entsicherung schafft, proklamiert der Autoritarismus einfache Feindbilder und rigide Ordnungen. Gemeinsam erzeugen sie ein gesellschaftliches Klima, das demokratische Prinzipien wie Menschenwürde und Grundrechte zunehmend unter Druck setzt. Die autoritär-neoliberale Allianz ist freilich kein Zufall, sie ist Ausdruck struktureller Dynamiken des Gegenwartskapitalismus. Analytisch wie historisch lässt sich zeigen, dass autoritäre Ordnungsvorstellungen bereits im Kern neoliberaler Ideologie verankert sind.
Die vom Institut für Sozialforschung und Künstler*innenhaus Mousonturm organisierte Veranstaltungsreihe beleuchtet die aktuelle Konjunktur dieser Allianz in Deutschland und der Welt, legt Mechanismen autoritär-neoliberaler Politik und deren gesellschaftlichen Konsequenzen offen und fragt danach, welche Gegenbewegungen zum neuen Autoritarismus sichtbar und denkbar sind.
Alle Termine:
9. Oktober 2025: Volker Weiß (Villigster Forschungsforum, Hamburg) im Gespräch mit Paul Erxleben (IfS): Gangs of today – Was die Racket-Theorie über die Gegenwart sagen kann
26. November 2025: Micaela Cuesta (Universidad Nacional de San Martín, Buenos Aires) im Gespräch mit Alexander Kern (IfS): Para una sociología crítica del autoritarismo contemporáneo [auf Spanisch mit Simultanübersetzung ins Deutsche]
17. Dezember 2025: Morten Paul (Ruhr-Universität-Bochum) im Gespräch mit Ricarda Biemüller (IfS): Was war Faschismustheorie? Geschichte und Gegenwart eines Versprechens
28. Januar 2026: Carolin Amlinger (Universität Basel) im Gespräch mit Georg Marx (IfS): Destruktivität als affektive Quelle des Autoritarismus
11. Februar 2026: Fiona Kalkstein (Else-Frenkel-Bunswik-Institut, Leipzig) im Gespräch mit Anna Rosa Ostern (IfS): Über Sündenböcke und Phantasmen. Faschisierung als Heilsversprechen
Die Veranstaltungen beginnen jeweils im 19 Uhr im Künstler*innenhaus Mousonturm. Der Eintritt ist frei.
Ort: Künstler*innenhaus Mousonturm