Klassenverhältnisse in der Psychotherapie

Eine rekonstruktive Studie der Behandlung arbeitsbezogenen Leidens

Die Arbeit geht von der Beobachtung aus, dass die soziale Klasse zwar die Verteilung von psychosozialen Leiden in der Gesellschaft ganz wesentlich mitbestimmt, die jeweilige soziale Lage und Position der Beteiligten in der Psychotherapie allerdings viel zu häufig einen blinden Fleck darstellen. Das Projekt versucht daher die Bedeutung von Klassenverhältnissen in der Therapie zu rekonstruieren und widmet sich dazu der Perspektive der Behandler*innen: Deren symbolischen Grenzziehungen und Klassifikationspraktiken im Umgang mit ihren sozial unterschiedliche verorteten Patient*innen stehen im Zentrum der Untersuchung. Konkret fragt die Untersuchung danach, welche Normen eines kompetenten Umgangs mit sich selbst von den Behandler*innen bemüht werden, wie sie damit die Situation ihrer Patient*innen bearbeiten, die häufig von gegenwärtigen Krisen der eigenen Erwerbstätigkeit, akuten Abstiegsdrohungen und verwehrten Aufstiegshoffnungen gezeichnet sind und auf welche Weise die Therapie dabei zur Neuverhandlung oder Reproduktion klassenbezogener Ungleichheiten beiträgt. Grundlage der Analyse bilden ethnografische Beobachtungen und Interviews mit Behandler*innen in acht psychosomatischen Kliniken.