Die postnazistische Gesellschaft. Das ›Gruppenexperiment‹ des Instituts für Sozialforschung: Erschließung, Edition, Forschung

Zu Beginn der 1950er Jahre startete das Institut für Sozialforschung (IfS) eine der aufwendigsten empirischen Studien der deutschen Soziologie: Ziel war es, zu erfahren, inwiefern der Nationalsozialismus seinen Zusammenbruch überdauert hatte. Wie stark waren damals demokratische Einstellungen, wie verbreitet Rassismus und Antisemitismus? Die Ergebnisse blieben nach der Studie weitgehend unveröffentlicht, zu brisant erschienen manche Einblicke. Nun sollen sie in dem Langzeitprojekt »Die postnazistische Gesellschaft. Das ›Gruppenexperiment‹ des Instituts für Sozialforschung: Erschließung, Edition, Forschung« erstmals in Gänze öffentlich gemacht und erforscht werden.

Das »Gruppenexperiment« des IfS produzierte ein einzigartiges Daten-, Auswertungs- und Publikationsmaterial. Für einen großen Teil davon gilt jedoch: Es ist bis heute nicht erschlossen, veröffentlicht und ausgewertet. Damals war die Befürchtung nicht nur beim Studienleiter Theodor W. Adorno groß, eine Veröffentlichung der Ergebnisse könne zu erschütternden politischen Auswirkungen führen. Das zunächst für die erste Phase von drei Jahren von der DFG finanzierte Projekt soll nun die Veröffentlichung und Auswertung der großangelegten Studie nachholen:

Das auf insgesamt zwölf Jahre angelegte Projekt »Die postnazistische Gesellschaft. Das ›Gruppenexperiment‹ des Instituts für Sozialforschung: Erschließung, Edition, Forschung« verfolgt zwei Ziele: Die größtenteils unbekannten Inhalte des Gruppenexperiments sollen vollständig transkribiert und digital frei zugänglich gemacht werden; über ein Onlineportal wird damit die Grundlage für eine weitere disziplinenübergreifende Forschung geschaffen. Darüber hinaus soll das Material im Projekt selbst aus verschiedenen Perspektiven heraus erforscht werden. Das Projektteam rechnet damit, dass das Gruppenexperiment wesentliche neue Erkenntnisse zum Verständnis der postnazistischen Gesellschaft in Westdeutschland liefern wird.

Ein Forschungsprojekt des IfS in Kooperation mit Prof. Dr. Patrick Sahle, Professor für Digital Humanities an der Universität Wuppertal und Dr. Thomas Risse, Leiter der IT-Services der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg. Die Koordination des Gesamtvorhabens liegt bei Dr. Dirk Braunstein, Leiter des Archivs des Instituts für Sozialforschung. Ein interdisziplinär zusammengesetzter Internationaler Wissenschaftlicher Beirat wird die Edition und Forschung im Rahmen des Vorhabens eng begleiten.

 

Aktuelle Stellenausschreibung: Wissenschaftliche:r Mitarbeiter:in (m/w/d) (75% der vollen Wochenarbeitszeit, TV-H, E 13)

 

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