IfS Aus der Reihe
Die 2022 initiierte Publikationsreihe umfasst aktualitätsbezogene Reflexionen und Interventionen in gesellschaftstheoretischer Absicht. Die Reihe bietet den Arbeitskreisen des IfS die Möglichkeit, ihre pluralen wissenschaftlichen Diskussionsprozesse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Bände bieten Raum für kleine Textformate, die in der Tradition des Essays als freier und offener Form stehen. IfS Aus der Reihe spiegelt auch in der Konzeption und Produktion die kooperative Arbeit am Institut wider.
Redaktion: Saskia Gränitz, Leonie Hunter, Almut Poppinga, Minna Ruokonen-Engler, Christian Sperneac-Wolfer, Felix Trautmann, Franziska Wildt
5 (März 2025)
Im Schatten der Tradition. Eine Geschichte des IfS aus feministischer Perspektive
Die Geschichte des Frankfurter Instituts für Sozialforschung (IfS) wird in der Regel anhand der Biografien und Werke männlicher Protagonisten erzählt. So erscheint das Institut als Ort einer intellektuellen Tradition, in der weder Frauen noch Fragen der Geschlechterverhältnisse eine Rolle spielen. Dementgegen wirft der vorliegende Band einen dezidiert feministischen Blick auf die 100-jährige Geschichte des IfS und verdeutlicht die hartnäckige androzentrische Ausblendung der Tätigkeiten von Frauen am und im Umfeld des Instituts in seiner gängigen Geschichtsschreibung. Die versammelten Beiträge vergegenwärtigen, dass das IfS von Beginn an Frauen in die Forschung eingebunden hat und dass zu verschiedenen Zeitpunkten geschlechtertheoretische Überlegungen am Institut entwickelt wurden, die in Verbindung zu politischen Debatten standen. Zugleich zeigt die Rekonstruktion biografischer Wege ausgewählter Wissenschaftlerinnen die institutionellen Beschränkungen, mit denen Frauen bis weit ins 20. Jahrhundert in der wissenschaftlichen Arbeit konfrontiert waren. Der Band beleuchtet die ambivalenten Ein- und Ausschlüsse von Frauen sowie Modi der Arbeitsteilung und damit einhergehende (Un-)Sichtbarkeiten in der Wissenschaft im Allgemeinen und am Institut im Besonderen. Mit Beiträgen von AK Gender, Kinship, Sexuality, Bruna Della Torre, Veronika Duma, Christina Engelmann, Lena Reichardt, Bea S. Ricke, Judy Slivi, Sarah Speck, Karin Stögner, Barbara Umrath und Stephan Voswinkel. Weitere Informationen finden sich auf der Verlagsseite.
4 (September 2025)
Feldverhältnisse. Irritation und Erkenntnis im Forschungsprozess
Die qualitativ-interpretative Forschungspraxis wird von Irritationen, Staunen und ›Stolpern‹ begleitet. Welche neuen Perspektiven eröffnen sich auf die Konstitution des Feldes, wenn wir unseren Blick genau auf diese Momente des Infragestellens richten? Was lehren sie uns über die Feldverhältnisse, das heißt über die gesellschaftliche und materielle Bedingtheit, die räumliche Anordnung sowie die soziale Eingebundenheit des Forschens? Inwiefern werden schließlich die akademische Wissensproduktion und ihre Methoden durch die Menschen, denen wir im Feld begegnen, und ihr Feldwissen herausgefordert? Die versammelten Essays diskutieren diese Fragen anhand von Forschungserfahrungen und dem dabei gesammelten empirischen Material und zeigen, wie die auf den ersten Blick als Irritationen erscheinenden Herausforderungen sich im Laufe des Forschungsprozesses als produktiv erweisen können. Dadurch liefern sie Impulse für die Erweiterung des methodischen und konzeptuellen Repertoires interpretativer Sozialforschung sowie für die kritisch-reflexive gegenstandsbezogene Theoretisierung ebenso unterschiedlicher wie komplexer gesellschaftlicher Phänomene wie Wohnungslosigkeit, Mafia, Religiosität, psychotherapeutische Behandlung, Covid-19-Pandemie, Erwerbslosigkeit, Care-Arbeit, Migration und Kulturpolitik. Mit Beiträgen von Ina Braune, Miryam Frickel, Saskia Gränitz, Annette Hilscher, Ruth Manstetten, Minna Ruokonen-Engler, Claudia Willms und Farid Zarioh. Weitere Informationen finden sich auf der Verlagsseite.
3 (November 2024)
Handeln in einer schlechten Welt. Zur Kritik im Handgemenge
Die gesellschaftlichen Verhältnisse als unhaltbar auszuweisen, gehört seit eh und je zum guten Ton der Kritischen Theorie. Dass sie deswegen ein unproblematisches Verhältnis zur praktischen Gesellschaftskritik hätte, wird man allerdings nicht behaupten können. Die vielfältigen Orte der Kritik an den Verhältnissen – eben nicht nur in der Akademie, sondern auch im Alltag, auf der Arbeit, als Aktivismus – machen der wissenschaftlichen Kritikproduktion durchaus zu schaffen. Indem dieses Buch einige außerakademische Orte gesellschaftskritischer Praxis besucht, stellt es sich der Frage, wo und wie sich Theorie und Praxis wechselseitig stärken können. Für kritische Gesellschaftstheorie im Handgemenge bedeutet das, beweglich zu bleiben und sich von der Praxis der Kritik inspirieren und irritieren zu lassen. So schonungslos sich Kritische Theorie gegenüber den gesellschaftlichen Verhältnissen zeigt, so ungeschützt müsste sie sich auch einer praktisch gewordenen Kritik stellen. Im Wissen darum, dass letztlich beide das Gleiche wollen: dass es anders wird. Mit Beiträgen von Ina Braune, Mirko Broll, End Fossil: Occupy! Frankfurt, Christina Engelmann, Eva Fleischmann, Sabine Flick, Lisa Yashodhara Haller, Alexander Herold, Janina Hirth, Alexander Kern, Geoffroy de Lagasnerie, Martin Lechner, Stephan Lessenich, Robin Mohan, Janina Puder, Lena Reichardt, Sarah Speck, Jenny Stupka. Weitere Informationen finden sich auf der Verlagsseite.
2 (Februar 2024)
Gesellschaften unter Handlungszwang
Existenzielle Probleme, Normalität und Kritik Klimawandel, Armutsmigration, Krieg: Wir stehen vor einer ganzen Reihe existenzieller Probleme, die spätmoderne Gesellschaften ebenso herausfordern wie deren Gesellschaftswissenschaften – und beide allem Anschein nach überfordern. Der Band fragt danach, wie der Problemschwere zunächst wissenschaftlich, sodann aber auch gesellschaftlich überhaupt Rechnung zu tragen wäre: Was bräuchte es, um den existenziellen Charakter von Problemen zu realisieren, also zum einen zu erkennen, zum anderen aber auch zur Leitlinie des eigenen Handelns zu machen? Was verhindert die so verstandene Realisierung der großen Fragen unserer Zeit? Und wie wäre es um die überkommenen Formen gesellschaftlicher Normalitätsproduktion bestellt, wenn existenzielle Probleme als solche anerkannt und angegangen würden? Das Buch ist als Debattenband konzipiert, in dem die Herausgeber auf kritische Repliken zu ihren jeweiligen Positionen gemeinsam Stellung beziehen. Mit Beiträgen von Christine Hentschel, Susanne Krasmann, Henning Laux, Stephan Lessenich und Thomas Scheffer. Herausgeber:innen Stephan Lessenich ist Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Gesellschaftstheorie und Sozialforschung und Direktor des Instituts für Sozialforschung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main. Thomas Scheffer ist Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Interpretative Sozialforschung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main. Weitere Informationen finden sich auf der Verlagsseite.
1 (Juli 2022)