Weitere Buchveröffentlichungen
2025
Saskia Gränitz | Wohnungsnot und Autoritarismus. Subjektanalytische Zugänge zur psychosozialen Bewältigung prekären Wohnens
Die soziale Frage ist zurück – und mit ihr die Wohnungsfrage. Während die Zahl derer, die in Einrichtungen des Hilfesystems oder auf der Straße leben, stetig wächst, spüren auch viele, die (noch) ein Dach über dem Kopf haben, dass die Mieten den Einkommen ›davonlaufen‹. Im Zuge ihrer qualitativen Forschung hat die Autorin mit Menschen gesprochen, die nach Abzug der Wohnkosten nicht mehr genug Geld zum Leben haben, seit Jahren zur Zwischenmiete wohnen oder immer neue Interimslösungen suchen. Einige leben in gesundheitsgefährdenden Wohnungen, andere fürchten, bei Familienzuwachs oder Entmietung verdrängt zu werden. Manchen bleibt nur der Umzug auf die Couch. Die Wohnungskrise ist längst Alltag.
Die Studie unternimmt einen theoretisch fundierten Streifzug durch die Grauzone der Wohnungsnot. Sie rekonstruiert qua Triangulation verschiedener Methoden die materielle und symbolische Ordnung prekären Wohnens im 21. Jahrhundert. Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage, unter welchen Umständen die Krise des Wohnens kämpferisch und solidarisch verarbeitet oder aber autoritär bewältigt und durch Ressentiments ›schiefgeheilt‹ wird.
2025
Eva Fleischmann | Was ist solidarisch an der »Willkommenskultur«? Unterstützung Geflüchteter zwischen Hilfe und Solidarität
Im Sommer und Herbst 2015 kommen zehntausende Geflüchtete am Münchner Hauptbahnhof an und werden spontan von Einzelpersonen, Vereinen und Organisationen versorgt. Im Rahmen einer qualitativen Interviewstudie und am Beispiel der lokalen Willkommenskultur untersucht Eva Fleischmann das Verhältnis zwischen Solidarität und Hilfe. Sie zeigt, dass in den empirisch vorgefundenen Unterstützungspraktiken sowohl paternalistische Hierarchien als auch Potenziale einer emanzipatorischen Solidarität angelegt sind, und entwickelt das empirisch fundierte wie theoretisch weiterführende Konzept einer Solidarität mit Geflüchteten.
2025
Jan Overwijk | Cybernetic Capitalism. A Critical Theory of the Incommunicable
Cybernetic Capitalism presents a groundbreaking synthesis of Niklas Luhmann's systems theory and critical theory. Overwijk examines how neoliberal capitalism now thrives on the management of incommunicability rather than the pursuit of total communicability, harnessing ecological complexity as its driving force. Contrary to earlier critiques that highlighted capitalism's push to render all social life fully communicable, the current era encourages market incalculability, profits from user unpredictability, and spurs service
workers' creativity.
This ecological logic resonates with the extractivist drive of the Anthropocene, reframing our understanding of capitalism as an adaptive, environment-attuned system. Cybernetic Capitalism also exposes how these dynamics intersect with the cultural rise of conspiracy theories and radical-right irrationalism. By illuminating capitalism's paradoxical reliance on both rationalist and irrationalist currents, Overwijk provides a vital new lens for interpreting the complex politics of our time.
Published: Fordham University Press.
2024
Mirko Broll | Solidarität ansteckend machen. Solidarische Gesundheitsversorgung in Zeiten der Austerität
Ab dem Jahr 2010 wurde Griechenland im Namen der europäischen Solidarität durch die »Troika« ein massives Sparprogramm auferlegt – mit katastrophalen Auswirkungen auf das Gesundheitssystem. Als Reaktion darauf wurden landesweit Strukturen der solidarischen Gesundheitsversorgung ins Leben gerufen, die allen Menschen ohne Krankenversicherung unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit offenstanden.
Mirko Broll erzählt die beeindruckende Geschichte von Selbstorganisation in Zeiten der Krise und zeigt, wie das Recht auf Gesundheit politisch erkämpft wurde. Er geht außerdem den höchst aktuellen Fragen nach, wie eine andere Gesundheitsversorgung aussehen kann und was »emanzipatorische Solidarität« heute bedeutet.
2024
Theodor W. Adorno und Ludwig von Friedeburg | Briefwechsel 1950-1969
Unmittelbar nach der Rückkehr des Instituts für Sozialforschung aus dem US-amerikanischen Exil nach Frankfurt bewarb sich ein junger Student bei Theodor W. Adorno um Mitarbeit: Ludwig von Friedeburg, Sohn des letzten Oberbefehlshabers der deutschen Kriegsmarine und selbst deren jüngster U-Boot-Kommandant im Zweiten Weltkrieg. Das erste gemeinsame Projekt war das berühmte »Gruppenexperiment«, jene von den US-Besatzungsbehörden finanzierte Studie, mit der die Demokratiefähigkeit der deutschen Bevölkerung nach NS-Diktatur, Vernichtungskrieg und Völkermord ermittelt werden sollte. Nach Abschluss des Vorhabens schrieb von Friedeburg begeistert von dem »ganz besonderen Geist« des Instituts für Sozialforschung und von der »geradezu beispielhaften Art des Teamworks in ihm«.
Es war der Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit und freundschaftlichen Beziehung, die bis zu Adornos Tod währte, wie die in diesem Band versammelten Briefe, Memoranden und Gesprächsprotokolle zeigen. Darüber hinaus dokumentieren sie die Geburtsstunde der empirischen Sozialforschung in der Bundesrepublik und lassen erkennen, wie maßgeblich die beiden an der Neugründung der Soziologie als akademischer Disziplin beteiligt waren.
Herausgegeben im Auftrag des Instituts für Sozialforschung von Dirk Braunstein und Maischa Gelhard.
2024
Saskia Gränitz | Bilder der Wohnungsnot. Ideologische Phantasmen in der Geschichte der Fürsorge
Die Geschichte der Wohnungsnot wird lesbar anhand von stereotypen Bildern, die in unterschiedlichen historischen Epochen über Menschen in Not vorherrschten – als »Vagabunden« oder »Taugenichtse«, »Nichtsesshafte« oder »asozial« Stigmatisierte. Die Auseinandersetzung mit diesen Bildern lenkt den Blick auf die historische Kontinuität sozialer Entkoppelung und politischer Ausgrenzung sowie auf die bis heute ungebrochene Wirkungsmacht symbolischer Spaltungen.
Saskia Gränitz unternimmt nicht nur eine ideologiekritische Entzauberung dieser Bilder, sondern befragt sie auch als real wirkmächtige Phantasmen hinsichtlich ihrer Funktion, Ausbeutungs- und Herrschaftsverhältnisse in jeder Epoche aufs Neue durchzusetzen. Dabei erweist sich die 500-jährige Geschichte der Herausbildung und Transformation kapitalistischen Wohnens als ein Drama mit wiederkehrenden Krisen, immer neuen Erscheinungsformen der Not und überwiegend gewaltsamen Versuchen ihrer politischen Regulierung.
2023
Alexandra Schauer | Mensch ohne Welt. Eine Soziologie spätmoderner Vergesellschaftung
»Die Menschen können sich heute eher ein Ende der Welt als ein Ende des Kapitalismus vorstellen«, lautet ein oft zitierter Befund. Alexandra Schauer geht dieser spätmodernen Malaise in ihrem überaus materialreichen Buch auf den Grund. In drei historischen Rekonstruktionsbewegungen zeigt sie am Wandel der Zeiterfahrung, der Öffentlichkeit und der Stadt, wie es kam, dass die Welt als Ort wechselseitiger Verständigung und gemeinsamen Handelns an Bedeutung und die für die politische Moderne einst so zentrale Idee der Gestaltbarkeit von Gesellschaft an Strahlkraft eingebüßt hat. Das hat schwerwiegende Konsequenzen für das vergesellschaftete Individuum der Gegenwart, das sich in der von ihm hervorgebrachten Wirklichkeit nicht mehr aus- und wiedererkennt.
2023
Thiago Aguiar Simim | Der Wert der Arbeit. Das Leistungsprinzip in Arbeitskämpfen zwischen Zentrum und Peripherie
Das Leistungsprinzip ist Dreh- und Angelpunkt zahlreicher sozialer Konflikte der modernen Welt. So verschieden die Strukturen von Arbeit im »Zentrum« und in der »Peripherie« des kapitalistischen Systems sind, so unterschiedlich wird auch Leistung verstanden und angewandt. Thiago A. Simim verdeutlicht dies durch einen Vergleich zwischen Deutschland und Brasilien, indem er die Unrechtsempfindungen von dort Arbeitenden im Kontext von Arbeitskämpfen aus der Perspektive einer kritischen Gesellschaftstheorie heraus beleuchtet. Der vergleichende Blick und die historische Rekonstruktion des Leistungsprinzips ermöglichen eine Entgegensetzung des industriegesellschaftlich geprägten Begriffs zu dessen peripherischer Ausprägung.
Reihe: International Labour Studies
Frankfurt a. M. und New York 2023 – Campus
2021
Tobias Heinze und Martin Mettin (Hg.) | »Denn das Wahre ist das Ganze nicht …«
Inmitten der studentischen Unruhen erschien 1969 Ulrich Sonnemanns Negative Anthropologie. Mit ihr legte der Philosoph und politische Schriftsteller einen zeitkritischen Kommentar und zugleich eine negativ-dialektische Durchdringung des Freudomarxismus der Studierenden vor. Das Werk bestätigte seine notorische Bekanntheit als eingriffsfreudiger kritischer Humanist und bewies seine Nähe zur Kritischen Theorie des Frankfurter Instituts für Sozialforschung.
Sonnemanns Sozialphilosophie problematisiert die Annahme einer vermeintlichen Naturhaftigkeit in den Selbstbildern des Menschen, wie sie Anthropologie, Marxismus und Psychoanalyse seiner Zeit entwerfen. Im Modus der bestimmten Negation erforscht Sonnemann die Widersprüche anthropologischer Theorien, deren Verstrickungen in gesellschaftliche Praxis er unnachgiebig ins Bewusstsein ruft. Damit ist negative Anthropologie Einmischung in ihren Gegenstand: Sie will die menschliche Welt verstehen, um das Verstandene zu verändern – indem sie daran erinnert, dass es menschliche Aufgabe bleibt, eine dem Gattungswesen gerechte Welt herzustellen.
Angesichts eines wiedererwachten Interesses an der Negativen Anthropologie befragt der Band Sonnemanns Denken auf seine Aktualität. Anhand akuter Gegenstände und Fragen demonstrieren die Beiträge die Möglichkeiten kritischer Eingriffe im Modus negativer Anthropologie. Ideengeschichtliche und systematische Argumentationen werden zusammengeführt und die Denkfigur einer negativen Anthropologie auf diese Weise als immer noch dringlicher Ansatz der Kritischen Theorie erhellt. Entstanden sind dabei sowohl geschichtskritische als auch ästhetische, religionsphilosophische und sprachkritische Anknüpfungen an Sonnemanns Werk. Die Negative Anthropologie erscheint dabei nicht als inventarisierbares Dokument einer abgeschlossenen Zeitgeschichte, sondern als ein Verfahren, in aufmerksamer Tuchfühlung mit dem Tagesgeschehen zu bleiben.
Berlin 2021 – Neofelis
2020
Felix Trautmann | Das Imaginäre der Demokratie
Politische Befreiung und das Rätsel der freiwilligen Knechtschaft
Mit der Frage, warum Menschen ihre Unterwerfung hinnehmen, setzt die kritische Auseinandersetzung mit der Legitimität monarchischer Herrschaft ein. Mit ihr beginnt die Geschichte der Demokratie.
Im 16. Jahrhundert vollzieht sich in Europa nicht nur ein tiefgreifender kultureller und ökonomischer Wandel, sondern es entsteht auch eine neue Form der radikalen Herrschaftskritik. Diese bleibt bis heute aktuell, weil sie sich an einen neuen Adressatenkreis richtet: die Menge der Beherrschten. Der zu Unrecht als Fürstenberater gescholtene Machiavelli wie auch Étienne de La Boétie fragen nach den Gründen von Herrschaft, indem sie die Perspektive des Volkes einnehmen. Beiden geht es nicht mehr um die moralischen Dimensionen guter Herrschaft oder ihre Legitimierung als göttlich eingesetzter. Stattdessen entdecken sie das Volk als Quelle derjenigen Macht, welche die Wenigen über die Vielen herrschen lässt. Indem beide Denker diesen Umstand zugleich als eine Verkehrung der Macht des Volkes in Unfreiheit beschreiben, richten sie das Augenmerk auf diejenigen Prozesse, durch die ein Einzelner über eine große Menge herrschen kann, obwohl die Macht eigentlich in ihrer Hand liegt.
In diesen Prozessen erkennt das Buch von Felix Trautmann das Rätsel der freiwilligen Knechtschaft. Es lässt sich nicht lösen durch eine einfache Schuldzuweisung an das Volk, die die gesellschaftlichen Umstände trivialisieren würde. Im Ausgang von der imaginären Dimension politischer Herrschaft, die weniger mit physischer Stärke oder Gewalt zu tun hat, sondern mit den Wirkungen des Scheins, der Kraft des Versprechens und der Macht der Repräsentation, untersucht die Studie die Bindungskräfte eines Herrschaftsverhältnisses, das die Beherrschten auch dann erzeugen, wenn es sich im Effekt gegen sie selbst richtet. So ergibt sich nicht nur ein anderer Blick auf die Wirkungsweise monarchischer Herrschaft; auch die Emanzipationsbewegungen gegen gewaltsame Unterdrückung, die sich in demokratischen Revolutionen Bahn gebrochen haben, offenbaren ihre eigentümliche Ambivalenz.
Reihe: Konstanz University Press
Göttingen 2020 – Wallstein
2019
Ferdinand Sutterlüty, Matthias Jung und Andy Reymann (Hg.) | Narrative der Gewalt
Wenn es um die Frage geht, wie Gewalthandlungen motiviert sind und wie unterschiedlich sie historisch legitimiert wurden, kommt man ohne die Analyse narrativer Formen nicht aus. Dieser Band versammelt profunde Beiträge aus Soziologie, Ethnologie, Geschichtswissenschaft und Archäologie, die von Autorinnen und Autoren aus jeweils anderen Disziplinen kommentiert werden. Sie machen deutlich, wie gewinnbringend die Beschäftigung mit Gewaltnarrativen ist und wie sie wirkungsvoll mit anderen Ansätzen verknüpft werden kann.
Frankfurt a. M. und New York 2019 – Campus
2019
Christoph Deutschmann | Disembedded Markets
In the Marxist tradition, capitalism is understood as a commodified society based on markets. The article argues that the ultimate justification of this position does not lie in any ‘materialistic’ approach, but in the disembedding of markets that was the result of the historical ‘Great Transformation’ analysed by Karl Polanyi. Disembedded markets are not an economic subsystem within society but take the place of the most encompassing social system, which Durkheim had reserved for religion. The article distinguishes between spatial, social, material and temporal dimensions of disembedding, thereby elaborating and correcting the analysis of Karl Polanyi. As a genuine form of society, disembedded markets give rise to the epistemological dilemma, which, as Luhmann had shown, is fundamental to any encompassing social theory: Society as a whole cannot be viewed by any observer. According to this viewpoint, economic theories take on ‘theological’ functions, as they provide rationality and legitimacy to a reality that is unknowable.
Milton Park und New York 2019 – Routledge
2019
Juliane Rebentisch | La moralità dell’ironia
Nei "Lineamenti di filosofia del diritto" l'ironia romantica rappresenta il culmine di quella divergenza fra libertà soggettiva e universalità etica che caratterizza complessivamente la sfera della moralità. Con e contro Hegel, Rebentisch intende mostrare come sia possibile rimanere fedeli al progetto hegeliano di un'eticità intersoggettiva e storica soltanto attraverso una correzione della sua critica ai romantici. In un interessante percorso che va da Socrate a Deleuze, Rebentisch sottolinea l'impossibilità di una perfetta coincidenza fra natura interiore e forma sociale del soggetto, il quale resta sempre esposto alla possibilità di un cambiamento radicale nei confronti di se stesso e del mondo.
Rom 2019 – Inschibboleth Edizioni
2019
Ferdinand Sutterlüty und E. Kay M. Tisdall (Hg.) | Agency, Self-Determination, Autonomy
Children’s agency has become a popularised conceptual and practical concern, following the rise of the ‘new’ sociology of childhood and the wide-spread ratification of the UN Convention on the Rights of the Child. The promotion of children’s agency captured adults’ wish to recognise children in their own right, that children are social actors in their families, communities and societies, and that their participation rights need to be promoted. However, recent deliberations in childhood studies have encouraged a harder look at children’s agency on practical and theoretical grounds. This special journal issue addresses this agenda in three ways: to consider theoretical resources for re-framing agency and children’s agency and, in particular, to make it more empirically useful in research and practice; to consider underlying concepts (such as vulnerability and competence), and whether they limit or enhance children’s agency; and to develop alternative concepts, namely autonomy and self-determination, which may better support recognition of children as social actors and their rights.
Special Issue, in: Global Studies of Childhood 9. 3.
Melbourne und London 2019 – Sage
2019
Christoph Deutschmann | Kapitalistische Dynamik
Der Band fasst die neueren Publikationen sowie einige Originalbeiträge des Autors zur Arbeits- und Wirtschaftssoziologie zusammen, in denen eine gesellschaftstheoretische Interpretation kapitalistischer Dynamik entwickelt wird. Zentrale Themen sind die Wahlverwandtschaft zwischen Kapitalismus und Religion und der daraus abgeleitete dynamische Ansatz der Analyse wirtschaftlicher Institutionen. Darüber hinaus geht es darum, diesen Ansatz für die Erklärung aktueller Transformationsprozesse der Arbeitswelt und der Finanzmärkte fruchtbar zu machen.
2., überarbeitete und erweiterte Auflage
Wiesbaden 2019 – Springer VS
2019
Kai Dröge und Andrea Glauser (Hg.) | Digitalisierung der Wissensarbeit Interdisziplinäre Analysen und Fallstudien
Macht Technik die menschliche Arbeit irgendwann überflüssig? Die Frage ist alt, stellt sich heute aber auf neue Weise. Denn es sind auch Berufe aus dem Feld der Wissensarbeit betroffen, die lange als geschützt galten. Algorithmen und künstliche Intelligenz dringen in Bereiche vor, in denen bisher menschliche Analysefähigkeiten unverzichtbar waren. Aber daneben passieren auch viele subtile Veränderungen, mit denen die Digitalisierung die Gestalt und Bedeutung von Wissensarbeit nachhaltig verändert. Dieser Band spürt solchen Verschiebungen nach: Er verknüpft Überlegungen aus Soziologie, Betriebswirtschaftslehre und Arbeitspsychologie mit Fallstudien zur Arbeitswelt.
Frankfurt a. M. und New York 2019 – Campus
2018
Dirk Braunstein , Grażyna Jurewicz und Ansgar Martins (Hg.) | »Der Schein des Lichts, der ins Gefängnis selber fällt«
Die radikale Gesellschaftskritik Theodor W. Adornos und Max Horkheimers bedient sich immer wieder explizit theologischer und metaphysischer Topoi – selbst dort, wo sie Religion kritisiert. Einerseits arbeiten die Vertreter der Kritischen Theorie die ideologische Funktion von Religion in einer Gesellschaft heraus, deren menschengemachte Zwänge als metaphysisch gegebene, unhintergehbare Tatsachen erscheinen. Um diesen Schein zu durchbrechen, halten sie aber andererseits am Wahrheitsgehalt der theologischen Versprechen fest. Dabei verwirft die Kritische Theorie jedes positive Bild des ‚Anderen‘ und fordert zugleich, seine Möglichkeit der vermeintlich ausweglosen Immanenz des Faktischen entgegenzuhalten. Als profanierte Denk- und Deutungsfiguren werden theologische Bestände dabei philosophisch, sozialtheoretisch und ästhetisch eingeholt.
Dem Stellenwert dieser rettenden Religionskritik zwischen Metaphorik und Metaphysik sind die Einzelstudien des vorliegenden Bandes gewidmet. Die Autorinnen und Autoren gehen insbesondere religiösen Themen und metaphysischen Thesen bei Adorno nach, die von dessen Apologeten meist stillschweigend übergangen, von den Kritikern hingegen zur Sackgasse seiner kritischen Gesellschaftstheorie erklärt werden. Dabei wird immer wieder deutlich, dass das metaphysisch-theologische Vokabular der Kritischen Theorie gerade auf das scheinbare Gegenteil der Theologie – den Materialismus – verweist und umgekehrt.
Berlin 2018 – Neofelis, 390 Seiten
2018
Axel Honneth | Anerkennung Eine europäische Ideengeschichte
In seinem neuen Buch rekonstruiert Axel Honneth die Idee der Anerkennung in der Vielfalt der Bedeutungen, die sie seit Beginn der Moderne in Europa angenommen hat. Mit Blick auf drei wirkmächtige europäische Denktraditionen – die französische, die britische und die deutsche – zeichnet er nach, wie sie aufgrund unterschiedlicher politisch-sozialer Herausforderungen jeweils ganz verschiedene philosophische Interpretationen und gesellschaftspolitische Ausprägungen erfahren hat.
Während in Frankreich mit reconnaissance die Gefahr des individuellen Selbstverlustes assoziiert wird, gilt der Prozess der recognition in Großbritannien als Bedingung der normativen Selbstkontrolle; und hierzulande meint Anerkennung auch die Vollzugsform allen wahren Respekts unter Menschen. Erstaunlich ist, dass keine dieser drei Bedeutungen, deren Wurzeln bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen, in der Gegenwart an Einfluss verloren hat. Ob sie sich heute eher ergänzen oder gegenseitig im Weg stehen, zeigt diese Studie, die auch einen Beitrag zur Klärung unseres aktuellen politisch-kulturellen Selbstverständnisses leistet.
Berlin 2018 – Suhrkamp
2018
2018
Peter Gordon, Espen Hammer und Axel Honneth (Hg.) | The Routledge Companion to the Frankfurt School
The portentous terms and phrases associated with the first decades of the Frankfurt School – exile, the dominance of capitalism, fascism – seem as salient today as they were in the early twentieth century. The Routledge Companion to the Frankfurt School addresses the many early concerns of critical theory and brings those concerns into direct engagement with our shared world today. In this volume, a distinguished group of international scholars from a variety of disciplines revisits the philosophical and political contributions of Theodor W. Adorno, Walter Benjamin, Max Horkheimer, Herbert Marcuse, Jürgen Habermas, Axel Honneth, and others.
London 2018 – Routledge
2018
Nathalie Karagiannis | Apikia
Colony explores the relation between aesthetics and history, and more specifically, the refusal of origins and identity. The book as a whole attempts to question the idea that a voice and recognisability is what sustains a solid poetic discourse; the logic ascribing invented narrative to prose and a concern with the intimate and the real to poetry; and the impermeability of historical narrative by moments of suspension of time. Thus, to give an example, the first section of the book juxtaposes short poetic prose scenes set in a former colony (which sound like fiction, but are actually rooted in experience) with fragments of supposedly traditional Greeks songs of mourning (which are wholly invented, and whose traditional rhythm is slightly altered in order to question their naturalness): the juxtaposition is what matters here, as the circuit between old and new, inherited and invented, aesthetic and historical not only has effects through time but also through space.
Athen 2018 – Agra
2018
Maria Kontos, Minna-Kristiina Ruokonen-Engler et al. (Hg.) | Betriebliche Integration von Pflegefachkräften aus dem Ausland
Zur Fachkräftesicherung in Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen werden ausländische Pflegefachkräfte zum Teil aktiv von deutschen Einrichtungen angeworben. Die vorliegende Analyse des betrieblichen Integrationsprozesses migrierter Pflegefachkräfte zeigt Spannungsverhältnisse auf, die zwischen neu migrierten und etablierten Pflegefachkräften am Arbeitsplatz entstehen und die entlang der Dimensionen von Fachlichkeit, Arbeitsorganisation und Kulturalisierung verlaufen. Zudem werden Lösungspotenziale skizziert.
Düsseldorf 2018 – Hans-Böckler-Stiftung
2018
Juliane Rebentisch, Thomas Khurana, Dirk Quadflieg, Francesca Raimondi und Dirk Setton (Hg.) | Negativität. Kunst – Recht – Politik
Gegen die verbreitete Vorstellung, dass Negativität im Interesse von mehr Selbstverwirklichung, Produktivität und Positivität überwunden oder begrenzt werden muss, eröffnet dieser Band eine andere Perspektive. Er geht den verschiedenen Formen des Negativen in Kunst, Recht und Politik nach, um zu zeigen, dass es nicht allein eine Negativität gibt, die dem Gelingen im Weg steht oder zu dessen sicher beherrschtem Mittel wird. Die Beiträge des Bandes erweisen Negativität vielmehr als eine Kraft der Befreiung, die ein Gelingen anderer Art ermöglicht.
Berlin 2018 – Suhrkamp
2018
Thiago Aguiar Simim | Da Crítica ao Reconhecimento
Este livro trata da confluência entre teoria crítica e teoria da justiça, realizada na obra de Axel Honneth, representante da terceira geração da Escola de Frankfurt, através da sua concepção de reconhecimento. Como resposta ao debate contemporâneo sobre teoria da justiça impulsionado por John Rawls na década de 1970, Honneth constrói o modelo de reconhecimento como justiça enquanto alternativa às posições comunitarista e liberal. Contudo sua concepção de crítica e a própria categoria de reconhecimento, anterior a este debate, não permanecem intactas no desenvolvimento de sua obra. A intenção deste trabalho é demonstrar as revisões internas na teoria de Honneth e, como conclusão, questionar quais são as implicações da aproximação entre reconhecimento e justiça não para a teoria da justiça, mas para a crítica.
Belo Horizonte 2018 – Arraes
2017
Felix Trautmann | Das politische Imaginäre. Freiheit und Gesetz V
Welche Rolle spielen das Imaginäre und das Vermögen der Einbildungskraft im Politischen? Als schöpferische Kraft verweist die Imagination zunächst auf das Feld des Ästhetischen. Dieser Einschränkung stellen sich die versammelten Texte vehement entgegen und betrachten den Zusammenhang von Ästhetik und Politik nicht allein unter dem Verdikt der Ästhetisierung. Die politische Virulenz des Imaginären zeigt sich dabei nicht allein in den vielfältigen politischen Fiktionen, welche die Geschichte des Absolutismus und modernen Totalitarismus durchziehen. Auch im Rahmen demokratischer Ordnungen gilt es zu klären, in welcher Weise das Imaginäre in der Herausbildung politischer Gemeinschaften am Werke ist. Das Imaginäre spielt dabei nicht nur für die Konstitution und Stabilisierung gesellschaftlicher und politischer Ordnungen eine Rolle, sondern auch in politischen Konflikten und Umbruchphasen. Ausgehend von dieser Ambivalenz untersuchen die Beiträge des Bandes zeitgenössische Diskurse des Politischen anhand der emanzipatorischen, konservativen und ideologischen Momente des Imaginären.
Berlin 2017 – August Verlag
2017
Kai-Olaf Maiwald, Inken Sürig | Mikrosoziologie
Der zentrale Ansatz der Mikrosoziologie ist, dass soziale Strukturen ihr Fundament in den konkreten Handlungen konkreter Personen haben. Dabei ist die Annahme leitend, dass das, was in Interaktionen, was in unserem alltäglichen wie außeralltäglichen Handeln in den verschiedensten Situationen geschieht, nicht zufällig, beliebig oder immer nur ‚individuell‘ ist. Vielmehr lässt sich eine Vielzahl von Strukturen ausmachen, von Mustern, die über die Einzigartigkeit der je konkreten Interaktionsereignisse hinausgehen. In dieser Einführung wird das begriffliche Instrumentarium für die Analyse von Prozessen der Strukturbildung in Interaktionen bereitgestellt. Es werden Aspekte behandelt, die jeder konkreten Interaktion vorgängig sind, seien es universale Mechanismen (z. B. der formalen Organisation von Interaktion), denen sich Interaktion nicht entziehen kann, seien es gesellschaftsspezifische Strukturvorgaben (z. B. Rollen und Normen), mit denen Interaktion zumindest rechnen muss (und kann).
Wiesbaden 2017 – Springer VS
2017
Ferdinand Sutterlüty, Sabine Flick | Der Streit ums Kindeswohl
Das Rechtsprinzip des Kindeswohls und seine institutionelle Anwendung sind notorisch umstritten. Der interdisziplinär ausgerichtete Band wirft ein frisches Licht auf die einschlägige Diskussion.
Fernab jeder Öffentlichkeit werden täglich Urteile über das Leben von Kindern gefällt. Dabei beruft man sich auf das Kindeswohl. Wie dieses Prinzip auszudeuten und rechtlich anzuwenden ist, bleibt jedoch notorisch umstritten. Der Streit ums Kindeswohl findet nicht nur in Familien, Jugendämtern und Familiengerichten statt; auch wissenschaftlich wird kontrovers diskutiert, was das Kindeswohl-Prinzip genau meint. Der interdisziplinär ausgerichtete Band versammelt konzeptionelle Beiträge zu dieser Diskussion sowie profunde Analysen zur Anwendung des Kindeswohls in Recht, Sozialarbeit und Medizin.
Weinheim und Basel 2017 – Beltz Juventa
2017
Nora Alsdorf et al. | Psychische Erkrankungen in der Arbeitswelt
Welche Arbeitssituationen sind psychisch belastend? Wie gehen Organisationen mit psychischen Erkrankungen um? Und wie wird die Erwerbsarbeit in Therapien thematisiert?
Die Autor_innen analysieren Fälle psychisch erkrankter Beschäftigter interdisziplinär und zeigen auf, welche Verbesserungsmöglichkeiten es an den Schnittstellen von Gesundheitssystem und betrieblicher Wiedereingliederung gibt.
Bielefeld 2017 – transcript Verlag
2016
Oliver Nachtwey | Abstiegsgesellschaft
Berlin 2016 – Suhrkamp
2015
Jens Wissel | Staatsprojekt EUropa: Grundzüge einer materialistischen Theorie der Europäischen Union
Die Veränderungen im Zuge der Krise in Europa, wie die Zunahme von sozialen Auseinandersetzungen, haben auf dramatische Weise vor Augen geführt, wie weitreichend der Einfluss der Europäischen Union mittlerweile ist. Aber nicht erst seit der Krise gibt es politische Auseinandersetzung um die Verfasstheit Europas. Ausgehend von materialistischer Staatstheorie zeigt Jens Wissel, welche sozialen Kräfte hinter dem Integrationsprozess stehen und wie gesellschaftliche Kämpfe auf den Aufbau der EU gewirkt haben. Es ist ein multiskalares europäisches Apparate-Ensemble entstanden, in welchem die nationalen wie die genuin europäischen Staatsapparate zu einem heterogenen und konflikthaften Gebilde verwoben sind. Das europäische Apparate-Ensemble wird durch ein, nach wie vor, labiles und umkämpftes neues Staatsprojekt strukturiert. Die Transformation hin zu einem postfordistischen Staatsapparate-Ensemble vollzieht sich nicht nur in den großen Vertragsveränderungen sondern vor allem in administrativen Mikropraktiken, die Kompetenzen verschieben und dehnen. Untersucht werden diese Prozesse anhand von drei Fallstudien. 1. Zur Entstehung von transnationalen sozialen Rechten in der Unionsbürgerschafts-Richtlinie. 2. Der Schaffung einer europäischen Blue Card zur Anwerbung von Hochqualifizierten. 3. Dem Ausbau der Grenzschutzagentur (FRONTEX).
Münster 2015 – Westfälisches Dampfboot
2015
Judith Mohrmann | Affekt und Revolution
Politisches Handeln nach Arendt und Kant
Politische Handlungen entstehen nicht nur durch einzelne oder kollektive Taten, sondern gerade durch die affektive Performanz Außenstehender. Vor dem Hintergrund von Hannah Arendts und Immanuel Kants Analyse der Französischen Revolution dekonstruiert Judith Mohrmann unsere konventionelle Vorstellung von Emotionen und zeigt Alternativen auf: Erst wenn wir die Emotionsgebundenheit von politischen Entscheidungen und Urteilen in allen Facetten anerkennen, können wir eine politische Handlung verstehen.
Frankfurt a. M. und New York 2015 – Campus Verlag
2015
Cornelia Koppetsch und Sarah Speck | Wenn der Mann kein Ernährer mehr ist
Geschlechterkonflikte in Krisenzeiten
Seit den siebziger Jahren haben sich weitreichende Veränderungen in den Geschlechterverhältnissen vollzogen: Frauen sind heute autonomer, besser ausgebildet, häufiger erwerbstätig und sie erobern immer mehr Führungspositionen. Umgekehrt möchten viele Männer engagierte Väter sein, und es wird für sie wichtiger, »weiche« Seiten unter Beweis zu stellen – im Beruf und im Privatleben.
Aus diesen Fortschritten ergeben sich neue Konflikte, schließlich passen Realität und tradierte Rollenbilder in vielen Familien nicht mehr zusammen: Macht er die Hausarbeit, wenn sie die Miete zahlt? In ihrer groß angelegten Studie untersuchen die Autorinnen, wie Paare aus unterschiedlichen sozialen Milieus damit umgehen, wenn der Mann kein Ernährer mehr ist.
Berlin 2015 – Suhrkamp
2015
Axel Honneth | Die Idee des Sozialismus
Versuch einer Aktualisierung
Die Idee des Sozialismus hat ihren Glanz verloren, so Axel Honneth in seinem luziden und kontrovers diskutierten politisch-philosophischen Essay, der nun als erweiterte Ausgabe im Taschenbuch erscheint. Der Grund dafür liege darin, dass in ihr theoretische Hintergrundannahmen am Werk sind, die aus der Zeit des Industrialismus stammen, im 21. Jahrhundert aber keinerlei Überzeugungskraft mehr besitzen. Sie müssen ersetzt werden, und zwar durch Bestimmungen von Geschichte und Gesellschaft, die unserem heutigen Erfahrungsstand angemessen sind. Nur wenn das gelingt, kann das Vertrauen in ein Projekt zurückgewonnen werden, das nach wie vor zeitgemäß ist.
Berlin 2015 – Suhrkamp
2014
Stefanie Hürtgen und Stephan Voswinkel | Nichtnormale Normalität?
Anspruchslogiken aus der Arbeitnehmermitte
Vielfach wird angenommen, dass Krisen- und Prekarisierungserfahrungen Beschäftigte in die Defensive drängen: Ansprüche an die Arbeit würden zurückgenommen oder aufgegeben, Lebensentwürfe modifiziert oder eingeschränkt. Trifft das auch für Arbeitnehmer zu, die nicht in bedrohten oder prekären Beschäftigungsverhältnissen arbeiten – auf die »Arbeitnehmermitte«? In einer breit angelegten qualitativ-empirischen Untersuchung finden Hürtgen und Voswinkel bei Angehörigen dieser Gruppe auf den ersten Blick kaum Verunsicherung. Ansprüche an Arbeitsplatzsicherheit, Einkommen, Anerkennung und Kollegialität halten sie weiterhin für normal, ebenso die Vorstellung, dass Respekt, Selbstsorge, Schutz vor Überbeanspruchung und ein erfülltes Leben jenseits der Arbeit normative Geltung haben sollten. Auch abweichende Erfahrungen erschüttern diese Konzeption nicht, werden vielmehr von hier aus kritisiert. Auf den zweiten Blick zeigt sich allerdings, dass diese Beschäftigten die selbst erlebte Normalität keineswegs mehr als gesellschaftsweit gültig wahrnehmen. Sie erleben sich in einer »Sondersituation« und hegen Zweifel, ob ihre eigenen Normalitätsvorstellungen noch die soziale und normative Mitte der Gesellschaft repräsentieren.
Berlin 2014 – edition sigma
2014
Jürgen Schardt | Mythos Bürgersinn
Zur Gründungsgeschichte der Universität Frankfurt
Die Frankfurter Universität gilt als eine Hochburg der 68er-Studentenbewegung. Aber ihre Gründung 1914 als letzte Universität im deutschen Kaiserreich ist nicht frei von Kapitalinteressen und dem Chauvinismus des Ersten Weltkrieges.
Hamburg 2014 – VSA
2014
Lisa Herzog und Axel Honneth (Hg.) | Der Wert des Marktes
Ein philosophisch-ökonomischer Diskurs vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart
Die Frage nach dem moralischen Wert des Marktes stellt sich nach den Finanzkrisen der jüngsten Zeit mit besonderem Nachdruck. Sie ist aber nicht neu. Der Band beleuchtet das spannungsreiche Verhältnis zwischen Markt und Moral in Texten des politischen, ökonomischen und soziologischen Denkens von 1700 bis in die Gegenwart. Das Spektrum der Autoren reicht von Mandeville und Smith über Marx und Durkheim bis hin zu Cohen und Sen; kurze Essays skizzieren jeweils den historischen und systematischen Kontext. Ein Buch voller Argumente, die helfen, die Marktwirtschaft besser zu verstehen.
Berlin 2014 – Suhrkamp
2014
Axel Honneth | Vivisektionen eines Zeitalters
Porträts zur Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts
Der Begriff Vivisektionen bezeichnet Eingriffe an lebenden Organismen, die dem Zweck dienen, mehr über ihre Funktionsweise herauszufinden. In gewisser Weise wenden ein solches Verfahren auch die Theoretiker an, die Axel Honneth hier porträtiert: Sie greifen mit ihren Entwürfen in den Fluss der Ereignisse ein, um ihm Erkenntnisse abzuringen, die sie für ihre Theorien fruchtbar machen können. Ob nun Franz Rosenzweig zu Beginn des Jahrhunderts, Siegfried Kracauer während der Weimarer Republik oder Judith Shklar im Schatten des Holocaust, sie alle ziehen aus ihren Vivisektionen der Gegenwart Rückschlüsse auf einen angemessenen Begriff der Geschichte, der Gesellschaft oder der Politik.
Berlin 2014 – Suhrkamp
2014
Lisa Herzog | Freiheit gehört nicht nur den Reichen
Plädoyer für einen zeitgemäßen Liberalismus
Freiheit ist mehr als die Freiheit, zu wirtschaften. Dieses Buch stellt dar, wie Liberalismus heute gedacht werden muss, damit er nicht im Widerspruch zu Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und einem gelingenden Leben steht. Freiheit, so das Plädoyer, muss vielschichtiger verstanden werden, um zu sehen, welche Rolle Märkte für eine gute Gesellschaft spielen können. Jenseits des politischen Schubladendenkens wird das Bild einer Gesellschaft entworfen, die allen Mitgliedern ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht und dabei mit den begrenzten Ressourcen der natürlichen Welt vereinbar ist.
Das Buch führt in zentrale Themen der Ideengeschichte, Wirtschaftstheorie und Sozialphilosophie ein und legt die Denkmuster offen, die viele heutige Debatten prägen. Unter anderem geht es um die Frage nach einem realistischen Menschenbild jenseits des homo oeconomicus, um das Verhältnis negativer, positiver und republikanischer Freiheit und um die Frage, wie eine Politik aussehen kann, die sich auch jenseits des Wachstumszwangs an einem selbstbestimmten Leben für alle Menschen orientiert. Nicht zuletzt zeigt das Buch auf, wie mit einem zeitgemäßen Freiheits- und Menschenbild Märkte wieder in den Dienst einer gerechten Gesellschaft gestellt werden können.
München 2014 – C. H. Beck
2014
Carolin Amlinger | Die verkehrte Wahrheit
Zum Verhältnis von Ideologie und Wahrheit
Der postmoderne Diskurs um die kulturelle Logik des Spätkapitalismus scheint zu erodieren: Autoren wie Slavoj Žižek und Alain Badiou setzen der postulierten Unmöglichkeit von Sinn im sozialen System positiv das Fundament der Wahrheit entgegen. Mit ihrer »Politik der Wahrheit« kommt es zu einer Renaissance von zwei Begriffen, die in der Philosophie des 21. Jahrhunderts bislang nur noch rudimentär eine Rolle spielten: Ideologie und Wahrheit.
Damit schließt die gegenwärtige politische Philosophie an das zentrale Thema westlicher marxistischer Ideologietheorien an: Die Stabilität der modernen kapitalistischen Gesellschaft wird hier unter Rückgriff auf imaginäre Formen der »Verkehrung« im Bewusstsein der Beherrschten erklärt. Theorien des Ideologischen konstituieren damit aber auch immer schon ihr Gegenteil, in ihnen ist negativ der Begriff der Wahrheit aufgehoben: Indem Ideologietheorie die Zementierung herrschender Ordnungen durch das Verkennen der eigenen Existenzgrundlage begründet, ist implizit die Möglichkeit des Erkennens der realen Verhältnisse mitgedacht.
In einer Rekonstruktion einschlägiger Diskurslinien des westlichen Marxismus soll in diesem Buch das Verhältnis von Ideologie und Wahrheit nachgezeichnet werden.
Hamburg 2014 – Laika
2014
Forschungsgruppe »Staatsprojekt Europa« (Hg.) | Kämpfe um Migrationspolitik
Theorie, Methode und Analysen kritischer Europaforschung
Die Europäische Union ist kein neuer Staat. Sie ist fragmentiert, umkämpft, voll innerer Widersprüche. In wenigen Bereichen wird dies so deutlich wie im europäischen Grenzregime.
Dieser Band versammelt die Ergebnisse einer intensiven vierjährigen Forschungsarbeit. Ausgehend von aktuellen Debatten materialistischer Staatstheorie und kritischer Europaforschung untersuchen die Beiträge mit der Methode der »historisch-materialistischen Politikanalyse« die Kämpfe um europäische Migrationspolitik. Im Mittelpunkt stehen dabei Konflikte in Deutschland, Spanien und Großbritannien sowie Auseinandersetzungen über zentrale Projekte der EU-Migrationspolitik: Blue Card, Frontex und Dublin II.
Bielefeld 2014 – transcript
2013
Claudia Peter und Dorett Funcke (Hg.) | Wissen an der Grenze
Zum Umgang mit Ungewissheit und Unsicherheit in der modernen Medizin
Nichtwissen wird überall dort sichtbar, wo sich neue Fragen stellen und Zweifel erheben, wo Widersprüche, Ambivalenzen und Mehrdeutigkeiten auf den Plan treten. Insbesondere Patienten erkennen im Zuge medizinischer Behandlungen, dass ihr Wissen begrenzt ist. Die einzelnen Beiträge analysieren, welche Erfahrungen Patienten machen, wenn sie sich innovativen Medizintechniken öffnen, deren Wirkungen nicht gänzlich absehbar und sicher sind. Ihre Befunde liefern einen grundlegenden Beitrag zur Debatte, wie – auch in rechtlicher und ethischer Hinsicht – die neuen Medizintechniken reflektiert werden können: Ein Plädoyer für die Diskursfähigkeit des Nichtwissens.
Frankfurt a. M. und New York 2013 – Campus Verlag
2013
Siqi Luo | Collective Bargaining and Changing Industrial Relations in China
Lessons from the U.S. and Germany
This study focuses on the status and prospects of collective bargaining in China based on lessons learned from the post-war United States and Germany. The author regards collective bargaining as a type of core wage regulation that emerged from production regimes at the factory level and from economic and labor policies of the state. This analysis compares the production regimes and the state-labor-capital relations in China today with the U.S. and German models in order to identify the missing links as well as potential driving forces in the current system of collective contract in China. Finally, the author proposes an ideal model of collective bargaining in China, one that offers solutions to a more just and sustainable trajectory of industrial development and that tailors to the power status of the major actors in industrial relations.
Frankfurt a. M. 2013 – Peter Lang Verlag
2013
Boy Lüthje, Siqi Luo und Hao Zhang (Hg.) | Beyond the Iron Rice Bowl
Regimes of Production and Industrial Relations in China
Der Band bietet die erste systematische Studie über Arbeitsbedingungen und industrielle Beziehungen in den Kernindustrien der chinesischen Exportwirtschaft. Auf der Basis von über dreißig Fallstudien multinationaler Unternehmen der Automobil-, Elektronik- und Textilindustrie beleuchten die Autoren die verschiedenen Produktionsregime im Kontext globaler und nationaler Vernetzung. Dabei untersuchen sie auch die Rolle der Gewerkschaften sowie die Bedeutung von kollektiven Tarifverhandlungen und betrieblicher Mitbestimmung in China.
Frankfurt a. M. und New York 2013 – Campus Verlag
2013
Boy Lüthje et al. | From Silicon Valley to Shenzhen
Global Production and Work in the IT Industry
This seminal study explores the significant changes in the global IT industry as production has shifted from the developed world to massive sites in the developing world that house hundreds of thousands of workers in appalling low-wage conditions to minimize labor costs. Yet little is known about this phenomenon as the major contract manufacturers deliberately hide their names from the public on behalf of brand-name customers such as Apple. In short, the authors argue, globalization is not always helping the IT workers of the world, many of whom are working in unbearable factory conditions.
From Silicon Valley to Shenzhen traces the development of the new networks of globalized mass production in the IT industry and the reorganization of work since the 1990s, capturing the systemic nature of an industry-wide restructuring of production and work in the global context. Their wide-ranging and detailed analysis makes an important contribution to ongoing academic and political debates on the globalization of production, especially by taking these debates beyond narrow perspectives of determining criteria of “success” for participation in global production networks. Rather, they emphasize the changing nature of work, employment relations, and labor policies and their implications for the possibilities of sustainable economic and social development.
Lanham 2013 – Rowman & Littlefield
2013
Sonja Buckel | »Welcome to Europe« – Die Grenzen des europäischen Migrationsrechts
Juridische Auseinandersetzungen um das »Staatsprojekt Europa«
Das Terrain des europäischen Migrationsrechts ist von Kämpfen um Hegemonie geprägt. Den damit einhergehenden Prozessen des Re-Borderings – die Schaffung eines Bereichs unbeschränkter innerer Mobilität, die zugleich an massive Außengrenzen gekoppelt ist – widmet Sonja Buckel zwei Fallstudien. Sie zeigen, dass in diesen Auseinandersetzungen wesentliche Elemente eines europäischen Staatsprojekts verhandelt werden. Während die erste Fallstudie die Herausbildung transnationaler sozialer Rechte untersucht, fokussiert die zweite die juridischen Kämpfe um die südliche europäische Seegrenze und um die Aufrechterhaltung einer imperialen Lebensweise.
Bielefeld 2013 – transcript
2013
Tobias ten Brink | Chinas Kapitalismus
Entstehung, Verlauf, Paradoxien
Das chinesische Wirtschaftswachstum der letzten 30 Jahre stellt mittlerweile jeden anderen langen Aufschwung der neueren Geschichte in den Schatten. Wie konnte sich diese Entwicklung in einem Land vollziehen, in dem die uneingeschränkte Herrschaft der Kommunistischen Partei gilt? Tobias ten Brink untersucht die politische Ökonomie Chinas erstmals systematisch anhand von Erkenntnissen aus der vergleichenden und internationalen Kapitalismusforschung. Seine Analyse der Dynamiken dieses eigentümlichen Wirtschaftstyps zeigt zudem, dass der chinesische Kapitalismus eine paradoxale Entwicklung durchläuft, die den Aufstieg Chinas zur Weltmacht beeinträchtigen könnte.
Frankfurt a. M. und New York 2013 – Campus Verlag
2013
Sighard Neckel und Greta Wagner (Hg.) | Leistung und Erschöpfung
Berlin 2013 – Suhrkamp
2012
Forschungsgruppe »Staatsprojekt Europa« (Hg.) | Die EU in der Krise
Zwischen autoritärem Etatismus und europäischem Frühling
Der europäische Integrationsprozess wird durch eine massive 'Vielfachkrise' erschüttert: die Euro-Krise und Staatskrisen, nicht nur in Griechenland, die Krise des politischen Integrationsprozesses, der Legitimationsverlust der EU sowie das völlige Fehlen eines neuen populären europäischen Projektes: Vor dem Hintergrund des arabischen Frühlings und weltweiter anti-neoliberaler Proteste eskalieren in der europäischen Peripherie die sozialen Kämpfe gegen eine Abwälzung der Krisenfolgen nach unten und für eine weitgehende Demokratisierung der Gesellschaft. Der Beitrag der sozialwissenschaftlichen 'Europaforschung' zum kritischen Verständnis dieser Entwicklungen ist marginal. Auch herrschaftskritische Ansätze haben die Bedeutung der EU lange unterschätzt. Der vorliegende Band der Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung (AkG) reagiert auf diese Leerstellen greift die Diskussionen der kritischen Europaforschung auf und entwickelt sie weiter. Im Rahmen einer intersektionalen Kapitalismusanalyse untersuchen die Beiträge aus unterschiedlichen Perspektiven Hintergründe und Dynamik der Krise und diskutieren emanzipatorischen Strategien für ein anderes Europa.
Münster 2012 – Westfälisches Dampfboot
2012
Martin Dornes | Die Modernisierung der Seele
Kind – Familie – Gesellschaft
Kinder und Eltern haben derzeit eine schlechte Presse. Kindeer sind angeblich entweder verwöhnt und tyrannisch oder verwahrlost und gewalttätig. Eltern setzen angeblich keine Grenzen , fordern die Kinder zu wenig oder fördern sie falsch. Trotz guten Willens seien viele Eltern einfach überfordert. Der Autor untersucht den Realitätsgehalt dieser Meinungen; sein Ergebnis: Kinder und Eltern sind besser als ihr Ruf.
Frankfurt a. M. 2012 – Fischer Verlag
2011
Tobias ten Brink | Globale Rivalitäten
Staaten setzen ihre Interessen immer wieder in Übereinkunft mit anderen Staaten durch. Dennoch wird der Wunsch nach einer kooperativ-harmonischen Weltordnung permanent untergraben. Wechselseitige, globale Abhängigkeiten und internationale Konflikte erscheinen als zwei Seiten einer Medaille. Es existieren Spannungsfelder zwischen den Globalisierungsprozessen, den Instabilitäten der Weltwirtschaft sowie außen- und außenwirtschaftspolitischen (Macht-)Strategien, wie das etwa an den paradoxalen Folgen des Aufstiegs Chinas wahrnehmbar ist.
Im ersten Teil des Sammelbandes werden theoretische Perspektiven vorgestellt, die die fortwährende Bedeutung und Konflikthaftigkeit des Staatensystems auf unterschiedliche Weise begründen. Im zweiten, empirisch orientierten Teil werden relevante Konfliktfelder des internationalen Systems im frühen 21. Jahrhundert beleuchtet.
Stuttgart 2011 – Franz Steiner Verlag
2011
Axel Honneth | Das Recht der Freiheit
Die Theorie der Gerechtigkeit gehört zu den am intensivsten bestellten Feldern der zeitgenössischen Philosophie. Allerdings haben die meisten Gerechtigkeitstheorien ihr hohes Begründungsniveau nur um den Preis eines schweren Defizits erreicht, denn mit ihrer Fixierung auf rein normative, abstrakte Prinzipien geraten sie in beträchtliche Distanz zu jener Sphäre, die ihr »Anwendungsbereich« ist: der gesellschaftlichen Wirklichkeit.
Axel Honneth schlägt einen anderen Weg ein und gewinnt die heute maßgeblichen Kriterien sozialer Gerechtigkeit direkt aus jenen normativen Ansprüchen, die sich innerhalb der westlichen, liberaldemokratischen Gesellschaften herausgebildet haben. Zusammen machen sie das aus, was er »demokratische Sittlichkeit« nennt: ein System nicht nur rechtlich verankerter, sondern auch institutionell eingespielter Handlungsnormen, die moralische Legitimität besitzen.
Zur Begründung dieses weitreichenden Unterfangens weist Honneth zunächst nach, daß alle wesentlichen Handlungssphären westlicher Gesellschaften ein Merkmal teilen: Sie haben den Anspruch, einen jeweils besonderen Aspekt von individueller Freiheit zu verwirklichen. Im Geiste von Hegels Rechtsphilosophie und unter anerkennungstheoretischen Vorzeichen zeigt das zentrale Kapitel, wie in konkreten gesellschaftlichen Bereichen – in persönlichen Beziehungen, im marktvermittelten Wirtschaftshandeln und in der politischen Öffentlichkeit – die Prinzipien individueller Freiheit generiert werden, die die Richtschnur für Gerechtigkeit bilden. Das Ziel des Buches ist ein höchst anspruchsvolles: die Gerechtigkeitstheorie als Gesellschaftsanalyse neu zu begründen.
Berlin 2011 – suhrkamp wissenschaft
2010
Claudia Honegger, Sighard Neckel und Chantal Magnin | Strukturierte Verantwortungslosigkeit
Berichte aus der Bankenwelt
Zur Finanzkrise sind schon viele Publikationen erschienen, sie lassen den zeitweiligen Zusammenbruch der Geldmärkte 2008/2009 jedoch meist als anonymes Geschehen abrollen. Diese Studie befasst sich hingegen mit den handelnden Personen selbst: Wie deuten Banker und Bankerinnen die Finanzkrise? Wie ist es dazu gekommen? Fühlen sie sich verantwortlich für das Debakel? Claudia Honegger, Sighard Neckel und Chantal Magnin sind mit ihren Forschungsteams in den verschwiegenen Kosmos der Banken eingedrungen und haben mit Finanzfachleuten in Frankfurt am Main, Wien und in der Schweiz gesprochen. Die daraus entstandenen soziologischen Porträts zeichnen ein eindrückliches Panorama der Bankenwelt, ihrer Praktiken und Denkstile. Thematische Essays und Feldbeschreibungen schärfen den analytischen Blick auf eine ökonomische Machtsphäre, in der niemand für die Krise Verantwortung übernehmen mag. Und selbst wenn dies jemand tun wollte, wäre fraglich, ob es angesichts der strukturierten Verantwortungslosigkeit im Finanzwesen überhaupt möglich wäre.
Berlin 2010 – edition suhrkamp
2010
Axel Honneth | Das Ich im Wir
suhrkamp Verlag
2009
Stefanie Hürtgen et a. | Von Silicon Valley nach Shenzhen
Globale Produktion und Arbeit in der IT-Industrie
Angesichts des faktischen Zusammenbruchs des finanzmarktgetriebenen Systems technologischer Innovation der vergangenen zwei Jahrzehnte nehmen die hier diskutierten Fragen nach einer Re-Regulierung der globalen Produktions- und Innovationsnetze sowie Auseinandersetzungen um bessere soziale Standards in der globalen Hightechindustrie einen zentralen Raum ein.
Hightechprodukte wie PCs, Handys oder Spielekonsolen werden heute häufig nicht mehr von Markenherstellern produziert, sondern von Kontraktfertigern, die Produktionsnetze mit Standorten in vielen Regionen der Welt aufgebaut haben. Die Folge ist eine massive Verlagerung der Elektronikproduktion aus den industriellen Kernländern Nordamerikas und Europas in Niedrigkostenstandorte wie Mexiko, Malaysia, China oder Mittelosteuropa. Dort sind große Fertigungsbetriebe mit neuen Formen industrieller Massenarbeit entstanden, die durch eine starke Polarisierung gekennzeichnet sind. Während die zunehmend hochwertigen Produkte eine umfassende Produktionsinfrastruktur und qualifizierte Ingenieurstätigkeiten verlangen, sind für die Arbeiten in der Produktion gering qualifizierte Tätigkeiten zu Niedriglöhnen, überlange flexible Arbeitszeiten und prekäre Beschäftigung charakteristisch.
Hamburg 2009 – VSA Verlag
2008
Kai Dröge, Kira Marrs und Wolfgang Menz (Hg.) | Rückkehr der Leistungsfrage
Leistung in Arbeit, Unternehmen und Gesellschaft.
Über Leistungsgesellschaft, Leistungsdruck und Leistungsprinzip, aber auch Leistungslohn ist schon in den 1970er Jahren heiß diskutiert worden. Heute flammt die Debatte unter ganz neuen Vorzeichen und Bedingungen wieder auf. Wie vielschichtig, widersprüchlich und umstritten der Leistungsbegriff ist, zeigt dieser Band anhand aktueller Forschungsergebnisse. Im Zentrum steht dabei die Arbeitswelt: Hier lässt sich ein tief greifender Wandel der Kriterien beobachten, nach denen über gute und erwartbare Leistung befunden wird. Die zunehmende Orientierung am (Markt-)Ergebnis statt am Arbeitsaufwand hat weit reichende Konsequenzen: für Messung und Entlohnung von Arbeit, für die Steuerung von Arbeit und Unternehmen, für Partizipation und betriebliche Mitbestimmung, aber auch für die normativen Grundlagen des Leistungsbegriffs in Arbeit und Gesellschaft. Die Beiträge des Bandes gehen daher über die klassische industriesoziologische Perspektive hinaus. Sie beziehen die wachsende Zahl und Bedeutung von Beschäftigungsformen ein, die am Rande oder außerhalb betrieblich organisierter Arbeit liegen. Und sie stellen einen Zusammenhang zu den übergreifenden Deutungskonflikten um das Leistungsprinzip und seine gesellschaftliche Auslegung her
Berlin 2008 – edition sigma
2008
Tobias ten Brink | Staatenkonflikte
Zur Analyse von Geopolitik und Imperialismus – ein Überblick
Das vorliegende Buch stellt verschiedene Ansätze zur Erklärung zwischenstaatlicher Konkurrenzverhältnisse, einer militarisierten Außenpolitik und weiterer internationaler, teilweise gewaltsamer Konflikte vor.
Es zielt darauf, einen für Studierende und weitere Interessierte nützlichen Wegweiser durch eine mitunter komplexe Debatte bereitzustellen. Dabei stehen unter anderem folgende Fragestellungen im Mittelpunkt:
- Welches sind die Triebkräfte von Geopolitik und Staatenkonflikten?
- Wie entwickeln sich die weltweiten Kräfteverhältnisse?
Zusammenfassend werden die Erkenntnisse, Weiterentwicklungen und Defizite der verschiedenen Theorieansätze erörtert.
Stuttgart 2008 – Lucius & Lucius
2008
Gabriele Wagner und Philipp Hessinger (Hg.) | Ein neuer Geist des Kapitalismus?
Paradoxien und Ambivalenzen der Netzwerkökonomie
In den Sozialwissenschaften werden seit etwa 15 Jahren die Perspektiven der modernen postindustriellen Gesellschaften verstärkt unter den Stichworten „Netzwerkgesellschaft“ und „Netzwerkkapitalismus“ diskutiert. Der oft vertretenen These vom „Verschwinden des Sozialen“ - im Zuge einer fortschreitenden Deregulierung und Optionalisierung der Arbeits- und Konsumsphäre - steht die Gegenthese vom Aufkommen eines „Neuen Geistes des Kapitalismus“ gegenüber. Es ist nun eine offene Frage, ob die kulturellen und sozialen Spannungsmomente, welche in diesem Kontext identifiziert werden können, einen Leitfaden an die Hand geben, um die Ambivalenzen und Paradoxien der heutigen Netzwerkökonomie analysierbar und verstehbar zu machen.
Wiesbaden 2008 – VS Verlag
2008
Sighard Neckel und Hans-Georg Soeffner (Hg.) | Mittendrin im Abseits
Ethnische Gruppenbeziehungen im lokalen Kontext
Der Band beschäftigt sich mit Zuschreibungsmustern und Bewertungskämpfen zwischen ethnischen Gruppen und fragt nach deren Auswirkungen auf die Integrationsstrategien und Partizipationschancen der beteiligten Akteure. Neben grundlegenden theoretischen Überlegungen präsentieren die Beiträge empirische Ergebnisse aus zwei ethnographisch angelegten Untersuchungen über deutsch-türkische Gruppenbeziehungen im Fußballsport und in sozialräumlichen Nachbarschaften urbaner Stadtgebiete. Die exemplarischen Fallstudien rekonstruieren im sozialen Alltag wirksame Mikropolitiken des interethnischen Austauschs und der ethnischen Grenzziehung. Sie demonstrieren, wie "Ethnizität" als zentrales Organisations-, Deutungs- und Ordnungsmuster fungiert.
Wiesbaden 2008 – VS Verlag
2008
Stefanie Hürtgen | Transnationales Co-Management
Betriebliche Politik in der globalen Konkurrenz
Münster 2008 – Westfälisches Dampfboot
2007
Hermann Kocyba und Stephan Voswinkel | Krankheitsverleugnung
Betriebliche Gesundheitskulturen und neue Arbeitsformen
In den letzten Jahren ist der Krankenstand kontinuierlich gesunken. Verantwortlich hierfür sind nicht nur die Erfolge betrieblicher Gesundheitspolitik. Die Reduzierung der Fehlzeiten ist auch Indiz dafür, dass es für Erwerbstätige schwieriger wird, gesundheitliche Beeinträchtigungen wahrzunehmen, sich einzugestehen und mit ihnen frühzeitig auseinander zu setzen. Deshalb muss nicht nur gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch die Arbeitsbedingungen oder das Betriebsklima entgegen gewirkt werden, sondern die betrieblichen Arbeits- und Sozialbedingungen müssen auch so gestaltet werden, dass Krankheiten auskuriert werden können.
Vor diesem Hintergrund hat das Projekt in einer explorativen Vorstudie untersucht, welche betrieblichen Faktoren zu einer Haltung der Krankheitsverleugnung beitragen und welche Formen von Krankheitsverleugnung sich unterscheiden lassen. Zum andern hat das Projekt verschiedene Handlungsmöglichkeiten der Interessenvertretung daraufhin analysiert, inwiefern sie geeignet sind, der Krankheitsverleugnung entgegenzuwirken
In 12 Betrieben unterschiedlicher Branchen (Automobilindustrie, Automobilzulieferer, Chemieindustrie, IT-Dienstleistungen, Banken, Kliniken) hat das Projekt Erfahrungen und Problemsichten von Betriebsräten und anderen betrieblichen Experten erhoben, die an der betrieblichen Gesundheitspolitik beteiligt und mit der Beratung von Beschäftigten hinsichtlich ihres Gesundheitsverhaltens befasst sind.
Krankheitsverleugnung im Betrieb bedeutet, dass Krankheiten ignoriert bzw. Kranke diskriminiert werden. Sie nimmt die Formen
- der Verantwortungsabwehr,
- der reinen Opferfürsorge,
- der Ignorierung oder
- der Kontrolle
an.
Krankheitsverleugnung der Beschäftigten kann Ursachen haben
- in der Angst um den Arbeitsplatz,
- im Termindruck,
- in der Verantwortung gegenüber KollegInnen im Team, aber auch im Gruppendruck,
- in der einseitigen Wertschätzung ständiger Höchstleistungsfähigkeit.
Die Gefahr der Krankheitsverleugnung ist auch bei den Instrumenten betrieblicher Gesundheitspolitik zu berücksichtigen:
- Krankenrückkehrgespräche können nicht nur Belastungen aufdecken, sondern auch die Beschäftigten veranlassen, krank zu arbeiten.
- Mit der Überlastungsanzeige kann auf Überforderungen hingewiesen, aber auch der Betroffene als "Überforderter" etikettiert werden.
- Bei der Gefährdungsanalyse sollte auch die "Krankheitskompatibilität" der Arbeitssituation betrachtet werden.
Diese Erweiterung betrieblicher Gesundheitspolitik ist erforderlich, wenn die Beschäftigten auch in höherem Alter noch arbeiten sollen.
Arbeitspapier 150
Hans-Böckler-Stiftung – Düsseldorf 2007
2007
Axel Honneth, Peter Kemper und Richard Klein (Hg.) | Bob Dylan
Ein Kongreß.
»You know my songs. But that is not the same as knowing me.«
Über den Sonderstatus des Songschreibers Bob Dylan besteht nicht nur unter Musikbegeisterten Einigkeit, seine Texte haben ihm sogar den Literaturnobelpreis 2016 eingebracht. Um so mehr fällt es auf, daß sich die Literatur- und Sozialwissenschaften bisher kaum für Dylan, seine Texte und seine sozialhistorische Rolle interessiert haben. Ein internationaler Kongreß, der 2006 in Frankfurt am Main stattfand, hat das geändert. Der Band dokumentiert die Vorträge von Michael Gray, Axel Honneth, Susan Neiman und Klaus Theweleit und anderen sowie die Abschlußdiskussion. Die Plattentips der versammelten »Dylanologen« ermöglichen auch Jüngeren einen Einstieg in Dylans Werk.
»It’s not me. It’s the songs. I’m just the postman. I deliver the songs. That’s what all the legend, all the myth is about – my songs.« Bob Dylan
Frankfurt a. M. 2007 – edition suhrkamp
2006
Thomas von Freyberg und Angelika Wolff | Störer und Gestörte, Bd. 2
Band 2: Konfliktgeschichten als Lernprozesse
Der zweite Band von Störer und Gestörte enthält themenbezogene Betrachtungen sowie die Darstellung von Bedingungen und Möglichkeiten, die Spiralen eskalierender Konfliktgeschichten zu unterbrechen, aus dem Scheitern und von den »Störern« zu lernen, Verstrickungen produktiv einzusetzen und interdisziplinäre Kooperation zu nutzen.
Die Arbeit mit schwierigen Kindern und Jugendlichen könnte um einiges leichter und kreativer sein, wenn das heimliche erste Gebot von Schule seine Macht verlieren würde: Du darfst nicht versagen! Du darfst keine Fehler machen! Wenn dieser grundsätzliche Wandel sich auch in der beruflichen Haltung durchsetzen und nicht immer sanktioniert, vertuscht und vermieden würde.
Der zweite Band von Störer und Gestörte liefert Ansätze produktiver kollegialer und interdisziplinärer Zusammenarbeit exemplarisch für drei Themenbereiche: präventive Intervention im Vorschulbereich, Kooperation von Regelschule, Sonderschule und Jugendhilfe und die Bearbeitung von Migrationskonflikten.
Bis zu 10 Prozent aller Schülerinnen und Schüler verlassen die Schule vorzeitig oder schwänzen systematisch. Nicht beschulbare Jugendliche treiben über Jahre in einem quälend destruktiven Prozess. Ihre Lehrer und Helfer scheitern resignierend. Wolff und von Freyberg zeigen in exemplarischen Einzelfallanalysen die Konfliktdynamik zwischen Jugendlichen, Lehrern und Schule auf und bereiten damit Lösungswege vor. Es gibt Jugendliche, die ihre Erzieher, Lehrer und Sozialarbeiter in schier endlose und eskalierende Konflikte verstricken. Konflikte, aus denen es schliesslich nur noch einen Ausweg zu geben scheint: den Abbruch der Arbeit und der Beziehung.
Wie aber schaffen es diese besonders schwierigen, nicht schulfähigen oder nicht beschulbaren Jugendlichen, dass kompetente und erfahrene und nicht selten engagierte Lehrer und professionelle Helfer sich hilflos in Konflikte mit ihnen verstricken lassen, dabei häufig ihre Professionalität einbüssen? In einem interdisziplinäres Forschungsprojekt haben Soziologen und Psychoanalytiker in aufwendigen Einzelfallstudien Konfliktgeschichten nicht beschulbarer Jugendlicher untersucht. Ihre Frage: Was treibt diese erbitterten Kämpfe um Macht und Kontrolle an, die sich über Jahre hinwegziehen können, in deren Verlauf sich Täter und Opfer, Störer und Gestörte immer ähnlicher werden und an deren Ende nur besiegte Sieger und siegreiche Verlierer stehen? Wolff und von Freyberg entschlüsseln im spannungsreichen Wechselspiel von soziologischem und psychoanalytischem Fallverstehen, welche Kräfte, Motive und Interessen auf beiden Seiten die Konflikte eskalieren lassen und wie individuelle und institutionelle Konfliktdynamik und Konfliktmuster sich dabei fatal ergänzen und verstärken.
Eine Schule, die Störer nicht länger aussondern und abstossen muss, sondern aus den Konflikten mit ihnen lernen und sich verändern kann, wäre sicher eine bessere Schule für Lehrer ebenso wie für Schüler. Vor allem wäre sie ein guter sozialer Ort und damit auch ein besserer Lernort.
Frankfurt a. M. 2006 – Brandes & Apsel
2006
Martin Dornes | Die Seele des Kindes
Entstehung und Entwicklung
Wie verläuft die Persönlichkeitsentwicklung eines Kleinkindes? Wie wirkt sich die Berufstätigkeit der Mutter oder verstärktes Engagement des Vaters bei der Erziehung aus? Und ab wann wissen Kinder, dass ihre Bezugspersonen »beseelte Wesen« sind? Auf ganz praktische Fragen wie solche theoretischer Art gibt der vielfach ausgewiesene Kinderpsychologe Martin Dornes, Autor des Bestsellers »Der kompetente Säugling«, oft überraschende Antworten.
Frankfurt a. M. 2006 – Fischer Verlag
2006
Axel Honneth (Hg.) | Schlüsseltexte der Kritischen Theorie
In einem wunderbaren Konvolut von Notizen, in denen es um das geistige und materielle Eigenleben von Büchern geht, beklagt sich Theodor W. Adorno über die Tendenz, zu den Werken philosophischer Autoren Lexika zu erstellen. Nicht, dass er gegen das stichwortartige Erfassen bestimmter Wissensgebiete als solches etwas einzuwenden hätte; er spricht sogar, für seine Verhältnisse erstaunlich wohlwollend, von der „unschätzbar(en)“ „Erleichterung, welche die 1 Lexika bieten“ . Aber die Vorstellung, dass die Werke von Autoren wie Marx, Hegel oder Kant in solchen Büchern erfasst werden sollen, erfüllt ihn doch mit erheblichem Unmut: Denn wie soll die Substanz derartig komplexer Theorien, derartig weit ausholender Überlegungen dadurch wiedergegeben werden, dass sie in eine Vielzahl einzelner Begriffe zerlegt werden, über die sich dann jeweils knappe, summarische Eintragungen ? nden lassen? Im Allgemeinen fallen die wichtigsten dieser Gedanken, so argwöhnt Adorno, durch die Maschen der Be- 2 griffseintragungen hindurch, „weil sie unter kein Stichwort passen. “ Das Re- mee von Adorno lautet daher, dass „die lexikalische Vernunft“ zur „Vergegen- 3 ständlichung“ von etwas zwingt, was „schlechthin“ nicht gegenständlich ist. Der vorliegende Band verstößt gegen dieses Verdikt Adornos in beinahe - len erdenklichen Hinsichten. Er unternimmt nicht nur den Versuch, die von - orno selbst mitgeschaffene Theorietradition lexikalisch zu erfassen; vielmehr verfährt er dabei auf eine Weise, die seine Befürchtungen noch gesteigert h- ten, weil nicht etwa symptomatische Begriffe oder Ideen, sondern schlicht alle zentralen Schriften und Aufsätze kurz vorgestellt werden sollen.
Wiesbaden 2006 – VS Verlag, 414 Seiten
2005
Thomas von Freyberg und Angelika Wolff | Störer und Gestörte
Band 1: Konfliktgeschichten nicht beschulbarer Jugendlicher
Die anschaulichen Fallgeschichten zeigen die Entwicklung des analytischen Paars und stellen besonders die kreativen Fähigkeiten der Kinder heraus, die sie in der analytischen Begegnung einen neuen Weg zu sich selbst finden lassen. Dieser Weg führt über das Einschwingen auf einen gemeinsamen Rhythmus zum eigenen authentischen Ausdruck einer freien und zufriedenen Persönlichkeit.
Alle für den Therapieprozess wichtigen Themen – wie analytischer Raum, unbewusste Inszenierung, Rahmen, Haltung, Spiel und Symbolisierung, die Rolle der Aggression in Übertragung und Gegenübertragung, Gefahren in der analytischen Beziehung und ihre Bewältigung sowie Toleranz für Nichtwissen – werden angesprochen.
Frankfurt a. M. 2005 – Brandes & Apsel
2005
Stephan Voswinkel (unter Mitarbeit von Anna Korzekwa) | Welche Kundenorientierung?
Anerkennung in der Dienstleistungsarbeit
Ist es wahr, daß wir hierzulande in einer »Dienstleistungswüste« leben – mit miserabler Servicekultur und mangelhafter Kundenorientierung? Statt sich der wohlfeilen Kritik anzuschließen, plädiert dieses Buch dafür, die komplexen Bedingungen und vielfältigen Anforderungen von Dienstleistungsarbeit erst einmal genau unter die Lupe zu nehmen. Das geschieht hier anhand intensiver Fallstudien im Einzelhandel und im Gastgewerbe und durch eine systematische Reflexion der Arbeitspraxis. Dabei zeigt sich, daß die Beschäftigten im Kundenkontakt widersprüchlichen Erwartungen von Organisation und Kunden gegenüberstehen. Während die Dienstleister ihren Kunden als Person wahr- und wichtig nehmen möchten, legt eine oft bürokratische Kundenorientierung der Unternehmen eine distanzierte Beziehung nahe. Während die Beschäftigten dem oft anzutreffenden Mangel an Anerkennung zu begegnen versuchen, indem sie ihre Arbeit als Hilfeleistung oder Beratung interpretieren, wird von ihnen zugleich Verkaufsförderung, Kundenkontrolle und Störungsbeseitigung verlangt. Erst wenn man diese und viele andere Paradoxien offenlegt, wird klar, worin eine »professionelle Kundenorientierung« bestehen könnte, die zu einer zivilen statt einer servilen Dienstleistungsarbeit beiträgt.
Berlin 2005 – edition sigma
2005
Heike Jacobson und Stephan Voswinkel | Der Kunde in der Dienstleistungsbeziehung
Kann man sinnvoll über Kundenbeziehungen im Dienstleistungssektor sprechen, ohne Marketing, Konsumforschung und Managementlehre zu bemühen? Diese Frage wurde mit einer Tagung der Arbeitsgruppe , Dienstleistungsarbeit- Dienst leistungskultur' der Deutschen Vereinigung fiir Sozialwissenschaftliche Arbeits marktforschung (SAMF e. V. ) im Februar 2004 am Landesinstitut Sozialfor schungsstelle Dortmund nachhaltig bejaht: Über zwei Tage kreierten ca. fünfzig Teilnehmerinnen und Referentinnen den ,Kunden in der Dienstleistungs beziehung' als sozialwissenschaftliehen Forschungsgegenstand. Im Sinne einer Soziologie, die ihre "Entdeckungen im Alltäglichen" (Baethge/ Essbach) sucht, wurde der Kunde/ Konsument mal als lnteraktionspartner, mal als Konstrukt der Organisation, als Wissensträger, als Arbeitsgegenstand, als Abhängiger oder als Autorität thematisiert. In jedem Falle war der sozialwissenschaftliche Blick auf den Kunden zunächst neu und noch nicht festgelegt. Der Raum für weitere Ent deckungen und für weitere Konzeptualisierungen von Kundenbeziehungen ist damit bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Die in diesem Band vorliegenden Texte verstehen sich als erster, ansatzweise systematisierter Zugriff auf diesen Gegenstand. Wir danken den Autorinnen und Autoren, den Referentinnen und Referenten sowie den Tagungsteilnehmerinnen und Teilnehmern für ihre engagierte Beteili gung. Bei der Hans-Böckler-Stiftung bedanken wir uns für die großzügige Förde rung der Tagung. Renate Griffiths, Emanuel Beerbeide und Melanie Roski dan ken wir für ihren großen Einsatz bei der technischen Bearbeitung der Texte.
Wiesbaden 2005 – VS Verlag
2005
Karen Körber | Juden, Russen, Emigranten
Identitätskonflikte jüdischer Einwanderer in einer ostdeutschen Stadt
Eine Gruppe von russisch-jüdischen Einwanderern kommt Anfang der 1990er Jahre nach »Noswitz« in Sachsen-Anhalt und begründet dort die Jüdische Gemeinde. Scheinen damit auf den ersten Blick alle Hoffnungen der deutschen Gesellschaft auf eine Wiederbelebung jüdischen Lebens erfüllt, so stellt sich bald heraus, dass die Gemeinde eine Kette lokaler Konflikte auslöst.Karen Körber zeichnet in dieser ersten Feldstudie über eine Jüdische Gemeinde in Deutschland die symbolischen Kämpfe um Deutungen und Bedeutungen jüdischer Identität nach. Sie analysiert die Fallstricke der deutschen Migrationspolitik und Erinnerungskultur und schildert eindringlich deren prekäre Folgen für die russisch-jüdischen Migranten.
Frankfurt a. M. und New York 2005 – Campus Verlag
2004
Thomas Lemke | Veranlagung und Verantwortung
Genetische Diagnostik zwischen Selbstbestimmung und Schicksal
Sind Gene unser Schicksal? Die sozialwissenschaftliche und philosophische Diskussion der Ergebnisse der Genomforschung ist eigentümlich verzerrt. Meist wird die Gefahr eines genetischen Determinismus beschworen, der Selbstbestimmung und Freiheit der Subjekte bedrohe. Diese Studie zeigt die Grenzen dieser Kritik. Sie macht deutlich, dass die Arbeit von Selbsthilfegruppen im Bereich genetischer Krankheiten neue Formen personaler Identität und kollektiver Vergemeinschaftung schafft. Das genetische Wissen führt nicht zu einer »Biologisierung des Sozialen«, sondern verändert die individuelle Erfahrung von Schwangerschaft, Familie und Partnerschaft ebenso grundlegend wie gesellschaftliche Institutionen. Der Band wird abgerundet durch ein Glossar und eine Liste nützlicher Internetadressen, die einen Einstieg in die Diskussion ermöglichen.
Bielefeld 2004 – transcript Verlag