Die Erfahrungen autonomer Zivilgesellschaften im Osten wie im Westen Europas, aber auch darüber hinaus, prägten die 1989 veröffentlichte Originalausgabe dieses damals vieldiskutierten Essays. Vor dem Hintergrund der Aktionen von Dissident:innen gegen die Regime des ›real existierenden Sozialismus‹ und der Proteste der ›Neuen Sozialen Bewegungen‹ in den europäischen Staaten führten die Autoren seinerzeit die Theorien von Hannah Arendt, Cornelius Castoriadis, Marcel Gauchet und Claude Lefort in die Debatten um parlamentarische Demokratie und alternative Politikformen ein. Die zeithistorische Kontroverse zwischen ›Realpolitik‹ und ›Fundamentalopposition‹ mag inzwischen so nicht mehr bezeichnet werden, hat aber gleichwohl an Brisanz nicht verloren. Die neue Perspektive, die zur ›Wendezeit‹ mit den Konzepten öffentlicher Freiheit und des symbolischen Dispositivs der Demokratie begründet wurde, ist – wie Günter Frankenberg in der Einleitung zur Neuauflage ausführt – im Zeichen der ›Zeitenwende‹ nach wie vor aktuell. Das gilt auch für die im Mittelpunkt stehende Vorstellung von Demokratie als historisch offenes und notwendig riskantes Projekt gesellschaftlicher Selbstregierung. Die Risiken desselben treten nicht zuletzt im Vordringen autoritärer Regime, Bewegungen und Einstellungen zutage – was die demokratische Frage gerade heute wieder auf die Tagesordnung setzt.
Im Gespräch mit Samira Akbarian und Stephan Lessenich stellt Günter Frankenberg die Thesen aus der Publikation zur Diskussion, die kürzlich als Neuausgabe in der IfS Reihe Schriften erschienen ist: Ulrich Rödel, Günter Frankenberg und Helmut Dubiel: Die demokratische Frage. Mit einer Einleitung zur Neuausgabe. Frankfurt a. M. und New York: Campus 2026.
Günter Frankenberg ist Seniorprofessor für Öffentliches Recht, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung an der Goethe-Universität Frankfurt a. M.
Samira Akbarian ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Goethe-Universität Frankfurt a. M.
Stephan Lessenich ist Professor für Gesellschaftstheorie und Sozialforschung an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. und Direktor des Instituts für Sozialforschung.