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[tl;dr]

Clara Zetkin: »Arbeiterinnen und Frauenfrage«. Christina Engelmann im Gespräch mit Alex Demirović

Interviews, Podcasts, Aus dem IfS

In Folge 60 des Theorie-Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung spricht Alex Demirović mit Christina Engelmann (IfS) über Clara Zetkin.

Clara Zetkin hielt 1889 eine Rede in Paris zur Gründung der zweiten Internationale. Auf dieser Rede beruht ihr Text »Arbeiterinnen und Frauenfrage der Gegenwart«. Zetkin analysiert darin die Entwicklung der Unterdrückung der Frauen: Über Jahrtausende lebten Frauen unter patriarchalen Verhältnissen als Hausarbeitssklavinnen. Mit der Entwicklung kapitalistischer Produktion werden Frauen aus dieser Position herausgerissen und kommen in die Lohnarbeit. Dies sei zwar ein entscheidendes Moment auf dem Weg zur Emanzipation der Frauen, denn als Arbeiterinnen werden sie unabhängig von männlichen „Familienernährern“. Doch für die vollständige Befreiung aller Geschlechter brauche es den gemeinsam von proletarischen Frauen und Männern geführten Kampf gegen die Kapitalverhältnisse als solche. Damit geht Zetkin über die Forderungen der bürgerlichen Frauenbewegung ihrer Zeit hinaus, die vor allem soziale und kulturelle Rechte einfordern, während Zetkin anstrebt, die kapitalistischen Produktions- und Reproduktionsverhältnisse zu überwinden. Denn im Kapitalismus – davon war Zetkin überzeugt – wird es für Frauen keine Emanzipation geben.


[Deutschlandfunk Nova]

Dschihadismus. Junge Männer im Sog der Subkultur

Radiobeiträge, Aus dem IfS

Warum gehen Jugendliche für den Islam bis in den Tod? Der Soziologe Felix Roßmeißl beschreibt in seinem Vortrag eine totale Subkultur, die einen fatalen Sog entwickeln kann. Etwa 5.000 junge Europäer sind in den letzten Jahren nach Syrien gegangen, um sich dschihadistischen Gruppierungen anzuschließen. Die meisten von ihnen wurden erst in ihrer Jugend religiös. Der Soziologe Felix Roßmeißl hat untersucht, warum sich junge Männer dem Islam anschließen.


[FRANCIA recensio]

Lilia Endter mit einer Rezension über »Im Schatten der Tradition«

Rezensionen, Über das IfS

Published on the occasion of the centenary of the Institute for Social Research, Im Schatten der Tradition (2025) advances a feminist historiography that challenges how the Frankfurt School has been canonized and received. Rather than treating gender as a supplementary topic, the volume approaches feminism as a critical standpoint from which the conditions of theoretical production themselves come into view. Its central concern is not only which women were present at the Institute, but how gender structured what could count as theory, how authority was attributed, and how intellectual labor was rendered visible or invisible. In doing so, the book situates itself within a recent turn in Frankfurt School scholarship, exemplified by Philipp Lenhard’s Café Marx (2024) reviewed in Francia-Recensio 2024/4), which shifts attention from philosophical self-interpretation to the everyday, institutional, and material conditions of academic work.


[FR]

FR über die Abschlussveranstaltung der Reihe »WohnWendeWerkstatt«: »Für bezahlbaren Wohnraum«

Zeitungsartikel, Über das IfS

Der Wohnungsforscher Felix Wiegand vom Institut für Sozialforschung hielt fest, derzeit gebe es »kein Bewegungshoch«, um die Forderungen auf die Straße zu bringen. Gleichwohl sieht er eine »Krise des Neoliberalismus« seit der Finanzkrise, damit einhergehend auch »ein Zeitfenster für eine progressive Wohnungspolitik«.


[Hessenschau]

Hessenschau über den Tag der offenen Tür im 2og:dondorf und die Diskussion über die Nutzung der ehemaligen Druckerei im Stadtteil Bockenheim

Zeitungsartikel, Über das IfS

Auch Felix Wiegand vom Institut für Sozialforschung, das ebenfalls einen Raum im »2. OG Dondorf« nutzt, betont die zentrale Rolle des Kollektivs. Natürlich hätten viele Gruppen zum Erhalt des Gebäudes beigetragen und teils Jahrzehnte dafür gekämpft. Aber ohne die zweifache Besetzung im Jahr 2023 wäre es aus seiner Sicht nicht gelungen, die Dondorf Druckerei zu erhalten. »Dann wäre sie wahrscheinlich heute schon abgerissen und die Stadtgesellschaft hätte einen ganz tollen Ort verloren, den wir jetzt gemeinsam nutzen können.«


[FR]

FR über den Tag der offenen Tür im 2og:dondorf: »Kontroverse um Buchhandlungspreis«

Zeitungsartikel, Über das IfS

Am Ende des Flurs, in einem der kleineren Räume, sitzen die Menschen dicht nebeneinander und verfolgen gespannt eine Diskussionsrunde über ein Thema, das derzeit weit über die Buchbranche hinaus für Aufmerksamkeit sorgt: die umstrittene Vergabe des Deutschen Buchhandlungspreises. Eingeladen hat das Institut für Sozialforschung, dessen Direktor Stephan Lessenich die Diskussion moderiert und in den Entwicklungen der letzten Wochen »Konturen eines neuen Autoritarismus und Kulturkampfes« erkennt.


[soziopolis]

Axel Honneth: »Im unabgeschlossenen Dialog mit Adorno. Ein Nachruf auf Jürgen Habermas«

Zeitungsartikel, Aus dem IfS

Dass die Kritische Theorie, nicht irgendeine, sondern die in Frankfurt entstandene, nur im ständigen Hin und Her zwischen Kant und Hegel fortzuführen sei, wussten beide vom ersten Moment ihrer Begegnung an; ihr Pakt lag darin begründet, dass sie sich über die Zentralstellung dieser philosophischen Konstellation einig waren. Beide teilten von Beginn an auch die Überzeugung, dass ohne eine Einbeziehung des Marxschen Denkens die Spannung zwischen Kant und Hegel für die Gegenwart nicht hinreichend fruchtbar zu machen wäre; zu welchem der beiden Seiten man auch jeweils neigte, ob die Vernunft nun als zeitlos oder als historisch verfasst begriffen wurde, sie galt für Adorno wie für Habermas in jedem Fall durch die kapitalistische Lebensform als dermaßen entstellt, dass auf sie ohne Aussicht auf radikale gesellschaftliche Transformationen nicht mehr Verlass sein konnte. Uneinig war und blieb man sich untereinander allein über die Rolle, die Nietzsche für die Kritische Theorie spielen sollte. Während Adorno glaubte, ein Element genealogischen Denkens in seine Vernunftkritik einbeziehen zu müssen, war dies für Habermas der eine Schritt zu weit, der das Risiko einer Wiederkehr irrationalen Gedankenguts mit sich bringen würde. Wir werden Habermas nicht mehr vom Gegenteil überzeugen können. Sein Tod bedeutet das Ende des fiktiven Dialogs, den er zeitlebens mit Adorno, seinem einzigen Lehrer, geführt hat. Darin besteht die geistesgeschichtliche Tragik seines Ablebens für die Kritische Theorie. Man stünde, so hat Habermas am Grab von Adorno gesagt, mit dessen Tod philosophisch plötzlich vollkommen nackt dar. Wie viel mehr Gründe haben wir, das heute von uns zu behaupten, die wir doch an den Zielen einer Kritischen Theorie im Frankfurter Geist festhalten wollen?

 

Ein Nachruf auf Jürgen Habermas von Axel Honneth (ehemaliger Direktor des IfS)


Kommunikative Vernunft. Zum Tod von Jürgen Habermas. Ein Nachruf von Rainer Forst und Klaus Günther

Aus dem IfS

Mit Jürgen Habermas verlieren wir einen unvergleichlichen, weltweit die Geistes- und Sozialwissenschaften über viele Jahrzehnte prägenden Gelehrten und engagierten Intellektuellen, der, wie er selbst anlässlich seiner Rede zu seinem 90. Geburtstag an der Goethe-Universität sagte, an dieser Universität drei glückliche Phasen seines akademischen Lebens erfahren hat. Er hat auch nach seiner Emeritierung an vielen unserer Diskussionen am Zentrum Normative Ordnungen aktiv teilgenommen, und seine Theorie war für uns stets ein zentraler Bezugspunkt der Forschung. Wir selbst verlieren unseren wichtigsten akademischen Lehrer, der uns über die Jahrzehnte hinweg freundschaftlich verbunden war.


[Jacobin Magazin]

Alex Demirović: »Jürgen Habermas war ein bundesdeutscher Weltgeist«

Zeitungsartikel, Über das IfS

»In den frühen 1950er Jahren kam Habermas von Bonn, wo er bei Erich Rothacker, der unter Hitler in Konkurrenz zu Martin Heidegger Wissenschaftsminister werden wollte, mit einer Studie über Schelling promoviert hatte, an das Institut für Sozialforschung der linken, jüdischen Exilanten Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, um empirische Sozialforschung kennenzulernen. An Studien des Instituts über das politische Potenzial von Studierenden beteiligte er sich mit Aufsätzen, in denen sich schon Argumente seiner späteren Theorie vorbereitet finden.

Diese theoriepolitische Konstellation sollte sein Denken und seine Politik als Intellektueller prägen. Er bewegte sich zwischen der Kritischen Theorie in Frankfurt und dem eher konservativen Kreis um Rothacker, Hans-Georg Gadamer und Reinhart Koselleck. Das von ihnen getragene Archiv für Begriffsgeschichte war orientiert an der Wiederbelegung der geistesgeschichtlichen Tradition und der Hermeneutik. Es befasste sich – im Anschluss an Carl Schmitt – mit Forschungen über Öffentlichkeit.

In diesem Kontext entstand Habermas’ kritische Studie über den Strukturwandel der Öffentlichkeit. Aufgrund inhaltlicher Vorbehalte wollte Horkheimer Habermas nicht habilitieren, ihm war Habermas zu sehr am Vormärz orientiert. Das tat dann der Marxist Wolfgang Abendroth in Marburg. 1961 wurde Habermas in Heidelberg als Professor für Philosophie berufen. Nur wenige Jahre später, 1964, ging er als Nachfolger Horkheimers an die Universität Frankfurt und lehrte dort neben Philosophie auch Soziologie am Seminar des Instituts für Sozialforschung.«

Alex Demirović mit einem Nachruf auf Jürgen Habermas

 


[FAZ]

Axel Honneth über Jürgen Habermas : »Sollte er nicht ewig leben?«

Zeitungsartikel, Aus dem IfS

»Man stehe, so sagte Habermas am Grab von Adorno, mit dessen Tod philosophisch plötzlich blank dar. Wie viel mehr Gründe haben wir, das heute von uns zu behaupten, die wir sein Werk fortsetzen wollen?«
Axel Honneth, ehem. Direktor des Instituts für Sozialforschung in der FAZ.