Die beleidigte Republik. Überwachen und Strafen als Antwort auf gesellschaftliche Konflikte – Özge Inan im Gespräch mit Franziska Wildt
Im Internet und auf der Straße, in den Buchhandlungen und Universitäten weht der raue Wind des Strafens. Wer Memes über Politiker postet, muss damit rechnen, dass die Polizei vor der Tür steht. Satirische Posts können Ermittlungen nach sich ziehen, manchmal Gerichtsverfahren. Der strafende Feminismus will patriarchale Gewalt mit der Staatsgewalt beenden und im Kampf gegen Rechts richten sich die Hoffnungen auf ein Parteiverbot der AfD. Wo immer sich Konflikte auftun, scheint es nur noch eine Antwort zu geben, und diese Antwort legt Handschellen an. Das Strafrecht soll das schärfste Schwert des Staates sein und hängt immer tiefer über unseren Köpfen. Wo sind wir da hineingeraten? Und wollen wir überhaupt noch raus?
Eine Veranstaltungsreihe von Institut für Sozialforschung und dem Künstler*innenhaus Mousonturm
Gegenwärtig wird sichtbar, was sich schon lange abzeichnete: Politische Kräfte, die neoliberale Politiken mit autoritären Anrufungen verknüpfen, rücken zunehmend zusammen und bilden Allianzen. Die Veranstaltungsreihe »Aspekte des neuen Autoritarismus« nimmt diese Konvergenz in den Blick, die nicht nur soziale Ungleichheiten vertieft, sondern auch demokratische Strukturen zunehmend untergräbt und für viele Menschen eine unmittelbare Bedrohung bedeutet.
Während der Neoliberalismus eine Gesellschaft des Wettbewerbs und der Entsicherung schafft, proklamiert der Autoritarismus einfache Feindbilder und rigide Ordnungen. Gemeinsam erzeugen sie ein gesellschaftliches Klima, das demokratische Prinzipien wie Menschenwürde und Grundrechte zunehmend unter Druck setzt. Die autoritär-neoliberale Allianz ist freilich kein Zufall, sie ist Ausdruck struktureller Dynamiken des Gegenwartskapitalismus. Analytisch wie historisch lässt sich zeigen, dass autoritäre Ordnungsvorstellungen bereits im Kern neoliberaler Ideologie verankert sind.
Die vom Institut für Sozialforschung und Künstler*innenhaus Mousonturm organisierte Veranstaltungsreihe beleuchtet die aktuelle Konjunktur dieser Allianz in Deutschland und der Welt, legt Mechanismen autoritär-neoliberaler Politik und deren gesellschaftlichen Konsequenzen offen und fragt danach, welche Gegenbewegungen zum neuen Autoritarismus sichtbar und denkbar sind.
22. April 2026: Die beleidigte Republik. Überwachen und Strafen als Antwort auf gesellschaftliche Konflikte – Özge Inan im Gespräch mit Franziska Wildt
6. Mai 2026: Die Welt des Krieges. Diskurs und Politik nach der »Zeitenwende« – Mario Neumann im Gespräch mit Sarah Kruck
11. Juni 2026: Dark Enlightenment: Platform Neofascism as Mass Deception – Bruna Della Torre im Gespräch mit Juana de Oliveira Lorena (in englischer Sprache)
Die Veranstaltungen beginnen jeweils im 20 Uhr im Künstler*innenhaus Mousonturm. Der Eintritt ist frei.