Larissa Schindler mit einer Rezension zu »Feldverhältnisse«: Irritation als methodisches Programm
12.05.2026 - Medienberichte [soziopolis]
Feldverhältnisse. Irritation und Erkenntnis im Forschungsprozess
Zu den Neuerscheinungen im Bereich der vertieften Methodeneinführung gehört der Band Feldverhältnisse. Irritation und Erkenntnis im Forschungsprozess, herausgegeben von Annette Hilscher und Minna Ruokonen-Engler. In acht Aufsätzen vertreten die beiden Herausgeberinnen und sechs weitere Autor:innen die These, dass Irritationen im Rahmen empirischer Forschung nicht nur regelmäßig auftreten, sondern ein wichtiges Element für Analyse und Erkenntnisgewinn darstellen. Doch trotz ihrer hohen Frequenz und Relevanz für den Forschungsprozess finden Unsicherheiten und Irritationen bislang für »gewöhnlich höchstens in einer Randnotiz Erwähnung« (S. 7), so die Herausgeberinnen in der Einleitung. Vor diesem Hintergrund wollen sie es genauer wissen und fragen nach dem epistemischen Gehalt (S. 9) irritierender Entwicklungen und Ereignisse im Verlauf der Forschungsarbeit, also danach, was sich aus ihnen lernen lässt. Die Herausgeberinnen verorten dies, nicht nur aber auch, gesellschaftskritisch und konstatieren: »Nicht selten weisen die Irritationen auf einen Bruch mit hegemonialen Wissensbeständen hin und fordern die Methoden akademischer Wissensproduktion heraus« (S. 8). Nun ist der epistemische Wert von Irritation gerade in der qualitativen Forschung weithin bekannt und kaum umstritten,[3] doch die tiefgehende wie detaillierte Auseinandersetzung der verschiedenen Beiträge dieses Buches stellt zweifelsohne eine spannende Bereicherung für die einschlägige Diskussion dar.