soziopolis über »Briefwechsel 1950 –1969«: »Der Kapitän und die Flaschenpost«
28.05.2024 - Medienberichte
Rezension zu »Briefwechsel 1950–1969 und weitere Materialien« von Theodor W. Adorno und Ludwig von Friedeburg
Im Jahr 1943, als der Philosoph Theodor W. Adorno in Pacific Palisades gerade fieberhaft mit Max Horkheimer an der Dialektik der Aufklärung arbeitete, die beide als »Flaschenpost« an nachfolgende Generationen verstanden, befand sich der spätere Soziologe Ludwig von Friedeburg auf hoher See. Als Sohn des letzten Generaladmirals der deutschen Kriegsmarine wurde der 1924 geborene Friedeburg im Zweiten Weltkrieg der jüngste deutsche U-Boot-Kommandant. Für seine Verdienste im U-Boot-Krieg wurde er von Hitlers Generälen bis zum Leutnant zur See befördert. Kaum jemand hätte sich damals wohl vorstellen können, dass Adorno und Friedeburg nur sieben Jahre später nicht nur eine fast zwanzig Jahre währende Korrespondenz beginnen würden, sondern dass Friedeburg nach Adornos und Horkheimers Tod deren Nachfolge als Direktor des Instituts für Sozialforschung antreten würde. Die als Juden nach Amerika getriebenen marxistischen Philosophen und der »arische« Sprössling einer alten deutschen Offiziersfamilie schienen zwei vollkommen unterschiedlichen Welten anzugehören.
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