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Die Zukunft einer Katastrophe
Kritische Theorie der Natur nach Schelling, Horkheimer und Adorno
In der ökologischen Katastrophe geraten zwei zentrale Merkmalen der frühen Kritischen Theorie in einen möglichen Konflikt: Auf Grundlage ihres ethischen Negativismus formuliert die Kritische Theorie Gesellschaftskritik als Kritik der Ursachen vermeidbaren Leids. In Folge ihres epistemischen Negativismus verzichtet die Kritische Theorie bewusst auf substanzielle Bestimmungen von Natur, die sich auf die Naturwissenschaften oder Ontologien beziehen. Angesichts der für die ökologische Katastrophe charakteristischen unsicheren zukünftigen Folgen gegenwärtiger Handlungen wird dies jedoch zum Problem: Eine Kritik des durch gegenwärtige Praxis verursachten kommenden Leids muss sich auf Naturbegriffe stützen, die den Rahmen der Erkenntniskritik der frühen Kritischen Theorie mitunter strapazieren. Sie wird in der Kritischen Theorie daher meist als entweder szientistisch oder metaphysisch bzw. ontologisch zurückgewiesen. Das Dissertationsvorhaben begegnet diesem Problem durch eine Verbindung von Horkheimers interdisziplinärem Materialismus, Adornos Erkenntniskritik und Schellings Spätphilosophie. Ausgehend von einer kritischen Öffnung gegenüber naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und einer Reflexion des stets auch metaphysischen Gehalts des Sprechens über Natur kann die Kritische Theorie eine Gesellschaftskritik formulieren, die nicht nur auf vergangenes und gegenwärtiges, sondern auch auf mögliches zukünftiges Leid reagieren kann.