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Marxistische Arbeitswoche 2023: Thomas Ebermann – »Kritik der Bedürfnisse«
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Der Referent wird sich mühen … 2) ...alles zu vermeiden, was ihn als Weltverbesserer durch richtiges Verhalten im Marktgeschehen, als Berater kritischer Konsument:innen erscheinen lassen könnte. Auch distanziert er sich von allen pfäffischen Belehrungen, die den unteren Schichten den unschicklichen Konsum ankreiden ‒ und von den Produktionsbedingungen, denen sie unterworfen sind, absehen. (Hilfestellung: Karl Marx) 3) ... die Voraussetzung aller kritischer Reflektion über Bedürfnisse, dass der Mensch satt, bekleidet, behaust und versorgt sein muss, nie zu ignorieren. Das schützt davor, voreilig ins Solzialpsychologische zu wechseln. (Hilfestellung: Theodor W. Adorno) 4) ... dennoch daran festzuhalten, dass wahre und falsche Bedürfnisse unterscheidbar sind (Hilfestellung: Herbert Marcuse) - und dass »enormes Bewusstsein« einen Bruch mit dem Bestehenden impliziert und also etwas fundamental anderes ist als das Postulat der »sozialen Gerechtigkeit«. (Hilfestellung: Karl Marx) 5) ... das Dilemma, den Teufelskreis, nicht zu verschweigen, dass andere Verhältnisse (ohne Konkurrenz, ohne Arbeitstempo im Dienste der Produktivität, ohne Sorge vor dem Absturz ins Elend etc.) gewiss Menschen mit anderen Bedürfnissen erbrächten ‒ wir aber nicht wissen, ob die Sehnsucht nach dem ganz anderen unter Bedingungen heutiger materieller Wirklichkeit je große Potenziale erfassen kann. (Hilfestellung: Agnes Heller, Herbert Marcuse: »Versuch über die Befreiung«) 6) ... immer nachzuweisen, dass Bedürfniskritik stets auf einen Begriff gesellschaftlichen Reichtums insistiert, der antagonistisch zum herrschenden sich verhält, weil er nicht im Entferntesten asketisch ist und deshalb, um der Arbeit zu fliehen, auf all die überflüssigen, dummen, sinnlosen Produkte und Dienstleistungen verzichtet. Wenn Adorno, was selten ist, die befriedete Zukunft doch einmal ›auspinselt‹, dann so: »Wenn es einmal kein Monopol mehr gibt, wird sich rasch genug zeigen, dass die Massen den Schund, den die Kulturmonopole und die jämmerliche Erstklassigkeit, die die praktischen ihnen liefern, nicht ›brauchen‹.« (»Thesen über Bedürfnisse«) Thomas Ebermann ist »Arbeiter ohne Fixierung auf diese frühere Lebensphase, Politiker ohne Karriere, Intellektueller ohne Abitur, Künstler ohne Genre-Grenzen. Das Wörtchen ›ohne‹ markiert immer auch Nichtzugehörigkeit« (Georg Fülberth). Marxistische Arbeitswoche 2023 © IfS
1) ... die heutigen Bedürfnisse als zum bestehenden System gehörig zu denunzieren. Sie sind auf eine übermächtige Struktur zurückzuführen, die in die Menschen einwandert, sie prägt, hässlich macht. (Hilfestellung durch Zitate aus Agnes Heller: »Theorie der Bedürfnisse«)
28. Mai 2023
Festsaal des Studierendenhaus
Campus Bockenheim
Marxistische Arbeitswoche 2023: Jens Kastner – »Unbedingte Solidarität«
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Ganz verschwunden war sie im politischen Aktivismus nie, in den sozialtheoretischen Diskursen aber wurde lange nicht über sie gesprochen: Solidarität. Mittlerweile ist sie wieder in aller Munde, ob im Kontext der Klage über die Erosion von Solidargemeinschaften, die neoliberale Individualisierung oder die Fragmentierung der Linken. Jens Kastner, Soziologe und Kunsthistoriker, Akademie der bildenden Künste Wien. https://www.jenspetzkastner.de/startseite Jens Kastner und Lea Susemichel (Hg.): Unbedingte Solidarität. Münster 2021, Unrast Verlag. https://www.unrast-verlag.de/neuerscheinungen/unbedingte-solidaritaet-775-detail Marxistische Arbeitswoche 2023 © IfS
Analytisch wie politisch ist Solidarität tatsächlich die Herausforderung der Stunde. In unserem Vortrag plädieren wir dafür, Solidarität als unbedingte zu entwerfen. Solidarisches Handeln darf sich nicht nur als bloße Parteinahme für die Gleichen und Ähnlichen äußern, das heißt gemeinsame Erfahrungen, gemeinsame Herkunft oder gleiches Geschlecht sollten keine Voraussetzung sein. Zweitens sollte Solidarität unbedingt sein, insofern sie nicht als Tauschgeschäft von Kosten und Nutzen und/oder Rechten und Pflichten konzipiert werden sollte. Und schließlich ist Solidarität drittens auch im Sinne einer emphatischen Dringlichkeit unbedingt: Wir brauchen mehr solidarische Beziehungen im Kampf für eine gerechte Gesellschaft!
28. Mai 2023
Festsaal des Studierendenhaus
Campus Bockenheim
100 Jahre Institut für Sozialforschung – Marxistische Arbeitswoche 2023 (Dokumentarfilm)
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Über Pfingsten 1923 fand in Geraberg (Thüringen) die »Marxistische Arbeitswoche« statt – das erste Theorieseminar des zu Beginn desselben Jahres gegründeten Instituts für Sozialforschung. Teilnehmer:innen waren Marxist:innen und Kommunist:innen, die intellektuell an der frühen Ausrichtung des IfS mitwirkten. Anlässlich seines 100-jährigen Bestehens lud das Institut für Pfingsten 2023 zur Zweiten Marxistischen Arbeitswoche ein. Der Film verschafft einen Eindruck von den dort geführten Debatten und einer Veranstaltung, die mit über 900 Teilnehmenden auf großes Interesse stieß. Marxistische Arbeitswoche 2023 © IfS
Vom 26. bis 29. Mai in Frankfurt am Main
Film: Heiko Volkmer | splitterfilm, Credits: Medienkollektiv Frankfurt am Main
[Deutschlandfunk Kultur]
Deutschlandfunk Kultur über die zweite Marxistische Arbeitswoche: »Mut zum richtigen Denken im Falschen«
Zeitungsartikel, Über das IfS
Adorno, Habermas, Honneth, Jaeggi: Ihre Namen sind mit der Gesellschaftskritik der Frankfurter Schule verbunden. 1968 inspirierte deren Kritische Theorie die Studentenbewegung. Doch welche Antworten hat ihr Denkansatz auf die Krisen der Gegenwart?
[FR]
FR über die zweite marxistische Arbeitswoche: »Frankfurt: Kritische Theorie für alle«
Zeitungsartikel, Über das IfS
Bei der Zweiten Marxistischen Arbeitswoche öffnet sich das Institut für Sozialforschung im Studierendenhaus in Frankfurt-Bockenheim für den Diskurs mit Stadtgesellschaft und Studierenden aus ganz Deutschland. Unhaltbare Zustände. So überschreibt das Frankfurter Institut für Sozialforschung (IfS) seine »Zweite Marxistische Arbeitswoche«. Die ist fürs kommende Pfingstwochenende angesetzt, vom 26. bis 29. Mai, im Studierendenhaus auf dem benachbarten Campus Bockenheim und im Institut an der Senckenberganlage. Was so nüchtern klingt, Arbeitswoche, ist auf mehreren Ebenen zu hinterfragen. Einfach, weil es das ist, was kritische Sozialforschung ausmacht: Zustände beschreiben und hinterfragen.
[jacobin]
Stephan Lessenich: »Cien años de teoría crítica«
Interviews, Zeitungsartikel, Aus dem IfS
El Instituto de Investigación Social de la Universidad Goethe de Frankfurt, ámbito que dio vida a la Escuela de Fráncfort, está cumpliendo 100 años de existencia. A propósito del aniversario conversamos con su actual director sobre la tradición y el futuro de la teoría social crítica.
[RLS]
RLS über zweite marxistische Arbeitswoche: »100 Jahre Erste Marxistische Arbeitswoche«
Zeitungsartikel, Über das IfS
1923 war politisch wie gesellschaftlich ein Katastrophenjahr (neben Hyperinflation samt breiter Verarmung der Bevölkerung, sind unter anderem die Ruhrkrise und der Putschversuch von Adolf Hitler zu nennen), aber eben nicht nur. Es war auch ein Jahr des Neubeginns und Aufbruchs in der Linken.
[Jungle World]
Dirk Braunstein: »Vielleicht kam nichts dabei herum außer einem schönen Gruppenfoto«
Zeitungsartikel, Aus dem IfS
Im Mai 1923 trafen sich in Thüringen eine Reihe Kommunistinnen und Kommunisten, darunter Georg Lukács und Karl Korsch, um die Marxistische Arbeitswoche abzuhalten. Zum 100. Jahrestag der Konferenz wird in Frankfurt am Main eine Veranstaltung in Anlehnung an sie stattfinden. Der Philosoph und Archivar Dirk Braunstein spricht im Interview mit der »Jungle World« über die Romantisierung der Arbeitswoche, das fehlende Archivmaterial über sie und den Unterschied zwischen Kritischer Theorie und dem westlichen Marxismus.
[jW]
Dirk Braunstein: »Gemeinsam einschlafen«
Zeitungsartikel, Aus dem IfS
Zunächst einmal: Workshops sind ganz generell und völlig blamabel. Wer je bei ein, zwei oder unzähligen dieser Veranstaltungen zugegen war und etwas anderes sagt, ist entweder für das Projekt einer Menschheit, die wirklich eine wäre, verloren, oder aber, und das ist wahrscheinlicher, er lügt Ihnen dreckig ins Gesicht. Doch nicht so forsch. Denn wer sein Geld zufälligerweise nicht im akademischen Betrieb verdient, mag sich fragen, was ein Workshop eigentlich sei?
[FR]
FR über Global Assembly: »Arbeitskampf in Ghana: ›Solidarität stellt sicher, dass Gleichheit über Grenzen hinausgeht‹«
Zeitungsartikel, Über das IfS
Gewerkschafterin Bashiratu Kamal will Arbeitsplätze in Ghana zu sicheren Orten für alle machen. Dabei könnte auch Solidarität aus Deutschland helfen.
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