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[soziopolis] Saskia Gränitz: »Intervention zur rechten Zeit«

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Rezension zu »Ungleich vereint. Warum der Osten anders bleibt« von Steffen Mau

Kurz vor dem oder in den ersten Jahren des Nationalsozialismus entwickelte Walter Benjamin mit dem Begriff der »Jetztzeit« einen Grundbaustein seiner Geschichtsphilosophie: Jedes »Jetzt ist das Jetzt einer bestimmten Erkennbarkeit. In ihm ist die Wahrheit mit Zeit bis zum Zerspringen geladen.« Nicht wo »das Vergangene sein Licht auf das Gegenwärtige oder das Gegenwärtige sein Licht auf das Vergangene« wirft, stellt sich ein solcher Moment der Erkennbarkeit ein, sondern wo »das Gewesene mit dem Jetzt blitzhaft zu einer Konstellation zusammentritt«. In ein solches Jetzt interveniert Steffen Mau. Er fordert zum Innehalten auf in einer Zeit, die vom Durchmarsch der AfD in den Parlamenten, einer Verrohung der bürgerlichen Öffentlichkeit, zunehmender Enthemmung rechter Akteure auf der Straße und anhaltender Gewalt von Neonazis geprägt ist. All dies, so betont er immer wieder, ist kein alleiniges Problem ›des Ostens‹, wir müssen die hiesige Entwicklung vielmehr als Seismograf für eine bundesweite (und internationale) Tendenz begreifen.
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FAZ über das IfS: »Frankfurter Schule: Im akademischen Klassenkampf«

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Ein wenig akademischer Klassenkampf war schon nötig, um der Soziologie in der Frankfurter Schule wieder zu ihrem Recht zu verhelfen: Über das Institut für Sozialforschung nach dem Tod Theodor W. Adornos.
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Versorgerin über das IfS: »Die Praxis kritischer Theorie«

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Philipp Lenhard hat mit »Café Marx« eine weitere Geschichte des Frankfurter Instituts für Sozialforschung vorgelegt. Inwieweit sie ihrem Gegenstand gerecht wird, analysiert Robert Zwarg. Einer der programmatischsten Texte der Kritischen Theorie entstand in einem Moment höchster Ungewissheit. Max Horkheimers »Traditionelle und kritische Theorie« wurde 1937 im zweiten Heft der Zeitschrift für Sozialforschung veröffentlicht, als sich der Autor und das 1923 gegründete Institut bereits im Exil in New York befanden. Ob und wie das Institut weiter existieren würde, war keineswegs ausgemacht. Im Schatten dieser Ungewissheit griff Horkheimer in seinem Aufsatz nicht zufällig die Frage nach dem Weiterleben der Kritischen Theorie und den Bedingungen ihres »geschichtlichen Erfolg[es]« auf. Zum einen müsse die Theorie das »Interesse an einer Umwandlung« der Gesellschaft, das sich »mit der herrschenden Ungerechtigkeit notwendig reproduziert«, leiten und formen, während dieses Interesse zugleich auf die Theorie zurückwirke. Damit wird allerdings die zweite Bedingung, die Horkheimer nannte, durchaus problematisch, nämlich »die möglichst strenge Weitergabe der kritischen Theorie«. Bis zu ihrer »Bestätigung durch den Sieg«, so heißt es, wäre das der »Kampf um ihre richtige Fassung und Anwendung«.
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soziopolis über »Briefwechsel 1950 –1969«: »Der Kapitän und die Flaschenpost«

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Rezension zu »Briefwechsel 1950–1969 und weitere Materialien« von Theodor W. Adorno und Ludwig von Friedeburg

Im Jahr 1943, als der Philosoph Theodor W. Adorno in Pacific Palisades gerade fieberhaft mit Max Horkheimer an der Dialektik der Aufklärung arbeitete, die beide als »Flaschenpost« an nachfolgende Generationen verstanden, befand sich der spätere Soziologe Ludwig von Friedeburg auf hoher See. Als Sohn des letzten Generaladmirals der deutschen Kriegsmarine wurde der 1924 geborene Friedeburg im Zweiten Weltkrieg der jüngste deutsche U-Boot-Kommandant. Für seine Verdienste im U-Boot-Krieg wurde er von Hitlers Generälen bis zum Leutnant zur See befördert. Kaum jemand hätte sich damals wohl vorstellen können, dass Adorno und Friedeburg nur sieben Jahre später nicht nur eine fast zwanzig Jahre währende Korrespondenz beginnen würden, sondern dass Friedeburg nach Adornos und Horkheimers Tod deren Nachfolge als Direktor des Instituts für Sozialforschung antreten würde. Die als Juden nach Amerika getriebenen marxistischen Philosophen und der »arische« Sprössling einer alten deutschen Offiziersfamilie schienen zwei vollkommen unterschiedlichen Welten anzugehören.
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welt über »Briefwechsel 1950 –1969«: »›Lieber Ludwig!‹ – ›Lieber Teddie!‹«

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Der eine musste vor den Nazis fliehen. Der andere war Marine-Offizier unter Hitler. Trotzdem wurden Theodor W. Adorno und Ludwig von Friedeburg nach dem Krieg Freunde. Was uns ihre Briefe über Deutschland im 20. Jahrhundert erzählen.
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[SuN] Ann-Katrin Kastenberger und Dora Stanic: »Rezension zum Buch »Rechtspopulismus vs. Klimaschutz? Positionen, Einstellungen, Erklärungsansätze« «

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Ein »doppeltes Desiderat« in der gegenwärtigen Forschung

Ausgangspunkt der Studie ist die Feststellung eines »doppeltes Desiderat« (Sommer et al. 2021: 62) in der gegenwärtigen Forschung: Einerseits erfahren die Phänomene des erstarkenden Rechtspopulismus sowie die wachsenden Herausforderungen der Klimakrise jeweils große Aufmerksamkeit, andererseits widmen sich nur wenige Studien dem möglichen Zusammenhang zwischen beiden Bereichen (vgl. Sommer et al. 2022: 13). Die leitende Forschungsfrage des Buches lautet daher: »Gibt es einen Zusammenhang zwischen den sich verschärfenden ökologischen Krisen wie der Klimakrise sowie den politischen Bestrebungen, diese einzudämmen, und dem Erstarken des Rechtspopulismus?« (ebd.: 14). Mit ihrer Arbeit zielen die Autor*innen darauf ab, die genannte Forschungslücke zu schließen, da die Phänomene der Klimakrise sowie des (Rechts-)Populismus zwar häufig gesondert, jedoch selten einer gemeinsamen Beobachtung unterzogen werden. Damit lässt sich die Studie einer Reihe von Forschungen zuordnen, die sich aktuell mit den politischen Debatten und gesellschaftlichen Konsequenzen der sozial-ökologischen Transformation beschäftigten (vgl. u.a.: Blühdorn 2020; Gürtler et al. 2021; Ekberg et al. 2022; Eversberg 2023; Mau et al. 2023; Quent et al. 2022).
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[SZ] Interview mit Saskia Gränitz: »Von einer Couch auf die nächste«

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Hohe Mieten, knapper Wohnraum und lange Wartelisten für Wohnheime zwingen immer mehr junge Menschen in ungesicherte Wohnverhältnisse – zum Beispiel Carolin. Heute hat Carolin eine Nachricht von einem Freund bekommen: „Schnelle Frage an die Obdachlose: Wo kann ich dich denn postalisch erreichen in den kommenden Tagen?“ Es geht um eine Hochzeitseinladung. Carolin sitzt auf einer Parkbank und liest die Nachricht vor. Sie lacht. „Alle wissen Bescheid“, sagt sie und meint damit: Sie ist zwar nicht obdachlos, aber wohnungslos. Genauer gesagt: verdeckt wohnungslos. Das heißt, dass Carolins Unterschrift gerade unter keinem Mietvertrag steht, dass sie kein Zimmer hat, keinen festen Wohnsitz. Sie kommt immer wieder bei Freunden, Bekannten oder ihren Eltern unter.
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FAZ über das IfS: »Denken in Räumen: Philipp Lenhards Geschichte des frühen Instituts für Sozialforschung«

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Die Geschichte der Frankfurter Schule wird in der Regel als Horkheimer + Adorno + X erzählt. Andere Figuren treten lediglich als Anhang des großen Duos auf, das in den Trente Glorieuses zwischen dem Erscheinen der „Dialektik der Aufklärung“ 1944 und Horkheimers Tod 1973 die Kritische Theorie entwickelt hat. Lange Zeit war der Blick vor allem auf den Übergang zu nachfolgenden Generationen gerichtet, der wahlweise als Erfüllungs- (Endlich Politik, Empirie und Klarheit!) oder Verfallsgeschichte erscheint (Ist das noch Kritische Theorie?!). Seit einigen Jahren wächst jedoch das Interesse an der Vor- und Frühgeschichte sowie an vermeintlichen Randfiguren. Zu ihnen zählt Friedrich Pollock, der seit Philipp Lenhards Biographie (F.A.Z. vom 15.11. 2019) nicht mehr bloß als Horkheimers Freund, sondern als „graue Eminenz der Frankfurter Schule“ bekannt ist.
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Gespenster der Freiheit über 100 Jahre IfS; »Auf den Schultern von Riesen«

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Neue Ideen und einige Image-Korrekturen zum 100. Geburtstag des Frankfurter Instituts für Sozialforschung

Binnen kurzer Zeit trafen das Frankfurter Institut für Sozialforschung (IfS) zwei Großereignisse: Es bekam im Juli 2021 mit Stephan Lessenich einen neuen Direktor – und im März 2022 eine neue Website. Beides geschah im Vorfeld eines nicht minder großen Events: Im Februar 2023 feierte das IfS den 100. Jahrestag seiner Gründung. Neuer Chef, neues Erscheinungsbild: Das altehrwürdige Institut konnte also pünktlich zum Jubiläum gleich zweifach runderneuert an die Öffentlichkeit treten.
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die Tagespost über 100 Jahre IfS: »100 Jahre Frankfurter Schule: Mehr als ›religiös unmusikalisch‹ «

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Von Horkheimer bis Habermas: Die Frankfurter Schule war auch gegenüber sich selbst kritisch – und thematisierte sogar die religiöse Frage nach Transzendenz. Gegründet in den Jahren 1923/24 von jüdischen Industriellen und Intellektuellen, die von der Philosophie Hegels und den Sozialanalysen Marx‘ und Freuds geprägt waren, steht das Frankfurter Institut für Sozialforschung seither nach eigener Definition »für eine kritische Theorie der Gesellschaft, die den herrschenden sozialen Verhältnissen den Spiegel ihrer uneingelösten Möglichkeiten vorhält. Es begreift sich als ein Ort kooperativer, öffentlicher und intervenierender Gesellschaftswissenschaft«.
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