Montag

Café KoZ (Studierendenhaus Campus Bockenheim)

Öffentliche Vorträge

Öffentliche Vorträge

Die Wahl des Begriffs »Prostitution« oder »Sex-Arbeit« für den Hurenberuf ist heute Ausdruck von einander entgegengesetzten politischen Haltungen, die sich innerhalb der Linken und im Feminismus in heftigem Streit befinden. Was also bedeutet der Wandel von der »Prostitution« zur »Sex-Arbeit«?

Aus bürgerlicher Sicht fand in der Prostitution kein fairer Warentausch statt, sondern ein wechselseitiger Missbrauch: Die Prostituierte nutzte das Begehren des Kunden aus, der Freier missbrauchte die Prostituierte als Objekt seiner Phantasien. Die Prostituierte galt entweder als manipulative Betrügerin oder preisgegebenes Opfer – und dieser doppelte Verdacht scheint auch heute noch nicht völlig ausgeräumt. Die Prostituierte ist, wie Walter Benjamin feststellte, tatsächlich »Verkäuferin und Ware in einem«. Sie bewirbt sich selbst als käufliches Objekt und bleibt dabei zugleich Subjekt. Damit überschreitet sie die Grenzen der Warenform wie sie zugleich als perfekte Verkörperung der Ware erscheint. Wenn dagegen heute von Sexarbeit oder sexuellen Dienstleistungen die Rede ist, dann impliziert das eine gesellschaftliche Veränderung, die sowohl Form und Begriff der Arbeit als auch der Sexualität betrifft. Die Arbeit ergreift immer weitere Register der Persönlichkeit, so dass sich Arbeit insgesamt dem »Selbstverkauf« nähert. Die Sexualmoral ist liberal geworden: Die Entscheidung für oder gegen sexuelle Handlungen liegt in der Verfügungsgewalt des Individuums und Sexualität wird unter der Bedingung des Konsenses nur noch von Fragen der Gesundheit und Hygiene reguliert. Dabei aber erscheint das sexuelle Begehren des Anderen als durchaus bedrohlich und die sexuelle Identität als intimer und schutzbedürftiger Teil des Individuums. Umstritten bleibt, wo Prostitution hier rangiert.

Theodora Becker stellt ihre Monographie »Dialektik der Hure« (Matthes und Seitz) vor und widmet sich den Gründen für den fortwährenden Skandal der käuflichen Sexualität.

Organisiert vom AK Gender, Kinship, Sexuality des IfS

Anschließend Bar-Abend.

Mittwoch

autorenbuchhandlung marx & co

Prismen

Prismen

Tür an Tür mit brutalen Nachbarn leben zu müssen, deren Gewalt man nicht entfliehen kann – ein Horrorszenario. Israelis und Palästinenser erleben diesen Albtraum jeden Tag neu: Die zwei sich bekämpfenden Nationen können nicht, aber sie müssen miteinander leben. Seit fünf Jahrzehnten beobachtet José Brunner unmittelbar, wie auf dem Reißbrett entworfene Friedenspläne und Appelle an die Vernunft in diesem Krieg der Emotionen kläglich versagen. Daher setzt er dort an, wo die Menschen zutiefst ansprechbar sind: bei den Gefühlen, und holt die Erkenntnisse der Psychologie in die politische Debatte. Denn Traumata, Narzissmus und Paranoia prägen nicht nur den Einzelnen, sondern ganze Nationen. Deshalb muss vor einer politischen Lösung zunächst eine psychologische erfolgen: Erst wenn beide Seiten ihre eigene Gewalttätigkeit kritisch analysieren und zugefügte Verletzungen gegenseitig anerkennen, können sie zu einer humanen Sicht aufeinander finden. Nur so kann es für Israeli und Palästinenser eine Zukunft geben.

Den Hintergrund der Veranstaltung bildet das im Mai erschienene Buch von José Brunner: Brutale Nachbarn. Wie Emotionen den Nahostkonflikt antreiben – und entschärfen können. Berlin: Ullstein 2025.

José Brunner ist emeritierter Professor an der Buchmann Faculty of Law und dem Cohn Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas der Tel Aviv University und war bis 2024 Mitglied des wissenschaftlichen Beirats am Institut für Sozialforschung.

Vera King ist Professorin für Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. und Geschäftsführende Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts.

Dienstag

Campus Westend, PEG 1. G 165

Christine Achinger (University of Warwick)

Essentialistische und kritische Theorie: Rassismus, Kolonialismus und Antisemitismus bei Mignolo, Virdee und Gilroy

Kommentiert von Miriam Schröder (IfS).

 

Dienstag

Campus Westend (Hörsaalzentrum HZ 10), Frankfurt am Main

Ringvorlesung des DFG-Graduiertenkollegs »Gewohnter Wandel«

Ringvorlesung des DFG-Graduiertenkollegs »Gewohnter Wandel«

Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung des DFG-Graduiertenkollegs »Gewohnter Wandel. Gesellschaftliche Transformation und räumliche Materialisierung des Wohnens«

Aus trans- und interdisziplinärer Perspektive der Architektur- und Wohnsoziologie blickt Christien Hannemann auf den Wandel des Wohnens als Wechselwirkung zwischen gesellschaftlich-kulturellen Perspektiven, sozialen Bedürfnissen/Nutzungspraktiken und gebauter Umwelt. Sie thematisiert, welche Herausforderungen und Themen für gegenwärtige und darüber hinaus künftige Diskurse bestehen.

Christine Hannemann ist Professorin für das Fachgebiet „Architektur- und Wohnsoziologie“ am Institut Wohnen und Entwerfen der Fakultät Architektur und Stadtplanung an der Universität Stuttgart. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen der Wandel des Wohnens, Urbanität als Lebensform, Integration und Zuwanderung, sowie Architektur als Beruf und Feld empirischer Sozialforschung. Zuletzt war sie Mitherausgeberin des Sammelbands (2022) „Wohnen. Zwölf Schlüsselthemen sozialräumlicher Wohnforschung.“

 

Im Rahmen unserer Ringvorlesung werden Wissenschaftler:innen aus dem In- und Ausland Einblicke in aktuelle und transdisziplinäre Zugänge internationaler Wohnungsforschung. Im Zentrum stehen zwei Kernfragen:  »Warum und auf welche Weise können wir das Wohnen erforschen?«  »Welchen Zusammenhang sehen wir zwischen gesellschaftlicher Transformation und räumlicher Materialisierung des Wohnens?« Die Ringvorlesung des Kollegs findet während des Semesters regelmäßig am Dienstag um 18.30 Uhr im Wechsel an den Standorten des Kollegs (Weimar und Frankfurt/Main) statt. Es gibt die Möglichkeit einer digitalen Teilnahme (Zugangscode: 635539) https://meeting.uni-weimar.de/b/kat-ek9-0up-qom

Hier geht es zur Seite des Graduiertenkollegs.

Freitag

Kino des DFF, Deutsches Filminstitut und Filmmuseum

Öffentliche Vorträge

Öffentliche Vorträge

Warum sollten wir den politischen Gegner filmen? Welche politische Sprengkraft besitzt der Dokumentarfilm in Zeiten der »Normalisierung« rechter Ideologien? Diesen Fragen möchte die Reihe »Antagonistische Beobachtung« nachgehen und widmet sich hierzu dokumentarischen Filmen über (radikal) rechte Akteure in Europa. An zwei Abenden werden insgesamt vier Filme gezeigt, die einen Einblick in filmische Strategien der Analyse, Konfrontation und Beobachtung rechter Akteure in Deutschland, Österreich, Griechenland und Frankreich vermitteln. Im Gespräch mit Gästen aus den Sozial- und Filmwissenschaften sowie den Macher:innen der Filme wird es auch um die konkreten Herausforderungen in der Recherche, Produktion und Veröffentlichung der Filme gehen.

 

Freitag, 4. Juli 20.30 Uhr:

Inland

Österreich 2019 R: Ulli Gladick 95 Min., OmU

Gäste: Ulli Gladick und Gerhard Daurer (Dramaturgie und Montage)

 

Die Reihe ist eine Kooperation des DFF mit dem Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt, dem Max-PlanckInstitut für ethnologische Forschung und dem Institut für Sozialforschung

Kino des DFF, Deutsches Filminstitut und Filmmuseum

Öffentliche Vorträge

Öffentliche Vorträge

Warum sollten wir den politischen Gegner filmen? Welche politische Sprengkraft besitzt der Dokumentarfilm in Zeiten der »Normalisierung« rechter Ideologien? Diesen Fragen möchte die Reihe »Antagonistische Beobachtung« nachgehen und widmet sich hierzu dokumentarischen Filmen über (radikal) rechte Akteure in Europa. An zwei Abenden werden insgesamt vier Filme gezeigt, die einen Einblick in filmische Strategien der Analyse, Konfrontation und Beobachtung rechter Akteure in Deutschland, Österreich, Griechenland und Frankreich vermitteln. Im Gespräch mit Gästen aus den Sozial- und Filmwissenschaften sowie den Macher:innen der Filme wird es auch um die konkreten Herausforderungen in der Recherche, Produktion und Veröffentlichung der Filme gehen.

 

Freitag, 4. Juli, 18.00 Uhr:

Eine deutsche Partei

Deutschland 2022 R: Simon Brückner 90 Min., OF

Gast: Simon Brückner

 

Die Reihe ist eine Kooperation des DFF mit dem Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt, dem Max-PlanckInstitut für ethnologische Forschung und dem Institut für Sozialforschung

Donnerstag

Institut für Sozialforschung

Vortrag von Anja Giudici (Cardiff University)

Seit dem Einzug radikaler und extrem rechter Parteien in die Parlamente und Regierungen Europas ist das Interesse der Medien und der Wissenschaft am rechten Rand des politischen Spektrums gestiegen. Der Fokus liegt dabei überwiegend auf Parteien und deren Positionen zum Thema Migration. Der Vortrag setzt einen anderen Akzent und thematisiert das Interesse der europäischen Rechten nach 1945 an Bildung. Um die rechte Bildungspolitik und Bildungsarbeit zu verstehen, wird ein analytischer Zugang gewählt, der es ermöglicht, sowohl institutionelle als auch nicht-institutionelle politische Arbeit zu berücksichtigen und deren Verbindungen zu rekonstruieren. Auf Basis von Archivarbeit zu rechten Bewegungen in Deutschland, Frankreich und Italien bietet der Vortrag einen systematischen Überblick über bildungsrelevante Organisationen am rechten Rand. Im Zentrum steht die Analyse der Bildungsprogramme der Parteien sowie unterschiedlicher Organisationen im Kontext der rechten Bildungspolitik und Bildungsarbeit.

Moderation: Rita Casale

Organisiert vom Arbeitskreis Kritische Bildungsforschung des IfS in Kooperation mit dem Kolloquium Bildungsphilosophie und Bildungsgeschichte an der Universität Wuppertal.

 

Dienstag

Institut für Sozialforschung

Öffentliche Vorträge, Tagungen, Konferenzen, Workshops

Öffentliche Vorträge, Tagungen, Konferenzen, Workshops

Economic Drivers of Contemporary Processes of Fascistization (Workshop)

(Veranstaltungssprache/Language: Englisch/English)

Our historical moment seems to resist the clarity of names. “New Right,” “far-right extremism,” “populism,” “authoritarianism,” “post-democracy”, “late fascism” – these terms each capture certain aspects of our current political trajectory, yet none fully encapsulates the transformations underway. How should we name our present? What concepts are useful to understand the contradictions that fracture the current moment? And how do we interpret the rightward shifts in the ideological and political landscapes of most capitalist societies – both in the Global North and South, at the center and periphery of the world-system? This workshop does not seek to settle on fixed labels or static categories. Rather, it aims to explore the ongoing, unresolved processes that have not yet crystallized into a stable political-ideological configuration. The processual term "fascistization" seems to be a proper starting point to capture this dynamic situation.

In the wake of the Trump election and the early elections in Germany, there have been debates both in the public sphere and in trade unions about how economic concerns and grievances act as a key driver of anti-democratic attitudes – see, for example, the debate around the buzzword "anti-fascist economics" (Isabella Weber). The workshop aims to discuss the hypothesis that the economic conditions experienced by workers today – precarization, informal work, job insecurity, impoverishment, declining purchasing power, and the erosion of social mobility – are crucial factors in creating a greater susceptibility to authoritarian and exclusionary ideologies and fueling the processes of social fascistization. Contemporary capitalism certainly has disruptive and destructive impacts on workers' material living conditions. But how do objective economic dynamics and actual experiences of economic deprivation relate to subjective and sociocultural processes of sensemaking? What narratives circulate in which economic problems are addressed and interpreted in right-wing populist terms? And how can we conceptualize and theorize these processes and relations? By presenting case studies from both Argentina and Germany, we will bring empirical evidence to investigate these questions situatedly and comparatively.

 

Please register: anmeldung@ifs-frankfurt.de (registration deadline on June 23)

 

Program

 

10 – 10.30: Introduction

 

10:30 – 12.30: Case Study I: Argentina

  • Agustín L. Prestifilippo (University of Buenos Aires): Inflation and Social Suffering: The Experience of Dispossession Among Argentine Far-Right Sympathizers

 

12:30 – 13:30:  Lunch break

 

1:30 – 3:30 Case Study II: Germany

  • Leo Roepert (University of Hamburg): Identity or Interest: Does Right-Wing Populism Have Economic Causes?
  • Lisa Pfeifer/Marc Blüml (Institute for Social Research): Neoliberal Independence. An investigation of German Finfluencers Promises

 

3:45 – 4:30 Open (comparative) discussion

Montag

autorenbuchhandlung marx & co

Prismen

Prismen

Sarah Speck im Gespräch mit Lena Reichardt, Bea S. Ricke, Karin Stögner und Stephan Voßwinkel

Die Geschichte des Frankfurter Instituts für Sozialforschung (IfS) wird in der Regel anhand der Biografien und Werke männlicher Protagonisten erzählt. So erscheint das Institut als Ort einer intellektuellen Tradition, in der weder Frauen noch Fragen der Geschlechterverhältnisse eine Rolle spielen. Dementgegen wirft der vorliegende Band einen dezidiert feministischen Blick auf die 100-jährige Geschichte des IfS und verdeutlicht die hartnäckige androzentrische Ausblendung der Tätigkeiten von Frauen am und im Umfeld des Instituts in seiner gängigen Geschichtsschreibung. Die versammelten Beiträge vergegenwärtigen, dass das IfS von Beginn an Frauen in die Forschung eingebunden hat und dass zu verschiedenen Zeitpunkten geschlechtertheoretische Überlegungen am Institut entwickelt wurden, die in Verbindung zu politischen Debatten standen. Zugleich zeigt die Rekonstruktion biografischer Wege ausgewählter Wissenschaftlerinnen die institutionellen Beschränkungen, mit denen Frauen bis weit ins 20. Jahrhundert in der wissenschaftlichen Arbeit konfrontiert waren. Der Band beleuchtet die ambivalenten Ein- und Ausschlüsse von Frauen sowie Modi der Arbeitsteilung und damit einhergehende (Un-)Sichtbarkeiten in der Wissenschaft im Allgemeinen und am Institut im Besonderen.

Der Sammelband ist vor Kurzem in der Reihe IfS Aus der Reihe des Instituts für Sozialforschung erschienen: Christina Engelmann, Lena Reichardt, Bea S. Ricke, Sarah Speck und Stephan Voswinkel (Hg.): Im Schatten der Tradition. Eine Geschichte des IfS aus feministischer Perspektive. Berlin: Bertz+Fischer 2025.

Lena Reichardt ist Sozialwissenschaftlerin und Doktorandin am Institut für Sozialforschung. Bea S. Ricke ist Doktorandin im Promotionskolleg »Dialektik der Teilhabe« am Institut für Sozialforschung. Sarah Speck ist Professorin für Vergleichende Kultursoziologie an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) sowie Mitglied des Kollegiums des Instituts für Sozialforschung. Karin Stögner ist Professorin für Soziologie an der Universität Passau. Stephan Voswinkel ist Soziologe, Permanent Fellow am Institut für Sozialforschung und Privatdozent am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität.

DGB-Haus

Öffentliche Vorträge, Tagungen, Konferenzen, Workshops

Öffentliche Vorträge, Tagungen, Konferenzen, Workshops

Gewerkschaften in Zeiten rechter Politik (Vortrag)

(Veranstaltungssprache/Language: Deutsch/German)

Trotz des demokratischen Selbstverständnisses und Engagements der Gewerkschaften, wählen ihre Mitglieder überproportional häufig rechte und faschistische Parteien. Welche Motive gibt es für Wähler:innen rechter Parteien? Und welche Möglichkeiten haben Gewerkschaften, gegen rechte politische Akteur:innen aktiv zu werden?

Diese und weitere Fragen wollen wir zusammen mit Sascha Schmidt (Leiter der Abteilung extreme Rechte/Diskriminierung des DGB Hessen-Thüringen) und Jan Rottenbach (Verein zur Bewahrung der Demokratie/IG Metall Bezirk Mitte) diskutieren.

Anmeldung möglich unter: kontakt@kooperationsstelle-frankfurt-rhein-main.de

Linke Kapelle, HfG Offenbach und KJK Sandgasse 26, Offenbach

Öffentliche Vorträge, Tagungen, Konferenzen, Workshops

Öffentliche Vorträge, Tagungen, Konferenzen, Workshops

16.00 Uhr Workshop: Linke Kapelle, HfG Offenbach
19.00 Uhr Gespräch: KJK Sandgasse 26, Offenbach
 
Angesichts der rechten Gewalt, der physischen wie der sprachlichen, verschlägt es einem förmlich die Sprache. Wie trotzdem darauf antworten, wie darüber sprechen? Welche Worte ihr entgegnen? Wie an die Opfer erinnern?  
Neben politischen Initiativen und kritischen Medien haben sich in der Öffentlichkeit vor allem Schriftsteller:innen und Autor:innen diesen Fragen gewidmet und das Wort ergriffen. Statt Motive und Taten in den Fokus zu stellen, entwickeln sie Text- und Sprachformen, die Menschlichkeit würdigen, kollektive Erinnerung ermöglichen sowie die Anwesenheit der Abwesenden spürbar machen wollen. In ihren Klagen über die Opfer bekommt auch die Anklage der Verbrechen eine öffentliche Stimme. Dialogische, lyrische, fiktive, dokumentarische Texte in Antwort auf rechte Gewaltverbrechen trennen ästhetische Verfahren nicht von politischen. Sie spannen Räume des gemeinsamen Nachdenkens, des Sprechens und Zuhörens, der Zuneigung und Solidarität auf. Sie machen Sprachräume zu Orten der Anteilnahme und der Kritik an der mangelhaften Aufklärung. Und sie fordern die Gewalt in der Sprache heraus, suchen nach Wegen, den verbalen Angriffen und Verhärtungen Worte der Zuneigung entgegenzusetzen.
 

Im Workshop lesen und besprechen wir ausgewählte Texte von Esther Dischereit. Abends folgt ein Gespräch mit Esther Dischereit und Tunay Önder.

Für den Workshop bitten wir um Anmeldung bis 25. Juni: kunstdergegenuntersuchung@gmail.com

Zur Vorbereitung werden ausgewählte Texte versendet.

 

Esther Dischereit erprobt seit vielen Jahren ein engagiertes und sensibles Schreiben in vielfältiger literarischer Form. Ihre Erzählungen, Gedichte, Theaterstücke, Prosatexte sowie Essays wurden international rezipiert und vielfach ausgezeichnet – zuletzt stand ihr Roman „Ein Haufen Dollarscheine" auf der Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse. Auch als Herausgeberin, Kuratorin und Aktivistin hat sie sich in die Diskussion zu Fragen der Erinnerung und des Gedenkens eingebracht. In ihren Arbeiten stellt sie stets Zusammenhänge her zwischen dem Shoa-Gedenken und der Gegenwart rechter Gewalt sowie zwischen jüdischen und migrantischen Perspektiven in der Gesellschaft.

 

Tunay Önder vereint wissenschaftliches und künstlerisches Arbeiten im Theater und in anderen Textformen. Sie wirkte mit bei den dokumentarischen Theaterstücken „Urteile“ (2016) über die Münchner Opfer des NSU sowie „Offene Wunde“ (2025), das den Anschlag am OEZ in München 2016 behandelt. Der mit dem Grimme-Preis nominierte Blog Migrantenstadl machte sie auch im nicht-deutschen Sprachraum bekannt. Ihre Arbeiten schillern zwischen Lesung und Performance, Theater und Literatur, Kritik und Erzählung.

 

Eine Veranstaltung von DIE KUNST DER GEGENUNTERSUCHUNG

Ein Projekt von Marie-Hélène Gutberlet, Felix Trautmann und Franziska Wildt

gemeinsam mit Anna Schlote und Arman Manafpour-Ossaloo

HfG Offenbach und IfS Frankfurt

gefördert von der VolkswagenStiftung

 

Freitag

Kino des DFF, Deutsches Filminstitut und Filmmuseum

Öffentliche Vorträge

Öffentliche Vorträge

Warum sollten wir den politischen Gegner filmen? Welche politische Sprengkraft besitzt der Dokumentarfilm in Zeiten der »Normalisierung« rechter Ideologien? Diesen Fragen möchte die Reihe »Antagonistische Beobachtung« nachgehen und widmet sich hierzu dokumentarischen Filmen über (radikal) rechte Akteure in Europa. An zwei Abenden werden insgesamt vier Filme gezeigt, die einen Einblick in filmische Strategien der Analyse, Konfrontation und Beobachtung rechter Akteure in Deutschland, Österreich, Griechenland und Frankreich vermitteln. Im Gespräch mit Gästen aus den Sozial- und Filmwissenschaften sowie den Macher:innen der Filme wird es auch um die konkreten Herausforderungen in der Recherche, Produktion und Veröffentlichung der Filme gehen.

 

Freitag, 27. Juni, 20.00 Uhr:

Goldene Morgenröte: Unser aller Angelegenheit

Griechenland 2021

R: Angélique Kourounis 117 Min., OmU

Gast: Thomas Iacobi (Drehbuch und Kamera)

 

Die Reihe ist eine Kooperation des DFF mit dem Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt, dem Max-PlanckInstitut für ethnologische Forschung und dem Institut für Sozialforschung

Kino des DFF, Deutsches Filminstitut und Filmmuseum

Öffentliche Vorträge

Öffentliche Vorträge

Warum sollten wir den politischen Gegner filmen? Welche politische Sprengkraft besitzt der Dokumentarfilm in Zeiten der »Normalisierung« rechter Ideologien? Diesen Fragen möchte die Reihe »Antagonistische Beobachtung« nachgehen und widmet sich hierzu dokumentarischen Filmen über (radikal) rechte Akteure in Europa. An zwei Abenden werden insgesamt vier Filme gezeigt, die einen Einblick in filmische Strategien der Analyse, Konfrontation und Beobachtung rechter Akteure in Deutschland, Österreich, Griechenland und Frankreich vermitteln. Im Gespräch mit Gästen aus den Sozial- und Filmwissenschaften sowie den Macher:innen der Filme wird es auch um die konkreten Herausforderungen in der Recherche, Produktion und Veröffentlichung der Filme gehen.

 

Freitag, 27. Juni, 17.30 Uhr:

La question des alliances

Frankreich 1997

R: Jean-Louis Comolli 90 Min., OmU

Gäste aus Sozial- & Filmwissenschaft

 

Die Reihe ist eine Kooperation des DFF mit dem Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt, dem Max-PlanckInstitut für ethnologische Forschung und dem Institut für Sozialforschung

Dienstag

Campus Westend (Hörsaalzentrum HZ 10), Frankfurt am Main

Ringvorlesung des DFG-Graduiertenkollegs »Gewohnter Wandel«

Ringvorlesung des DFG-Graduiertenkollegs »Gewohnter Wandel«

Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung des DFG-Graduiertenkollegs »Gewohnter Wandel. Gesellschaftliche Transformation und räumliche Materialisierung des Wohnens«

Krisen der Wohnraumversorgung werden in Stadt- und Wohnungsforschung aus verschiedenen Perspektiven untersucht. Innerhalb der kritisch-materialistischen Tradition wird die politische Ökonomie des Wohnens kapitalismusanalytisch fokussiert. Transformationen der Akkumulationsstrategien des (Immobilien-)Kapitals und der staatlichen Praktiken und Institutionalisierungen, die Kapitalakkumulation und soziale Reproduktionsbedingungen zu regulieren versuchen, werden als Materialisierungen von gesellschaftlichen Kämpfen und Kräfteverhältnissen begriffen. Kurz: Im Mittelpunkt des Interesses stehen Staat, Kapital und (Mieterinnen-)Bewegungen. Die Frage allerdings, wie umkämpfte gesellschaftliche Wohnverhältnisse alltäglich hergestellt und damit erst praktisch realisiert werden, bleibt analytisch oftmals eher vage beantwortet. Um hier nicht auf quasi-strukturalistische Erklärungsfiguren zurückzugreifen, die institutionalisierte Machtasymmetrien oder „objektive“ gesellschaftliche Veränderungen als „Ursachen“ etwa für massive Verschlechterungen der Reproduktionsbedingungen von Mieterinnenhaushalten in den letzten Jahrzehnten heranzuziehen, bedarf es einer theoretischen und methodologischen Erweiterung. Im Vortrag diskutiere ich die Perspektive der Arbeit am Wohnen from below, die die interaktive Hervorbringung von Wohnraumversorgung untersucht – ausgehend von Erfahrungen der Leute*, die daran arbeiten, sich Wohnraum anzueignen, zu verteidigen, bewohnbar zu halten und in urbanen Nachbarschaften zu einem Zuhause zu machen. Die Forschungsperspektive from below ist in kritischer Gesellschaftsforschung verortet, die soziale Reproduktionsverhältnisse zum analytischen Ausgangspunkt macht.

Dr. Moritz Rinn ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziale Arbeit und Sozialpolitik der Universität Duisburg-Essen. Sein Interesse gilt einer kritischen Gesellschaftsforschung, seine Arbeitsschwerpunkte sind städtisches Wohnen, Gentrifizierung, Stadtentwicklungspolitik, soziale Bewegungen und Konflikte, Sozial-, Sicherheits- und Kontrollpolitiken sowie urbane Marginalisierung. Zuletzt veröffentlichte er die im Verlag Westfälisches Dampfboot erschienene Monografie (2024) „Arbeit am Wohnen. Zur schwierigen Aneignung eines städtischen Reproduktionmittels“.

 

Im Rahmen unserer Ringvorlesung werden Wissenschaftler:innen aus dem In- und Ausland Einblicke in aktuelle und transdisziplinäre Zugänge internationaler Wohnungsforschung. Im Zentrum stehen zwei Kernfragen:  »Warum und auf welche Weise können wir das Wohnen erforschen?«  »Welchen Zusammenhang sehen wir zwischen gesellschaftlicher Transformation und räumlicher Materialisierung des Wohnens?« Die Ringvorlesung des Kollegs findet während des Semesters regelmäßig am Dienstag um 18.30 Uhr im Wechsel an den Standorten des Kollegs (Weimar und Frankfurt/Main) statt. Es gibt die Möglichkeit einer digitalen Teilnahme (Zugangscode: 635539) https://meeting.uni-weimar.de/b/kat-ek9-0up-qom

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Institut für Sozialforschung

Öffentliche Vorträge

Öffentliche Vorträge

Vortrag von Regina Kreide (Professorin für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen)

Wohnen ist ein umkämpftes Terrain - Im wörtlichen Sinne, denn Wohnraum ist weltweit knapp, teuer und ein Spekulationsobjekt. Aber auch im theoretischen Sinne ist es ein Streitthema, denn es stehen sich verschiedene Eigentumsvorstellungen gegenüber. Die liberale Theorie propagiert individuelles Privateigentum, ohne das unsere bestehende Gesellschaftsordnung fast nicht mehr denkbar ist. Dabei gäbe es Alternativen. Kollektives Eigentum, juridisch gesehen eher unüblich, erlaubt eine demokratische Sicht auf Eigentumsverhältnisse - und deutet damit das Wohnen als lebenswichtiges Infrastrukturgut um.

Regina Kreide ist Professorin für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Politische Theorie, Sozialtheorie, Gender Studies, Rechtstheorie und Roma-Studies.

Organisiert vom Arbeitskreis »Demokratie und Partizipation« am Institut für Sozialforschung.

Montag – Dienstag

Institut für Sozialforschung

Tagungen, Konferenzen, Workshops

Tagungen, Konferenzen, Workshops

The contemporary importance of the resonances between the thought of F.W.J. Schelling and the thinkers of the Frankfurt School, especially on nature, materialism, freedom, and aesthetics, is becoming increasingly acknowledged. Confrontations between Schelling and thinkers such as Adorno raise questions about the origins of the domination of nature and how we should respond to the uses and abuses of human freedom and rationality. At the same time, such encounters pose methodological challenges. How can Frankfurt School Critical Theory, as a school of thought that explores the intersections of social research and philosophy, come to terms with philosophical works from the 1790s–1800s in a transformed historical context? While the influences of Kant and Hegel, among others, on this tradition have been examined in great detail, the discussion of Schelling's relevance to the Frankfurt School has not received the same attention. Revisiting this relationship today will contribute to assessing the historical influence of Schelling’s understanding of nature, freedom and aesthetics on the Frankfurt School. A renewed reading of Schelling through Frankfurt School Critical Theory could moreover inform systematic discussions of contemporary challenges, such as the climate crisis.

The two-day workshop will feature four talks and a concluding panel discussion on the first day. Presentations will be given by Camilla Flodin, Philipp Höfele, Sean McGrath, and Philipp Schwab. On the second day, a reading seminar will focus on the relationship between Schelling's Freiheitsschrift (1809) and Adorno's Negative Dialectics (1966). The latest version of the program can be downloaded here.

 

The workshop is organized by Kyla Bruff, Tobias Heinze, and Martin Saar, in cooperation between the Institute for Social Research, the Department of Philosophy at Carleton University, and the Institute for Philosophy at Goethe University Frankfurt.

The presentations on the first day of the workshop will take place in person, with the option for online participation. The reading seminar on the second day will take place in person only.

Times: June 16: 11:00 – 19:00, June 17: 10:00 – 13:30.

 

Registration is required. Please register with Tobias Heinze by emailing t.heinze@em.uni-frankfurt.de before June 2. Please indicate clearly whether you want to participate in the workshop and/or the reading seminar. Space for in-person participation is limited. Texts for the reading seminar will be shared approximately two weeks in advance.

Mittwoch

Instituto Cervantes (Veranstaltungssaal)

Öffentliche Vorträge

Öffentliche Vorträge

Ziel dieser Veranstaltung ist es, die aktuellen Perspektiven auf diese Denkrichtungen zu erörtern und zu analysieren, ihre historische Entwicklung sowie ihren Einfluss auf die zeitgenössischen Debatten über soziale Gerechtigkeit, Ungleichheit und Emanzipation zu beleuchten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Feminismus und seinen Schnittstellen mit den anderen genannten Theorien liegt.

Für diese Reflexion können wir zwei herausragende Forscher:innen begrüßen:

Die Forscherin Andrea Luquin Calvo, Spezialistin für feministische Studien sowie politische und kulturelle Philosophie, wird die Relevanz und die Implikationen feministischer, marxistischer und befreiungstheoretischer Ansätze im zeitgenössischen Kontext beleuchten. An ihrer Seite wird der Forscher des CSIC, Antolín Sánchez Cuervo, seine kritische Perspektive auf den Marxismus und die Befreiungstheorie präsentieren und deren Anwendung und Transformation in verschiedenen sozialen und politischen Kontexten analysieren. Seine Expertise in politischer Philosophie und seine Arbeiten zum spanischen intellektuellen Exil werden der Diskussion eine historische und philosophische Dimension verleihen.

Die Moderation der Veranstaltung übernimmt Stephan Lessenich, ein Experte für kritische Soziologie und Direktor des Instituts für Sozialforschung, der den Dialog zwischen den Referenten leiten wird.

Eine Kooperationsveranstaltung mit dem Instituto Cervantes in Frankfurt am Main.

Dienstag

Marienstraße 13 (Hörsaal D), Weimar

Ringvorlesung des DFG-Graduiertenkollegs »Gewohnter Wandel«

Ringvorlesung des DFG-Graduiertenkollegs »Gewohnter Wandel«

Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung des DFG-Graduiertenkollegs »Gewohnter Wandel. Gesellschaftliche Transformation und räumliche Materialisierung des Wohnens«

Annett Steinführer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Johann Heinrich von Thünen-Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen in Braunschweig. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Folgen der Alterung für Kleinstädte und Dörfer, Wohnstandortentscheidungen für und gegen ländliche Räume sowie Daseinsvorsorge. Zuletzt war sie Mitherausgeberin des Sammelbands (2024) „Ländliche Utopien. Herausforderungen und Alternativen regionaler Entwicklungen“.

Aura Moldovan ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Johann Heinrich von Thünen-Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen in Braunschweig. Zuvor lehrte sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Babeş-Bolyai Universität in Cluj-Napoca (Rumänien). Ihre Forschungsschwerpunkte sind sozialer und siedlungsstruktureller Wandel, Entwicklungsdisparitäten innerhalb der EU, territoriale Mobilität von Personen und demografischer Wandel.

 

Im Rahmen unserer Ringvorlesung werden Wissenschaftler:innen aus dem In- und Ausland Einblicke in aktuelle und transdisziplinäre Zugänge internationaler Wohnungsforschung. Im Zentrum stehen zwei Kernfragen:  »Warum und auf welche Weise können wir das Wohnen erforschen?«  »Welchen Zusammenhang sehen wir zwischen gesellschaftlicher Transformation und räumlicher Materialisierung des Wohnens?« Die Ringvorlesung des Kollegs findet während des Semesters regelmäßig am Dienstag um 18.30 Uhr im Wechsel an den Standorten des Kollegs (Weimar und Frankfurt/Main) statt. Es gibt die Möglichkeit einer digitalen Teilnahme (Zugangscode: 635539) https://meeting.uni-weimar.de/b/kat-ek9-0up-qom

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Dienstag

Campus Westend (Hörsaalzentrum HZ 10), Frankfurt am Main

Ringvorlesung des DFG-Graduiertenkollegs »Gewohnter Wandel«

Ringvorlesung des DFG-Graduiertenkollegs »Gewohnter Wandel«

Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung des DFG-Graduiertenkollegs »Gewohnter Wandel. Gesellschaftliche Transformation und räumliche Materialisierung des Wohnens«

Most medium and large-size cities have been experiencing an acute housing crisis since, at least, the 2008 great financial crisis, although issues of housing unaffordability, discrimination, poor construction and maintenance, overcrowding, segregated urban location, home evictions, forcible displacement, and homelessness, to name a few, may be traced back to the origins of capitalism. Contemporary grassroots housing activism, movements, protests and organising face the housing crisis in different ways, according to their significant contexts and the development of their contentious interactions with their opponents. In this presentation I first introduce an analytical framework to understand housing activism. Secondly, I distinguish types of activist-research in the realm of housing. The third part will identify the main challenges, obstacles and opportunities for housing activists, based on experiences from Spain and other European countries. In particular, I will focus on cases such as squatting, anti-eviction and tenants’ movements.

Miguel A. Martínez is a Professor of Sociology, especially Housing and Urban Sociology, at the Institute for Housing and Urban Research at Uppsala University. His research mainly focuses on the analysis of urban movements and activism, particularly participatory processes related to urban planning, housing policies, socio-spatial segregation, the use of public spaces, sustainable mobility, local governance, and gentrification. His recent publication (2024) is titled “Grassroots Struggles Challenging Housing Financialization in Spain.”

 

Im Rahmen unserer Ringvorlesung werden Wissenschaftler:innen aus dem In- und Ausland Einblicke in aktuelle und transdisziplinäre Zugänge internationaler Wohnungsforschung. Im Zentrum stehen zwei Kernfragen:  »Warum und auf welche Weise können wir das Wohnen erforschen?«  »Welchen Zusammenhang sehen wir zwischen gesellschaftlicher Transformation und räumlicher Materialisierung des Wohnens?« Die Ringvorlesung des Kollegs findet während des Semesters regelmäßig am Dienstag um 18.30 Uhr im Wechsel an den Standorten des Kollegs (Weimar und Frankfurt/Main) statt. Es gibt die Möglichkeit einer digitalen Teilnahme (Zugangscode: 635539) https://meeting.uni-weimar.de/b/kat-ek9-0up-qom

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Donnerstag – Freitag

Sigmund-Freud-Institut

Tagungen, Konferenzen, Workshops, Öffentliche Vorträge

Tagungen, Konferenzen, Workshops, Öffentliche Vorträge

Der Umgang mit ökologischen Risiken bewegt sich seit Jahrzehnten im Modus der Verdrängung, obwohl die multiplen Krisen unserer Zeit in einem erkennbaren Zusammenhang stehen: Umweltvernichtung und Zerstörung der Lebensgrundlagen bedingen zugleich Fluchtbewegungen, Armut, Gewalt und politische Regression. Praktisch werden Verantwortung und Solidarität dennoch weiter negiert: Gegenüber denjenigen, die andernorts schneller und härter getroffen werden, in Form einer destruktiven Externalisierung – gegenüber nachfolgenden Generationen im Modus der Verweigerung von Generativität, also von generationaler Sorge für eine lebenswerte, ja überhaupt lebbare Zukunft der Nachkommen. Im Lichte dessen bedarf es zum einen differenzierter Analysen der psychischen und sozialen Mechanismen, mit denen die Realität einer klimabedingten Umwälzung der Lebensbedingungen auf Distanz gehalten wird. Zum zweiten sollen Solidarität und Verantwortung für generational, räumlich, sozial Andere neu gefasst werden.

Neben soziologischen, sozialpsychologisch-psychoanalytischen und philosophischen Beiträgen wird zudem in Zusammenarbeit mit der Oper Frankfurt am Beispiel laufender Inszenierungen von Aribert Reimanns Melusine und Richard Strauss‘ Der Rosenkavalier ausgelotet, wie Krisen künstlerisch aufgegriffen werden und welche Erfahrungsmöglichkeiten sich daraus ergeben können.

Mit Beiträgen von:

Dennis Eversberg (Frankfurt/M.), Vera King (Frankfurt/M.), Christine Kirchhoff (Berlin), Henrike Kohpeiß (Berlin), Stephan Lessenich (Frankfurt/M.), Mauro Magatti (Mailand), Mark Schweda (Oldenburg), Timo Storck (Berlin) und Heinz Weiß (Frankfurt/M.).

Podiumsdiskussion mit:

Aileen Schneider, Maximilian Enderle und Konrad Kuhn (Oper Frankfurt).

In Zusammenarbeit des Instituts für Sozialforschung und des Sigmund-Freud-Instituts in Kooperation mit der Oper Frankfurt sowie der Goethe-Universität Frankfurt.

 

Programm (auch als Flyer zum Download)

Donnerstag, 22. Mai 2025

12.00 Einlass & Anmeldung

12.45–13.00 Eröffnung & Grußwort
Präsident der Goethe-Universität Prof. Dr. ENRICO SCHLEIFF

13.00–13.30 VERA KING & STEPHAN LESSENICH
Krisenbewältigung zwischen Externalisierung und Generativität

13.45–14.45 DENNIS EVERSBERG
Vorsintflutliche Mentalitäten: Verteidigungskonsens und generativ-solidarische Ich-Synthesen

Kaffeepause

15.15–16.15 TIMO STORCK
Die endliche Geschichte. Ein psychoanalytisches Plädoyer für den Dialog in postapokalyptischer Ungewissheit

16.30–17.30 HENRIKE KOHPEIß
Respect for Reality – Unfeeling and Grief in the Ecological Crisis

Pause

18.00–19.30 PODIUM OPER FRANKFURT
AILEEN SCHNEIDER, MAXIMILIAN ENDERLE, KONRAD KUHN
Endzeitszenarien und Generativität auf der Opernbühne

Freitag, 23. Mai 2025

9.30–10.30 HEINZ WEIß
Die Verführungen omnipotenten Denkens: Verdrehungen der ›elementaren Lebenstatsachen‹ und Verzerrungen in der Wahrnehmung der Wirklichkeit

10.45–11.45 CHRISTINE KIRCHHOFF
Subjektivität in der Krise: Antisemitismus, Rassismus und der Klimawandel

Pause

12.15–13.15 MAURO MAGATTI
Social generativity in an entropic world

13.30–14.30 MARK SCHWEDA
No Future? Figuren moralischer Zukunftsindifferenz aus ethischer Perspektive

Tagungsabschluss

Die Teilnahme ist kostenlos. Bitte melden Sie sich unter folgendem Link an: Veranstaltungsanmeldung

Mittwoch

Institut für Sozialforschung

Öffentliche Vorträge

Öffentliche Vorträge

In Cybernetic Capitalism (Fordham University Press), social philosopher Jan Overwijk develops a “critical systems theory” in order to trace the paradoxes of the “cybernetic rationalization” of capitalism. Contemporary capitalism is organized on principles of information and communication, the domain of what used to be called “cybernetics”. Managers have reimagined the workplace itself as a giant cybernetic machine, while neoliberal ideologues likened markets to information processors. What is the strange logic that governs these domains? How does cybernetic “rationalization” simultaneously lead to society’s “irrationalization”, now Silicon Valley oligarchs collude with “conspiritualist swarms”?

At this book presentation, Jan Overwijk enters into dialogue with Anna-Verena Nosthoff. Overwijk is NWO Rubicon postdoctoral fellow at Frankfurt’s Institut für Sozialforschung and assistant professor at the University for Humanistic Studies, Utrecht. Nosthoff is junior professor Ethics of Digitization at the Carl von Ossietzky Universität Oldenburg and co-director of the Critical Data Lab at Humboldt Universität Berlin and Universität Oldenburg. Her book Kybernetik und Kritik: Eine Theorie digitaler Regierungskunst is forthcoming with Suhrkamp in 2026. The event will be moderated by Ole Bogner, research associate in Sociological Theory and History of Theory at the Goethe Universität Frankfurt.

With Jan Overwijk, Anna-Verena Nosthoff, and Ole Bogner (moderation)

About the book

Freitag

Karl Marx Buchhandlung

Prismen

Prismen

Ferdinand Sutterlüty im Gespräch mit Greta Wagner

Die Unzufriedenheit in unserer Gesellschaft wächst. Die einen verzweifeln, andere verlieren sich in Kritik, die meisten machen einfach so weiter. Nur wenige ziehen wirklich Konsequenzen aus dem, was sie als falsch erkannt haben. Diese Menschen wollen nicht tatenlos zuschauen und haben den Mut, sich den herrschenden Zuständen und Erwartungen zu widersetzen. Ferdinand Sutterlüty hat mit einigen von ihnen gesprochen: Mit einem Seenotretter und einem Lehrer, mit Aktivistinnen und Bergbauern. Mit einer Hotelputzfrau, die gegen demütigende Arbeitsbedingungen kämpft. Mit einer Forstbeamtin, die sich in langwierigen Gerichtsverfahren gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz wehrt. Mit einem Künstler, der gegen die destruktiven Lebensgewohnheiten unserer Zeit opponiert, und mit einer Künstlerin, die mit Transfrauen im Sexgeschäft arbeitet. Sie zeigen, dass es auch anders geht – laut oder leise, im Untergrund oder öffentlich.

Hintergrund der Veranstaltung bildet das jüngst erschienene Buch von Ferdinand Sutterlüty: Widerstehen. Versuche eines richtigen Lebens im falschen. Hamburg: Hamburger Edition 2025.

Ferdinand Sutterlüty ist Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Familien- und Jugendsoziologie an der Goethe-Universität Frankfurt a. M.

Greta Wagner ist Professorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt Kultursoziologie an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. und Redaktionsmitglied der IfS-Zeitschrift WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung.

Donnerstag

Eisenhower-Saal (IG 1.314)

Öffentliche Vorträge

Öffentliche Vorträge

Kinder sind oftmals von demokratischer Teilhabe ausgeschlossen, sei es in der Familie, der Schule oder in der Gesellschaft. Die Perspektiven und Lebensrealitäten von Kindern werden in vielen gesellschaftlichen Bereichen unsichtbar gemacht. In ihrem Vortrag analysiert Sarah Mühlbacher solche gesellschaftlichen Verhältnisse mit Hilfe des Konzepts des Adultismus. Ausgangspunkt ihrer Überlegungen ist eine empirische Analyse von rechtlichen Regelungen, insbesondere der elterlichen Sorge. Im Vortrag wird sie schwerpunktmäßig zwei Thesen vorstellen: Erstens wird sie darlegen, wie das im Recht verankerte Kleinfamilienideal das Machtgefälle zwischen Erwachsenen Kindern fördert. Daran anschließend wird sie zweitens zeigen, inwiefern die Machtverhältnisse zwischen Kindern und Erwachsenen, verschränkt mit der kapitalistischen und nationalstaatlichen Ordnung, ein demokratisches Problem darstellen.

Vortrag von Sarah Mühlbacher.

Moderation: Christina Engelmann.

Organisiert vom AK Kritische Bildungsforschung am Institut für Sozialforschung

Institut für Sozialforschung

Tagungen, Konferenzen, Workshops

Tagungen, Konferenzen, Workshops

3rd meeting of the DFG research network “Global Cultures of Enquête. Towards a Praxeology of Surveying (17th-21st Century)” in cooperation with the research project “The Art of the Counter-Investigation” at the Institute for Social Research, Frankfurt am Main.

The enquête has a long history as an instrument of political and moral rule, dating back to antiquity. In Europe, it is closely linked to the emergence of modern nation states and the attempt to create novel systems of regulatory control over processes of economic and social transformation. At the beginning of the 19th century, the enquête became a symbol of a new form of empirical knowledge production in the course of which society emerged as an independent, autonomous and essentially contested reality.

Using the concept of contre\enquête the workshop puts its focus on a particular lineage of antagonistic empirical knowledge practices that persist until the present day. It looks at projects of oppositional knowledge practices not just as mere reactions or somehow secondary forms of knowledge, but also as independent epistemic traditions and political initiatives. The framework of contre\enquête sheds light on the plural and antagonistic politics of description and the connection between knowledge struggles of social movements and the functions of modern statehood. While there is already a large body of research on the history of state enquiries, the historical as well as political dimension of the knowledge practice of social movements is only beginning to be explored.

Focusing on practices of counter\investigations the workshop also explores the complex relationship between political, ethical and aesthetic dimensions of social knowledge production. In addition to surveys and investigations carried out by parliaments, courts or the police, we will look at investigative techniques and procedures used by political actors, journalists and artists – who thus produce new evidence, which can in turn be used in legal struggles against state actors. However, it remains to be shown for specific historical contexts in what way politics of investigation and counter-investigation oppose or react to each other. If the history of empiricism is politically contested, shaped by antagonistic normativities and thus structured hegemonically, how do different descriptions of reality also correspond with different approaches to politics, may they be transformative or not. If enquête and contre-enquête cannot be grasped in terms of “from above” and “from below” or “paternalistic”, “repressive”, “critical” or “emancipatory” as such, how do we understand them as a historically dynamic relationship that encompasses different forms of systematization and organization of knowledge, “counter-knowledge”, and knowledge claims, as well as diverse aesthetic interventions? In the workshop, we wish to discuss this interplay of practices of inquiry, representation and intervention not only as a constitutive dimension of the production of social knowledge – and, not least, of persuasive knowledge – but also as a fundamental element of the practice of investigation itself.

 

Registration and Practical Information:

Please register until May 10 by email: info@enquete-cultures.org

An online participation is also possible.

Mittwoch

Café KoZ

Öffentliche Vorträge

Öffentliche Vorträge

Was bleibt von der Solidarität der Migrationsgesellschaft?

Zehn Jahre nach der Hochphase der zivilgesellschaftlichen »Willkommenskultur« als Reaktion auf den sogenannten Sommer der Migration stimmt der Bundestag Ende Januar 2025 für einen von AfD, Union und FDP unterstützen Antrag zur Verschärfung der Migrationspolitik. Es geht um die Zurückweisung von Asylsuchenden an deutschen Grenzen, eine restriktive Migrationspolitik und die Ausweitung der Befugnisse für Sicherheitsbehörden. Diese Vorstöße zeigen sich auch in den Koalitionsverhandlungen der zukünftigen Bundesregierung, der u. a. die umstrittene Ausweitung der sicheren Herkunftsländer sowie eine Einschränkung des Rechtsschutzes vorsieht. Welche Konsequenzen hat die diskursive, politische und rechtliche Verschärfung für eine solidarische Praxis in der bzw. für die Migrationsgesellschaft?

Im Zentrum der Veranstaltung steht die zeitliche Analyse der zivilgesellschaftlichen Solidarität im Kontext der Migrationspolitik. Aus wissenschaftlicher und aktivistischer Perspektive werden wir eine Bestandsaufnahme der aktuellen Lage vornehmen und fragen: was ist in den letzten zehn Jahren passiert und wie ist die Entwicklung in einen längeren historischen Horizont einzubetten? Was bedeutet die gegenwärtige Verschärfung für eine solidarische Praxis mit Geflüchteten? Welches Verständnis von solidarischer Praxis ist angesichts der aktuellen Situation nötig und möglich?

Ausgangspunkt der Veranstaltung ist Eva Fleischmanns kürzlich erschienenes Buch Was ist solidarisch an der Willkommenskultur? Weinheim: Beltz Juventa 2025.

Hamado Dipama ist Vorstand der Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayern und Sprecher des Münchner Flüchtlingsrats.

Eva Fleischmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialforschung.

Nikolai Huke ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Hamburg.

Felix Trautmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialforschung.