Dienstag

Campus Westend (Hörsaalzentrum HZ 10), Frankfurt am Main

Ringvorlesung des DFG-Graduiertenkollegs »Gewohnter Wandel«

Ringvorlesung des DFG-Graduiertenkollegs »Gewohnter Wandel«

Housing for displaced people is still largely conceived through camps and shelters, particularly during emergencies. Similarly, when returnees arrive in war-torn cities, responses often rely on prefabricated or temporary solutions that prioritize speed over quality of life. In this talk, Ayham Dalal argues that shelter is an imagined »abstract space« in the Lefebvrian sense devoted from social relations and politics, whereas dwelling is a driving force that leads the socio-spatial transformation of space. Using examples from refugee camps in Jordan and Germany – how they were initially planned and how they got appropriated, he argues that emergency shelter cannot remain a purely technical fix. Rather, housing refugees and displaced people should utilize inclusive planning to build on refugees’ spatial knowledge, cultural practices, and urban identities. It also warns architects and designers from the risk of abstracting shelter into a covered space, detached from basic needs for safety and the transgressing between the public and the private. Finally, Ayham Dalal calls for a rethinking of humanitarian and urban planning approaches. Safeguarding refugees’ right to dwell and appropriate space requires acknowledging the limits of official planning systems and embracing more community-based, flexible, and just urban responses. Only then can displaced populations be integrated not as passive recipients of aid, but as active co-producers of inclusive urban life

Ayham Dalal is a lecturer in architecture and urban design at the German University in Cairo. His work examines the intersections of urban planning, forced migration, urban informality, and shelter design. He is the author of From Shelters to Dwellings: The Zaatari Refugee Camp (Transcript, 2022); the co-editor of two books on camps in Germany and the MENA region; and the co-director of the award-winning film “13 Square Meters”. Dalal has won several research awards and held positions at the Technische Universität Berlin, the University of Oxford, Vassar College, and the French National Centre for Scientific Research (CNRS). His current research explores the impact of forced migration from Sudan and Gaza on the urbanization of Cairo, and the the influence of sectarian identities on Syrian cities and their reconstruction.

 

Veranstaltung im Rahmen der Ringvorlesung »Zerstörung - Zuflucht - Zukunft. Wohnen im und nach dem Krieg« des DFG-Graduiertenkollegs »Gewohnter Wandel. Gesellschaftliche Transformation und räumliche Materialisierung des Wohnens« im Wintersemester 2025/26

Wie wirkt sich Krieg auf das Wohnen aus und was können wir durch den Blickwinkel des Wohnens über Krieg lernen? In sieben Veranstaltungen beleuchten internationale Forschende aus Stadtplanung, Humangeographie, Architektur, Kunstgeschichte sowie Rechtswissenschaften und Anthropologie politische, ökonomische, bauliche und soziale Dimensionen der Wohnungsversorgung in Zeiten drohender und andauernder Kriege sowie sich anschließender Nachkriegsperioden. Die Beiträge blicken auf Entwicklungen in Bosnien, Deutschland, Israel, Jordanien, Syrien und der Ukraine und zeigen auf, wie Krieg als Zäsur bestehende Ordnungen und Strukturen zerstört, welche Neuerungen staatlicher Planungen zur Versorgung mit Wohnraum sich daraus entwickelt haben, wie die Menschen den alltäglichen Herausforderungen des Wohnens begegnen und wie bewaffnete Konflikte gesellschaftliche Wohnrealitäten und -identitäten dauerhaft prägen.

Die Ringvorlesung findet dienstags 14tägig um 18.30 Uhr im Wechsel an den Standorten Weimar und Frankfurt/Main statt. Es gibt die Möglichkeit einer digitalen Teilnahme:

BigBlueButton (Zugangscode: 98kbz7) https://meeting.uni-weimar.de/b/rooms/f2l-jnf-ajn-mfo/join

Donnerstag

HfG Offenbach, R. 101

Öffentliche Vorträge

Öffentliche Vorträge

Die recherchebasierten und kollaborativen Arbeiten der transmedial arbeitenden Videokünstlerin Cana Bilir-Meier beschäftigen sich oft mit gesellschaftlichen Fragen der postmigrantischen Gesellschaft und der Sichtbarmachung intersektionaler Perspektiven. Dokumentarische Fundstücke aus dem Familienarchiv der Künstlerin werden mit inszenierten Szenen verknüpft und erzeugen Verbindungslinien zwischen verschiedenen Fragmenten postmigrantischer Erfahrung. Dabei werden nicht nur Kontinuitäten rassistischer Gewalt deutlich, sondern vor allem die Kraft und das Empowerment eines widerständigen Erinnerns. Die Matinée umfasst eine Werkschau, in der eine Auswahl von Bilir-Meiers Filmen gezeigt wird, und einen anschließenden Artist Talk, in dem Bilir-Meier über ihre künstlerische Praxis berichtet.

Der Kurzfilm »Semra Ertan« (2013) ist Bilir-Meiers Tante, der Lyrikerin, Arbeiterin und politischen Aktivistin, Semra Ertan, gewidmet, die sich 1982 aus Protest gegen die rassistische Entmenschlichung von »Gastarbeitern« und sogenannten Arbeitsmigrant*innen in Deutschland das Leben nahm. »Semra Ertan« ist eine mimetisch tastende Annäherung an das Leben der Lyrikerin durch ihre Sprache, die uns die Zartheit aber auch die Wucht jedes einzelnen Ihrer Worte spüren lässt. Indem uns »Semra Ertan« so durch ihre Sprache als Lebendige präsent wird, wird uns ihr Verlust umso spürbarer. Der Film gewinnt dabei selbst eine lyrische Form und wird zu einem politisches Gedicht, ohne Glättung der Trauer.

»This Makes Me Want to Predict the Past« (2019) befasst sich mit dem Anschlag im Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ), wo am 22. Juli 2016 bei einem rassistischen und rechtsterroristischen Anschlag neun in der Mehrheit jugendliche Menschen getötet und viele weitere verletzt wurden. Auf den digitalisierten Super-8-Bildern, die der Film uns zeigt, sind auch zwei junge Menschen im OEZ zu sehen. Die zwei jungen Frauen bewegen sich gemeinsam, selbstbewusst und spielerisch durch das Einkaufszentrum und reklamieren den Ort für sich. Ihre lebendige Präsenz scheint uns zuzurufen: wir lassen uns unsere Räume nicht nehmen. Wir lassen uns nicht zu Opfern machen. Begleitet wird dies auf der Tonspur von einer Abfolge paradoxer Aussagen, die von unmöglichem Begehren handeln: die Vergangenheit vorhersagen; den Wecker aus dem Schlaf reißen; vergessen, woran man sich nicht erinnern kann. Fotos zeigen Szenen aus »Düşler Ülkesi« (Land der Träume), einer Theaterinszenierung an den Münchner Kammerspielen von 1982, an der Bilir-Meiers Mutter mitwirkte. Eine Bombendrohung verhinderte damals die Premiere. Auch die visuelle Beschaffenheit der der digitalisierten Filmbilder scheint uns in die 80er-Jahre zurückzuversetzen. Vergangenheit und Gegenwart schließen sich zusammen, werfen Fragen nach geschichtlicher Entwicklung und den Möglichkeiten gesellschaftlicher Veränderung auf.

»Ein neues Wort« (2025) knüpft an einen Wettbewerb an, der 1970 in Westdeutschland ausgeschrieben wurde, um eine Alternative zum Wort »Gastarbeiter« zu finden. Ein Chor in München, überwiegend bestehend aus ehemaligen, aus der Türkei stämmigen Arbeitsmigrant*innen, lässt sich von den über 30.000 eingereichten Vorschlägen inspirieren und entwickelt daraus eine eigene musikalische Interpretation. Gemeinsam mit dem Chor erforscht die Künstlerin einen ermutigenden und zugleich dekonstruktiven Umgang mit sprachlichen Zuschreibungen – eine Wiederaneignung von Wörtern, die teils offen rassistisch, oft verletzend oder abwertend, zugleich aber auch absurd oder sinnentleert wirken.

 

Die Veranstaltung ist Teil von »Die Stimmen der Yoldaşlar – Vergangenheit vorhersagen«

Vergangenheit vorhersagen. Zu tun was unmöglich scheint. Das Gegebene herausfordern. Rassistische Gewalt und Ausbeutung nicht als alternativlos hinnehmen, sondern ihr etwas entgegensetzen und an der Idee einer davon befreiten Gesellschaft festhalten. – Für diese scheinbare Unmöglichkeit bedarf es auf gesellschaftlicher wie auf künstlerischer Ebene widerständiger Verfahren und Gegenstrategien. Die Filme, Fotos, Performances und kollaborativen Arbeiten der Künstlerin Cana Bilir-Meier entwickeln solche ästhetischen Gegenverfahren. Eine Kooperationspartnerin ist dabei die Sängerin und Komponistin Nihan Devecioğlu. In ihrer kollaborativen, transmedialen Arbeit setzen sich die beiden performativ mit Erfahrungen intersektionaler Marginalisierung und Ausbeutung in der postmigrantischen Gesellschaft ebenso wie mit solidarischen Praxen des Widerstands dagegen auseinander. Dabei sind Musik und Sprache sowie wie das Experimentieren mit verschiedenen Formen des kollaborativen Arbeitens formgebend und inhaltlich bestimmend. Am 12. November gestalten die beiden einen performativen Sound- und Videoabend im Ausstellungsraum Scape°. Die an der Hochschule für Gestaltung (HfG) stattfindende Matinée am 13. November ist den vorwiegend filmischen Arbeiten von Cana Bilir-Meier gewidmet und stellt ihre recherchebasierte und autobiographisch gefärbte Arbeitsweise in den Mittelpunkt.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation des Forschungsprojekts »Die Kunst der Gegenuntersuchung« (Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG) / Institut für Sozialforschung Frankfurt (IfS)) mit dem kuratorisch-künstlerischen Projekt »Wetter.Mi« des Ausstellungsraums Scape° im Rahmen der aktuellen Veranstaltungsreihe »Demokratische Wohnzimmer«.

Um die Teilnehmer:innenzahl besser einschätzen zu können, bitten wir um Voranmeldung unter: wildt@hfg-offenbach.de - vielen Dank!

Mittwoch 12.11.2025, ab 18 Uhr –– Sound- und Videoperformance mit Cana Bilir-Meier und Nihan Devecioğlu, Scape°/Wetter.Mi, Offenbach am Main.

Donnerstag 13.11.2025, 11 - 13 Uhr –– Matinée und Artist Talk mit Cana Bilir-Meier, Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach, R.101

Mittwoch

Haus der Wissenschaft Bremen

Tagungen, Konferenzen, Workshops

Tagungen, Konferenzen, Workshops

Podiumsdiskussion zur Aktualität des Widerspruchs mit

Onur Erdur | Institut für Kulturwissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin & WOC Gastprofessor 2025
Stephan Lessenich | Institut für Soziologie, Goethe-Universität Frankfurt am Main & Institut für Sozialforschung
Rozena Maart | University of KwaZulu-Natal Durban & Mercator Fellow am WOC Research Center Contradiction Studies

Moderation: Ehler Voss | Worlds of Contradiction, Universität Bremen

Die Veranstaltung findet auf Deutsch statt.

Mit anschließendem Empfang zum 10-jährigen Bestehen von WOC

Anmeldung unter wocuni-bremen.de

Diese Veranstaltung findet im Rahmen des WOC Contradictions Festivals aus Anlass des zehnjährigen Bestehens von Worlds of Contradiction (WOC) statt.
Programmübersicht: https://www.woc.uni-bremen.de/projects/10-jahre-woc-contradictions-festival/.

Scape°/Wetter.Mi

Öffentliche Vorträge

Öffentliche Vorträge

Die Sound- und Videoperformance mit der Künstlerin Cana Bilir-Meier und der Musikerin Nihan Devecioğlu im Projektraum Wetter.Mi nähert sich musikalisch, künstlerisch und diskursiv dem gesellschaftlichen Umgang mit intersektionalen Erfahrungen von Migration und Ausbeutung in der Bundesrepublik Deutschland. Dabei steht vor allem die Kraft, der Mut und die Bedeutung von feministischen Stimmen des Widerstands im Mittelpunkt. Es geht um die Frage, wie geschlechtliche und rassistische Diskriminierung gesellschaftlich mit klassenbezogener Ausbeutung verbunden sind, was dies für die Betroffenen aber auch für die Gesellschaft bedeutet, und welche Veränderungen durch Empowerment möglich sind.

Bild- und Kompositionselemente der Arbeit »Yoldaș - Frauen, die einander halten« von Nihan Devecioğlu, an der Cana Bilir-Meier als Videokünstlerin mitgewirkt hat, werden gezeigt, neuarrangiert und gesanglich begleitet. »Yoldaș« gibt den von der weißen Dominanzgesellschaft vielfach ignorierten sogenannten »Gastarbeiterinnen« beziehungsweise migrantisierten Arbeiter*innen des BMW-Werks München eine Stimme in Form einer Sound- und Video-Performance. Die Stimmen der Arbeiter*innen, kombiniert mit dem Klang der Maschinen und dokumentarischem Filmmaterial, fügen sich zu einer lebendigen Collage der Zeitgeschichte – und werden zu einem Ausdruck von Selbstermächtigung und Solidarität.

 

Die Veranstaltung ist Teil von »Die Stimmen der Yoldaşlar – Vergangenheit vorhersagen«

Vergangenheit vorhersagen. Zu tun was unmöglich scheint. Das Gegebene herausfordern. Rassistische Gewalt und Ausbeutung nicht als alternativlos hinnehmen, sondern ihr etwas entgegensetzen und an der Idee einer davon befreiten Gesellschaft festhalten. – Für diese scheinbare Unmöglichkeit bedarf es auf gesellschaftlicher wie auf künstlerischer Ebene widerständiger Verfahren und Gegenstrategien. Die Filme, Fotos, Performances und kollaborativen Arbeiten der Künstlerin Cana Bilir-Meier entwickeln solche ästhetischen Gegenverfahren. Eine Kooperationspartnerin ist dabei die Sängerin und Komponistin Nihan Devecioğlu. In ihrer kollaborativen, transmedialen Arbeit setzen sich die beiden performativ mit Erfahrungen intersektionaler Marginalisierung und Ausbeutung in der postmigrantischen Gesellschaft ebenso wie mit solidarischen Praxen des Widerstands dagegen auseinander. Dabei sind Musik und Sprache sowie wie das Experimentieren mit verschiedenen Formen des kollaborativen Arbeitens formgebend und inhaltlich bestimmend. Am 12. November gestalten die beiden einen performativen Sound- und Videoabend im Ausstellungsraum Scape°. Die an der Hochschule für Gestaltung (HfG) stattfindende Matinée am 13. November ist den vorwiegend filmischen Arbeiten von Cana Bilir-Meier gewidmet und stellt ihre recherchebasierte und autobiographisch gefärbte Arbeitsweise in den Mittelpunkt.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation des Forschungsprojekts »Die Kunst der Gegenuntersuchung« (Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG) / Institut für Sozialforschung Frankfurt (IfS)) mit dem kuratorisch-künstlerischen Projekt »Wetter.Mi« des Ausstellungsraums Scape° im Rahmen der aktuellen Veranstaltungsreihe »Demokratische Wohnzimmer«.

Um die Teilnehmer:innenzahl besser einschätzen zu können, bitten wir um Voranmeldung unter: wildt@hfg-offenbach.de - vielen Dank!

Mittwoch 12.11.2025, ab 18 Uhr –– Sound- und Videoperformance mit Cana Bilir-Meier und Nihan Devecioğlu, Scape°/Wetter.Mi, Offenbach am Main.

Donnerstag 13.11.2025, 11 - 13 Uhr –– Matinée und Artist Talk mit Cana Bilir-Meier, Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach, R.101

Montag

PEG 1. G 168, Campus Westend

Vortragsreihe »Kritische Soziologie«

Vortragsreihe »Kritische Soziologie«

Vortrag von Paul Lichterman (Forschungskolleg Humanwissenschaften Bad Homburg/University of Southern California), kommentiert von Greta Wagner (Goethe-Universität Frankfurt a. M.)

White anti-racists in the US have fashioned a social movement that relies on tremendous verbal skill. Why does elaborate, self-reflexive articulation matter so much, even when it can be uncomfortable for potential participants? Critics charge that specialized language is part of an elitist, divisive »woke« culture that anti-racists share with many other US political progressives. Academic observers have explained anti-racists’ distinctive speech habits in terms of their social status interests, irrational moralism or intellectual mistakes. I propose instead that the special speech emerges from the activists’ distinctive theory of language itself and is a response to a moral predicament for white people who challenge systemic racism. Informed by work in sociology of morality and linguistic anthropology, ethnographic work shows us the deep moral significance of speech habits in two sites of white anti-racism. A research focus on language and speech habits illuminates a powerful, underappreciated source of conflicts that commentators call »culture wars«.

 

Vortragsreihe des AK Kritische Soziologie. Gemeinsamer Arbeitskreis am Institut für Soziologie der Goethe-Universität und am Institut für Sozialforschung (IfS) Frankfurt a. M.

Alle Vorträge finden c. t. statt.
Koordination: Laura Hanemann, Stephan Lessenich, Susanne Martin, Doris Schweitzer.
Kontakt: martin@soz.uni-frankfurt.de

Donnerstag

Karl Marx Buchhandlung

Prismen

Prismen

Felix Roßmeißl im Gespräch mit Greta Wagner

Warum werden junge Männer, die in modernen Gesellschaften aufgewachsen sind, zu Dschihadisten? Viele, die diesen Weg eingeschlagen haben, führten ihr Leben lange jenseits von Religion und bewaffneten Konflikten. Als Jugendliche oder junge Erwachsene fanden sie jedoch zum Islam in seiner militant salafistischen Auslegung und verschrieben ihr Leben fortan dieser total-religiösen und gewaltaffirmierenden Weltanschauung. Warum vollziehen sie diese ideologische Unterwerfung?  Warum halten sie trotz Zweifeln und Konflikten an diesem Weg fest? Und warum setzen manche dafür sogar ihr Leben aufs Spiel und werden zu brutalen Gewalttätern? Auf der Grundlage von Interviews mit Aussteigern und Angehörigen, Analysen dschihadistischer Propagandamaterialien und Beobachtungen von Gerichtsprozessen hat Felix Roßmeißl Antworten auf diese Fragen gesucht. Er zeigt, wie die jungen Männer in den Sog einer totalen Subkultur geraten und ihr Leben Schritt für Schritt auf die destruktiven Pfade des militanten Salafismus führen. Mit Greta Wagner spricht er über diese dschihadistischen Karrieren und die Frage, was sich aus ihren Bedingungen und Dynamiken über Prozesse autoritärer und ideologischer Unterwerfung lernen lässt.

Grundlage des Gesprächs ist das kürzlich veröffentlichte Buch von Felix Roßmeißl: Dschihadisten. Junge Männer in einer totalen Subkultur. Hamburg: Hamburger Edition 2025.

Felix Roßmeißl forscht als Soziologe in dem DFG-Projekt »Shaping Future Societies« an der Hochschule Fulda. Die Studie zu jungen Dschihadisten führte er am IfS durch.

Greta Wagner ist Professorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt Kultursoziologie an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. und Mitherausgeberin der IfS-Zeitschrift WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung.

Mittwoch

2og:dondorf (ehemalige Dondorf Druckerei)

Öffentliche Vorträge

Öffentliche Vorträge

Mit Beiträgen von Christine Kirchhoff, Frank Schultheis, Vera King und Stephan Lessenich

Das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft steht seit jeher im Zentrum soziologischer Reflexion. Während die analytische Bestimmung dieses Verhältnisses bisweilen einseitig – im Sinne individueller Autonomie oder gesellschaftlicher Determination – erfolgt, gehen die theoretisch produktiveren Ansätze von einer komplexen Verflochtenheit aus. Sie verbleiben dabei jedoch häufig an der Oberfläche einer Semantik von »Struktur« und »Handeln«, ohne die Bedeutung des Psychischen systematisch einzubeziehen. Als weiterführende und gerade auch für das Verständnis zeitgenössischer Krisen wegweisende Zugänge im Sinne einer substanziellen Verschränkung von Sozio- und Psychoanalyse können hingegen die kritischen Theorien Bourdieus und Adornos gelten.

Vor diesem Hintergrund gehen Institut für Sozialforschung (IfS) und Sigmund-Freud-Institut (SFI) in einer gemeinsamen Abendveranstaltung den Fragen nach, welche konzeptionelle und methodologische Bedeutung der Rekurs auf Psychoanalyse je für die soziologischen Analysen Adornos und Bourdieus hatte, und inwiefern beider Theorieangebote und Perspektivierungen wiederum miteinander vermittelt werden können.

 

Christine Kirchhoff ist Professorin für Psychoanalyse, Subjekt- und Kulturtheorie an der International Psychoanalytic University Berlin.

Franz Schultheis ist Seniorprofessor für Soziologie an der Zeppelin Universität, Friedrichshafen.

Vera King ist Professorin für Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. und geschäftsführende Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts.

Stephan Lessenich ist Professor für Gesellschaftstheorie und Sozialforschung an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. und Direktor des Instituts für Sozialforschung.

Dienstag

Kino mon ami, Weimar

Ringvorlesung des DFG-Graduiertenkollegs »Gewohnter Wandel«

Ringvorlesung des DFG-Graduiertenkollegs »Gewohnter Wandel«

Über eine Million Menschen flüchteten seit 2011 vor dem Krieg aus Syrien in den Libanon. Viele von ihnen arbeiten mit prekärem Aufenthaltsstatus auf den Großbaustellen Beiruts, während ihre Häuser jenseits der Grenze in Trümmer geschossen werden. Von ihrem Zuhause abgeschnitten, verfolgen sie tagtäglich gemeinsam und zugleich allein die Zustände im eigenen Land und versuchen Strategien zu finden, um mit den Auswirkungen für Familie, Nachbarschaft, Identität sowie Wohn- und Lebensrealität umzugehen.

Mit einer nachhaltig beeindruckenden Bild- und Tonsprache findet der Film eine Übersetzung für das Gefühl, ohne die Möglichkeit einer Rückkehr in einer von Kriegen zerrütteten Welt im Exil zu leben.

DE/QA/AE/LB 2018 , 85 min, FSK 12, Regie: Ziad Kalthoum

Filmvorführung (OmeU – arab./engl.) und Nachgespräch (dt./engl.) zum Schwerpunkt »Gesellschaftlicher Alltag zwischen Kriegszerstörung und Wiederaufbau in Libanon und Syrien« mit Ansgar Frerich/Filmproduzent und Sounddesigner sowie Frank Eckardt und Aref Swaidani/Bauhaus-Universität Weimar

 

Veranstaltung im Rahmen der Ringvorlesung »Zerstörung - Zuflucht - Zukunft. Wohnen im und nach dem Krieg« des DFG-Graduiertenkollegs »Gewohnter Wandel. Gesellschaftliche Transformation und räumliche Materialisierung des Wohnens« im Wintersemester 2025/26

Wie wirkt sich Krieg auf das Wohnen aus und was können wir durch den Blickwinkel des Wohnens über Krieg lernen? In sieben Veranstaltungen beleuchten internationale Forschende aus Stadtplanung, Humangeographie, Architektur, Kunstgeschichte sowie Rechtswissenschaften und Anthropologie politische, ökonomische, bauliche und soziale Dimensionen der Wohnungsversorgung in Zeiten drohender und andauernder Kriege sowie sich anschließender Nachkriegsperioden. Die Beiträge blicken auf Entwicklungen in Bosnien, Deutschland, Israel, Jordanien, Syrien und der Ukraine und zeigen auf, wie Krieg als Zäsur bestehende Ordnungen und Strukturen zerstört, welche Neuerungen staatlicher Planungen zur Versorgung mit Wohnraum sich daraus entwickelt haben, wie die Menschen den alltäglichen Herausforderungen des Wohnens begegnen und wie bewaffnete Konflikte gesellschaftliche Wohnrealitäten und -identitäten dauerhaft prägen.

Die Ringvorlesung findet dienstags 14tägig um 18.30 Uhr im Wechsel an den Standorten Weimar und Frankfurt/Main statt. Es gibt die Möglichkeit einer digitalen Teilnahme:

BigBlueButton (Zugangscode: 98kbz7) https://meeting.uni-weimar.de/b/rooms/f2l-jnf-ajn-mfo/join

Freitag

Campus Bockenheim

Adorno-Vorlesungen

Adorno-Vorlesungen

Adorno-Vorlesungen 2025

Seit 2002 veranstaltet das Institut für Sozialforschung in Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag jährlich Vorlesungen, die an drei Abenden an Theodor W. Adorno erinnern. Im Rahmen der diesjährigen Adorno-Vorlesungen verbindet Katharina Pistor institutionenökonomische und gesellschaftspolitische Ansätze zu einer kritischen Analyse der gegenwärtigen Geldordnung. Sie untersucht Geld als relationales Gut, das nur durch Partizipation vieler Akteure entstehen und wirken kann, und beleuchtet die hierarchische Struktur des Geldwesens aus dieser neuen Perspektive. Kryptowährungen können diese Ordnung aufbrechen, doch haben sich die meisten dezentral geschaffenen Währungen in die bestehende Hierarchie eingefügt. Dass eine andere Ordnung möglich ist und alternative Modelle sowohl institutionell als auch technologisch realisierbar sind, ist die Kernthese ihrer Vorlesungen.

In ihrer Auftaktvorlesung setzt sich Katharina Pistor mit dem Wesen des Geldes auseinander, das Sozialtheoretiker:innen seit Aristoteles beschäftigt. Im gesellschaftspolitischen Diskurs wird das Geldwesen oftmals stiefmütterlich behandelt und als technokratisches System naturalisiert, das sozialtheoretischen Ansätzen nicht zugänglich ist bzw. vor diesen geschützt werden muss. In der Tat verkürzt die gegenwärtige Ordnung des Geldwesens als privates, jedoch öffentlich garantiertes Medium das Potenzial des Geldes als relationales Gut. Ein solches Gut entsteht erst durch seine Nutzung durch viele Akteure und gewinnt an Wert, je mehr Menschen es verwenden. Diese Reklassifizierung entzieht sich herkömmlichen Klassifikationen von Gütern als privat, öffentlich oder gemeinschaftlich (common pool resource) und eröffnet somit neue Wege für die Verfassung des Geldes als demokratisches Medium.

In der zweiten Vorlesung beschäftigt sich Katharina Pistor mit der Geldverfassung der Gegenwart und plädiert für deren Neuordnung. Diese Verfassung ist nicht in einem einzigen Dokument festgeschrieben, sondern das Produkt von Praktiken, die sich durch Wiederholungen verfestigt haben und auf diese Weise Erwartungen stabilisieren. Eine Vielzahl öffentlicher und privater Akteur:innen und eine noch größere Bandbreite öffentlich bzw. privat emittierter Gelder sind die bestimmenden Elemente dieser Verfassung, wobei nicht alle Akteure gleichgestellt und nicht alle Gelder gleichwertig sind. Die Geldverfassung ist hierarchisch und die Spitze der Hierarchie wird von jenem Geld eingenommen, das die weiteste Verbreitung gefunden hat – nicht zuletzt, weil es von dem Schatten einer Staatsmacht profitiert, die bereit und in der Lage ist, für seinen nominalen Wert und somit seine Zukunft einzustehen. Die Geldverfassung ist somit nicht unveränderlich, sondern spiegelt bestehende Machtverhältnisse wider. Sie ist nicht außergesellschaftlich, sondern durchdringt wirtschaftliche und politische Prozesse, die umso stärker von ihr beeinflusst werden, je mehr die Realisierung geldwerter Profite als Maß aller Dinge idealisiert wird.

Diese Überlegungen führen in der dritten Vorlesung zur Frage der Neuordnung des Geldwesens, insbesondere der Frage, welche Alternativen zu dieser Geldverfassung existieren und wie der Übergang zu einer neuen Geldverfassung gestaltet werden könnte. Anhand zahlreicher Beispiele aus der historischen und soziologischen Forschung beleuchtet Katharina Pistor die politische Ökonomie des Geldwesens und seiner Wandlungsmöglichkeiten. Krisen können Auslöser solcher Wandlungsprozesse sein, führen jedoch häufig dazu, das bestehende System zu stabilisieren. Dezentrale Ansätze sind mit heutiger Technologie möglich, wie das Beispiel der Verbreitung von Kryptowährungen zeigt. Ob diese Technologien dazu genutzt werden, ein weiteres spekulatives Gut in Umlauf zu bringen oder eine Neuordnung des Geldes zu bewirken, hängt von ihrer Gestaltung ab. Eine Neuordnung, die dem Wesen des Geldes als relationales Gut gerecht würde, wirft eine Reihe von Fragen auf: Unter welchen Bedingungen entstehen dezentrale Geldsysteme? Welche Möglichkeiten gibt es, diese zu vernetzen und interoperabel zu machen? Und welche Rolle könnten die hütenden Instanzen der gegenwärtigen Geldverfassung, insbesondere die Zentralbanken, als treibende Kräfte für eine Transformation des Geldes spielen?

Katharina Pistor lehrt als Edwin B. Parker-Professorin für Vergleichende Rechtswissenschaft an der Columbia Law School und ist Ko‑Direktorin des Center for Political Economy an der Columbia University in New York. Die Schwerpunkte ihrer Forschung liegen im vergleichenden Finanzmarkt- und Unternehmensrecht. Nach der eingehenden Beschäftigung mit der Transformation ehemals sozialistischer Länder widmet sie sich seit der Finanzkrise 2008 den rechtlichen Grundlagen kapitalistischer Wirtschaftsordnungen. Für ihre Forschung wurde sie vielfach ausgezeichnet, unter anderem 2012 mit dem Max‑Planck-Forschungspreis. Ihr 2019 erschienenes Buch The Code of Capital: How the Law Creates Wealth and Inequality (deutsch: Der Code des Kapitals. Wie das Recht Reichtum und Ungleichheit schafft, Suhrkamp 2020) wurde in acht Sprachen übersetzt. Ihre Monografie The Law of Capitalism and How to Transform It erscheint im Herbst 2025.

Die Adorno-Vorlesungen finden vom 22. bis 24. Oktober 2025 statt.

 

***

Einlassvorbehalt

Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische, antimuslimische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen bzw. durch Drohungen oder Einschüchterung in Erscheinung getreten sind, sind von der Veranstaltung ausgeschlossen.

Foto-, Film- und Tonbandaufnahmen sind nur nach vorheriger Absprache mit den Veranstalter:innen gestattet.

Donnerstag

Campus Bockenheim

Adorno-Vorlesungen

Adorno-Vorlesungen

Adorno-Vorlesungen 2025

Seit 2002 veranstaltet das Institut für Sozialforschung in Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag jährlich Vorlesungen, die an drei Abenden an Theodor W. Adorno erinnern. Im Rahmen der diesjährigen Adorno-Vorlesungen verbindet Katharina Pistor institutionenökonomische und gesellschaftspolitische Ansätze zu einer kritischen Analyse der gegenwärtigen Geldordnung. Sie untersucht Geld als relationales Gut, das nur durch Partizipation vieler Akteure entstehen und wirken kann, und beleuchtet die hierarchische Struktur des Geldwesens aus dieser neuen Perspektive. Kryptowährungen können diese Ordnung aufbrechen, doch haben sich die meisten dezentral geschaffenen Währungen in die bestehende Hierarchie eingefügt. Dass eine andere Ordnung möglich ist und alternative Modelle sowohl institutionell als auch technologisch realisierbar sind, ist die Kernthese ihrer Vorlesungen.

In ihrer Auftaktvorlesung setzt sich Katharina Pistor mit dem Wesen des Geldes auseinander, das Sozialtheoretiker:innen seit Aristoteles beschäftigt. Im gesellschaftspolitischen Diskurs wird das Geldwesen oftmals stiefmütterlich behandelt und als technokratisches System naturalisiert, das sozialtheoretischen Ansätzen nicht zugänglich ist bzw. vor diesen geschützt werden muss. In der Tat verkürzt die gegenwärtige Ordnung des Geldwesens als privates, jedoch öffentlich garantiertes Medium das Potenzial des Geldes als relationales Gut. Ein solches Gut entsteht erst durch seine Nutzung durch viele Akteure und gewinnt an Wert, je mehr Menschen es verwenden. Diese Reklassifizierung entzieht sich herkömmlichen Klassifikationen von Gütern als privat, öffentlich oder gemeinschaftlich (common pool resource) und eröffnet somit neue Wege für die Verfassung des Geldes als demokratisches Medium.

In der zweiten Vorlesung beschäftigt sich Katharina Pistor mit der Geldverfassung der Gegenwart und plädiert für deren Neuordnung. Diese Verfassung ist nicht in einem einzigen Dokument festgeschrieben, sondern das Produkt von Praktiken, die sich durch Wiederholungen verfestigt haben und auf diese Weise Erwartungen stabilisieren. Eine Vielzahl öffentlicher und privater Akteur:innen und eine noch größere Bandbreite öffentlich bzw. privat emittierter Gelder sind die bestimmenden Elemente dieser Verfassung, wobei nicht alle Akteure gleichgestellt und nicht alle Gelder gleichwertig sind. Die Geldverfassung ist hierarchisch und die Spitze der Hierarchie wird von jenem Geld eingenommen, das die weiteste Verbreitung gefunden hat – nicht zuletzt, weil es von dem Schatten einer Staatsmacht profitiert, die bereit und in der Lage ist, für seinen nominalen Wert und somit seine Zukunft einzustehen. Die Geldverfassung ist somit nicht unveränderlich, sondern spiegelt bestehende Machtverhältnisse wider. Sie ist nicht außergesellschaftlich, sondern durchdringt wirtschaftliche und politische Prozesse, die umso stärker von ihr beeinflusst werden, je mehr die Realisierung geldwerter Profite als Maß aller Dinge idealisiert wird.

Diese Überlegungen führen in der dritten Vorlesung zur Frage der Neuordnung des Geldwesens, insbesondere der Frage, welche Alternativen zu dieser Geldverfassung existieren und wie der Übergang zu einer neuen Geldverfassung gestaltet werden könnte. Anhand zahlreicher Beispiele aus der historischen und soziologischen Forschung beleuchtet Katharina Pistor die politische Ökonomie des Geldwesens und seiner Wandlungsmöglichkeiten. Krisen können Auslöser solcher Wandlungsprozesse sein, führen jedoch häufig dazu, das bestehende System zu stabilisieren. Dezentrale Ansätze sind mit heutiger Technologie möglich, wie das Beispiel der Verbreitung von Kryptowährungen zeigt. Ob diese Technologien dazu genutzt werden, ein weiteres spekulatives Gut in Umlauf zu bringen oder eine Neuordnung des Geldes zu bewirken, hängt von ihrer Gestaltung ab. Eine Neuordnung, die dem Wesen des Geldes als relationales Gut gerecht würde, wirft eine Reihe von Fragen auf: Unter welchen Bedingungen entstehen dezentrale Geldsysteme? Welche Möglichkeiten gibt es, diese zu vernetzen und interoperabel zu machen? Und welche Rolle könnten die hütenden Instanzen der gegenwärtigen Geldverfassung, insbesondere die Zentralbanken, als treibende Kräfte für eine Transformation des Geldes spielen?

Katharina Pistor lehrt als Edwin B. Parker-Professorin für Vergleichende Rechtswissenschaft an der Columbia Law School und ist Ko‑Direktorin des Center for Political Economy an der Columbia University in New York. Die Schwerpunkte ihrer Forschung liegen im vergleichenden Finanzmarkt- und Unternehmensrecht. Nach der eingehenden Beschäftigung mit der Transformation ehemals sozialistischer Länder widmet sie sich seit der Finanzkrise 2008 den rechtlichen Grundlagen kapitalistischer Wirtschaftsordnungen. Für ihre Forschung wurde sie vielfach ausgezeichnet, unter anderem 2012 mit dem Max‑Planck-Forschungspreis. Ihr 2019 erschienenes Buch The Code of Capital: How the Law Creates Wealth and Inequality (deutsch: Der Code des Kapitals. Wie das Recht Reichtum und Ungleichheit schafft, Suhrkamp 2020) wurde in acht Sprachen übersetzt. Ihre Monografie The Law of Capitalism and How to Transform It erscheint im Herbst 2025.

Die Adorno-Vorlesungen finden vom 22. bis 24. Oktober 2025 statt.

Weitere Informationen zu den einzelnen Vorlesungen folgen in Kürze.

 

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Einlassvorbehalt

Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische, antimuslimische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen bzw. durch Drohungen oder Einschüchterung in Erscheinung getreten sind, sind von der Veranstaltung ausgeschlossen.

Mittwoch

Campus Bockenheim

Adorno-Vorlesungen

Adorno-Vorlesungen

Adorno-Vorlesungen 2025

Seit 2002 veranstaltet das Institut für Sozialforschung in Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag jährlich Vorlesungen, die an drei Abenden an Theodor W. Adorno erinnern. Im Rahmen der diesjährigen Adorno-Vorlesungen verbindet Katharina Pistor institutionenökonomische und gesellschaftspolitische Ansätze zu einer kritischen Analyse der gegenwärtigen Geldordnung. Sie untersucht Geld als relationales Gut, das nur durch Partizipation vieler Akteure entstehen und wirken kann, und beleuchtet die hierarchische Struktur des Geldwesens aus dieser neuen Perspektive. Kryptowährungen können diese Ordnung aufbrechen, doch haben sich die meisten dezentral geschaffenen Währungen in die bestehende Hierarchie eingefügt. Dass eine andere Ordnung möglich ist und alternative Modelle sowohl institutionell als auch technologisch realisierbar sind, ist die Kernthese ihrer Vorlesungen.

In ihrer Auftaktvorlesung setzt sich Katharina Pistor mit dem Wesen des Geldes auseinander, das Sozialtheoretiker:innen seit Aristoteles beschäftigt. Im gesellschaftspolitischen Diskurs wird das Geldwesen oftmals stiefmütterlich behandelt und als technokratisches System naturalisiert, das sozialtheoretischen Ansätzen nicht zugänglich ist bzw. vor diesen geschützt werden muss. In der Tat verkürzt die gegenwärtige Ordnung des Geldwesens als privates, jedoch öffentlich garantiertes Medium das Potenzial des Geldes als relationales Gut. Ein solches Gut entsteht erst durch seine Nutzung durch viele Akteure und gewinnt an Wert, je mehr Menschen es verwenden. Diese Reklassifizierung entzieht sich herkömmlichen Klassifikationen von Gütern als privat, öffentlich oder gemeinschaftlich (common pool resource) und eröffnet somit neue Wege für die Verfassung des Geldes als demokratisches Medium.

In der zweiten Vorlesung beschäftigt sich Katharina Pistor mit der Geldverfassung der Gegenwart und plädiert für deren Neuordnung. Diese Verfassung ist nicht in einem einzigen Dokument festgeschrieben, sondern das Produkt von Praktiken, die sich durch Wiederholungen verfestigt haben und auf diese Weise Erwartungen stabilisieren. Eine Vielzahl öffentlicher und privater Akteur:innen und eine noch größere Bandbreite öffentlich bzw. privat emittierter Gelder sind die bestimmenden Elemente dieser Verfassung, wobei nicht alle Akteure gleichgestellt und nicht alle Gelder gleichwertig sind. Die Geldverfassung ist hierarchisch und die Spitze der Hierarchie wird von jenem Geld eingenommen, das die weiteste Verbreitung gefunden hat – nicht zuletzt, weil es von dem Schatten einer Staatsmacht profitiert, die bereit und in der Lage ist, für seinen nominalen Wert und somit seine Zukunft einzustehen. Die Geldverfassung ist somit nicht unveränderlich, sondern spiegelt bestehende Machtverhältnisse wider. Sie ist nicht außergesellschaftlich, sondern durchdringt wirtschaftliche und politische Prozesse, die umso stärker von ihr beeinflusst werden, je mehr die Realisierung geldwerter Profite als Maß aller Dinge idealisiert wird.

Diese Überlegungen führen in der dritten Vorlesung zur Frage der Neuordnung des Geldwesens, insbesondere der Frage, welche Alternativen zu dieser Geldverfassung existieren und wie der Übergang zu einer neuen Geldverfassung gestaltet werden könnte. Anhand zahlreicher Beispiele aus der historischen und soziologischen Forschung beleuchtet Katharina Pistor die politische Ökonomie des Geldwesens und seiner Wandlungsmöglichkeiten. Krisen können Auslöser solcher Wandlungsprozesse sein, führen jedoch häufig dazu, das bestehende System zu stabilisieren. Dezentrale Ansätze sind mit heutiger Technologie möglich, wie das Beispiel der Verbreitung von Kryptowährungen zeigt. Ob diese Technologien dazu genutzt werden, ein weiteres spekulatives Gut in Umlauf zu bringen oder eine Neuordnung des Geldes zu bewirken, hängt von ihrer Gestaltung ab. Eine Neuordnung, die dem Wesen des Geldes als relationales Gut gerecht würde, wirft eine Reihe von Fragen auf: Unter welchen Bedingungen entstehen dezentrale Geldsysteme? Welche Möglichkeiten gibt es, diese zu vernetzen und interoperabel zu machen? Und welche Rolle könnten die hütenden Instanzen der gegenwärtigen Geldverfassung, insbesondere die Zentralbanken, als treibende Kräfte für eine Transformation des Geldes spielen?

Katharina Pistor lehrt als Edwin B. Parker-Professorin für Vergleichende Rechtswissenschaft an der Columbia Law School und ist Ko‑Direktorin des Center for Political Economy an der Columbia University in New York. Die Schwerpunkte ihrer Forschung liegen im vergleichenden Finanzmarkt- und Unternehmensrecht. Nach der eingehenden Beschäftigung mit der Transformation ehemals sozialistischer Länder widmet sie sich seit der Finanzkrise 2008 den rechtlichen Grundlagen kapitalistischer Wirtschaftsordnungen. Für ihre Forschung wurde sie vielfach ausgezeichnet, unter anderem 2012 mit dem Max‑Planck-Forschungspreis. Ihr 2019 erschienenes Buch The Code of Capital: How the Law Creates Wealth and Inequality (deutsch: Der Code des Kapitals. Wie das Recht Reichtum und Ungleichheit schafft, Suhrkamp 2020) wurde in acht Sprachen übersetzt. Ihre Monografie The Law of Capitalism and How to Transform It erscheint im Herbst 2025.

Die Adorno-Vorlesungen finden vom 22. bis 24. Oktober 2025 statt.

 

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Einlassvorbehalt

Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische, antimuslimische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen bzw. durch Drohungen oder Einschüchterung in Erscheinung getreten sind, sind von der Veranstaltung ausgeschlossen.

Foto-, Film- und Tonbandaufnahmen sind nur nach vorheriger Absprache mit den Veranstalter:innen gestattet.

Dienstag

Bauhaus-Universität Weimar

Ringvorlesung des DFG-Graduiertenkollegs »Gewohnter Wandel«

Ringvorlesung des DFG-Graduiertenkollegs »Gewohnter Wandel«

Die Anfänge staatlicher Regulierung des Wohnens werden oftmals auf die Weimarer Republik datiert und mit dem Begriff der Wohnungszwangsverwaltung in Verbindung gebracht. Tatsächlich kam es jedoch schon während des Ersten Weltkrieges zu staatlichen Interventionen, die auf die dramatischen Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt und die aufkommenden sozialen Spannungen reagierten. Manche der kriegsbedingten Notmaßnahmen erwuchsen zu Dauerreglungen, andere Maßnahmen verschwanden wieder. Hinter einem gewissen Grad an Verrechtlichung des Wohnens konnte der Staat allerdings weder nach dem Ersten Weltkrieg noch später nach dem Zweiten Weltkrieg zurückbleiben, wobei die Probleme der Lebenswirklichkeit, die sich im Zusammenhang mit dem Wohnen stellten, im Laufe der Zeit durch verschiedene Steuerungsansätze auf unterschiedlichen Rechtsgebieten und von unterschiedlichen Normebenen aus erfolgten. Der Vortrag nimmt die Anfänge und Entwicklungslinien der Verrechtlichung des Wohnens in den Blick und zeigt Kontinuitäten und Ambivalenzen der gewählten Regulierungsansätze auf.

Pia Lange, geboren 1982, hat in Göttingen und Kapstadt Rechtswissenschaft studiert. Nach dem Ersten Staatsexamen promovierte sie in Göttingen am Institut für Allgemeine Staatslehre und Politische Wissenschaften. 2021 habilitierte sie sich mit der Arbeit »Staatliche Wohnraumvorsorge«, in der sie darlegt, dass den sozialen Staat unter dem Grundgesetz eine Gewährleistungsverantwortung für die Wohnraumversorgung der Bevölkerung trifft. Seit 2022 ist sie Professorin an der Universität Bremen für Öffentliches Recht, Europarecht, Sozialrecht, Geschlechter- und Vielfaltsdimensionen im Recht und Direktorin des Zentrums für Europäische Rechtspolitik. Seit 2023 ist sie zudem Richterin des Staatsgerichtshofs Bremen.

 

Veranstaltung im Rahmen der Ringvorlesung »Zerstörung - Zuflucht - Zukunft. Wohnen im und nach dem Krieg« des DFG-Graduiertenkollegs »Gewohnter Wandel. Gesellschaftliche Transformation und räumliche Materialisierung des Wohnens« im Wintersemester 2025/26

Wie wirkt sich Krieg auf das Wohnen aus und was können wir durch den Blickwinkel des Wohnens über Krieg lernen? In sieben Veranstaltungen beleuchten internationale Forschende aus Stadtplanung, Humangeographie, Architektur, Kunstgeschichte sowie Rechtswissenschaften und Anthropologie politische, ökonomische, bauliche und soziale Dimensionen der Wohnungsversorgung in Zeiten drohender und andauernder Kriege sowie sich anschließender Nachkriegsperioden. Die Beiträge blicken auf Entwicklungen in Bosnien, Deutschland, Israel, Jordanien, Syrien und der Ukraine und zeigen auf, wie Krieg als Zäsur bestehende Ordnungen und Strukturen zerstört, welche Neuerungen staatlicher Planungen zur Versorgung mit Wohnraum sich daraus entwickelt haben, wie die Menschen den alltäglichen Herausforderungen des Wohnens begegnen und wie bewaffnete Konflikte gesellschaftliche Wohnrealitäten und -identitäten dauerhaft prägen.

Die Ringvorlesung findet dienstags 14tägig um 18.30 Uhr im Wechsel an den Standorten Weimar und Frankfurt/Main statt. Es gibt die Möglichkeit einer digitalen Teilnahme:

BigBlueButton (Zugangscode: 98kbz7) https://meeting.uni-weimar.de/b/rooms/f2l-jnf-ajn-mfo/join

Donnerstag

Künstler*innenhaus Mousonturm

Wie es kommen musste – Aspekte des neuen Autoritarismus

Wie es kommen musste – Aspekte des neuen Autoritarismus

In Zeiten der »Disruption« scheinen Staat und Wirtschaft die integrierende Funktion verloren zu haben, die von der bürgerlichen Demokratie einst versprochen wurde. Doch nicht nur dort, wo der Ordnungsrahmen nicht mehr funktioniert, zerfällt die Gesellschaft in konkurrierende Banden. Auch in »intakten« Weltgegenden bilden sich »Beutegemeinschaften«. Profite werden monopolisiert, soziale Gruppen fraktionieren sich und die Gesellschaft zerfällt in religiöse, ethnische und andere »Identitäten«, von denen sie sich doch einmal emanzipieren wollte. Der neue Autoritarismus tritt zwar mit dem Anspruch an, die Gesellschaft wieder mit harter Hand klar zu führen, seine Praxis jedoch ist die Zerstörung des Sozialen. Diese Tendenz des Autoritarismus, sogar noch Hand an die eigenen institutionellen Wurzeln zu legen, wurde von der Kritischen Theorie bereits konstatiert. Der Vortrag soll dieses Wissen auf die Gegenwart anwenden.

 

Eine Veranstaltungsreihe von Institut für Sozialforschung und dem Künstler*innenhaus Mousonturm

Gegenwärtig wird sichtbar, was sich schon lange abzeichnete: Politische Kräfte, die neoliberale Politiken mit autoritären Anrufungen verknüpfen, rücken zunehmend zusammen und bilden Allianzen. Die Veranstaltungsreihe »Wie es kommen musste. Aspekte des neuen Autoritarismus« nimmt diese Konvergenz in den Blick, die nicht nur soziale Ungleichheiten vertieft, sondern auch demokratische Strukturen zunehmend untergräbt und für viele Menschen eine unmittelbare Bedrohung bedeutet.

Während der Neoliberalismus eine Gesellschaft des Wettbewerbs und der Entsicherung schafft, proklamiert der Autoritarismus einfache Feindbilder und rigide Ordnungen. Gemeinsam erzeugen sie ein gesellschaftliches Klima, das demokratische Prinzipien wie Menschenwürde und Grundrechte zunehmend unter Druck setzt. Die autoritär-neoliberale Allianz ist freilich kein Zufall, sie ist Ausdruck struktureller Dynamiken des Gegenwartskapitalismus. Analytisch wie historisch lässt sich zeigen, dass autoritäre Ordnungsvorstellungen bereits im Kern neoliberaler Ideologie verankert sind.

Die vom Institut für Sozialforschung und Künstler*innenhaus Mousonturm organisierte Veranstaltungsreihe beleuchtet die aktuelle Konjunktur dieser Allianz in Deutschland und der Welt, legt Mechanismen autoritär-neoliberaler Politik und deren gesellschaftlichen Konsequenzen offen und fragt danach, welche Gegenbewegungen zum neuen Autoritarismus sichtbar und denkbar sind.

 

Alle Termine:

9. Oktober 2025: Volker Weiß (Villigster Forschungsforum, Hamburg) im Gespräch mit Paul Erxleben (IfS): Gangs of today – Was die Racket-Theorie über die Gegenwart sagen kann

26. November 2025: Micaela Cuesta (Universidad Nacional de San Martín, Buenos Aires) im Gespräch mit Alexander Kern (IfS): Para una sociología crítica del autoritarismo contemporáneo [auf Spanisch mit Simultanübersetzung ins Deutsche]

17. Dezember 2025: Morten Paul (Ruhr-Universität-Bochum) im Gespräch mit Ricarda Biemüller (IfS): Was war Faschismustheorie? Geschichte und Gegenwart eines Versprechens

28. Januar 2026: Carolin Amlinger (Universität Basel) im Gespräch mit Georg Marx (IfS): Destruktivität als affektive Quelle des Autoritarismus

11. Februar 2026: Fiona Kalkstein (Else-Frenkel-Bunswik-Institut, Leipzig) im Gespräch mit Anna Rosa Ostern (IfS): Über Sündenböcke und Phantasmen. Faschisierung als Heilsversprechen

 

Die Veranstaltungen beginnen jeweils im 19 Uhr im Künstler*innenhaus Mousonturm. Der Eintritt ist frei.

Mittwoch – Freitag

Kollegienhaus der Universität Basel

Tagungen, Konferenzen, Workshops

Tagungen, Konferenzen, Workshops

Vom 8. bis zum 10. Oktober findet die Konferenz »Gegen/Moderne. Kulturkämpfe um die Gegenwart« an der Universität Basel statt. Die Universität Basel richtet die Konferenz in Kooperation mit dem Institut für Sozialforschung und der Goethe-Universität Frankfurt aus. Die interdisziplinäre Konferenz möchte verschiedene Wissenschafler:innen zusammenbringen, um die ubiquitär angefochtenen Gesellschaften der Gegenwart besser zu verstehen. In fünf Panels und sieben Workshops sollen die Phänomene, Fragen und Herausforderungen der »Gegen/Moderne« gemeinsam bearbeitet werden. Alle weiteren Informationen rund um die Konferenz sowie die Anmeldung finden Sie auf der Veranstaltungswebsite.

 

Panels

 

Auftaktpanel: Welche Moderne?

Mittwoch 08.10.25, 17:00-18:30Uhr

Raum: TBA

Im Auftaktpanel thematisieren Rahel Jaeggi (Humboldt Universität zu Berlin) und Peter Wagner (Universitat de Barcelona) die brennende Frage der Gegenwart: Fortschritt und Regression. In einem sowohl historischen als auch zeitdiagnostischen Zugriff wird danach gefragt, wie es um die Moderne der Gegenwart steht. Das Versprechen der Moderne von Freiheit und Vernunft sollte sich in der Wahlverwandtschaft von Kapitalismus und Demokratie realisieren. Wie steht es aber um deren Realisation? In diesem Panel wird diskutiert, wie Freiheit und Autonomie organisiert sind und in welchem Verhältnis Fortschritt und Regression stehen. Insbesondere zwei Fragen werden adressiert: Sollten wir an der notwendigen Utopie der Moderne festhalten oder hat sie sich überlebt? Welche Zukunft verspricht sie oder droht sie, durch eine Gegenmoderne abgelöst zu werden?

Moderation: Oliver Nachtwey (Universität Basel)


Panel II: Raum

Donnerstag 09.10.25, 09:00-10:30

Raum: TBA

Im zweiten Panel analysieren Fiona Kalkstein (Universität Leipzig) und Daniel Mullis (Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung Frankfurt) den sozialen Raum der Gegenmoderne. Aushandlungen um Vorstellungen des «guten Lebens» und Fragen der politischen Gestaltung der Gesellschaft sind häufig an konkrete Orte oder an Imaginationen bestimmter Räume gekoppelt. Räume sind dabei nicht lediglich Schauplätze dieser Auseinandersetzungen, sondern strukturieren diese auch mit: So wird der vermeintlichen Unmittelbarkeit und Normalität des Landlebens die Vorstellung einer kosmopolitischen und elitären Großstadt entgegengesetzt. Während es sich hierbei oft um normativ aufgeladene und polarisierte Konstruktionen handelt, wäre die Frage zu diskutieren, inwiefern sich die Modernisierungsprozesse in unterschiedlichen Räumen, etwa in ländlichen und in urbanen, niederschlagen und wie die sozialräumliche Dimension antimoderne Widerstände beeinflusst.

Moderation: Bernd Belina (Goethe-Universität Frankfurt)


Panel III: Ästhetik

Donnerstag 09.10.25, 14:00-15:30

Raum: TBA

Das dritte Panel mit Jule Govrin (Universität Hildesheim) und Wolfgang Ullrich (Autor) beschäftigt sich mit Politiken des Ästhetischen, die eine ästhetisch Weltwahrnehmung als Quelle der Sinngebung und Transzendenz gegen die zerstückelte, verweltlichte Moderne aufwerten. Ästhetisches Erleben gilt nicht nur als Fluchtpunkt im kalten Prozess ökonomischer Liberalisierung, antimoderne Bewegungen sind im Kern ästhetische Bewegungen, die Verlusterfahrungen der Moderne ästhetisch bearbeiten. Dies äußert sich etwa in einer Sehnsucht nach «großer Politik», in der das Wesentliche, das Standhafte gegen eine pluralistische Beliebigkeit in Stellung gebracht wird. Es äußert sich ebenfalls in einer Politisierung der Kunstautonomie, die Kunst als einen Raum der Unverfügbarkeit instrumentalisiert, in dem moralische Standards ausgesetzt sind. Kunst wird in der Gegenmoderne zu einem entrückten Ort jenseits der profanen modernen Welt, sie markiert Distanz zur Gegenwart. Dadurch lassen sich ästhetische Verfahren leicht nutzen, um das Leiden am Zerfall verbindlicher Fundamente zu politisieren. Der Widerstand gegen die Moderne erschafft nicht nur neue politische Ordnungsgefüge, sondern ebenso symbolische Ordnungen.

Moderation: Carolin Amlinger (Universität Basel)


Panel IV: Transzendenz

Donnerstag 09.10.25, 16:00-17:30

Raum: TBA

Im vierten Panel thematisieren Sylvia Sasse (Universität Zürich) und Alexander Bogner (Österreichische Akademie der Wissenschaften) epistemische Praktiken der Gegenmoderne. Wahrheit und Wissen wurden bislang vor allem im Sinne der Aufklärung als kumulativ, normativ gewünscht und als Teil des allgemeinen Fortschritts gedeutet. Die Projekte der Gegenmoderne basieren auf der fluiden Produktion von Gegenwissen, von alternativen Fakten und subversiven Erzählungen, die sich gegen die Rationalität und die epistemischen Grundlagen der Aufklärung wenden. Dabei können sie auf das Unterlaufen der eigenen Geltungsansprüche und den Paternalismus der liberalen Interpretation von Aufklärung subversiv aufmerksam machen. Die Gegenmoderne strebt darüber hinaus ebenso Erfahrungen der Transzendenz an, die die Welt wiederverzaubern und mit mythischen Wirklichkeits-ansprüchen bedeutsam machen.

Moderation: Oliver Nachtwey (Universität Basel)


Forum: Faschistische Fantasien

Donnerstag 09.10.25, 18:15-19:15

Raum: TBA

Zum Schluss des zweiten Konferenztages spricht Klaus Theweleit zusammen mit Carolin Amlinger (Universität Basel) und Oliver Nachtwey (Universität Basel) über faschistische Fantasien.


Abschlusspanel: Zeit und Zukunft

Freitag 10.10.25, 13:30-15:00

Raum: TBA

Kämpfe um die Moderne sind auch mit Fragen um die Vision der Zukunft und die Deutung der Vergangenheit verbunden. Ein fünftes Panel mit Natascha Strobl (Autorin) und Fernando Esposito (Universität Münster) geht aus diesem Grund den Zukunftsvorstellungen der Gegen/Moderne nach, die als Antizipation des gesellschaftlich Möglichen den Raum strukturieren, in dem gegenwärtige Konflikte ausgetragen werden. Apokalyptische Zukunftsvorstellungen waren als Gegengewicht zum modernen Fortschrittsoptimismus seit jeher besonders in Krisenzeiten mobilisierbar. Für die Gegenwart ist jedoch von einem verallgemeinerten Katastrophenbewusstsein auszugehen. Wenngleich diesem angesichts von Klimakrise, ökonomischer Spannungen und autoritär-faschistischen Regierungen reale Herausforderungen entsprechen, ist zu fragen, warum Konflikte um die Zukunft immer häufiger auf dem Terrain einer imaginierten Vergangenheit ausgetragen werden. Möglicherweise deutet der Bedeutungsgewinn rückwärtsgewandter Sehnsüchte auf eine fundamentale Krise politischer Gestaltungs-vorstellungen hin.

Moderation: Carolin Amlinger (Universität Basel)

 

Workshops

 

Workshop 1: Lokale Verarbeitungsformen gegenwärtiger Kulturkämpfe und die Eigenlogik periphersierter Räume

Donnerstag 09.10.25, 11:00-12:30

Raum: TBA

Der Workshop widmet sich konkreten lokalen Verarbeitungsformen von Kulturkämpfen der Gegenwart. Dominik Intelmann (Goethe-Universität Frankfurt), Ann-Katrin Kastberg (Goethe-Universität Frankfurt) und Johannes Truffer (Universität Basel) berichten aus ihren laufenden Forschungen zur lokalen Debatte um den neuen NSU-Gedenkort in Chemnitz, zur Wahrnehmung der sozial-ökologischen Transformation in der Lausitz sowie zur politischen Soziologie des vorpolitischen Raum der Bewegungsbildung gegen Corona-Maßnahmen in der Schweizer Dörfern, um die Eigenlogik peripherisierter Räume zu rekonstruieren.


Workshop 2: Zur Politisierung der Kunst und Ästhetisierung der Politik in der Gegenmoderne

Donnerstag 09.10.25, 11:00-12:30

Raum: TBA

Im Rahmen dieses Workshops betrachten Harry Lehmann (Universität Luxemburg) und Veith Selk (Wirtschaftsuniversität Wien) aus zwei Richtungen aktuelle Protzesse im Zusammenhang von Politik und Kunst. Einerseits wird Kunst in Inhalt und Form immer politischer, was als potentieller Autonomieverlust und Ausdruck einer Gegenmoderne interpretiert wird. Andererseits bemüht sich die radikale Rechte zunehmend um eine Ästhetisierung ihrer Positionen, deren Strategien vorgestellt und als Ausdruck einer digitalen Gegenmoderne diskutiert werden.


Workshop 3: Kämpfe um die Geschlechterordnung

Donnerstag 09.10.25, 11:00-12:30

Raum: TBA

Dieser Workshop fokussiert ein zentrales Feld aktueller Kulturkämpfe. Dorit Geva (Universität Wien), Mike Laufenberg (Hochschule Fulda) und Sarah Speck (Europa Universität Viadrina Frankfurt/Oder) geben Inputs zur Bedeutung von Geschlechter- und Sexualitätspolitiken für die neuen autoritären Formationen. Der Workshop wird sich mit der Frage einer Restauration der Geschlechterordnung befassen, den Affektpolitiken in Kulturkämpfen der Gegenwart nachgehen, aber auch der Bedeutung der (queer)feministischen Kämpfe der letzten Dekaden. Es soll ausreichend Zeit zur Diskussion geben.


Workshop 4: Zuspätmoderne

Freitag 10.10.25, 09:00-10:30

Raum: TBA

In diesem Workshop diskutiert Ulrich Bröckling (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) zusammen mit Alexandra Schauer (institut für Sozialforschung Frankfurt) und Philipp Staab (Humboldt Universität zu Berlin), wird unter dem titelgebenden Begriff diskutiert, wie eine Gesellschaftstheorie aussähe, die sich auf die Aporien ihres Gegenstands beruft und folglich weniger Antworten erwarten darf, als eine Schärfung der Fragen. Denn im Topos der Zuspätmoderne verdichten sich die Aporien gegenwärtiger Affektlagen, Subjektanrufungen und Politiken. Aporien stellen uns kognitiv, emotional, normativ und praktisch vor das Dilemma, ihnen weder ausweichen, noch sie auflösen zu können. Deshalb prozessieren sie als Probleme.


Workshop 5: Die Moderne als Gretchenfrage des ökologischen Diskurses

Freitag 10.10.25, 09:00-10:30

Raum: TBA

Unser fünfter Workshop setzt sich schließlich mit den beiden sich widerstreitenden Lagern auseinander, die den ökologischen Diskurs bestimmen, dabei allerdings quer zur Frontstellung von links und rechts verlaufen. Während ein ökomodernistischer Diskurs auf ein «gutes Anthropozän» setzt, das die technologischen Eingriffe in die natürliche Umwelt unter Vorzeichen der Nachhaltigkeit intensivieren möchte, macht ein antimoderner Diskurs in der technischen Entwicklung und dem Wirtschaftswachstum die Quelle der ökologischen Verwüstung aus und neigt zu einer «Rückkehr» zu vormodernen Formen des Wirtschaftens und der Vergesellschaftung. Inputs liefern Daniela Russ (Universität Leipzig), Andreas Folkers (Columbia University & Institut für Sozialforschung Frankfurt) und Simon Schaupp (Technische Universität Berlin).


Workshop 6: Endzeitkern: Apokalypsen zwischen Raktion und Fortschritt

Freitag 10.10.25, 11:00-12:30

Raum: TBA

In diesem Workshop richten Jennifer Stevens (Friedrich-Schiller-Universität Jena), Anna Rosa Ostern (Institut für Sozialforschung Frankfurt) und Felix Schilk (Eberhard Karls Universität Tübingen) den Blick auf die Bedeutung von Zeitlichkeit in der Gegenwart. Während Zukunft als Problem, nämlich als Gestaltungs- und Vorstellungsproblem begriffen wird, zeigen sich Vergangenheitsorientierungen und Apokalyptik als zentrale Verarbeitungsmodi. Diese «Rückwärtsgewandtheit» als zentrale Kategorie wird in diesem Workshop auf ihre theoretische und empirische Passung hin befragt. Beitragsübergreifend wird über die Verknüpfung von apokalyptischer/vergangenheitsbezogener Gegenwartsgesellschaft, ihren Verarbeitungsformen und Agitationsmöglichkeiten diskutiert.


Workshop 7: Make Social Media Great Again. Die autoritäre Wende im digitalen Strukturwandel der Öffentlichkeit

Freitag 10.10.25, 11:00-12:30

Raum: TBA

Einem zentralen Mittel und Terrain der Gegenmoderne widmet sich schliesslich der letzte Workshop mit Adrian Daub (Stanford University), Anna-Verena Nosthoff (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg) und Felix Maschewski (Humboldt Universität zu Berlin). Er geht aktuellen tech-autoritären Entwicklungen nach, fokussiert neben medientechnischen Bedingungen vor allem die ideologischen Herkünfte und Verstrickungen (vom Dark Enlightenment bis zu TESCREAL) der sog. «Broligarchie» und fragt: Ist die Tech-Elite nie liberal gewesen? Diskutiert wird in diesem Konnex nicht nur, wie die utopischen Versprechen einstmals als progressiv bzw. emanzipativ gefeierter Technologien in einem (neo-)reaktionären Playbook aufgehen und das soziotechnische Imaginäre prägen, sondern auch, wie eine finanzielle und infrastrukturelle in eine politische (Diskurs-)Macht überführt, die Öffentlichkeit refeudalisiert wird.

Montag

Institut für Sozialforschung, Sitzungsraum

Öffentliche Vorträge

Öffentliche Vorträge

Peter Wagner (Universidad de Barcelona/IfS) im Gespräch mit Andreas Folkers (IfS)

Kohle, Öl und Gas haben die Moderne grundlegend geprägt: Sie befeuerten Industrialisierung und Massenwohlstand, aber auch Umweltzerstörung und Klimakrise. In seinem Buch Carbon Societies. The Social Logic of Fossil Fuels (Polity Press 2024) zeigt Peter Wagner aus einer historisch-soziologischen Perspektive, dass die enge Verflechtung zwischen gesellschaftlichem Fortschritt und fossilen Energien kein unvermeidlicher Weg in die gesellschaftliche Moderne war. Weder die Logik der Moderne noch die des Kapitals machen den Einsatz fossiler Energien zwingend erforderlich. Vielmehr wurde diese Entwicklung von gesellschaftlichen Machtverhältnissen geprägt, die fossile Brennstoffe zur vermeintlichen Lösung der gesellschaftlichen Herausforderungen machten. Indem Wagner die entscheidenden historischen Wendepunkte ins Zentrum seiner Analyse stellt, beleuchtet er die Entstehung und Entwicklung der Klimakrise und stellt zugleich heraus, dass die soziale Ordnung veränderbar ist und damit auch die Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit der Krise.

Die Monografie Carbon Societies. The Social Logic of Fossil Fuels ist 2024 bei Polity Press erschienen.

Peter Wagner ist Professor für Soziologische Theorie an der Universidad de Barcelona und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats am IfS.

Andreas Folkers ist Mitglied des Kollegiums am IfS.

Donnerstag

Café KoZ

Öffentliche Vorträge

Öffentliche Vorträge

Alex Struwe im Gespräch mit Miriam Schröder

Totalität beschreibt das Problem, ob und wie es überhaupt möglich ist, Gesellschaft als Ganze zu begreifen. Mit dem »Ende der großen Erzählungen« schien sich diese Frage erübrigt zu haben. Aber in der multiplen Krise, Klimakatastrophe und dem globalen Erstarken der Rechten kehrt die Notwendigkeit wieder, den Zusammenhang des Ganzen zu bestimmen. Mit Kapitalismuskritik, Klassenanalyse und Gesellschaftstheorie kommt auch das verdrängte Problem der Totalität zurück.

Aktuelle Theorien müssen diese Leerstelle der Totalität nun füllen. Vom Populismusbegriff zur Neuen Klassenpolitik über die Wiederentdeckung der Kritischen Theorie, des Autoritarismus bis zur Geschichtsphilosophie wird zwar wieder über Struktur und das Ganze der Gesellschaft spekuliert. Aber diese Bestimmungen bleiben notwendig abstrakt – und damit Teil des Problems.

Ist Totalität also immer eine schlechte Verallgemeinerung oder gibt es sie in Wirklichkeit? Alex Struwe spürt dieser Frage nach und findet bei Marx und der Entwicklung des Materialismus bis zu Theodor W. Adorno Möglichkeiten einer konkreten Bestimmung des Gesamtzusammenhangs. Diese Theorien nachzuvollziehen bietet auch die Chance auf eine Erkenntnis der Gegenwart. Und ohne diese gibt es keinen Einspruch gegen die herrschenden Verhältnisse.

Die Monographie Totalität. Marx, Adorno und das Problem kritischer Gesellschaftstheorie ist 2025 im Verbrecher Verlag erschienen.

Alex Struwe ist Redakteur für Geistes- und Sozialwissenschaften bei nd.Die Woche und als freier Autor tätig.

Miriam Schröder ist Doktorandin am Institut für Sozialforschung.

Eine Kooperationsveranstaltung des Instituts für Sozialforschung mit der AStA-Zeitung.

Montag

Café KoZ (Studierendenhaus Campus Bockenheim)

Öffentliche Vorträge

Öffentliche Vorträge

Die Wahl des Begriffs »Prostitution« oder »Sex-Arbeit« für den Hurenberuf ist heute Ausdruck von einander entgegengesetzten politischen Haltungen, die sich innerhalb der Linken und im Feminismus in heftigem Streit befinden. Was also bedeutet der Wandel von der »Prostitution« zur »Sex-Arbeit«?

Aus bürgerlicher Sicht fand in der Prostitution kein fairer Warentausch statt, sondern ein wechselseitiger Missbrauch: Die Prostituierte nutzte das Begehren des Kunden aus, der Freier missbrauchte die Prostituierte als Objekt seiner Phantasien. Die Prostituierte galt entweder als manipulative Betrügerin oder preisgegebenes Opfer – und dieser doppelte Verdacht scheint auch heute noch nicht völlig ausgeräumt. Die Prostituierte ist, wie Walter Benjamin feststellte, tatsächlich »Verkäuferin und Ware in einem«. Sie bewirbt sich selbst als käufliches Objekt und bleibt dabei zugleich Subjekt. Damit überschreitet sie die Grenzen der Warenform wie sie zugleich als perfekte Verkörperung der Ware erscheint. Wenn dagegen heute von Sexarbeit oder sexuellen Dienstleistungen die Rede ist, dann impliziert das eine gesellschaftliche Veränderung, die sowohl Form und Begriff der Arbeit als auch der Sexualität betrifft. Die Arbeit ergreift immer weitere Register der Persönlichkeit, so dass sich Arbeit insgesamt dem »Selbstverkauf« nähert. Die Sexualmoral ist liberal geworden: Die Entscheidung für oder gegen sexuelle Handlungen liegt in der Verfügungsgewalt des Individuums und Sexualität wird unter der Bedingung des Konsenses nur noch von Fragen der Gesundheit und Hygiene reguliert. Dabei aber erscheint das sexuelle Begehren des Anderen als durchaus bedrohlich und die sexuelle Identität als intimer und schutzbedürftiger Teil des Individuums. Umstritten bleibt, wo Prostitution hier rangiert.

Theodora Becker stellt ihre Monographie »Dialektik der Hure« (Matthes und Seitz) vor und widmet sich den Gründen für den fortwährenden Skandal der käuflichen Sexualität.

Organisiert vom AK Gender, Kinship, Sexuality des IfS

Anschließend Bar-Abend.

Mittwoch

autorenbuchhandlung marx & co

Prismen

Prismen

Tür an Tür mit brutalen Nachbarn leben zu müssen, deren Gewalt man nicht entfliehen kann – ein Horrorszenario. Israelis und Palästinenser erleben diesen Albtraum jeden Tag neu: Die zwei sich bekämpfenden Nationen können nicht, aber sie müssen miteinander leben. Seit fünf Jahrzehnten beobachtet José Brunner unmittelbar, wie auf dem Reißbrett entworfene Friedenspläne und Appelle an die Vernunft in diesem Krieg der Emotionen kläglich versagen. Daher setzt er dort an, wo die Menschen zutiefst ansprechbar sind: bei den Gefühlen, und holt die Erkenntnisse der Psychologie in die politische Debatte. Denn Traumata, Narzissmus und Paranoia prägen nicht nur den Einzelnen, sondern ganze Nationen. Deshalb muss vor einer politischen Lösung zunächst eine psychologische erfolgen: Erst wenn beide Seiten ihre eigene Gewalttätigkeit kritisch analysieren und zugefügte Verletzungen gegenseitig anerkennen, können sie zu einer humanen Sicht aufeinander finden. Nur so kann es für Israeli und Palästinenser eine Zukunft geben.

Den Hintergrund der Veranstaltung bildet das im Mai erschienene Buch von José Brunner: Brutale Nachbarn. Wie Emotionen den Nahostkonflikt antreiben – und entschärfen können. Berlin: Ullstein 2025.

José Brunner ist emeritierter Professor an der Buchmann Faculty of Law und dem Cohn Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas der Tel Aviv University und war bis 2024 Mitglied des wissenschaftlichen Beirats am Institut für Sozialforschung.

Vera King ist Professorin für Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. und Geschäftsführende Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts.

Dienstag

Campus Westend, PEG 1. G 165

Christine Achinger (University of Warwick)

Essentialistische und kritische Theorie: Rassismus, Kolonialismus und Antisemitismus bei Mignolo, Virdee und Gilroy

Kommentiert von Miriam Schröder (IfS).

 

Dienstag

Campus Westend (Hörsaalzentrum HZ 10), Frankfurt am Main

Ringvorlesung des DFG-Graduiertenkollegs »Gewohnter Wandel«

Ringvorlesung des DFG-Graduiertenkollegs »Gewohnter Wandel«

Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung des DFG-Graduiertenkollegs »Gewohnter Wandel. Gesellschaftliche Transformation und räumliche Materialisierung des Wohnens«

Aus trans- und interdisziplinärer Perspektive der Architektur- und Wohnsoziologie blickt Christien Hannemann auf den Wandel des Wohnens als Wechselwirkung zwischen gesellschaftlich-kulturellen Perspektiven, sozialen Bedürfnissen/Nutzungspraktiken und gebauter Umwelt. Sie thematisiert, welche Herausforderungen und Themen für gegenwärtige und darüber hinaus künftige Diskurse bestehen.

Christine Hannemann ist Professorin für das Fachgebiet „Architektur- und Wohnsoziologie“ am Institut Wohnen und Entwerfen der Fakultät Architektur und Stadtplanung an der Universität Stuttgart. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen der Wandel des Wohnens, Urbanität als Lebensform, Integration und Zuwanderung, sowie Architektur als Beruf und Feld empirischer Sozialforschung. Zuletzt war sie Mitherausgeberin des Sammelbands (2022) „Wohnen. Zwölf Schlüsselthemen sozialräumlicher Wohnforschung.“

 

Im Rahmen unserer Ringvorlesung werden Wissenschaftler:innen aus dem In- und Ausland Einblicke in aktuelle und transdisziplinäre Zugänge internationaler Wohnungsforschung. Im Zentrum stehen zwei Kernfragen:  »Warum und auf welche Weise können wir das Wohnen erforschen?«  »Welchen Zusammenhang sehen wir zwischen gesellschaftlicher Transformation und räumlicher Materialisierung des Wohnens?« Die Ringvorlesung des Kollegs findet während des Semesters regelmäßig am Dienstag um 18.30 Uhr im Wechsel an den Standorten des Kollegs (Weimar und Frankfurt/Main) statt. Es gibt die Möglichkeit einer digitalen Teilnahme (Zugangscode: 635539) https://meeting.uni-weimar.de/b/kat-ek9-0up-qom

Hier geht es zur Seite des Graduiertenkollegs.

Freitag

Kino des DFF, Deutsches Filminstitut und Filmmuseum

Öffentliche Vorträge

Öffentliche Vorträge

Warum sollten wir den politischen Gegner filmen? Welche politische Sprengkraft besitzt der Dokumentarfilm in Zeiten der »Normalisierung« rechter Ideologien? Diesen Fragen möchte die Reihe »Antagonistische Beobachtung« nachgehen und widmet sich hierzu dokumentarischen Filmen über (radikal) rechte Akteure in Europa. An zwei Abenden werden insgesamt vier Filme gezeigt, die einen Einblick in filmische Strategien der Analyse, Konfrontation und Beobachtung rechter Akteure in Deutschland, Österreich, Griechenland und Frankreich vermitteln. Im Gespräch mit Gästen aus den Sozial- und Filmwissenschaften sowie den Macher:innen der Filme wird es auch um die konkreten Herausforderungen in der Recherche, Produktion und Veröffentlichung der Filme gehen.

 

Freitag, 4. Juli 20.30 Uhr:

Inland

Österreich 2019 R: Ulli Gladick 95 Min., OmU

Gäste: Ulli Gladick und Gerhard Daurer (Dramaturgie und Montage)

 

Die Reihe ist eine Kooperation des DFF mit dem Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt, dem Max-PlanckInstitut für ethnologische Forschung und dem Institut für Sozialforschung

Kino des DFF, Deutsches Filminstitut und Filmmuseum

Öffentliche Vorträge

Öffentliche Vorträge

Warum sollten wir den politischen Gegner filmen? Welche politische Sprengkraft besitzt der Dokumentarfilm in Zeiten der »Normalisierung« rechter Ideologien? Diesen Fragen möchte die Reihe »Antagonistische Beobachtung« nachgehen und widmet sich hierzu dokumentarischen Filmen über (radikal) rechte Akteure in Europa. An zwei Abenden werden insgesamt vier Filme gezeigt, die einen Einblick in filmische Strategien der Analyse, Konfrontation und Beobachtung rechter Akteure in Deutschland, Österreich, Griechenland und Frankreich vermitteln. Im Gespräch mit Gästen aus den Sozial- und Filmwissenschaften sowie den Macher:innen der Filme wird es auch um die konkreten Herausforderungen in der Recherche, Produktion und Veröffentlichung der Filme gehen.

 

Freitag, 4. Juli, 18.00 Uhr:

Eine deutsche Partei

Deutschland 2022 R: Simon Brückner 90 Min., OF

Gast: Simon Brückner

 

Die Reihe ist eine Kooperation des DFF mit dem Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt, dem Max-PlanckInstitut für ethnologische Forschung und dem Institut für Sozialforschung

Donnerstag

Institut für Sozialforschung

Vortrag von Anja Giudici (Cardiff University)

Seit dem Einzug radikaler und extrem rechter Parteien in die Parlamente und Regierungen Europas ist das Interesse der Medien und der Wissenschaft am rechten Rand des politischen Spektrums gestiegen. Der Fokus liegt dabei überwiegend auf Parteien und deren Positionen zum Thema Migration. Der Vortrag setzt einen anderen Akzent und thematisiert das Interesse der europäischen Rechten nach 1945 an Bildung. Um die rechte Bildungspolitik und Bildungsarbeit zu verstehen, wird ein analytischer Zugang gewählt, der es ermöglicht, sowohl institutionelle als auch nicht-institutionelle politische Arbeit zu berücksichtigen und deren Verbindungen zu rekonstruieren. Auf Basis von Archivarbeit zu rechten Bewegungen in Deutschland, Frankreich und Italien bietet der Vortrag einen systematischen Überblick über bildungsrelevante Organisationen am rechten Rand. Im Zentrum steht die Analyse der Bildungsprogramme der Parteien sowie unterschiedlicher Organisationen im Kontext der rechten Bildungspolitik und Bildungsarbeit.

Moderation: Rita Casale

Organisiert vom Arbeitskreis Kritische Bildungsforschung des IfS in Kooperation mit dem Kolloquium Bildungsphilosophie und Bildungsgeschichte an der Universität Wuppertal.

 

Dienstag

Institut für Sozialforschung

Öffentliche Vorträge, Tagungen, Konferenzen, Workshops

Öffentliche Vorträge, Tagungen, Konferenzen, Workshops

Economic Drivers of Contemporary Processes of Fascistization (Workshop)

(Veranstaltungssprache/Language: Englisch/English)

Our historical moment seems to resist the clarity of names. “New Right,” “far-right extremism,” “populism,” “authoritarianism,” “post-democracy”, “late fascism” – these terms each capture certain aspects of our current political trajectory, yet none fully encapsulates the transformations underway. How should we name our present? What concepts are useful to understand the contradictions that fracture the current moment? And how do we interpret the rightward shifts in the ideological and political landscapes of most capitalist societies – both in the Global North and South, at the center and periphery of the world-system? This workshop does not seek to settle on fixed labels or static categories. Rather, it aims to explore the ongoing, unresolved processes that have not yet crystallized into a stable political-ideological configuration. The processual term "fascistization" seems to be a proper starting point to capture this dynamic situation.

In the wake of the Trump election and the early elections in Germany, there have been debates both in the public sphere and in trade unions about how economic concerns and grievances act as a key driver of anti-democratic attitudes – see, for example, the debate around the buzzword "anti-fascist economics" (Isabella Weber). The workshop aims to discuss the hypothesis that the economic conditions experienced by workers today – precarization, informal work, job insecurity, impoverishment, declining purchasing power, and the erosion of social mobility – are crucial factors in creating a greater susceptibility to authoritarian and exclusionary ideologies and fueling the processes of social fascistization. Contemporary capitalism certainly has disruptive and destructive impacts on workers' material living conditions. But how do objective economic dynamics and actual experiences of economic deprivation relate to subjective and sociocultural processes of sensemaking? What narratives circulate in which economic problems are addressed and interpreted in right-wing populist terms? And how can we conceptualize and theorize these processes and relations? By presenting case studies from both Argentina and Germany, we will bring empirical evidence to investigate these questions situatedly and comparatively.

 

Please register: anmeldung@ifs-frankfurt.de (registration deadline on June 23)

 

Program

 

10 – 10.30: Introduction

 

10:30 – 12.30: Case Study I: Argentina

  • Agustín L. Prestifilippo (University of Buenos Aires): Inflation and Social Suffering: The Experience of Dispossession Among Argentine Far-Right Sympathizers

 

12:30 – 13:30:  Lunch break

 

1:30 – 3:30 Case Study II: Germany

  • Leo Roepert (University of Hamburg): Identity or Interest: Does Right-Wing Populism Have Economic Causes?
  • Lisa Pfeifer/Marc Blüml (Institute for Social Research): Neoliberal Independence. An investigation of German Finfluencers Promises

 

3:45 – 4:30 Open (comparative) discussion

Montag

autorenbuchhandlung marx & co

Prismen

Prismen

Sarah Speck im Gespräch mit Lena Reichardt, Bea S. Ricke, Karin Stögner und Stephan Voßwinkel

Die Geschichte des Frankfurter Instituts für Sozialforschung (IfS) wird in der Regel anhand der Biografien und Werke männlicher Protagonisten erzählt. So erscheint das Institut als Ort einer intellektuellen Tradition, in der weder Frauen noch Fragen der Geschlechterverhältnisse eine Rolle spielen. Dementgegen wirft der vorliegende Band einen dezidiert feministischen Blick auf die 100-jährige Geschichte des IfS und verdeutlicht die hartnäckige androzentrische Ausblendung der Tätigkeiten von Frauen am und im Umfeld des Instituts in seiner gängigen Geschichtsschreibung. Die versammelten Beiträge vergegenwärtigen, dass das IfS von Beginn an Frauen in die Forschung eingebunden hat und dass zu verschiedenen Zeitpunkten geschlechtertheoretische Überlegungen am Institut entwickelt wurden, die in Verbindung zu politischen Debatten standen. Zugleich zeigt die Rekonstruktion biografischer Wege ausgewählter Wissenschaftlerinnen die institutionellen Beschränkungen, mit denen Frauen bis weit ins 20. Jahrhundert in der wissenschaftlichen Arbeit konfrontiert waren. Der Band beleuchtet die ambivalenten Ein- und Ausschlüsse von Frauen sowie Modi der Arbeitsteilung und damit einhergehende (Un-)Sichtbarkeiten in der Wissenschaft im Allgemeinen und am Institut im Besonderen.

Der Sammelband ist vor Kurzem in der Reihe IfS Aus der Reihe des Instituts für Sozialforschung erschienen: Christina Engelmann, Lena Reichardt, Bea S. Ricke, Sarah Speck und Stephan Voswinkel (Hg.): Im Schatten der Tradition. Eine Geschichte des IfS aus feministischer Perspektive. Berlin: Bertz+Fischer 2025.

Lena Reichardt ist Sozialwissenschaftlerin und Doktorandin am Institut für Sozialforschung. Bea S. Ricke ist Doktorandin im Promotionskolleg »Dialektik der Teilhabe« am Institut für Sozialforschung. Sarah Speck ist Professorin für Vergleichende Kultursoziologie an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) sowie Mitglied des Kollegiums des Instituts für Sozialforschung. Karin Stögner ist Professorin für Soziologie an der Universität Passau. Stephan Voswinkel ist Soziologe, Permanent Fellow am Institut für Sozialforschung und Privatdozent am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität.