Freitag

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Bockenheim, Hörsaal IV

Adorno-Vorlesungen

Adorno-Vorlesungen

Seit 2002 veranstaltet das Institut für Sozialforschung in Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag jährlich Vorlesungen, die an drei Abenden an Theodor W. Adorno erinnern. In diesem Jahr widmet sich die Philosophin Linda Martín Alcoff der historischen und kulturellen Rekonstruktion von Race und damit verbundenen Identitäten: Welche Erfahrungen entstehen aus der konstitutiven Beziehung von Race, History and Culture? Wie sind bestimmte Vorstellungen von Race mit konkreten, regressiven wie progressiven, Praktiken und Lebensweisen verbunden? Und inwieweit braucht es neue Ansätze, um die Narrative des Rassismus und ihr Fortbestehen zu überwinden und gesellschaftliche Verhältnisse zu transformieren?

In ihrer ersten Vorlesung mit dem Titel The Historic Formation of Race untersucht Linda M. Alcoff die zeitlich und lokal variierenden Vorstellungen von Race und nimmt bislang unterbestimmte und fehlgeleitete Zusammenhänge in den Blick. Die Differenzkategorie Race, so Alcoff, ist nicht begrifflich falsch, ideologisch oder moralisch verwerflich, sondern entwickelte sich im Zuge historischer Ereignisse und erweist sich als durchweg sozial, kontextgebunden und dynamisch. Race umfasst gemeinsame Lebensformen, Subjektivierungsweisen und geteiltes Wissen, die aus der Kolonialgeschichte entstanden sind und bis in die Gegenwart fortdauern.

Unter dem Titel Cultural Racism wendet sich Alcoff in ihrer zweiten Vorlesung dem von Frantz Fanon in den 1950ern geprägtem Konzept des kulturellen Rassismus zu und entwickelt es auf Grundlage theoretischer und gesellschaftspolitischer Diskurse weiter: Einerseits legitimieren die rassistischen und kolonialen Ideologien bis heute Krieg, Enteignung und die Verweigerung von demokratischer Partizipation, anderseits eröffnet die kritische Reflexion des Konzepts die Möglichkeit einer antikolonialen und widerständigen Praxis sowie eine Reformierung sozialer Ideen und Praktiken. Alcoff zeigt, wie bestehende problematische Vorstellungen über den Globalen Süden zu überwinden sind, um Kulturen in ein neues, emanzipatorisches Verhältnis zueinander setzen zu können.

Zeitgleich geraten traditionelle, auf dem Nationalstaat beruhende Narrative durch soziale Bewegungen und öffentliche Forderungen zunehmend unter Druck: Die weiße Identität befindet sich in einer Krise. Die rassistische Abwehr und nationalistische Verweigerung der sowie die öffentlichen Angriffe auf die Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erben sind davon ebenso Ausdruck wie die immer noch in Alltagspraktiken und Lebensweisen verankerte, jetzt aber zu bröckeln beginnende Vorstellung einer weißen Vormachtstellung. In ihrer dritten Vorlesung The Crises of White Identity lokalisiert Alcoff progressive Gestaltungsräume in diesen Spannungsfeldern und zeigt Möglichkeiten der Transformation und für die gemeinsame Neugestaltung von Lebensweisen.

Linda Martín Alcoff, Prof. Dr., ist Professorin für Philosophie am Hunter College und dem Graduate Center der City University of New York. Zu ihren Forschungsfeldern zählen die Kontinentalphilosophie des 19. und 20. Jahrhunderts, Critical Race Studies, Sozialphilosophische Epistemologie, Postkoloniale und Feministische Theorien sowie die Lateinamerikanische Philosophie. Linda M. Alcoff war Mitglied des Programmbeirats der New York Society for Women in Philosophy und Präsidentin der American Philosophical Association. Als Autorin schreibt sie regelmäßig für die New York Times, Aeon und New York Indypendent. Für ihre 2006 erschienene Publikation Visible Identities. Race, Gender and the Self (Oxford: Oxford University Press) erhielt Linda M. Alcoff den Frantz Fanon Preis der Carribean Philosophical Association. Zu ihren weiteren Buchveröffentlichungen zählen unter anderem: Rape and Resistance. Understanding the Complexities of Sexual Violation. Cambridge: Polity Press 2018; The Future of Whiteness. Cambridge: Polity 2015; The Routledge Companion to the Philosophy of Race. New York und London: Routledge 2018 (Hg. zusammen mit Paul Taylor and Luvell Anderson).

Die Vorlesungen finden auf Englisch statt.

Nähere Informationen zum Programm sowie zur Durchführung der Veranstaltung erscheinen demnächst auf der Webseite des IfS.

 

Donnerstag

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Bockenheim, Hörsaal IV

Adorno-Vorlesungen

Adorno-Vorlesungen

Seit 2002 veranstaltet das Institut für Sozialforschung in Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag jährlich Vorlesungen, die an drei Abenden an Theodor W. Adorno erinnern. In diesem Jahr widmet sich die Philosophin Linda Martín Alcoff der historischen und kulturellen Rekonstruktion von Race und damit verbundenen Identitäten: Welche Erfahrungen entstehen aus der konstitutiven Beziehung von Race, History and Culture? Wie sind bestimmte Vorstellungen von Race mit konkreten, regressiven wie progressiven, Praktiken und Lebensweisen verbunden? Und inwieweit braucht es neue Ansätze, um die Narrative des Rassismus und ihr Fortbestehen zu überwinden und gesellschaftliche Verhältnisse zu transformieren?

In ihrer ersten Vorlesung mit dem Titel The Historic Formation of Race untersucht Linda M. Alcoff die zeitlich und lokal variierenden Vorstellungen von Race und nimmt bislang unterbestimmte und fehlgeleitete Zusammenhänge in den Blick. Die Differenzkategorie Race, so Alcoff, ist nicht begrifflich falsch, ideologisch oder moralisch verwerflich, sondern entwickelte sich im Zuge historischer Ereignisse und erweist sich als durchweg sozial, kontextgebunden und dynamisch. Race umfasst gemeinsame Lebensformen, Subjektivierungsweisen und geteiltes Wissen, die aus der Kolonialgeschichte entstanden sind und bis in die Gegenwart fortdauern.

Unter dem Titel Cultural Racism wendet sich Alcoff in ihrer zweiten Vorlesung dem von Frantz Fanon in den 1950ern geprägtem Konzept des kulturellen Rassismus zu und entwickelt es auf Grundlage theoretischer und gesellschaftspolitischer Diskurse weiter: Einerseits legitimieren die rassistischen und kolonialen Ideologien bis heute Krieg, Enteignung und die Verweigerung von demokratischer Partizipation, anderseits eröffnet die kritische Reflexion des Konzepts die Möglichkeit einer antikolonialen und widerständigen Praxis sowie eine Reformierung sozialer Ideen und Praktiken. Alcoff zeigt, wie bestehende problematische Vorstellungen über den Globalen Süden zu überwinden sind, um Kulturen in ein neues, emanzipatorisches Verhältnis zueinander setzen zu können.

Zeitgleich geraten traditionelle, auf dem Nationalstaat beruhende Narrative durch soziale Bewegungen und öffentliche Forderungen zunehmend unter Druck: Die weiße Identität befindet sich in einer Krise. Die rassistische Abwehr und nationalistische Verweigerung der sowie die öffentlichen Angriffe auf die Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erben sind davon ebenso Ausdruck wie die immer noch in Alltagspraktiken und Lebensweisen verankerte, jetzt aber zu bröckeln beginnende Vorstellung einer weißen Vormachtstellung. In ihrer dritten Vorlesung The Crises of White Identity lokalisiert Alcoff progressive Gestaltungsräume in diesen Spannungsfeldern und zeigt Möglichkeiten der Transformation und für die gemeinsame Neugestaltung von Lebensweisen.

Linda Martín Alcoff, Prof. Dr., ist Professorin für Philosophie am Hunter College und dem Graduate Center der City University of New York. Zu ihren Forschungsfeldern zählen die Kontinentalphilosophie des 19. und 20. Jahrhunderts, Critical Race Studies, Sozialphilosophische Epistemologie, Postkoloniale und Feministische Theorien sowie die Lateinamerikanische Philosophie. Linda M. Alcoff war Mitglied des Programmbeirats der New York Society for Women in Philosophy und Präsidentin der American Philosophical Association. Als Autorin schreibt sie regelmäßig für die New York Times, Aeon und New York Indypendent. Für ihre 2006 erschienene Publikation Visible Identities. Race, Gender and the Self (Oxford: Oxford University Press) erhielt Linda M. Alcoff den Frantz Fanon Preis der Carribean Philosophical Association. Zu ihren weiteren Buchveröffentlichungen zählen unter anderem: Rape and Resistance. Understanding the Complexities of Sexual Violation. Cambridge: Polity Press 2018; The Future of Whiteness. Cambridge: Polity 2015; The Routledge Companion to the Philosophy of Race. New York und London: Routledge 2018 (Hg. zusammen mit Paul Taylor and Luvell Anderson).

Die Vorlesungen finden auf Englisch statt.

Nähere Informationen zum Programm sowie zur Durchführung der Veranstaltung erscheinen demnächst auf der Webseite des IfS.

 

Mittwoch

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Bockenheim, Hörsaal IV

Adorno-Vorlesungen

Adorno-Vorlesungen

Seit 2002 veranstaltet das Institut für Sozialforschung in Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag jährlich Vorlesungen, die an drei Abenden an Theodor W. Adorno erinnern. In diesem Jahr widmet sich die Philosophin Linda Martín Alcoff der historischen und kulturellen Rekonstruktion von Race und damit verbundenen Identitäten: Welche Erfahrungen entstehen aus der konstitutiven Beziehung von Race, History and Culture? Wie sind bestimmte Vorstellungen von Race mit konkreten, regressiven wie progressiven, Praktiken und Lebensweisen verbunden? Und inwieweit braucht es neue Ansätze, um die Narrative des Rassismus und ihr Fortbestehen zu überwinden und gesellschaftliche Verhältnisse zu transformieren?

In ihrer ersten Vorlesung mit dem Titel The Historic Formation of Race untersucht Linda M. Alcoff die zeitlich und lokal variierenden Vorstellungen von Race und nimmt bislang unterbestimmte und fehlgeleitete Zusammenhänge in den Blick. Die Differenzkategorie Race, so Alcoff, ist nicht begrifflich falsch, ideologisch oder moralisch verwerflich, sondern entwickelte sich im Zuge historischer Ereignisse und erweist sich als durchweg sozial, kontextgebunden und dynamisch. Race umfasst gemeinsame Lebensformen, Subjektivierungsweisen und geteiltes Wissen, die aus der Kolonialgeschichte entstanden sind und bis in die Gegenwart fortdauern.

Unter dem Titel Cultural Racism wendet sich Alcoff in ihrer zweiten Vorlesung dem von Frantz Fanon in den 1950ern geprägtem Konzept des kulturellen Rassismus zu und entwickelt es auf Grundlage theoretischer und gesellschaftspolitischer Diskurse weiter: Einerseits legitimieren die rassistischen und kolonialen Ideologien bis heute Krieg, Enteignung und die Verweigerung von demokratischer Partizipation, anderseits eröffnet die kritische Reflexion des Konzepts die Möglichkeit einer antikolonialen und widerständigen Praxis sowie eine Reformierung sozialer Ideen und Praktiken. Alcoff zeigt, wie bestehende problematische Vorstellungen über den Globalen Süden zu überwinden sind, um Kulturen in ein neues, emanzipatorisches Verhältnis zueinander setzen zu können.

Zeitgleich geraten traditionelle, auf dem Nationalstaat beruhende Narrative durch soziale Bewegungen und öffentliche Forderungen zunehmend unter Druck: Die weiße Identität befindet sich in einer Krise. Die rassistische Abwehr und nationalistische Verweigerung der sowie die öffentlichen Angriffe auf die Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erben sind davon ebenso Ausdruck wie die immer noch in Alltagspraktiken und Lebensweisen verankerte, jetzt aber zu bröckeln beginnende Vorstellung einer weißen Vormachtstellung. In ihrer dritten Vorlesung The Crises of White Identity lokalisiert Alcoff progressive Gestaltungsräume in diesen Spannungsfeldern und zeigt Möglichkeiten der Transformation und für die gemeinsame Neugestaltung von Lebensweisen.

Linda Martín Alcoff, Prof. Dr., ist Professorin für Philosophie am Hunter College und dem Graduate Center der City University of New York. Zu ihren Forschungsfeldern zählen die Kontinentalphilosophie des 19. und 20. Jahrhunderts, Critical Race Studies, Sozialphilosophische Epistemologie, Postkoloniale und Feministische Theorien sowie die Lateinamerikanische Philosophie. Linda M. Alcoff war Mitglied des Programmbeirats der New York Society for Women in Philosophy und Präsidentin der American Philosophical Association. Als Autorin schreibt sie regelmäßig für die New York Times, Aeon und New York Indypendent. Für ihre 2006 erschienene Publikation Visible Identities. Race, Gender and the Self (Oxford: Oxford University Press) erhielt Linda M. Alcoff den Frantz Fanon Preis der Carribean Philosophical Association. Zu ihren weiteren Buchveröffentlichungen zählen unter anderem: Rape and Resistance. Understanding the Complexities of Sexual Violation. Cambridge: Polity Press 2018; The Future of Whiteness. Cambridge: Polity 2015; The Routledge Companion to the Philosophy of Race. New York und London: Routledge 2018 (Hg. zusammen mit Paul Taylor and Luvell Anderson).

Die Vorlesungen finden auf Englisch statt.

Nähere Informationen zum Programm sowie zur Durchführung der Veranstaltung erscheinen demnächst auf der Webseite des IfS.

 

Donnerstag

Frankfurt am Main / hybrid (im Livestream)

Internationale Siegfried Kracauer-Konferenz, Tagungen, Konferenzen, Workshops

Internationale Siegfried Kracauer-Konferenz, Tagungen, Konferenzen, Workshops

Die Konferenz, die ursprünglich für Mai 2020 geplant war, findet vom 19.–21. Mai 2022 in Frankfurt am Main statt. Sie widmet sich dem breitgestreuten Werk Siegfried Kracauers und setzt sich zum Ziel, die unterschiedlichen Rezeptionsstränge in der Kulturwissenschaft, Literaturwissenschaft, Medientheorie, Philosophie und Soziologie synthetisierend zu erfassen und auf den systematischen Ertrag seines Gesamtwerks hin zu untersuchen. Gerahmt wird das Konferenzprogramm von Filmvorführungen, Lesungen und einem Stadtrundgang.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Mittwoch

Deutsches Filminstitut & Filmmuseum Frankfurt am Main

»Siegfried Kracauer: Film und Gesellschaft«

»Siegfried Kracauer: Film und Gesellschaft«

Kurzfilme von u. a. Penny Siopis und Nan Hoover

Vortrag: Heide Schlüpmann

anschließendes Gespräch mit Vinzenz Hediger und Chris Tedjasukmana

Wo ist der Ort der Filmtheorie? Im Kino, in der Filmkritik oder doch in der Wissenschaft? Mit Kracauer stellt sich diese Frage anders: Für ihn ist der Film das Reflexionsmedium par excellence und zugleich Ausgangspunkt für gesellschaftstheoretische Fragen. Dies zeigt Heide Schlüpmann anhand dokumentarischer Aufnahmen aus den 1910er und 1920er Jahren sowie Kurzfilmen von Penny Siopis und Nan Hoover.

Donnerstag

Osthafenforum im medico-Haus

Der Utopische Raum

Der Utopische Raum

Der Utopische Raum: Vortrag und Gespräch mit Franziska Martinsen über das Recht auf Teilhabe jenseits nationalstaatlicher Zugehörigkeit

Der aktuelle Menschenrechtsdiskurs ist zweischneidig: Einerseits steht er für emanzipatorische Ziele, andererseits werden gerade unter dem Banner der Menschenrechte Kriege geführt, die zur Stabilisierung der herrschenden Weltordnung beitragen. Was muss geschehen, um die Menschenrechte von ihrer postkolonialen Indienstnahme zu befreien? Was ist nötig, um das auf Gerechtigkeit zielende Potential der Menschenrechte zur Geltung zu bringen? Mit ihrem Vorschlag, den Menschenrechtskatalog um ein allgemeines Recht auf politische Teilhabe unabhängig von der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Staat zu erweitern, antwortet Franziska Martinsen auf die immer drängendere Frage, wie in der zunehmend von Migration geprägten Welt das fundamentale »Recht, Rechte zu haben« (Hannah Arendt), verwirklicht werden kann.

Bitte beachten Sie die Abstands- und Hygienehinweise vor Ort. Der Einlass erfolgt ab 18:15 Uhr – bitte nutzen Sie das Zeitfenster, damit sich die Ankunft der Gäste etwas verteilt.

Die Veranstaltung wird außerdem auf dem Youtube-Kanal von medico international gestreamt. Aktuelle Informationen finden Sie auch auf der entsprechenden Website von medico international.

Donnerstag

Online

Öffentliche Vorträge

Öffentliche Vorträge

Öffentliches Institutskolloquium mit Terry Williams

Im Rahmen seines Gastaufenthalts am IfS wird Terry Williams einen öffentlichen Vortrag halten und unter anderem über seine Neuerscheinung The Soft City. Sex for Business and Pleasure in New York City sprechen (erschienen im April 2022 bei Columbia University Press: http://cup.columbia.edu/book/the-soft-city/9780231177955).

Die Veranstaltung findet am 28. April um 18 Uhr online statt und kann per Zoom besucht werden:

https://us02web.zoom.us/j/85761604724?pwd=YzE3WkhWWUtGQkhGZ2piZUllSTN6UT09
Meeting-ID: 857 6160 4724
Kenncode unter: broll@em.uni-frankfurt.de
Donnerstag

Osthafenforum im medico-Haus

Der Utopische Raum

Der Utopische Raum

Der Utopische Raum: Vortrag und Gespräch mit Aram Ziai über dekoloniale Alternativen zur herrschenden Entwicklungspolitik

Das herkömmliche Konzept von »Entwicklung« und »Unterentwicklung« gründet sich auf eine »Erfindung«, die Mitte des 20. Jahrhunderts aufkam, um die formal unabhängig werdenden Kolonien in Abhängigkeit zu halten. Das koloniale Überlegenheitsdenken, das in ihm zum Ausdruck kommt, ist bis heute zu spüren. Selbst das an sich sympathische Motto: »Leave no one behind!« suggeriert, dass »wir« voranschreiten und »die anderen« hinterherhinken. Nicht um die Bekämpfung von Macht und Folgen struktureller Gewalt geht es dann, sondern um das Abmildern bestehender Missstände und andere affirmative Anpassungsleistungen. »Post-Development« dagegen drängt auf eine Re-Politisierung von Ungleichheit, auf Alternativen zu hegemonialen Modellen von Wirtschaft, Politik und Wissen und auf ein Leben in Würde für alle.

Bis zu 70 Personen können voraussichtlich live vor Ort an der Veranstaltung teilnehmen, sofern sie gegen Covid-19 geimpft, genesen oder vor maximal 48 Stunden negativ per PCR-Untersuchung getestet worden sind und einen entsprechenden Nachweis vorlegen. Bitte beachten Sie die Abstands- und Hygienehinweise vor Ort. Der Einlass erfolgt ab 18:15 Uhr – bitte nutzen Sie das Zeitfenster, damit sich die Ankunft der Gäste etwas verteilt.

Die Veranstaltung wird außerdem auf dem Youtube-Kanal von medico international gestreamt. Aktuelle Informationen finden Sie auch auf der entsprechenden Website von medico international.

Mittwoch

Deutsches Filminstitut & Filmmuseum Frankfurt am Main

»Siegfried Kracauer: Film und Gesellschaft«

»Siegfried Kracauer: Film und Gesellschaft«

USA 2002

Regie: Wayne Wang, 105 Minuten, OmU

Einführung: Leonie Hunter, Almut Poppinga

Die kleinen Ladenmädchen gehen ins Kino — und gucken »Maid in Manhattan«. »Kein Kitsch kann erfunden werden, den das Leben nicht überträfe«, stellt Kracauer mit Blick auf die Filmindustrie seiner Zeit ideologiekritisch fest. »Maid in Manhattan« mit Kracauer anzusehen, bedeutet daher, die romantische Komödie als Spiegel der bestehenden Gesellschaft ernst zu nehmen und die gegenwärtigen Illusionen des liberalen Versprechens des Klassenaufstiegs zu analysieren.

Mittwoch

Deutsches Filminstitut & Filmmuseum Frankfurt am Main

»Siegfried Kracauer: Film und Gesellschaft«

»Siegfried Kracauer: Film und Gesellschaft«

Deutschland 1920

Regie: Robert Wiene, 72 Minuten, Musikfassung

Einführung: Daniel Fairfax, Nora Neuhaus

Als eines der prominentesten Beispiele des deutschen Expressionismus im Kino war »Das Cabinet des Dr. Caligar«i bereits zu seiner Zeit als ein Meilenstein der Filmgeschichte anerkannt. Teilweise wurde er jedoch auch verabscheut. Kracauers filmgeschichtliche Abhandlung »Von Caligari zu Hitler« (1947) hat diesen kontroversen Ruf des Films noch verstärkt, indem er ihn als Musterbeispiel der erkrankten deutschen Seele und Vorzeichen des Nationalsozialismus kritisierte. Doch der Film von Robert Wiene kann aufgrund seiner Machart in weiteren Hinsichten interpretiert werden. So lässt sich »Caligari« ausgehend von der eklektischen Heterogenität des filmischen Stils und der fast unendlichen Mehrdeutigkeit der Erzählung mit und gegen Kracauer deuten.

Mittwoch

Deutsches Filminstitut & Filmmuseum Frankfurt am Main

»Siegfried Kracauer: Film und Gesellschaft«

»Siegfried Kracauer: Film und Gesellschaft«

Frankreich/Deutschland 2016

Regie: François Ozon, 114 Minuten, OmU

Einführung: Juliana Müller, Jochen Schuff

»Zusammen mit Fotografie ist Film die einzige Kunst, die ihr Rohmaterial mehr oder weniger intakt lässt«, heißt es bei Kracauer. Von unserem Erinnerungsvermögen kann dies dagegen nicht behauptet werden. Frantz, ein realfiktives, queeres Retro-­Melodram, befragt die Authentizität sowohl des Films als auch der Erinnerung: Durch Überlagerung von narrativen und ästhetischen Ebenen entsteht eine Distanz zum gezeigten Geschehen, in der die Frage nach authentischer Darstellung von Erinnerung und physischer wie emotionaler Bindung verhandelbar wird.

Donnerstag

Online

Tagungen, Konferenzen, Workshops

Tagungen, Konferenzen, Workshops

Der Salon bietet interessierten Wissenschaftler:innen einen Raum, um in einen inhaltlichen Austausch darüber zu treten, wie eine intersektionale Forschungsperspektive mit der Dokumentarischen Methode verbunden werden kann. In der Forschungspraxis erfolgt dies oftmals implizit. Aufgrund der unterschiedlichen theoretischen Verortung der beiden Forschungstraditionen sind methodisch-methodologische Fragen jedoch weitgehend offen.

 

Programm:


Ein Impulsvortrag wird die Fragestellung des Salons sowohl aus methodisch-methodologischer Perspektive als auch aus dem Blickwinkel der Forschungspraxis diskutieren.

Anschließend ist ein runder Tisch mit weiteren Referent:innen geplant, um genügend Raum für eine Diskussion zu geben.


14:00 – 14:45 Uhr Begrüßung, Forschungsstand und Forschungsdesiderate
15:00 – 16:30 Uhr Impulsvortrag von Katharina Hametner
17:00 – 18:30 Uhr Runder Tisch mit Nicolle Pfaff, Karin Schittenhelm, Kevin Stützel, Anja Weiß
19:00 – 19:45 Uhr Abschlussdiskussion


Die Veranstaltung wird als Online-Format durchgeführt.


Anmeldung bitte bis zum 13.03.2022 an:
salonintersektionalitaet@gmail.com


Organisationsteam:


Annette Hilscher (Goethe-Universität Frankfurt)
Marah Theuerl (Justus-Liebig-Universität Gießen)
Katrin Springsgut (Goethe-Universität Frankfurt)
Carolin Mauritz (Institut für Sozialforschung Frankfurt)

 

Flyer der Veranstaltung

Mittwoch

Deutsches Filminstitut & Filmmuseum Frankfurt am Main

»Siegfried Kracauer: Film und Gesellschaft«

»Siegfried Kracauer: Film und Gesellschaft«

Kurzfilme von u. a. Peggy Ahwesh, Klara Lidén und Chantal Akerman

Performance: Lena Appel, Anneliese Ostertag und Amina Szecsödy

Die Performance »Rear Windows« erforscht die Beziehung zwischen Theater, Liveness und Kino ausgehend von der Interaktion mit der Kinoleinwand. Im Sinne des Künstlers und Kurators Ian White (1971–2013) sowie Kracauers Methode der Kritik, die er insbesondere in »Die Angestellten« (1930) erarbeitete, geht »Rear Windows« der Frage nach, wie das, was wir sehen, von dem geprägt wird, womit wir es sehen. Daraus folgt eine essayistische Reflexion über Kino und Performance als jeweils spezifischen Kunstformen.

Mittwoch

Deutsches Filminstitut & Filmmuseum Frankfurt am Main

»Siegfried Kracauer: Film und Gesellschaft«

»Siegfried Kracauer: Film und Gesellschaft«

USA/Frankreich/UK 2013

Regie: Lucien Castaing-Taylor und Véréna Paravel

Dokumentarfilm, 87 Minuten, OmU

Einführung: Felix Trautmann

Ein Fischtrawler im Nordatlantik auf dem Weg durch die Nacht. Wogende Wellen, stürmischer Wind, Schwärme von Möwen, Maschinengetöse und zwischendrin: arbeitende und erschöpfte menschliche Körper, lebende und Unmengen toter Fische. Leviathan konfrontiert uns mit dem Alltag der Hochseefischerei. Als experimenteller, fast künstlerischer Dokumentarfilm eröffnet er zugleich eine post-anthropozentrische Perspektive auf das Leben in seiner unendlich zerstreuten, fragilen Materialität, zu der Kracauer zufolge der Film eine besondere Affinität hat.

Mittwoch

Deutsches Filminstitut & Filmmuseum Frankfurt am Main

»Siegfried Kracauer: Film und Gesellschaft«

»Siegfried Kracauer: Film und Gesellschaft«

Spanien 2008

Regie: Albert Serra, 98 Minuten, OmeU

Einführung: Anne Gräfe

Nur vordergründig stellt »El Cant dels Ocells« ein Re-Enactment der wohlbekannten Reise dreier Könige zur Heiligen Familie dar. Zwar wird in langen Kameraeinstellungen die Suche nach dem Weg zum richtigen Stall gezeigt, doch nur wenig ist über die drei Weisen bekannt. Subtil zeigt der Film warum: denn mitunter kann eine solche Reise sehr langatmig, langweilig und uninteressant sein. Durch die Brille Kracauers wird erkennbar, wie im Film die Weihnachtsgeschichte mittels Langeweile als Enthüllungsgeschichte erzählt wird.

Donnerstag

hybrid

Der Utopische Raum

Der Utopische Raum

Der Utopiche Raum: Diskussion mit Kollektiv Ararat, Jeanette Ehrmann, Elke Sh. Hartmann und Veronika Zablotsky

Bereits über hundert Jahre liegt die gewaltsame Verfolgung und Ermordung von Armenier*innen und anderen christlichen Minderheiten im Osmanischen Reich zurück. Die Erinnerung an die Ereignisse sowie an das armenische Leben vor und nach dem Genozid verbinden bis heute die globale Diaspora der Armenier*innen. Sie findet sich dabei noch immer mit einer offiziellen Leugnungspolitik konfrontiert, die nicht nur vom türkischen Staat ausgeht, sondern sich auch in der Migrationsgesellschaft verschiedentlich äußert. Das Gespräch widmet sich der Frage, welche Formen der Geschichtsschreibung und Zeug*innenschaft nötig sind, verhandelt erinnerungspolitische Kämpfe und stellt Initiativen und Perspektiven vor, die das Schweigen überwinden und Wege in ein solidarisches Miteinander weisen.

Bis zu 30 Personen können voraussichtlich live vor Ort an der Veranstaltung teilnehmen, sofern sie gegen Covid-19 geimpft oder genesen sowie zusätzlich tagesaktuell getestet sind oder eine Booster-Impfung erhalten haben und am Einlass entsprechende Nachweise vorlegen (2G-Plus-Regelung). Bitte beachten Sie die Abstands- und Hygienehinweise vor Ort; während der Veranstaltung muss eine medizinische Maske getragen werden. Der Einlass erfolgt ab 18:30 Uhr – bitte nutzen Sie das Zeitfenster, damit sich die Ankunft der Gäste etwas verteilt.

Die Veranstaltung wird außerdem auf dem Youtube-Kanal von medico international gestreamt. Aktuelle Informationen finden Sie auch auf der entsprechenden Website von medico international.

Mittwoch

Deutsches Filminstitut & Filmmuseum Frankfurt am Main

»Siegfried Kracauer: Film und Gesellschaft«

»Siegfried Kracauer: Film und Gesellschaft«

Deutschland 1923

Regie: Karl Grune, 74 Minuten, OF

Klavierbegleitung: Uwe Oberg

Einführung: Sebastian Staab, Franziska Wildt

Ein Kleinbürger entflieht dem Heim und folgt den Reizen der Straße, wo er in einen Mord verwickelt wird. In »Die Straße« verbindet Karl Grune gekonnt Expressionismus und Realismus. Kracauer nennt den Film eine Meisterleistung, weist aber auch auf dessen ideologischen Zug hin: Die Gefahr der Straße führt zum Ruf nach Autorität.

Montag

Online

Öffentliche Vorträge

Öffentliche Vorträge

Ringvorlesung »Turbulente Psyche[n]«

Sehnsucht nach der Revolution für das Leben

mit Eva von Redecker (GER), Nadia Mahmood (IRQ)

++ Veranstaltung findet online statt ++  

Informationen zur Anmeldung finden Sie hier

Montag, 18 – 20 Uhr

Donnerstag

Hybrid

Der Utopische Raum

Der Utopische Raum

Der Utopische Raum: »Wege zu einem literarischen Kosmopolitismus« mit Hadija Haruna-Oelker, Haytham El-Wardany, Sandra Hetzl, Ilija Trojanow u. a.

Literatur schafft Verbindungen. Sie bringt Zusammenhänge zwischen Kolonialismus und Rassismus, ökologischen Krisen und Ausbeutung des Globalen Südens sowie Strukturen von Diskriminierung ebenso zur Sprache wie die Suche nach alternativen Gesellschafts- und Lebensentwürfe. Damit an die Stelle von Klischees angemessenere Bilder der Welt treten können, bedarf es der Auseinandersetzung mit außereuropäischen Künsten und ihren ästhetischen Kategorien. Gefragt sind die Stimmen derjenigen, die bisher allzu oft nur von außen beschrieben wurden. Den eurozentrischen Kanon in der Literatur zu überwinden, ist Teil der großen kosmopolitischen Arbeit an neuen gemeinsamen Narrativen.

Bis zu 30 Personen können voraussichtlich live vor Ort an der Veranstaltung teilnehmen, sofern sie gegen Covid-19 geimpft oder genesen sowie zusätzlich tagesaktuell getestet sind oder eine Booster-Impfung erhalten haben und am Einlass entsprechende Nachweise vorlegen (2G-Plus-Regelung). Bitte beachten Sie die Abstands- und Hygienehinweise vor Ort; während der Veranstaltung muss eine medizinische Maske getragen werden. Der Einlass erfolgt ab 18:30 Uhr – bitte nutzen Sie das Zeitfenster, damit sich die Ankunft der Gäste etwas verteilt.

Die Veranstaltung wird außerdem auf dem Youtube-Kanal von medico international gestreamt. Aktuelle Informationen finden Sie auch auf der entsprechenden Website von medico international.

Mittwoch

Online

Adorno-Vorlesungen

Adorno-Vorlesungen

Wie wurden die moralpolitischen Debatten um den Wert von Leben mit Behinderung in Deutschland vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart geführt? In einem Zeitraum, in dessen Mitte der nationalsozialistische Massenmord stand? Die Zeithistorikerin Dagmar Herzog spannt in ihren Vorlesungen einen Bogen von der fürsorglich-paternalistischen Pflege in christlichen Heilanstalten vor 1900 bis zur Abwehr der AfD-Angriffe in den 2010er Jahren. Moderiert werden die drei Vorlesungen von Prof. Dr. Martin Saar, der an der Goethe-Universität politische Philosophie lehrt.

Wie konnte sich ein theologisches Paradigma, dem zufolge sich Gott besonders unter den Allerschwächsten entfaltet, in ein verbrecherisches Denken verkehren? Und wie hängt dies mit der Irritation über eine (angeblich jüdisch forcierte) sexuelle Liberalisierung in der Weimarer Zeit zusammen? Wie haben sich in der Nachkriegszeit doch Argumente für den Wert des Lebens mit Behinderung durchgesetzt, so dass heute Menschen mit Behinderung als Subjekte respektiert und nicht mehr als Objekte der Fürsorge oder der Diskriminierung geringgeschätzt werden? Diesen Fragen geht Herzog nach, sie nimmt dabei drei sich überlappende Zeitspannen in den Blick und zeigt, dass die komplexe Beziehung zwischen Tatsachen und Interpretation bis heute eine zentrale Rolle für den Umgang der gesellschaftlichen Mehrheit mit Behinderung spielt.

Dagmar Herzog ist Distinguished Professor of History am Graduate Center der City University of New York. Sie hat zahlreiche Bücher zur Geschichte der Religion, zur Sexual- und Geschlechtergeschichte in der Moderne geschrieben. Für ihre Forschung wurde sie 2014 mit dem Distinguished Achievement Award der Holocaust Educational Foundation ausgezeichnet.

Die Frankfurter Adorno-Vorlesungen
Seit 2002 veranstaltet das Institut für Sozialforschung in Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag jährlich Vorlesungen, die an drei Abenden an Theodor W. Adorno erinnern sollen. Dabei geht es nicht um eine philologische Ausdeutung seines Werks, sondern darum, seinen Einfluss auf die heutige Theoriebildung in den Humanwissenschaften zu fördern und die lebendigen Spuren seines interdisziplinären Wirkens in den fortgeschrittenen Strömungen von Philosophie sowie Literatur-, Kunst- und Sozialwissenschaften sichtbar zu machen.

Mittwoch

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Bockenheim, Hörsaal IV

Adorno-Vorlesungen

Adorno-Vorlesungen

Als »Kraft zum Widerstand« hat Adorno das Denken in seiner Rundfunksendung Resignation von 1969 bestimmt. Allerdings sei ein »solcher emphatischer Begriff von Denken [...] nicht gedeckt, weder von bestehenden Verhältnissen noch von zu erreichenden Zwecken«. In seinem Nachruf auf Adorno im selben Jahr stellte Jürgen Habermas die aus seiner Sicht bei Horkheimer und Adorno offengebliebene Frage, »wie kritisches Denken selber zu rechtfertigen« sei. Heute, 50 Jahre später, hat diese Frage für diejenigen, die in Adornos philosophischem Erbe Anregung für kritisches Denken und Widerstand suchen, nichts von ihrer Dringlichkeit verloren: Welches sind die Quellen der Normativität in Adornos Philosophie?
An drei Abenden wird Peter E. Gordon allgemeine Überlegungen zu Adornos Leben und Werk entwickeln und die drei wichtigsten Koordinaten seiner Philosophie – Materialismus, Metaphysik und Ästhetik – behandeln. Dabei wird er sich auf die umstrittene Frage konzentrieren, wie sich die kritischen Energien in Adornos Denken rechtfertigen lassen, sowie die Frage erörtern, ob die drei Koordinaten einer gemeinsamen Quelle entstammen.

Peter E. Gordon ist Amabel B. James Professor für Geschichte und zugleich Mitglied des Instituts für Philosophie an der Harvard University. Zu seinen Buchveröffentlichungen zählen: Continental Divide. Heidegger, Cassirer, Davos. Cambridge u. a.: Harvard University Press 2010; Adorno and Existence. Cambridge u. a.: Harvard University Press 2016; Authoritarianism. Three Inquiries in Critical Theory. Chicago und London: The Chicago University Press 2018 (zusammen mit Wendy Brown und Max Pensky); The Routledge Companion to the Frankfurt School. New York und London: Routledge 2018 (hg. zusammen mit Espen Hammer und Axel Honneth). Auf Deutsch ist von Peter E. Gordon erschienen: Kritische Theorie zwischen dem Heiligen und dem Profanen, in: WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung 13. 1, 2016, 3–33.

Die Vorlesungen finden in englischer Sprache statt.

Die Frankfurter Adorno-Vorlesungen
Seit 2002 veranstaltet das Institut für Sozialforschung in Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag jährlich Vorlesungen, die an drei Abenden an Theodor W. Adorno erinnern. Dabei ging es bisher ganz ausdrücklich nicht um eine Ausdeutung seines Werks, sondern darum, seinen Einfluss auf die heutige Theoriebildung in den Humanwissenschaften zu fördern und die lebendigen Spuren seines interdisziplinären Wirkens in den fortgeschrittenen Strömungen der Philosophie, der Literatur-, Kunst- und Sozialwissenschaften sichtbar zu machen. Anders in diesem Jahr: Aus Anlass des 50. Jahrestages von Adornos Tod am 6.August 1969 sind die Vorlesungen einer expliziten Auseinandersetzung mit seinem Werk gewidmet.

Mittwoch

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Bockenheim, Hörsaal IV

Adorno-Vorlesungen

Adorno-Vorlesungen

Industriearbeiterinnen und Industriearbeiter bildeten in den meisten Ländern Westeuropas Mitte der 1970er Jahre die größte Statuskategorie in den amtlichen Statistiken, heute beträgt ihr Anteil an der aktiv erwerbstätigen Bevölkerung noch zwischen 18 und 25 Prozent. Hinter diesen Zahlen verbergen sich tiefgreifende Veränderungen im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gefüge. Vor allem die Fabriken der sogenannten »alten« Industrien, Stahlwerke, Kohlenzechen, Schiffswerften und Textilfabriken, sind im Zuge des krisenbeschleunigten Strukturwandels der 1970er und 1980er Jahre ver-
schwunden. Viele der in der Industrie Entlassenen fanden nur mühsam oder gar keine neue Stelle mehr. Die Deindustrialisierung ging mit einer Zunahme des allgemeinen Konsumniveaus und Lebensstandards einher, die auf einem anhaltenden Wachstum der Produktivität von Landwirtschaft und Industrie beruht. Diese Produktivitätssteigerungen schufen erst die Voraussetzungen für die Schaffung neuer Arbeitsplätze im sogenannten »tertiären« Sektor, in dem heute mehr Menschen beschäftigt sind und ein größerer Anteil am Bruttosozialprodukt erwirtschaftet wird als in der Industrie: Finanzdienstleistungen und industriebezogene Forschung, Bildung und Wissenschaft, Gesundheit und öffentliche Verwaltung. Die Nebenfolgen der erfolgreichen Umstellungen auf »postindustrielle« oder »Dienstleistungsgesellschaften« mit einem internationalen Finanzdienstleistungssektor zeichneten sich allerdings schon von Anfang an ab: wachsende Ungleichheit, abgehängte Regionen und eine tiefgreifende Spaltung der Gesellschaft.
Lutz Raphael zeichnet in seinen Adorno-Vorlesungen das Bild eines sozialen Wandels von revolutionärer Qualität. Er entfaltet eine vielschichtige Analyse der gesellschaftlichen Umbrüche im Gefolge der Deindustrialisierung in Deutschland, Frankreich und Großbritannien seit den 1970er und 1980er Jahren und entwirft dabei zugleich eine Problemgeschichte unserer eigenen Gegenwart.
Lutz Raphael ist seit 1996 Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Trier. Er ist unter anderem Mitglied der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften sowie der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur. 2013 wurde Lutz Raphael mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet. Die wichtigsten Forschungsfelder und -themen von Lutz Raphael sind Moderne Sozialgeschichte und Geschichte der Geschichtswissenschaft im 19. und 20. Jahrhundert, Geschichte der Intellektuellen in Europa im 20. Jahrhundert, Entwicklung westeuropäischer Industriegesellschaften im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts, Nationalismus und Imperialismus, Armut und Migration.

Die Frankfurter Adorno-Vorlesungen

Seit 2002 veranstaltet das Institut für Sozialforschung in Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag jährlich Vorlesungen, die an drei Abenden an Theodor W. Adorno erinnern sollen. Dabei geht es nicht um eine philologische Ausdeutung seines Werks, sondern darum, seinen Einfluss auf die heutige Theoriebildung in den Humanwissenschaften zu fördern und die lebendigen Spuren seines interdisziplinären Wirkens in den fortgeschrittenen Strömungen der Philosophie, der Literatur-, Kunst- und Sozialwissenschaften sichtbar zu machen.

Mittwoch

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Bockenheim, Hörsaal IV

Adorno-Vorlesungen

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»Difference without Domination«: In this lecture, Allen revisits the relationship between negative and positive rights and makes the case for treating the latter, as well as the former, as non-sacrificeable (in contrast to the view of John Rawls). The result is the addition to a theory of justice of the principle of »difference without domination«, and a revised account of the right of association constrained by this principle.
»Toward a Connected Society«: In this lecture, Allen spells out the implications of the »difference without domination« principle for issues of social cohesion, social policy and political equality in conditions of great social diversity. She argues that the goal of egalitarian social policy should be the construction of a »connected society«, that increases the rate at which bridging social ties form.
»Empowering Economies«: In this lecture, Allen revisits the principle of »difference without domination« in relation to the economy, focusing now on a related principle of »hierarchy without domination«. She pursues the question of the nature of economic and labor relations necessary to protect political equality for workers.
Danielle Allen ist James Bryant Conant-Professorin am Department of Government an der Harvard University sowie Direktorin des Edmond J. Safra Center for Ethics ebendort. Als Politikwissenschaftlerin und Altphilologin arbeitet sie im Feld der Politischen Theorie, ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Demokratietheorie, der politischen Soziologie und der politischen Ideengeschichte. Ihre Arbeit beschäftigt sich insbesondere mit der Frage politischer Gleichheit von der Antike bis zur Gegenwart. Zu ihren Veröffentlichungen zählen The World of Prometheus: The Politics of Punishing in Democratic Athens (2000), Talking to Strangers: Anxieties of Citizenship since Brown vs. the Board of Education (2004) und Why Plato Wrote (2010). Für ihr Buch Our Declaration: A Reading of the Declaration of Independence in Defense of Equality (2014) wurde Danielle Allen 2015 mit demChicago Tribune Heartland Prize, dem Francis Parkman Prize und dem Zócalo Book Prize ausgezeichnet. Sie schreibt regelmäßig Kolumnen für die Washington Post.

Die Vorlesungen finden in englischer Sprache statt.

Die Frankfurter Adorno-Vorlesungen
Seit 2002 veranstaltet das Institut für Sozialforschung in Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag jährlich Vorlesungen, die an drei Abenden an Theodor W. Adorno erinnern sollen. Dabei geht es nicht um eine philologische Ausdeutung seines Werks, sondern darum, seinen Einfluss auf die heutige Theoriebildung in den Humanwissenschaften zu fördern und die lebendigen Spuren seines interdisziplinären Wirkens in den fortgeschrittenen Strömungen der Philosophie, der Literatur-, Kunst- und Sozialwissenschaften sichtbar zu machen.

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Adorno-Vorlesungen

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Das Leben gilt, in Adornos Worten, seit unvordenklichen Zeiten als der eigentliche Bereich der Philosophie, deren unentwegte Frage die nach dem richtigen und guten Leben ist. Seit wenig mehr als einem Jahrhundert ist das Leben aber auch zu einem wichtigen Forschungsgegenstand der Sozialwissenschaften geworden, und zwar sowohl unter biografischen wie unter biologischen Gesichtspunkten. Auf der Grundlage seiner Forschungen, die er in den vergangenen zwei Jahrzehnten auf drei Kontinenten durchgeführt hat, regt Didier Fassin einen kritischen Dialog zwischen Philosophie und Sozialforschung an. Zur Debatte stehen drei Konzepte, welche die Ungleichheit von Leben erklären: Unter dem Titel »Formen des Lebens« untersucht er die widersprüchlichen Interpretationen von Ludwig Wittgensteins kaum bestimmtem Begriff des Lebens vor dem Hintergrund der Spannungen zwischen spezifischen Existenzweisen und geteilter conditio humana. Unter der Überschrift »Ethik des Lebens« beschäftigt er sich mit Walter Benjamins Idee der Heiligkeit des Lebens als höchstem Gut, indem er sie konfrontiert mit den Ungleichheiten und Verschiedenheiten, die den faktischen Wert menschlicher Leben bestimmen. Unter dem Stichwort »Politik des Lebens« erkundet Didier Fassin die blinden Flecke in Michel Foucaults Konzept der Biopolitik, indem er die Materie und die Bedeutung von Lebensweisen jenseits der Technologien, die sie beherrschen, in die Diskussion zurückholt. Diese Diskussion, die quer durch die Disziplinen führt, nährt sich von ethnografischen Fallstudien, die zeigen, wie Leben in verschiedenen kulturellen und historischen Kontexten unterschiedlich betrachtet und erfahren wird. Sie lädt überdies dazu ein, im Gespräch mit Literatur darüber nachzudenken, was es bedeutet, über das Leben und Formen des menschlichen Lebens zu schreiben. Am Ende sind die Vorlesungen ein Versuch, sich aus der Perspektive einer kritischen Ethnologie mit der Frage nach dem Leben in gegenwärtigen Gesellschaften zu befassen.
Didier Fassin ist James D. Wolfensohn Professor für Sozialwissenschaft am Institute for Advanced Study in Princeton und Studiendirektor an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris. Als Ethnologe, Soziologe und Mediziner war Didier Fassin Gründungsdirektor des Interdisziplinären Forschungsinstituts für Sozialwissenschaften (IRIS) am französischen Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS). Zurzeit ist er zudem Gastprofessor an der Princeton University sowie Honorarprofessor an der Universität von Hongkong. Sein Hauptforschungsgebiet ist die politische und moralische Ethnologie. Dabei hat er insbesondere über Formen von Ungleichheit und Ungerechtigkeit in Frankreich, im subsaharischen Afrika und in Lateinamerika gearbeitet. Ausgezeichnet mit einem Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) hat Didier Fassin kürzlich eine ethnografische
Studie über den Staat, die Polizei, die Justiz und das Gefängnis durchgeführt. Er war Vizepräsident von Ärzte ohne Grenzen und ist gegenwärtig Präsident des französischen Comité Médical pour les Exilés (COMEDE). In diesem Frühjahr wurde ihm die Goldene Medaille der Schwedischen Gesellschaft für Anthropologie und Geografie verliehen.

Die Vorlesungen finden in englischer Sprache statt.

Die Frankfurter Adorno-Vorlesungen
Seit 2002 veranstaltet das Institut für Sozialforschung in Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag jährlich Vorlesungen, die an drei Abenden an Theodor W. Adorno erinnern sollen. Dabei geht es nicht um eine philologische Ausdeutung seines Werks, sondern darum, seinen Einfluss auf die heutige Theoriebildung in den Humanwissenschaften zu fördern und die lebendigen Spuren seines interdisziplinären Wirkens in den fortgeschrittenen Strömungen der Philosophie, der Literatur-, Kunst- und Sozialwissenschaften sichtbar zu machen.

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Sowohl die sich als autonom verstehende Kunst der Hochmoderne als auch die populären Massen künste sehen sich dem Vorwurf der Folgenlosigkeit ausgesetzt. Die autonome Kunst verzichte darauf, auf gesellschaftliche Prozesse einzuwirken, die Kulturindustrie wiederum sediere die Massen und verhindere so, dass deren Genussfähigkeit zu Selbstverständigung und erkenntnis führe und auf diese Weise gesellschaftliche Folgen zeitige. Meistens sind diese Vorwürfe von Künstler_innen und anderen Praktiker_innen und Theoretiker_innen artikuliert worden, aber auch eine antielitär argumentierende sozialdemokratische Kulturpolitik glaubt entschieden an eine unmittelbare Mobilisierung des Publikums.
Diedrich Diederichsen zeigt, dass die sehr unterschiedlichen Angriffe auf die Folgenlosigkeit der Künste ganz unterschiedliche Defizite oder auch Eigentümlichkeiten künstlerischer Praxis kritisieren, aber im Laufe der letzten gut 50 Jahre zusammengeschossen sind zu einem Konsens des Übergriffs und des Eingriffs, wie ihn »folgenreiche«, in das Alltagsleben hineinreichende neue Formate – meditative Minimal Music oder zum politischen Kampf ermutigende oder einpeitschen de People’s Bands, aktivistische und aktionistische Kunst, das Publikum einladende oder beschämende Theaterformen – immer wieder aufgenommen haben. Diese Formate haben ihre eigenen ästhetischen Werte und Bedingungen ihres Gelingens, und sie überspannen die einstigen Gegen
sätze von hoher und populärer Kunst: Sie haben sich von den Spezifika ihrer ursprünglichen Kritik und deren Genealogie abgetrennt und leben als nachpopuläre Künste weiter.
In den drei Vorlesungen wird je eine ursprünglich gegen Folgenlosigkeit gerichtete kritische Stoßrichtung rekonstruiert; es wird darum gehen, die neuen Formen und Formate qualitativ zu diskutieren und dabei freiwillige und unfreiwillige ästhetische Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten.
Diedrich Diederichsen ist Professor für Theorie, Praxis und Vermittlung von Gegenwartskunst an der Akademie der Bildenden Künste Wien. Nach seinem Studium an der Universität Hamburg (Hispanistik, Neuere Deutsche Literatur und Philosophie) arbeitete er seit 1979 bei der Zeitschrift Sounds; 1985 wurde er Redakteur der Musik und Popkulturzeitschrift Spex. Es folgten Dozenturen und Professuren unter anderem an der Merz Akademie, Stuttgart, am Art Center College of Design, Pasadena, an der Akademie der Bildenden Künste, München, an der BauhausUniversität, Weimar, und der Universität Wien. Daneben arbeitet Diederichsen als Kurator, Journalist und Autor. Er ist in verschiedenen Gremien und Jurys als Berater tätig. Im vergangenen Jahr ist von ihm das vielfach als Opus magnum gewürdigte Buch erschienen: Über PopMusik. Köln: Kiepenheuer + Witsch 2014.

Die Frankfurter Adorno-Vorlesungen
Seit 2002 veranstaltet das Institut für Sozialforschung in Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag jährlich Vorlesungen, die an drei Abenden an Theodor W. Adorno erinnern sollen. Dabei geht es nicht um eine philologische Ausdeutung seines Werks, sondern darum, seinen Einfluss auf die heutige Theoriebildung in den Humanwissenschaften zu fördern und die lebendigen Spuren seines interdisziplinären Wirkens in den fortgeschrittenen Strömungen der Philosophie, der Litera tur, Kunst und Sozialwissenschaften sichtbar zu machen.